Nachhaltiges Investieren.

Dem Finanzsektor muss vor dieser Entwicklung nicht bange sein. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich nachhaltigkeitsorientierte Investments sogar positiv auf die Rendite auswirken. Dies gilt insbesondere für Investments, die Corporate Governance-Aspekte besonders berücksichtigen. Die Anlagevolumina zeigen: Nachhaltigkeit wird weiter an Bedeutung gewinnen. Investoren und Vermögensverwalter sind sich dieser Entwicklung zunehmend bewusst und versuchen, diese aktiv zu gestalten. Dafür setzen sie verstärkt gezielt auf Unternehmen und Projekte, die ihre gesellschaftliche und ökologische Verantwortung besonders wahrnehmen. Der Aufbau eines entsprechenden Anlageuniversums steht allerdings noch am Anfang.

7 Risiken, bei denen die Bafin genau hinschaut¹.

Die BaFin fordert in ihrem „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ eine aktive Auseinandersetzung mit diesen Risiken. Sie betrachtet sie als „Faktor“ der folgenden sieben „Risikoarten“ und erläutert dies anhand von fiktiven Beispielen.

    • Reputationsrisiko.
      Investmentvermögen ist in Bekleidungsfabrik eines bekannten Herstellers in Ostasien investiert. Bekleidungsfabrik brennt nieder, viele Todesopfer. Grund: Unzureichende nationale Sicherheitsstandard- Vorgaben. Investoren im Medienfokus.
    • Marktpreisrisiko.
      Ein Pensionsfonds ist in ein Unternehmen investiert, das belegbar nicht nachhaltig agiert. Eine abrupt geänderte Marktstimmung verursacht eine Abwertung.
    • Kreditrisiko.
      Kreditinstitut vergibt Kredit an ein Unternehmen, „dessen Geschäftsmodell auf Grund politischer Entscheidungen zu ESG-Themen wesentlich beeinträchtig sein kann.“
    • Liquiditätsrisiko.
      Regionales Kreditinstitut muss Aktiva veräußern. Grund: Zehntausende Kunden ziehen Geld ab, um Schäden einer großen Überflutung zu beheben.
    • Operationelles Risiko.
      „Durch die Überflutung werden auch die Filialen dieses Kreditinstituts in Mitleidenschaft gezogen.“
    • Versicherungstechnisches Risiko.
      Neue Intensität/Häufigkeit von Unwetterschäden muss angemessen reflektiert werden, zum Beispiel bei der Bewertung des Prämienrisikos..
    • Strategisches Risiko.
      „Ein auf die Finanzierung von Kohlebergbau spezialisiertes Kreditinstitut verliert seine Geschäftsbasis.“

Nachhaltige Investments werden immer beliebter.

Das „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ (FNG) betont, dass „sich der Markt für verantwortliche Investments und Nachhaltige Geldanlagen“ „spätestens seit dem Erscheinen des EU-Aktionsplans im März 2018 … durch eine bis dahin nicht gekannte Dynamik“ auszeichnet.² Prinzipiell bedeutet Nachhaltigkeit dabei keinen Renditeverzicht. Ein Automatismus, dass nachhaltig ausgerichtete Investments die finanzielle Rendite verbessern, lässt sich zwar nicht feststellen. Es gibt aber Zahlen, die belegen, dass unter bestimmten Voraussetzungen und in bestimmten Bereichen auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Investments besser performen als ihre nicht nachhaltige Benchmark.

85 bil. USD

Gesamtwert³ haben mittlerweile nachhaltig verwaltete Assets weltweit (Circa-Angabe). Noch 2013 lag dieser Wert deutlich unter 40 Billionen US-Dollar, war also noch nicht einmal halb so hoch.

2,43 %

Outperformance⁴ erzielte der World-Governance-Quality-Index von MSCI annualisiert gegenüber dem Vergleichsindex MSCI World zwischen dem 30. November 2009 und dem 31. Oktober 2019.

2,2 %

Mehrrendite⁵ im Durchschnitt schafften die „weltweit anlegenden Aktienfonds mit Ausrichtung auf nachhaltige Unternehmen“ gegenüber den „übrigen Fonds“ innerhalb eines Jahres.

3 Beispiele, wie Investitionen nachhaltig wirken können.

Immer mehr Akteure begreifen nachhaltiges Investieren als Chance für eine aktive Gestaltung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Sie investieren daher bewusst auf Basis von „Positivlisten“ in Projekte und Unternehmen, die sich für eine gerechtere und nachhaltigere Welt einsetzen. Die Deka nutzt seit 2018 eine solche Liste. Die Grundlage dafür bilden die 17 „Sustainable Development Goals“ (SDG) der Vereinten Nationen. Im Wesentlichen lassen sich die SDG in die drei Themenfelder „Umwelt“, „Soziales“ und „Kultur des menschlichen Zusammenlebens“/ Governance unterteilen. Im Folgenden wird für jeden Bereich ein Beispiel genannt, welche Art von Projekten und Unternehmen aktiv finanziert werden könnten, und welches SDG dadurch unterstützt wird.

  • SDG 4.
    „Hochwertige Bildung“ wird gefördert durch Investitionen in Bildungsinitiativen zum Beispiel für sozial benachteiligte Kinder.

  • SDG 5.
    „Geschlechtergleichheit“ wird gefördert durch Finanzierungen von Unternehmen, die Diversity fördern und Frauen gleiche Aufstiegsmöglichkeiten geben.

  • SDG 7 UND 13.
    „Bezahlbare und saubere Energie“ und „Maßnahmen zum Klimaschutz“ werden durch Investitionen in Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und dessen Transport und Speicherung gefördert.

Mit konkreten Projekt-Investments können Anleger die 17 SDG der vereinten Nationen konkret unterstützen⁶.

„Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“, herausgegeben von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 20. Dezember 2019
¹ FNG Forum Nachhaltige Geldanlagen: „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2019“, S. 4
² UN Principles for Responsible Investment (UNPRI), zitiert in TiAM, Ausgabe 2/2019, S. 38
³ MSCI WORLD GOVERNANCE-QUALITY INDEX (USD), https://www.msci.com/documents/10199/4eed2f51-d62e-4d70-8bf4-c20e22f9923c
⁴ Scope Analysis, basierend auf dem Artikel „Besseres Klima im Depot“ im „Handelsblatt“ vom 1. Oktober 2019, S. 36-37
⁵ Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, https://17ziele.de/downloads.html