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Eine Frage der Verantwortung
Nachhaltiges Investieren ist kein Luxus

Verantwortung übernehmen – darum geht es den meisten Investoren, wenn sie ihre Gelder nachhaltig anlegen wollen. Ob aus ethischen Gründen, um soziale Aspekte zu betonen, stärker auf die Umwelt zu achten oder Reputationsrisiken zu vermeiden – die Motive sind so unterschiedlich wie die Investoren selbst. Umso wichtiger ist es, für jeden Bedarf den passenden Umsetzungsweg zu finden.


Gespräch mit Deka-Expertin
Marianne Ullrich zum Thema Nachhaltigkeit


 

Wer seine Anlagestrategie auf Nachhaltigkeit ausrichten will, sucht oft den Rat erfahrener Experten. Bei der Definition individueller Nachhaltigkeitskriterien und der Festlegung eines neuen Anlageuniversums wie auch bei der Umstellung bestehender Portfolios und der laufenden Umsetzung der Kriterien – die Deka berät institutionelle Investoren aus allen Segmenten. Dazu zählen Stiftungen, Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen genauso wie Versicherungen, Banken und Industrieunternehmen.

 

Bereits vor sieben Jahren wurde hierfür das Kompetenzzentrum Nachhaltige Wertpapieranlage aufgebaut. Marianne Ullrich ist von Beginn an dabei, arbeitet als Nachhaltig­keitsexpertin eng zusammen mit den institutionellen Kundenbetreuern, mit externen Researchpartnern und dem Portfoliomanagement. Spannend wird es für sie immer dann, wenn ein Kunde sagt, dass er sich nachhaltig orientieren möchte. „Wenn man den Kunden letztendlich überzeugt, dass eine nach­haltige Investition erstens eine gute Sache ist und zweitens gute Performance bieten kann, ist das für uns immer ein Erfolg“, sagt Ullrich.

Marianne Ullrich

ist Expertin für Nachhaltigkeit im Portfoliomanagement der Deka. Als das Kompetenzzentrum für Nachhaltige Wertpapieranlage vor etwa sieben Jahren aufgebaut wurde, war sie von Beginn an dabei. Die diplomierte Betriebswirtinarbeitet seit 1999 bei Deka Investment.

Beratung nach Bedarf

Wann ein Kunde in den Beratungsprozess einsteigt, hängt von seinem individuellen Bedarf ab. Weert Diekmann, der als Kundenbetreuer auf Stiftungen spezialisiert ist, sagt: „Große Einrichtungen haben oft schon ihre Nachhaltigkeitsfilter aufgesetzt, suchen aber nach einem Partner im Portfoliomanagement, der die beste Performance aus dem vorgegebenen Anlageuniversum herausholt.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch Leigh Ann Kittell gemacht. Sie ist als Leiterin Consultant Relations & RFPs Ansprechpartner für externe Berater. „Wir sehen bei Ausschreibungen und Anfragen die ganze Bandbreite der Kundenwünsche.“ Bei manchen solle auf Basis einer Positivliste ein Portfoliovorschlag vorgestellt werden. Bei anderen gehe es um dezidierte Fragestellungen, beispielsweise den Einfluss von Filterkriterien zu Rentensegmenten wie High Yield und Schwellenländern.

 

 

 

Einige Branchen sind für viele tabu

Wie genau Nachhaltigkeit ausgestaltet werden soll, dafür gibt es kein Standardrezept. Manche Themen sind aber für viele Investoren tabu. Dazu zählen unter anderem Waffen, Glücksspiel, Tabak oder Pornografie. Auch Kinderarbeit ist oft ausdrücklich ausgeschlossen, genauso wie Atomkraft. Fest­gelegt werden diese Themen über die so genannten Ausschlusskriterien, die zum Teil eher wertebasiert sind und zum Teil normbasiert; hier wird darauf geachtet, dass nicht gegen internationale Normen und Standards verstoßen wird. „Ausschlusskriterien sind den meisten sofort ein Begriff, wenn es um Nachhaltigkeit geht, es ist aber nur ein Aspekt von vielen“, sagt Nachhaltigkeitsexpertin Ullrich. Genauso sind die Festlegung positiver Anlagekriterien möglich wie auch die Umsetzung eines Best-in-Class-Ansatzes. Danach wird bevorzugt in jene Unternehmen investiert, die im Branchenvergleich in ökologischer, sozialer und ethischer Sicht die höchsten Standards erfüllen.

 

Es gibt kein Standardrezept für Nachhaltigkeit. Die Kunden­wünsche sind vielfältig, die Fragestellungen oft dezidiert.


 

Vom Kundenwunsch zu den Anlagekriterien

Entscheidend ist aber letztlich, was der Kunde will. Das kann schon im Vorfeld sehr genau definiert sein, oder es gibt eher eine vage Vorstellung. Wie auch immer der Kunde und sein Betreuer auf das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen kommen – sobald es um die konkretere Ausarbeitung einer passenden Strategie geht, wird Ullrich hinzugezogen: „Uns ist es sehr wichtig, in der Beratung von Beginn an das gebündelte Fachwissen und unsere Erfahrung einzubringen, um einerseits die Anforderungen des Kunden mit sinnvollen Konzeptvorschlägen zu unterlegen und gleichzeitig auch die Auswirkungen auf sein Portfolio zu überprüfen.“

 

Kundenbetreuer und Nachhaltigkeitsexperten der Deka treten in diesen Gesprächen immer als Team auf. „Wir wollen Vorschläge entwickeln, die auch gut realisierbar sind und den gegebenen Anforderungen rund um ein Portfolio Rechnung tragen“, sagt Kundenbetreuer Diekmann. In manchen Fällen stellt sich heraus, dass die Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie mit nur wenigen Umschichtungen im Portfolio erfolgen kann. In anderen Fällen muss stärker eingegriffen werden. „Dann bietet sich oft auch ein Stufenplan an. Beispielsweise, wenn in einem Portfolio viele Anleihepositionen vorhanden sind, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden sollen“, berichtet er aus der Praxis.

 

Einen sinnvollen Entwicklungspfad hin zu einem Nachhaltigkeitsportfolio auszuarbeiten macht mitunter vielschichtige Analysen erforderlich. Ullrich erklärt: „Nach dem Erstgespräch mit dem Kunden tauchen wir ein in die Tiefen des Portfolios, beraten uns intensiv mit dem Portfolio­manager.“ Zunächst wird das mögliche Investmentuniversum neu definiert und die erforderlichen Portfolioveränderungen werden simuliert.Wichtig ist dabei, dass trotz aller Einschränkungen eine vernünftige Diversifikation erreicht wird. Schließlich soll Nachhaltigkeit nicht zu mehr
Risiken führen.

„Wenn man den Kunden letztendlich überzeugt, dass eine nachhaltige Investition erstens eine gute Sache ist und zweitens gute Performance bieten kann, ist das für uns immer ein Erfolg.“

Marianne Ullrich

Diversifikation bleibt das A und O

Die Umsetzungsvorschläge werden anschließend mit dem Kunden diskutiert. Falls nötig unterstützt die Deka auch, wenn die Strategie im Anlageausschuss präsentiert und dort die erforderlichen Entscheidungen eingeholt werden müssen. Die Frage nach den Kosten kommt dabei regelmäßig auf den Tisch. Ullrichs Antwort: „Nachhaltigkeit per se kostet keine Performance, ist aber auch kein Performancevorteil.“ Vielmehr sei ausschlaggebend, wie die grundlegende Strategie aussieht, welche Anlageklassen eingebunden werden und welche Restriktionen zu berücksichtigen sind – genauso wie in jedem klassischen Portfolio.

 

Mit etwas mehr Aufwand ist ein Nachhaltigkeitsportfolio allerdings schon verbunden – vor allem, wenn es um die Umsetzung, das Controlling und Reporting geht. „Dafür braucht die Kapital­verwaltungs­gesellschaft (KVG) ein ausgereiftes technisches Set-up“, sagt Ullrich. Schließlich müssen bereits im Auswahlprozess viele unterschiedliche Informationen verarbeitet werden. Die DekaBank arbeitet mit namhaften Ratingagenturen zusammen, speist Informationen externer Researchanbieter in die eigenen Systeme ein – quasi als ersten Filter. Ausschlaggebend wird dann die Beurteilung der hauseigenen Analysten. Unternehmen und Staaten entwickeln sich ständig weiter und müssen laufend analysiert werden. Die jeweiligen Sektorspezialisten kennen die spezifischen Anforde­rungen, können sehr genau beurteilen, welches Unternehmen aus welcher Branche in puncto Nachhaltigkeit führend ist und dabei auch das erforderliche Renditepotenzial mitbringt.

 
 

Verantwortliches Wirtschaften und Investieren passen zusammen

Quelle: DekaBank
 

Der Prozess ist lebendig

Ob die mit dem Kunden vereinbarten Nachhaltigkeitskriterien dauerhaft eingehalten werden, zeigen regelmäßige Überprüfungen des Portfolios. In welchem Rhythmus dies geschieht, entscheidet der Kunde – ob im Vorfeld von Anlageausschuss-Sitzungen, halbjährlich oder öfter. „Das ist alles sehr individuell, deshalb ist der Prozess rund um ein Nachhaltigkeitsportfolio viel lebendiger, als dies sonst der Fall ist“, erläutert Ullrich. Mit viel zusätzlichem Entscheidungsaufwand muss ein Kunde trotzdem nicht rechnen. Wenn die Strategie erst einmal festgelegt ist, läuft es für ihn wie bei jedem anderen Spezialfonds. Deshalb ist nachhaltiges Investieren weder Luxus noch zeitraubend. Es ist vielmehr eine Frage der Einstellung und Verantwortung. Und dies nehmen immer mehr Investoren sehr ernst.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juli 2015