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Steuerung der Eigenanlage
Direktanlagen und Zinsdisposition der Sparkassen

Die Ergebnisse der letzten Umfrage zur Zinsbuchdisposition bewertet Matthias Kowallik, Leiter Vertrieb Institutionelle Kunden Sparkassen und Finanzinstitute.

Deka Institutionell führt gemeinsam mit den Sparkassen halbjährlich eine Befragung zur Zinsdisposition durch. Die Ergebnisse der Umfrage liefern den teilnehmenden Sparkassen einen umfassenden Blick auf die aktuellen Allokationsüberlegungen (siehe Abb. 1). Die Deka optimiert auf Basis der Ergebnisse ihre Unterstützungsdienstleistungen für Eigenanlagen und die Zinsbuchoptimierung. Im ersten Quartal 2019 haben 142 Sparkassen ihre Einschätzungen abgegeben.

Abb. 1
Soll die Allokation Ihres Direktanlage-Portfolios verändert werden?

  mehr unverändert weniger kein Bestand keine Angabe
High Grade / Investment Grade Credit 13,38 43,66 2,82 35,92 4,23
High Yield 7,04 28,87 3,52 56,34 4,23
Emerging Markets 7,04 26,06 1,41 61,27 4,23
Ungedeckte Bankanleihen 11,97 51,41 23,94 11,27 1,41
Senior Preferred bzw. OpCo-Emissionen 37,32 31,69 3,52 19,72 7,75
Senior Non Preferred bzw. Hold Co-Emissionen 7,75 40,85 25,35 19,72 6,34
Solva-0-Papiere aus der Kernunion 13,38 76,76 6,34 2,11 1,41
Solva-0-Papiere aus der Peripherie 18,31 46,48 0,70 30,99 3,52
Deutsche Pfandbriefe 18,31 62,68 9,15 7,75 2,11
Europäische Covered Bonds 25,35 30,28 2,11 38,03 4,23

142 Teilnehmer, Angabe in % (gerundete Werte)

Zinssätze verlängern Laufzeiten

Zentrale Steuerungsgröße in den Sparkassen bleibt das Zinsbuch, das über den Zinsbuchbarwert und Hebel (noch) zu erheblichen Ergebnisbeiträgen führt. Gemessen an der Bilanzsumme machte das Zinsbuch der 244 Sparkassen, die 2018 am Deka-Treasury Kompass teilgenommen haben, im Mittel 12,08 Prozent aus.

 

Die Ergebnisse zeigen, dass durch die weiterhin sinkenden Zinssätze die Laufzeiten in der Direktanlage tendenziell etwas verlängert werden. Mehr als Dreiviertel der Sparkassen gaben an, dass die Laufzeit unverändert bleiben soll, gut 18 Prozent planen eine Verlängerung der Laufzeit und damit einen leichten Ausbau der Fristentransformation in den Direktanlagen. Weniger als vier Prozent streben eine Verkürzung an (siehe Abb. 2 mit den präferierten Laufzeiten für die Neuanlage im Vergleich der Umfragen 2017 und 2018).

 

Beim Erwerb von Anleihen ist die Rendite immer noch ein wichtiger Entscheidungsfaktor. 57 Prozent der befragten Sparkassen gaben an, bei negativen Renditen nicht in Anleihen zu investieren, während ein Drittel dazu grundsätzlich bereit ist. Wenn dagegen die Anleihen im Bestand gehalten werden und eine negative Bewertungsrendite aufweisen, sind nur gut vier Prozent der Befragten bereit, diese zu verkaufen. Mehr als 80 Prozent halten die Bestände hingegen bis zur Endfälligkeit, auch bei sicherem Barwertabbau. Trotz der niedrigen Renditen wollen nur rund neun Prozent der Befragten außerhalb der Eurozone investieren. Hier dominiert als favorisierte Währung der Dollar.

 

Im Rahmen der Ausrichtung der Zins-Fristentransformation auf Gesamtbankebene bestätigt sich der Trend zur passiven Ausrichtung des Zinsrisiko-Cashflows. Eine passive Benchmark-Ausrichtung verfolgen 73 Prozent der befragten Sparkassen, während 27 Prozent eine aktive Ausrichtung des Zinsrisiko- Cashflows vornehmen. Bei der Wahl der Ziel-Benchmark dominiert weiterhin die Struktur gleitend zehn Jahre. Rund fünf Prozent aller Befragten verfolgen eine Struktur gleitend fünf oder sieben Jahre und jedes zehnte Haus verfolgt eine Benchmark, die sich aus einem Mischungsverhältnis von gleitend zehn und gleitend 15 Jahren zusammensetzt.

Abb. 2
Welche Laufzeiten präferieren Sie in der Neuanlage?

  <2 Jahre 2–5 Jahre 5–7 Jahre 7–10 Jahre >10 Jahre keine Angaben
2018 2,11 14,79 35,21 38,03 1,41 8,45
2017 1,32 21,71 42,11 26,32 1,97 6,58

2018: 142 Teilnehmer, 2017: 152 Teilnehmer, Angabe in %* (gerundete Werte)

Abb. 3
Zur Aktivität im Bereich Zinsderivate: Welche Aktivität planen Sie bei den folgenden Instrumenten?

  mehr unverändert weniger NPP geplant Einsatz nicht geplant keine Angaben
Swaps 19,01 51,41 6,34 3,52 16,90 2,82
Swaptions 3,52 4,23 0,70 8,45 76,76 6,34
Caps/Floors 1,41 10,56 1,41 3,52 79,58 3,52

142 Teilnehmer, Angabe in % (gerundete Werte)

Aktuelle Instrumente hinterfragen

Vor diesem Hintergrund war für die Deka von Interesse, welche Instrumente zur Absicherung und Steuerung des Zinsänderungsrisikos eingesetzt werden. Hier dominiert nach wie vor der klassische Zinsswap, der aufgrund des Negativzinses zu zwei Auszahlungen führt, sowohl auf der „festen“, als auch auf der „variablen“ Seite. Dieses Instrument ist zu hinterfragen, konnten die Negativzinsen doch bislang nicht an den Kunden weitergegeben werden. Geeigneter ist zum Beispiel die Kombination eines Swaps mit Floor, bei dem fest gezahlt wird, die Sparkasse aber variabel erhält, beziehungsweise dies auf null Prozent begrenzt wird. Bei Betrachtung der anstehenden Produkteinführungen dominiert die Swaption (siehe Abb. 3). Damit setzen sich die asymmetrischen Absicherungsinstrumente durch und optimieren Auszahlungsprofile. Überraschende Zinsentwicklungen werden dadurch abgesichert.

 

Anders als bei Anleihen sind die befragten Sparkassen bei den Aktien etwas verhaltener. Ein Viertel hat aktuell kein Interesse an Aktien. Auf der Produktseite interessiert sich fast ein Viertel der Häuser für Aktienkäufe über Spezialfonds, ein Fünftel für ETFs und rund 13 Prozent für eine Direktanlage.

 

Mit Blick auf die Abbildungen 4 bis 6 zeigt sich, dass das Risikomanagement in den Sparkassen funktioniert. Allerdings bergen die impliziten Optionen schwer kalkulierbare Zinsänderungsrisiken. Diese können erheblichen Einfluss auf die Risikolage haben. Gerade in Zeiten, in denen die Volatilität und damit auch die Absicherungskosten niedrig sind, lohnt es sich, dies zu überdenken. Über Deka Easy Access können entsprechende Konstellationen durchkalkuliert werden.

"Im Rahmen der Ausrichtung der Zins-Fristentransformation auf Gesamtbankebene bestätigt sich der Trend zur passiven Ausrichtung des Zinsrisiko-Cashflows."

Matthias Kowallik

Institutionelle Kunden,

Leiter Sparkassen & Finanzinstitute, Deka

Abb. 4
Bilden Sie implizite Optionen aus dem Kredit­geschäft in ihrere Rechnungs­legung bzw. durch ihr Controlling ab?

Abb. 5
Können Sie den Wert dieser Optionen im Konkurrenz­umfeld durch die erzielbaren Margen ­abdecken?

Abb. 6
Sichern Sie solche Optionen durch Derivate ab bzw. planen Sie, das zu tun?

142 Teilnehmer, Angabe in % (gerundete Werte)

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, September 2019