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Einstieg in die Märkte:
Spielraum für neue Assetklassen

Wer die Zeit für sich arbeiten lässt und stille Reserven nutzt, kann sich Spielraum für neue Assetklassen erschließen und Erträge planbar machen.

Anleihen von Thyssen-Krupp versprachen 1995 eine Rendite von acht Prozent; eine kurzfristige Refinanzierung war zu fünf Prozent möglich. Damit lag der Ertrag bei drei Prozent. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld lässt sich mit einer Anlage in Hochzinsanleihen eine Rendite von 3,8 Prozent erzielen, die kurzfristig mit etwa 0,1 Prozent refinanziert werden kann. Mit einem Ertrag von circa 3,7 Prozent ist die Differenz zwischen der Aktiv- und Passivseite folglich sogar größer geworden als vor 20 Jahren – trotz der niedrigen Niveaus.

 

Ertragschancen von über drei Prozent sind an den Kapitalmärkten folglich immer noch gegeben (siehe Grafik). Für Patrick Traughber, Leiter Institutionelle Kunden Sparkassen Mitte bei der DekaBank, ist ein Einstieg deshalb unerlässlich: „Wenn ein Auto an der Parkuhr steht, kostet es Geld. Ähnlich ist es, wenn Liquidität nicht in rentierliche Anlageklassen investiert wird. Dann findet eine Zwangsallokation in den Geldmarkt statt und damit eine negative Verzinsung.“

Wenn Liquidität nicht in rentierliche Anlageklassen investiert wird, findet eine Zwangsallokation in den Geldmarkt statt.

Patrick Traughber

Leiter Institutionelle Kunden
Sparkassen Mitte
DekaBank

Frühzeitig investieren und Puffer aufbauen

Entscheidend ist, wie der Einstieg in die Märkte umgesetzt wird. „Die Erkenntnisse aus dem Deka Treasury-Kompass zeigen, dass die Sparkassen ihre Stärken gezielt nutzen können, um ein strategisches Ertragsportfolio aufzubauen“, sagt der Experte. Zu diesen Stärken gehören etwa die laufenden Wertpapierfälligkeiten und die hohen stillen Reserven in den Wertpapierbeständen. Eine wichtige Rolle beim Markteinstieg spielt für Traughber die Komponente Zeit: „Je frühzeitiger im Jahresverlauf Investitionen in die Märkte getätigt werden, desto besser lässt sich der Risikopuffer bis zum Jahresabschluss nutzen, um eventuelle Bewertungsschwankungen abzumildern. Wer wartet und Fälligkeiten parkt, riskiert, dass sich die Spreads weiter einengen und dass die stillen Reserven im Zeitablauf schmelzen.“

 

Ein Rechenbeispiel zeigt: Eine Anlage von 30 Millionen Euro in den Laufzeitfonds Deka-RentSpezial HighYield 6 / 2020 ergibt aktuell eine Rendite von circa 3,05 Prozent*. Bei Investition zur Jahresmitte lässt sich anteilig bis Dezember 2015 eine Rendite von 1,53 Prozent* erwirtschaften. Zusätzlich lässt sich der Abrolleffekt nutzen, vorausgesetzt, die Zinsen und Risikoaufschläge weiten sich innerhalb des nächsten Jahres nicht extrem aus. Durch den Abrolleffekt wird ein zusätzlicher Puffer erwirtschaftet.

Markteinstieg lohnt sich

*Dividendenrendite.
Quelle: DekaBank

Von stillen Reserven profitieren

Ein weiterer Weg für den Einstieg in die Kapitalmärkte ist die Nutzung stiller Reserven in den Depots A anhand der Sacheinlage. Stille Reserven entstehen, wenn Sparkassen in der Direktanlage zum Beispiel festverzinsliche Wertpapiere halten, die zu einem früheren Zeitpunkt emittiert wurden und „über pari“ notieren. Diese können in einem Spezialfonds nutzbar gemacht werden. Denn im Spezialfonds werden die Wertpapiere mit den stillen Reserven zunächst ebenfalls mit einem Buchwert von 100 angesetzt, aber bei der nächsten Marktbewertung steigt das Volumen auf 110. „So dient die stille Reserve als Puffer für andere Assetklassen oder Märkte, die stärker schwanken“, macht der Deka-Experte deutlich.

 

Der durch den Faktor Zeit und die Nutzung von stillen Reserven gewonnene Puffer lässt sich gezielt für Investitionen einsetzen, deren Erträge planbar sind. Ein Beispiel hierfür sind Aktienanleihen. Spezialfonds bestehen oft aus 20 Prozent* Aktien und 80 Prozent* Renten. Nimmt man hierfür etwa Bundesanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einer Rendite um null Prozent* an, liegt die Fondsperformance bei einer fünfprozentigen* Performance des Aktienmarkts bei einem Prozent*. Dies gilt auch im umgekehrten Fall: Verliert der Aktienmarkt fünf Prozent*, verzeichnet der Fonds eine Wertentwicklung von minus ein Prozent*. Somit ist die gesamte Performance des Fonds im Beispiel abhängig von der Entwicklung des Aktienmarktes. „Werden die Aktien im Fonds in Aktienanleihen, konkret in eine Aktienanleihe Plus, getauscht, bei der im Dezember 2015 ein Kupon von fünf Prozent* fällig wird, sofern der DAX bis dahin nicht unter 10.256 Punkte fällt, ist schon zum aktuellen Zeitpunkt ein planbarer ordentlicher Ertrag von fünf Prozent* sicher“, erläutert Traughber.

Markteinstieg in drei Schritten umsetzen

Quelle: DekaBank

Zusätzliche Ertragsmöglichkeiten generieren

Für den Fall, dass der DAX während der Laufzeit die Barriere von 10.256 Punkten unterschreitet, ist die Aktienanleihe am Fälligkeitstag so eingestellt, als würden die Aktien zum aktuellen Kurs gekauft. „Die Anlage rentiert folglich nicht schlechter, als wäre man weiter im Aktienmarkt geblieben“, sagt der Experte, weist allerdings darauf hin, dass die Aktienanleihe nur dann das passende Instrument ist, wenn der DAX nicht extrem steigt, da bei fünf Prozent* die Ertragsgrenze verläuft. „Ist aber der Abstand auf 10.256 Punkte im DAX ausreichend groß und der Zeitfaktor passend, kann für diesen Spezialfonds fest ein Prozent* Ertrag für 2015 notiert werden.“ Bei gleichzeitiger Nutzung von stillen Reserven ergebe sich sogar ein doppelter Puffer.

 

Ein frühzeitiger Einstieg in die Kapitalmärkte ermöglicht den Aufbau eines Risikopuffers. Werden dafür auch die stillen Reserven genutzt, entsteht Spielraum für den Aufbau eines strategischen Ertrags­portfolios, mit dem sich Erträge planbar machen lassen (siehe dazu „Umsetzung im Spezial- oder Masterfonds eröffnet Chancen“, Seite 33).

 

* Indikation freibleibend.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Juli 2015