Impuls

Mit Struktur Richtung Nachhaltigkeit

Der Klimaschutz zählt zu den politischen Schwerpunkten der Europäischen Union (EU). Ende 2020 hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU darauf verständigt, die EU-Klimaziele für das Jahr 2030 noch einmal zu verschärfen. So soll unter anderem der CO2-Austoß bis 2030 um mindestens 55 Prozent reduziert werden. Die strengen Vorgaben sollen die Wirtschaft zu einer CO2-ärmeren Wertschöpfung und Unternehmen dazu bringen, Geschäftsmodelle und Prozesse in Richtung Klimaschutz anzupassen und damit zukunftsfähig zu machen.

März 2021

Eine wichtige Vorgabe für professionelle Investoren ist die EU-Regulierung zu den nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor, kurz Offenlegungsverordnung. Finanzmarktteilnehmer sind angehalten, transparent aufzuzeigen, inwiefern sie Nachhaltigkeitsmerkmale beziehungsweise Nachhaltigkeitsziele erfüllen und wie sie Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen. Ein wichtiger Faktor für institutionelle Investoren wird zudem die Level-2-Ergänzung zur Finanzmarktrichtlinie MiFID II (wahrscheinlich zum 2. Quartal 2022). Danach müssen bei der Festlegung der Kundengruppe, auf die ein Finanzinstrument zugeschnitten ist, sowie bei der laufenden Überwachung der Finanzprodukte ESG-Faktoren zwingend berücksichtigt werden.

Für Investoren und Asset Manager bedeutet dies vor allen Dingen eines: Sie sollen Nachhaltigkeit in ihrer Kapitalanlage berücksichtigen und so die Risiken aber auch die Chancen in einem Investmentansatz abbilden, der nicht nur rückwärtsgewandt Nachhaltigkeitsdaten auswertet, sondern auch systematisch die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle der Unternehmen bewertet.

Um die EU-Klimaziele zu erreichen, sollen Asset Manager Lösungsanbieter in sämtlichen Industrien identifizieren, die den Weg zur Klimaneutralität aktiv voranbringen und entsprechende Technologien und Lösungen gegen den Klimawandel entwickeln. Gemeinsames Ziel ist es auch, Firmen im Portfolio zu haben, die in puncto ESG noch nicht am Ziel angekommen sind, die aber Anstrengungen unternehmen, zu einem umweltfreundlicheren Unternehmen zu werden. Sie gilt es bei der Transformation zu unterstützen, etwa durch den Dialog mit dem Management und die treuhänderische Wahrnehmung der Stimmrechte auf den Hauptversammlungen der Unternehmen. So wandelt sich beispielsweise der Energieversorger RWE - auch mit kritischer Begleitung der Deka - vom kohlelastigen Unternehmen zu einem modernen Energieversorger, der sich zum Ziel gesetzt hat bis 2040 klimaneutral zu werden.

Dieses Transformationsbeispiel zeigt, wie die EU-Klimaziele vorangetrieben und zugleich in Anlagestrategien umgesetzt werden können. Mit Hilfe eines regelbasierten und klar strukturierten Ansatzes, der Klimaschutz und Nachhaltigkeit kombiniert, können institutionelle Investoren so eine erhebliche CO2-Reduktion im Portfolio erreichen.

Wie die Umsetzung eines modernen Nachhaltigkeitskonzeptes konkret aussehen kann, zeigt die neue ESG-Climate-Change-Produktfamilie. Bei ihr wurde ein zweistufiger Ansatz von MSCI ausgewählt, der einen ESG-Filter mit Klimazielen kombiniert. Oberstes Kriterium des Indexkonzepts ist es, schwere Verstöße gegen die Prinzipien des UN Global Compact, die beispielsweise den Schutz der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption umfassen, auszuschließen. Zudem werden kontroverse Aktivitäten wie nukleare Waffen, Atomenergie, Kohle und Tabak ausgeschlossen. Automatisch ausgeschlossen sind darüber hinaus alle Unternehmen mit sehr schlechtem oder keinem ESG-Rating. Außerdem wurden bei der Portfoliokonstruktion etablierte Branchenstandards berücksichtigt.

Der Klimawandel birgt erhebliche finanzielle Risiken für Unternehmen, aber auch für Investoren. Diese gilt es rechtzeitig anzupassen, denn ein klimarobustes Portfolio kann diese Risiken reduzieren. Das führt zu einer geringeren Volatilität und einer robusteren Performance. Mit den entsprechenden nachhaltigen Anlagelösungen sind verantwortungsvolle Strategien bei transparentem Regelwerk und zu attraktiven Konditionen umsetzbar. Mit ihrer nachhaltigen ETF-Familie bietet die Deka professionellen Investoren Lösungsmöglichkeiten, Klima- und Transitionsrisiken zu verringern und die Anforderungen ihrer Kunden umzusetzen, ohne dabei die Renditeaussicht zu reduzieren.

Ein weiterer Trend im Asset Management geht in Richtung Risikokontrolle. Quantitative Investmentprozesse bieten hier eine wichtige Unterstützung. Mit einem streng wissenschaftlich-analytischen Anlageansatz lassen sich nicht nur Fehlentscheidungen vermeiden, sondern auch systematisch Renditechancen in großen und globalen Anlageuniversen erschließen.

Die Bedeutung von regelbasierten Ansätzen im Management von Aktien und Anleihen hat bei professionellen Investoren auch unter Risikoaspekten eine hohe Akzeptanz. Mit Hilfe von ausgewählten Kennzahlen können sowohl Risiko- als auch Ertragseigenschaften eines Unternehmens noch differenzierter analysiert und bewertet werden. Ein auf mathematischen Modellen basierender Investmentprozess kann die Informationsflut der Märkte schnell und emotionsfrei verarbeiten und belastbare Anlageentscheidungen generieren. Das hilft nicht nur beim Erkennen neuer Renditequellen, sondern insbesondere beim Risikomanagement. Durch die modulare Gestaltung der Anlagelösungen sind individuelle Strategien möglich, die exakt auf die Renditeforderungen und die Risikobereitschaft eines Investors zugeschnitten sind.

Über Faktoransätze lassen sich auch Nachhaltigkeitsziele in Strategien abbilden, wenn etwa umweltrelevante Eigenschaften von Unternehmen in Form von Kennzahlen verfügbar sind. Anhand solcher ESG-Faktoren können sowohl ökologische als auch soziale und ethische Kriterien in Investment- und Risikomanagementprozesse der Deka integriert werden.

Die Umweltschutzmaßnahmen werden sich weiter verschärfen. Vor diesem und dem beschriebenen regulatorischen Hintergrund werden Investoren ihre Mittel zunehmend in nachhaltige Anlagelösungen investieren. Mittels Forschung werden diese Anforderungen von der Finanzwirtschaft und Unternehmen erfüllbar sein und die Qualität von Nachhaltigkeitsinvestments weiter gesteigert.

Einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssteigerung kann die quantitative Kapitalmarktforschung leisten, in die die Deka seit mehr als 20 Jahren investiert und mit deren Hilfe wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anlagelösungen umgesetzt werden – auch im nachhaltigen Bereich. Denn ständige Forschung ist gerade bei Quant-Strategien von entscheidender Bedeutung. So hat die Deka bereits 2013 das unabhängige Private Institut für quantitative Kapitalmarktforschung (IQ-KAP) gegründet.

Die Übernahme der österreichischen Quant-Fondsmanufaktur Spängler IQAM Invest GmbH im vergangenen Jahr war ein weiterer wichtiger Schritt im Rahmen der Zukunftsstrategie der Deka, neue Produkte zu entwickeln und bestehende Angebote durch den Einsatz innovativer Technologien sowie Big Data zu verbessern. Es geht um die Optimierung der Investmentprozesse – mit noch mehr qualitativ hochwertigem Research, zusätzlichen akademischen Forschungskapazitäten und weiteren innovativen Anlagestrategien.

Profitieren werden die Investoren. Denn mit Hilfe der oben angesprochenen regelbasierten Faktoransätze können ESG-Kriterien in die Analysen und Anlageentscheidungen der Portfoliomanagement-Teams noch besser integriert werden und so zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Risk- und Return-Level beitragen.

Dieser Artikel erschien zuerst am 27. März 2021 in der Börsen-Zeitung.

Susanne Hellmann

Leiterin Vertrieb Institutionelle Kunden.

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