1. Start
  2. Markt & Impuls
  3. Impuls
  4. Risikoprämien als Werttreiber der Kapitalanlage: - Bekannte Anlageklassen, neue Perspektiven

Risikoprämien als Werttreiber der Kapitalanlage: Bekannte Anlageklassen, neue Perspektiven

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld stellt Anleger vor große Herausforderungen. Eine differenzierte Betrachtung der markttreibenden Risikofaktoren und der verbundenen Risikoprämien eröffnet neue Perspektiven für traditionelle Anlageklassen. So können sich mit einem Risikoprämienansatz zusätzliche Renditequellen erschließen lassen.

Im vergangenen Jahr hat sich die Ausgangslage für Anleger weiter verschärft. Das andauernde Niedrigzinsumfeld erfordert erhebliche Anstrengungen, um die angestrebten Renditeziele noch erreichen zu können. Dieses Streben nach positiven und stabilen Anlageergebnissen bedingt typischerweise die Diversifikation entlang verschiedener Anlageklassen wie Aktien, Renten, Rohstoffen oder Währungen. Allerdings war in der jüngeren Vergangenheit eine Zunahme in der Korrelation einiger traditioneller Anlageklassen zu verzeichnen, insbesondere in Krisenphasen zeigte sich oftmals ein hoher Gleichlauf risikotragender Assets. Der damit verbundene nachlassende Diversifikationseffekt traditioneller Anlagen gepaart mit dem Niedrigzinsumfeld motiviert stark die Suche nach alternativen Renditequellen bzw. Risikofaktoren.

Risikoprämiensicht am Beispiel von Aktien

Attraktive Rendite-Risiko-Verhältnisse identifizieren

„Traditionell wurde dem Risiko, das mit einer bestimmten Anlageklasse verbunden ist, gesamthaft eine entsprechende Prämie gegenübergestellt“, sagt Ahmet Peker, Quantitatives Fondsmanagement der Deka Investment. Bei einer Investition in DAX-Werte geht man zum Beispiel das Risiko ein, dass der Index auch fallen kann. Langfristig soll eine solche Anlage allerdings eine positive Marktrisikoprämie erwirtschaften. Doch das Aktienrisiko besteht nicht nur aus einem einzigen Risiko­faktor, sondern kann in verschiedene Teilrisikofaktoren zerlegt werden. Ein Blick in die Literatur zeigt: Es gibt eine Vielzahl relevanter Risikofaktoren, die den Großteil des Aktienmarktrisikos erklären. Zahlreiche Studien1 dokumentieren bspw. Aktienrisikoprämien in Verbindung mit der Unternehmensgröße (Size), dem Preis-Buchwert-Verhältnis (Value), dem Preismomentum, der Bilanzqualität oder der Volatilität. Die Grafik zeigt eine Illustration dieses Zusammenhangs. Sinnvolle Risikofaktoren sollten aber nicht nur eine hohe Erklärungskraft vergangener Aktienrenditen besitzen. „Ein Risikofaktor sollte ei­­nen ökonomischen Wirkungszusammenhang beschreiben, der auch in Zu­­kunft eine persistente positive Risikoprämie er­­warten lassen kann“, erläutert Dr. Harald Lohre, der das Research im quantitativen Fondsmanagement verantwortet. Dabei ist es weniger interessant, wenn ein Risikofaktor ein relativ großes Risiko aufweist, die dazugehörige Prämie jedoch vegleichsweise klein ist. Bei einem günstigen Rendite-Risiko-Verhältnis ist der Faktor attrak­tiver für eine Investition.

 

Mit einem Risikoprämienansatz investieren institutionelle Investoren in traditionelle Anlageklassen, wenden dabei aber eine andere Perspektive an.

Ahmet Peker

Quantitatives Fondsmanagement
Deka Investment

 

Die Natur von Risikoprämien kann typischerweise durch verschiedene Erklärungs­ansätze rationalisiert werden: Risikobasierte Erklärungsansätze fußen auf dem Gedanken, dass der Risikofaktor die Über­nahme eines systematischen Risikos kompensiert. Oftmals greifen aber auch verhaltensbasierte Erklärungs­ansätze, da ein beobachteter Effekt in persistentem, nicht zwingend rationalem Verhalten von Marktteil­nehmern begründet liegt. Schließ­­lich gibt es strukturelle Er­klärungsansätze, die aufzeigen, wie die Funktionsweise eines Marktes dauerhaft Marktineffizienzen begünstigen kann. „Investmentstrategien, die diese Faktoren berücksich­tigen, können von ihnen profitieren“, so Peker.

 

Risikoprämienansatz im gesamten Investmentprozess anwenden

Ein optimales Aktienportfolio würde sich entlang der identifizierten Aktienrisikofaktoren diversifizieren, um die korrespondierenden Prämien bestmöglich zu vereinnahmen. Das Quantitative Fondsmanagement der Deka Investment verfolgt diese Investmentphilosophie schon seit vielen Jahren in der Umsetzung diverser Aktienfonds wie bspw. dem Deka-Europa Aktien Spezial oder dem Deka-Globale Aktien LowRisk.

 

„Risikoprämien lassen sich des Weiteren auch bei anderen Anlageklassen, wie Staatsanleihen oder z. B. Währungen und Rohstoffen, identifizieren“, sagt Peker. Um die Fundierung von Risikoprämien zu beurteilen, sollten grundsätzliche Kriterien zugrunde gelegt werden. Danach sollte die Risikoprämie plausibel und ihre Existenz bereits langfristig belegt sein. Außerdem sollte sie eine geringe Kom­plexität aufweisen, investierbar sein und Diversifikationsvorteile bieten.

 

Ein Risikofaktor sollte einen ökonomischen Wirkungs­zusammenhang beschreiben, der auch noch in Zukunft eine persistente positive Risikoprämie erwarten lassen kann.

Harald Lohre

Portfoliomanager und Leiter Research
Quantitatives Fondsmanagement
Deka Investment

Durch die Nutzung von Risikoprämienansätzen investieren institutionelle Investoren auch in traditionelle Anlageklassen, wenden dabei aber eine andere Perspektive an. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld stellen Risikoprämien außerdem eine attraktive Ergänzung zu einer konventionellen Anlageklassensicht dar. Hierbei kommt der Auswahl und Zusammenstellung der Risikoprämien eine große Bedeutung zu und es muss berücksichtigt werden, dass die Hinzunahme neuer Risikofaktoren ggf. auch zu erhöhten Anforderungen an das Risikomanagement führen kann.

 

Ein solcher Ansatz bietet jedoch viele Vorteile. Durch die gezielte Investition in ausgewählte Risikoprämien können neue Renditequellen mit bekannten Instrumenten erschlossen werden. Es können Korrelations­eigenschaften der Risikoprämien untereinander und mit anderen Anlageklassen genutzt werden, sodass gesamthaft ein attraktives Rendite-Risiko-Verhältnis resultiert.

 

1 Siehe etwa die Arbeiten von Eugene Fama und Kenneth French zum Size- und Value-Effekt oder Narasimhan Jegadeesh und Sheridan Titman zum Momentum-Effekt. Jegadeesh hat sich mit seinen Koautoren Chan, Chan und Lakonishok auch eingehend mit dem Quality-Faktor beschäftigt. Die erste Arbeit zum Low-Volatility- bzw. Low-Beta-Effekt stammt von Fischer Black.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2015