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Praxisgespräch
„Eine LCR-Optimierung bietet Ertragspotenzial“

In der aktuellen Niedrigzinsphase zählt jeder Basispunkt an Ertrag. Aus diesem Grund lohnt es sich für Depot A-Kunden, ihr Portfolio im Hinblick auf die LCR zu optimieren, um zusätzliche Zinserträge zu generieren. Wie das funktioniert, erläutern Holger Schwab und Achim Tenschert aus dem fundamentalen Rentenfonds­manage­ment der Deka.

Herr Schwab, Herr Tenschert, worin liegt die grundsätzliche Herausforderung der LCR?

Holger Schwab: Um die LCR zu erüllen, müssen Kreditinstitute einen Mindestbestand an erstklassigen und liquiden Vermögenswerten, sogenannten High Quality Liquid Assets (HQLA), in der Bilanz haben. Die Herausforderung liegt dabei in der aktuellen Zinslandschaft. Bis zur Finanzkrise brachten zehnjährige Bundesanleihen zwei, drei oder mehr Prozent auf Endfälligkeit. Banken hätten also mit diesen Papieren diese Anforderungen erfüllen und zugleich eine ihren Anlagezielen entsprechende Rendite erwirtschaften können. Jetzt aber sorgt die extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken dafür, dass mehr als die Hälfte der Staatsanleihen aus dem Euroraum eine negative Rendite aufweisen. Selbst zehnjährige Bundesanleihen notieren inzwischen im negativen Bereich. Es ist also kaum möglich, der LCR nachzukommen und zugleich ausreichende Erträge zu erzielen.

Holger Schwab

arbeitet seit 2014 als Senior Portfolio Manager im institutionellen Rentenmanagement bei der Deka Investment und bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung mit ein.

Was können Sparkassen tun?

Achim Tenschert: Entscheidend ist, dass es verschiedene Grade der LCR-Fähigkeit gibt. Der höchste Grad ist der Level 1A, zu dem EU-Staatsanleihen gehören. Daneben können aber auch andere Assets eingesetzt werden, um die Mindestliquiditätsanforderung zu erfüllen. Dazu zählen Pfandbriefe, die dem Level 1B angehören, sowie im Level 2A und 2B Unternehmensanleihen. Mit deren Beimischung lässt sich ein Portfolio optimieren und der Ertrag steigern.

 

Wie sollten Depot A-Kunden, dabei vorgehen?

Tenschert: Wir haben festgestellt, dass viele Sparkassen einen Passivüberhang in der Bilanz haben. Das heißt, die Einlagen übersteigen die ausstehenden Kredite. Die Idee ist es nun, diesen Passivüberhang so zu gestalten, dass die Anforderung nach der Mindestliquidität erfüllt, zugleich aber der Ertrag optimiert wird. Dies geht zum einen mit LCR-fähigen Spezialfonds, die wir nach den individuellen Vorgaben unserer Kunden aufsetzen. Zum anderen können uns die Sparkassen ihr Depot A auch zur Verfügung stellen. Wir analysieren es und können dann im Direktbestand Maßnahmen ergreifen.

Achim Tenschert

ist als Leiter Strukturierte Geldmarkt und Kreditprodukte seit 2010 bei der Deka Investment GmbH tätig.

Wie sieht das genau aus?

Schwab: In der Regel sind bislang vor allem mit Anleihen sehr guter Emittenten, also Staatsanleihen, Schuldtiteln der Bundesländer oder Pfandbriefen bestückt. Diese sind aber alle niedrig verzinst. Wir erarbeiten Vorschläge, wie unsere Kunden über das Minimum an Anleihen sehr guter Qualität halten, und darüber hinaus den Ertrag durch Beimischung anderer Anleiheklassen erhöhen können, zum Beispiel indem sie einen Teil dieser Papiere gegen höher rentierliche Pfandbriefe aus anderen EU-Mitgliedsstaaten oder Unternehmensanleihen austauschen.


Wie wirkt sich das auf der Ertragsseite aus?

Schwab: Wir haben dafür drei Beispielportfolios von konservativ bis offensiv erarbeitet. Bei der konser­vativen Variante setzen wir zu 100 Prozent auf Titel aus dem Level 1A, also sichere Staatsanleihen, Anleihen von Bundesländern oder supranationalen Emittenten. Wenn wir das mit einem Portfolio vergleichen, das nur aus fünfjährigen Bundesanleihen besteht, dann lassen sich damit rund 40 Basis­punkte mehr erzielen.

 

Und mit den anderen Beispielportfolios?

Tenschert: Im ausgewogenen Portfolio, in welchem wir zum Beispiel Unternehmensanleihen beimischen, können wir rund 56 Basispunkte mehr erzielen, im offensiven Portfolio, in dem wir zusätzlich in auslän­dische Covered Bonds investieren, sogar über 60 Basispunkte mehr gegenüber deutschen Staatspapieren. Wir bieten aber nicht nur diese drei Varianten, sondern vor allem individualisierte Lösungen an. Hierbei verarbeiten wir Kundenvorgaben zur Duration, Rendite und Mischung der LCR-Klassen.

 

Warum ist das wichtig?

Schwab: Die Risikoeinstellung der einzelnen Häuser und die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Es gibt Sparkassen, die von Haus aus vorsichtig agieren und die nur bereit sind, Zinsänderungsrisiken und keine Spreadrisiken einzugehen. Hier ist der Gestaltungsspielraum geringer. Andere dagegen fühlen sich mit etwas höherem Risiko noch wohl. Hier kann es Sinn machen, Bundesanleihen durch höher verzinste Pfandbriefe aus den Peripheriestaaten oder Corporate Bonds zu ersetzen.

 

Über welche Risiken müssen sich die Kunden dabei im Klaren sein?

Schwab: Wichtig ist, dass wir mit unseren maßgeschneiderten Lösungen etwas anbieten, was exakt zur Risikoeinstellung und den Anforderungen unserer Kunden passt. So muss kein Depot A-Manager Risiken in Kauf nehmen, die er vielleicht gar nicht in seinem Portfolio haben möchte.

 

 

DIE MINDESTLIQUIDITÄTSQUOTE

Im Zuge von Basel III zur Regulierung der Banken wurde die sogenannte Liquidity Coverage Ratio, kurz LCR, die das kurzfristige Liquiditätsrisiko von Kreditinstituten bei Stresssituationen am Kapitalmarkt bewertet, eingeführt. Diese Kennzahl misst das Verhältnis zwischen dem Bestand an erstklassig eingestuften Aktiva in einer Bankbilanz, die sofort am Kapitalmarkt veräußert werden können, und dem Nettomittelabfluss in einem Zeitraum von 30 Kalendertagen. Seit Anfang dieses Jahres muss die LCR mindestens 70 Prozent betragen. Bis zum 01.01.2018 wird sie stufenweise auf 100 Prozent angehoben.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, August 2016