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Praxisbericht Sparkasse Mainfranken Würzburg
„Wir können ein bisschen mehr wagen“

Hohe Fälligkeiten in einem Umfeld niedriger Zinsen – um nicht in die Ertragsfalle zu laufen, bereitet sich die Sparkasse Mainfranken Würzburg intensiv auf die Neuausrichtung ihres Eigen­anlagen­geschäfts vor. Im Gespräch beschreiben der Vor­sitzende des Vorstands, Bernd Fröhlich, und seine beiden Kollegen aus dem Eigenanlagenmanagement, Helmut Neuf und Frank Schwitalla, den Weg von der ersten Idee bis zur Umsetzung.

Herr Fröhlich, Sie haben das Eigenanlagengeschäft Ihres Hauses auf den Prüfstand gestellt. Was hat den Anstoß gegeben?

Fröhlich: Es waren zwei Kernströmungen. Zum einen die Entwicklung des Kundengeschäfts. Im Einlagengeschäft wird es bei dem niedrigen Zinsniveau und in An­betracht der Konkurrenzlage immer schwieriger, Geld zu verdienen. Zum anderen haben wir festgestellt, dass wir unsere Eigenanlagen in der Vergangenheit sehr konservativ angelegt haben, was gut und richtig war. Allerdings ste­­hen von den knapp 2,5 Milliarden Euro in unserem Depot A allein bis Ende nächsten Jahres rund eine Mil­liarde Euro zur Wieder­anlage an. Das ist zu den aktuellen Zinssätzen sehr anspruchsvoll.

„In unserem Hauptszenario ist die Ertragserwartung auf Sicht von fünf Jahren vier bis fünf Mal höher als der Aufwand, den wir jetzt mit der Neuausrichtung haben.“

Bernd Fröhlich

Vorsitzender des Vorstands,
Sparkasse Mainfranken Würzburg


Sinkende Zinsspanne und steigender Wettbewerb – wie wollen Sie dem begegnen?

Fröhlich: Wir suchen sehr gezielt nach Möglichkeiten, wie wir uns besser aufstellen können, um mehr Ertragschancen zu nutzen. Aber wir wollen dabei keine überproportionalen Risiken eingehen, nicht aus der Not heraus Dinge machen, die wir in normalen Zeiten nicht tun würden. Deshalb stand für uns von Anfang an die Frage im Vordergrund, wie wir unser Risikokapital sinnvoller einsetzen.

Schauen wir uns diese Anfangsphase an. Was waren die ersten Schritte?

Neuf: Begonnen haben wir im Frühjahr 2013 mit dem Treasury-Kompass der Deka. Quasi als Bestandsaufnahme und zum Vergleich mit anderen Sparkassen. Darauf aufbauend haben wir eine ausführliche Asset-Liability-Studie durch­geführt – mit Spezialisten des externen Consultants ICnova und der Deka.

Fröhlich: Beide Studien – sowohl der Treasury-Kompass als auch die Asset-Liability-Studie – waren für uns sehr hilfreich. Wir haben gesehen, dass wir uns im risikoarmen und effizienten Bereich bewegen, was uns nicht überrascht hat. Wichtig für uns war, dass wir mit unserer Ertragslage und der Bilanzsituation eine sehr gute Risikotragfähigkeit vorweisen können. Heißt also: Wir können ein bisschen mehr wagen.

Rüttinger: Das war dann auch unser Ansatzpunkt: Wege aufzeigen, wie sich die vorhandene Risiko­tragfähigkeit besser nutzen lässt. Dafür ist eine gute und um­fassende Analyse sehr wichtig, braucht aber Zeit. Die Ergebnisse aus der Asset- Liability-Studie wurden im November 2013 – also gut ein halbes Jahr nach Beginn der Überlegungen – vorgestellt.

„Meine Aufgabe ist es, immer die Bedürfnisse des Kunden im Blick zu behalten.“

Thomas Rüttinger

Kundenbetreuer Vertrieb
Institutionelle Kunden Sparkassen, DekaBank

Dann hatten Sie den Befund. Wie sind Sie weiter vorgegangen?

Fröhlich: Wir haben alle Personen im Haus eingebunden, die bei der geplanten Neuausrichtung unseres Depot A mitwirken müssen – den Vorstand genauso wie den Risikomanager, den Handel, die Steuer­spezialisten, die Buchhaltung. Dann sind wir tiefer in die Analysen eingestiegen, haben gezielt nach Möglichkeiten gesucht, wie wir unser Vorhaben in einem adäquaten Aufwand-Nutzen-Verhältnis umsetzen können. Der Aufbau eines Masterfonds hat sich schnell angeboten.

Schwitalla: Wir haben im Depot A im Moment fünf unterschiedliche Spezialfonds, alle mit engen Risikobudget- und Managementvorgaben. Das führt in der Summe zu überhöhten Versicherungskosten und die Korrelationseffekte zwischen den Fonds werden nicht genutzt. Nur wenn wir das zusammenführen und in einem Masterfonds ganzheitlich steuern, schaffen wir Freiräume für bestehende und neue Assetklassen.

Was war bei der Auswahl des Masterfonds wichtig?

Fröhlich: Es ging nicht darum, den billigsten Anbieter auszuwählen. Wir legen Wert auf Qualität und da hat das Angebot der Deka sehr gut zu uns gepasst. Wichtig für unsere Entscheidung war auch, dass die Deka im Bereich Masterfonds in den nächsten Jahren stark investieren wird.

Schwitalla: Was auch noch wichtig war, ist, dass wir mit der Deka einen sukzessiven Aufbau des Masterfonds umsetzen können. Zwischenschritte sind für uns wichtig, weil wir mit diesem gesamten Konzept Erfahrungen sammeln wollen. So haben wir die Möglichkeit, Assetklassen wie Schwellenländer-Anleihen, in die wir strategisch investieren möchten, vorerst noch zurückzustellen. Wir können aber auch jederzeit einsteigen, wenn sich gute Marktfenster ergeben.

Binias: Wir haben von Anfang an nach Wegen gesucht, wie die Sparkasse in dieses Risiko hineinwachsen kann. Hier kam schnell auch das Thema Overlay Management für den kompletten Masterfonds auf. Diese Systematik einzuführen war ein ganz wesentlicher Punkt.

„Qualität hat absolut Vorrang vor Geschwindigkeit der Umsetzung.“

Hartmut Binias

Abteilungsdirektor Strategieanalyse
Institutionelle Kunden, DekaBank

Warum ist das so entscheidend?

Fröhlich: Heute haben wir aufgrund der engen Risikovorgaben Aktienfonds mit hohem Geldmarktanteil, streben aber in unserer Zielstruktur ein Portfolio aus sortenreinen Segmenten an. Der Masterfonds wird dann von einem Spezialisten gesteuert, der auch das Gesamtrisiko im Griff behält. Für diese Steuerung ist ein umfassendes Overlay Management un­verzichtbar; zudem schützt es uns vor Extremrisiken. Wir gewinnen auch mehr Klarheit für unsere Bewertung und Entscheidung.

Den Rahmen haben Sie inzwischen gesteckt, wie weit ist es bis zur Umsetzung?

Neuf: Bis dahin müssen noch viele Entscheidungen getroffen werden. Das fängt schon an mit der Auswahl einer zentralen Verwahrstelle. Eigentlich eine einfache Sache, meint man. Aber wir sehen jetzt, wie komplex die dahinterliegenden Strukturen sind.

 

Fröhlich: Für die Umsetzung haben wir eine richtige Projektstruktur aufgesetzt. Es sind viele technische, organisatorische, steuerliche und auch rechtliche Fragen zu klären. Unser Ziel ist, dass der Masterfonds Ende des ersten Quartals 2015 steht. Die ersten Teilportfolios sollen dann mit Rücksicht auf den Jahreswechsel eingebracht werden, um die Auswirkungen auf die GuV möglichst zu glätten. Man kann sagen, dass es ein Dreivierteljahr dauert, bis die Struktur soweit steht.

Ist das ein Richtwert?

Binias: Ja, das ist sogar unsere Empfehlung. Qualität hat absolut Vorrang vor Geschwindigkeit der Umsetzung. Viele Sparkassen haben eine sehr komplexe Ausgangslage, so auch die Sparkasse Mainfranken Würzburg. Hier sollte man die Rahmenbedingungen intensiv prüfen – rechtliche Aspekte, Managerauswahl, Verträge, steuerliche Gesichtspunkte.

Fröhlich: Ein Beispiel sind hier die negativen Kursgewinne, die in dem einen oder anderen Fonds schlummern. Man muss sehr genau hinschauen, welche steuerrechtlich einwandfreien Gestaltungs­möglichkeiten es für den Einbringungsprozess gibt.

Wie viel Unterstützung haben Sie in diesen speziellen Fragen von externen Experten?

Schwitalla: Wir arbeiten eng zusammen mit den Steuerexperten des bayerischen Sparkassenverbands, die Spezialisten der Deka unterstützen uns zusätzlich in den verschiedenen Arbeitspaketen. Erst kürzlich hatten wir den Austausch zur Verwahrstelle, da war der stellvertretende Leiter Depotbank bei uns und hat uns die Leistungen der Deka im Detail erläutert. Es ist wichtig, neben Herrn Rüttinger als unserem ersten Ansprechpartner weitere Anlaufstellen für spezifische Fragen zu haben. Das gibt uns ein gutes Gefühl.

Herr Rüttinger, wie steuern Sie das im Hintergrund?

Rüttinger: Ich bin im ständigen Austausch mit den Kollegen in Frankfurt. Steuerexperten, Masterfonds, Verwahrstelle, Risikomanagement. Wenn es in die Tiefe geht, brauchen wir die Spezialisten. Das ist ja genau unser Ansatz. Meine Aufgabe ist es, in dieser Konstellation immer die Bedürfnisse des Kunden im Blick zu behalten. Viele von uns Generalisten, die als Betreuer vor Ort aktiv sind, kommen von Sparkassen, kennen also die Abläufe.

Was wird anders sein, wenn Sie Ihr Depot A 2015 neu ausgerichtet haben?

Fröhlich: Zuerst mehr Ertrag, aber auch mehr Transparenz. Weil wir dann eine einheitliche Steuerung haben, ein einheitliches Reporting und standardisierte Kennziffern, eine einheitliche Qualitätsbasis.

Können Sie das in Zahlen festmachen?

Fröhlich: Wir haben konservative Annahmen unterstellt. In unserem Hauptszenario ist die Ertragserwartung auf Sicht von fünf Jahren vier bis fünf Mal höher als der Aufwand, den wir jetzt mit der Neuausrichtung haben. Wenn wir nichts tun, landen wir im Jahr 2017 deutlich unter 1,00 Prozent im Betriebsergebnis vor Bewertung, gemessen an der durchschnitt­lichen Bilanzsumme. Allein durch den Masterfonds und die erwarteten Mehrerträge wollen wir uns um einige Stellen verbessern bei unverändertem Risiko. Das ist für uns auskömmlich, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Aber jedes 100stel ist in dieser Marktphase schwer zu erarbeiten.

Zusätzlich haben Sie ja auch Spielraum, Risiken zu erhöhen.

Schwitalla: Ja, wir sind in vielen Assetklassen gut aufgestellt, können aber auch Neues hinzunehmen. Wir planen, zunächst die Quote in Aktien und Unternehmensanleihen zu erhöhen, später auch Anleihen der Schwellenländer einzubeziehen. Diesen Schritt wollen wir erst dann gehen, wenn wir sicher sind, dass das Risiko-Overlay reibungslos funktioniert. Wir müssen jetzt einfach Geduld haben und Erfahrungen sammeln.

Welchen Rat geben Sie anderen Sparkassen, die sich die Frage der Neuausrichtung ihres Eigengeschäfts stellen?

Neuf: Nicht zu lange warten. Denn Zeit spielt einfach eine sehr große Rolle. Auf die betroffenen Abteilungen kommt viel Arbeit zu, auch wenn man externe Unterstützung hat. Da müssen schon alle mit großer Überzeugung dabei sein.

Fröhlich: Man macht sich auf den Weg einer langfristigen strategischen Risikoentscheidung. Da ist es wichtig, dass der Gesamtvorstand an diesem Prozess teilnimmt. Das ist zwar ein Zeitaufwand, hat sich aber bei uns sehr bewährt, weil wir so keinen Informationsverlust haben. Wenn es dann um die Entscheidung geht, können alle den Gesamtprozess beurteilen, das ist sehr wichtig.

Bernd Fröhlich

Bernd Fröhlich


ist seit Anfang 2013 Vorstands­vor­sitzender und Handelsvorstand der Sparkasse Mainfranken Würzburg, war zuvor Mitglied des Vorstands der Spar­kasse Fürstenfeldbruck. Seine Laufbahn bei der Sparkasse startete er mit seiner Berufsausbildung.

Helmut Neuf

Helmut Neuf


kam im Jahr 2000 als Eigenanlagenmanager zur Sparkasse Mainfranken Würzburg. Zuvor war er im DG BANK Konzern (heute DZ BANK) beschäftigt, wo er Genossenschaftsbanken in der Zinsbuch- und Depot A-Steuerung betreute.

Frank Schwitalla

Frank Schwitalla


ist seit 2013 als Eigenanlagenmanager bei der Sparkasse Mainfranken Würzburg. Bei der TAKKT AG (SDAX) übernahm er zuvor die Verantwortung für das Unternehmens-Treasury und die Betreuung der Investoren.

Hartmut Binias

Hartmut Binias


arbeitet seit 2006 als Senior Strategie­analyst im Bereich Institutionelle Kunden
in der Abteilung Strategieberatung & Consultants für die DekaBank. Davor war er mehrere Jahre als Treasurer einer
Sparkasse beschäftigt.

Thomas Rüttinger

Thomas Rüttinger


ist seit Januar 2013 bei der DekaBank als Kundenbetreuer Institutionelle Kunden Sparkassen Süd tätig. Er war mehr als 23 Jahre in der Sparkasse Mainfranken Würzburg beschäftigt, davon 13 Jahre als Eigenanlagenmanager.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, September 2014