1. Start
  2. Markt & Impuls
  3. Impuls
  4. „Kapitalplanung frühzeitig angehen“ - Sparkasse Vorderpfalz

„Kapitalplanung frühzeitig angehen“
Sparkasse Vorderpfalz

Die regulatorischen Anforderungen zur Kapitalausstattung beschäftigen die Sparkassen immer stärker. Die Sparkasse Vorderpfalz hat sich schon früh des Themas angenommen. Über die Eigenkapitalsituation von Sparkassen sprachen Nicole Dietl und Klaus Steckmann von der Sparkasse Vorderpfalz mit Deka-Eigengeschäftssteuerungs-Spezialist Christopher Bliemel.

Die Eigenkapitalanforderungen sind ein wichtiges Thema für Sparkassen. Welchen Eindruck haben Sie, wie sind die Sparkassen aufgestelltSteckmann: Ich denke, dass alle Sparkassen in der Säule I, also den regulatorischen Eigen­kapital­anforderungen, heute und in naher Zukunft grundsätzlich keine Probleme haben werden. Es wird aber meiner Ansicht nach die Wechselwirkung, nämlich die Überführung in die Säule II des ökonomischen internen Kapitals, unterschätzt. Zukünftige Anforderungen, die in der Säule I wirken, bedeuten weniger Risikotragfähigkeit in der Säule II. Und wenn die Regulatorik größere Anforderungen in der Säule II stellt, entsteht eine Zangenwirkung.


Die Sparkasse Vorderpfalz hat sich schon frühzeitig mit dem Kapitalplanungsprozess auseinandergesetzt. Wie kam es dazu?Dietl: Wir sind ein Fusions-Institut und nach dem Zusammenschluss von drei Häusern muss man sich ohnehin mit der neuen Komplexität auseinandersetzen und den Blick nach vorne richten. Die Niedrig­zins­phase wurde dabei als eine Hauptproblematik identifiziert und dies in einer Phase, in der aufsichts­rechtliche Anforderungen steigen. Stichwort: Phasing-In Basel III. Ein wesentliches aufsichtliches Element ist der Aufbau eines ausreichend langfristigen Kapitalplanungsprozesses (KPP). Den umfangreichen Prozess haben wir als Sparkasse Vorderpfalz konzipiert, umgesetzt und erkannt, dass wir uns nicht alleine auf die Säule I kaprizieren können, sondern auch die Säule II immer mit betrachten müssen und das immer mit Blick auf weitere regulatorische Anforderungen wie zum Beispiel Überarbeitung Kreditrisikostandardansatz (KSA), SREP-Zuschläge und Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch.

Nicht nur auf Säule I kaprizieren, sondern Säule II mit betrachten.

Nicole Dietl

Leiterin Unternehmenssteuerung,
Sparkasse Vorderpfalz

Welche Rolle kann die Deka beim Kapitalplanungsprozess der einzelnen Sparkassen spielen?Bliemel: Wir sind ja nicht nur Fondsgesellschaft, sondern darüber hinaus Partner in der gesamten Eigengeschäftssteuerung. Wir verstehen uns beispielsweise auch als LCR-Steuerungspartner. Und auch das Thema Eigenkapital wollen wir künftig gemeinsam mit den Sparkassen weiter voranbringen und Lösungen zur Eigenkapitalsteuerung entwickeln. Wichtig ist es zunächst, zu sensibilisieren. Wo können Probleme auftauchen? Das ist der erste Schritt, um dann gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Aber dieses Bewusstsein, was in Zukunft alles auf sie zukommen könnte, ist noch nicht bei allen Sparkassen im Fokus.


Dietl: Für unser Haus kann man konstatieren, dass wir uns schon sehr frühzeitig mit den Wirkungsweisen der neuen und höheren Eigenkapitalanforderungen auseinandergesetzt haben. Ausgangsbasis für unseren Prozess waren in erster Linie die höheren Anforderungen aus Basel III, dass wir mehr Eigenkapital und qualitativ hochwertiges Kapital vorhalten müssen als bisher. Beginnend mit 2016 haben wir das erste Mal den Kapitalerhaltungspuffer vorzuhalten. Dies führt automatisch gegenüber heute zu einer Verringerung des ökonomischen internen Kapitals.


Wie hoch ist denn aktuell die Eigenkapitalquote der Sparkasse Vorderpfalz?Steckmann: Mittlerweile liegen wir bei einer Eigenkapitalquote von rund 18 Prozent. Neben der Gewinnthesaurierung haben wir in 2015 bereits zwei zusätzliche Strategien zur Optimierung des Eigenkapitals implementiert. Die eine ist der Aufbau des Ergänzungskapitals auf bis zu 2 Prozent der risikogewichteten Aktiva (RWA). Und der zweite Punkt betrifft die Eigenkapitalabzüge des „kleinen Topfes“. Diese Eigenkapitalabzüge haben wir so weit minimiert, dass wir nur noch zu ganz geringen Abzügen kommen. Diese Themen und Impulse kommen aus der Unternehmenssteuerung also aus dem Bereich von Frau Dietl. Trotz der auf den ersten Blick auskömmlichen Eigenkapitalausstattung ist eine intensive Auseinandersetzung mit den bestimmenden Parametern erforderlich. Dies sind u.a. die RWA, der dahinterliegende KSA und auch die Auseinandersetzung mit den einzelnen Eigenkapitalbestandteilen und den Abzugspositionen.


Dietl: Im Durchschnitt haben die Sparkassen Basel III in Bezug auf Säule I erfüllt. Dies für sich genommen könnte zu einem gewissen „Ausruheffekt“ führen. Der Ausgangspunkt unserer Eigenkapitaloptimierung war die Erkenntnis, dass wir einen Säule-II-Engpass bekommen könnten aufgrund der erwarteten Ergebnisbelastungen in der Zukunft einerseits und den erhöhten aufsichtsrechtlichen Anforderungen andererseits. Unser Planungshorizont umfasst aktuell fünf Jahre und soll perspektivisch auf zehn Jahre ausgedehnt werden. Zusätzlich ist die Säule II in der langfristigen Perspektive mit zu betrachten, weil nur so die Frage nach einer ausreichenden Kapitalisierung beantwortet werden kann. Dafür bedienen wir uns verschiedener Szenarien – insbesondere über die Einschätzung der Wirkung aktueller Konsultations­papiere der EBA und des BCBS. Der Prozess ist also weniger aus einer Optimierung der Säule I entstanden, sondern eher aus der Säule II heraus.

 

 

Neben der zunehmenden Regulatorik stellt auch das Marktumfeld eine große Herausforderung dar. Wie gehen Sie damit um?Steckmann: Man darf nicht verkennen: Die Sparkassen leben – ebenso wie die Genossenschaftsbanken – hauptsächlich vom Zins und somit natürlich auch von der Fristentransformation. Die EBA und der BCBS arbeiten an einer Verschärfung der Eigenkapitalunterlegung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Verkürzt dargestellt: Die EBA über einen Säule II Ansatz und der BCBS über den sogenannten Säule I Plus Ansatz. Dies schränkt die Möglichkeit des Eingehens von Fristentransformationen ein; dies ist jedoch eine wesentliche Grundlage unseres Geschäftsmodells. Das Geschäftsmodell wird ja ohnehin in Frage gestellt durch Digitalisierung und Demografie. Die Aufsicht hat ja durchaus Recht, das Zinsänderungsrisiko stärker in den aufsichtlichen Fokus zu rücken. Aber dies darf nicht zu einer Strangulierung führen. Es führt ansonsten zu einer deutlichen Einschränkung der Handlungsfähigkeiten der Sparkassen, die zusätzlich mit der Einführung neuer Liquiditätsvorschriften (LCR) belastet sind. Und ab 2018 kommt die NSFR, die Net Stable Funding Ratio, also die strukturelle Liquiditätsquote, hinzu. Und auch diese Vorgaben führen de facto dazu, dass die Fristentransformation eingeschränkt wird.


Bliemel: Erträge zu generieren und gleichzeitig Kennzahlen wie die LCR zu erfüllen sehen wir bei vielen Sparkassen als Herausforderung. In diesem Punkt unterstützen wir die Sparkassen, indem wir LCR-Baskets anbieten, die für eine LCR-Steuerung auch auf mittelfristige Sicht geeignet sind. Wir unterbreiten den Sparkassen konkrete Umsetzungsvorschläge, die sowohl die Ertrags- als auch die LCR-Anforderungen berücksichtigen. Außerdem führen wir den Liquiditätscheck als Stellvertreterlösung für Sparkassen auch im Rahmen des Deka Treasury-Kompasses durch.


Steckmann: Wir haben eine Master-KVG bei der Deka. Sie unterstützt uns im Bereich Meldewesen, der Marktgerechtigkeitsprüfung und der LCR-Optimierung. Wir haben beispielsweise auch einen LCR-Fonds, weil wir den in der Hinterhand haben wollen, falls mal irgendetwas bei der Liquiditätskennziffer verrutschen sollte.


Bliemel: Die Steuerung von LCR-Fonds ist als eine Art Auslagerung von Komplexität zu verstehen. Wir müssen für die Sparkassen gewährleisten, dass es ein LCR-konformes Portfolio ist und auch bleibt. Diese Auslagerung ist eine Unterstützung, die die Deka für die Sparkassen anbietet. Wir sind als Deka daran interessiert, gemeinsam mit den Sparkassen neue skalierbare Lösungen zu entwickeln, die allen helfen und einen relevanten Nutzen bieten. Darunter fallen auch der Liquiditätscheck und die Markt­gerechtig­keits­kontrolle, um die Sparkassen weiter zu entlasten. Diese Services werden immer stärker in Anspruch genommen, weil die Sparkassen die Notwendigkeit und die Vorteile erkannt haben.

Die Ertragskrise wird kommen. Was wir aber zwingend vermeiden müssen, ist eine Vermögenskrise.

Klaus Steckmann

Vorstandsmitglied,

Sparkasse Vorderpfalz

Wagen wir einen Ausblick: Wie ist die Situation in ein paar Jahren? Spielt das Thema dann noch eine so große Rolle?Steckmann: Dem Ertragsminderungsdruck werden wir nicht entgehen können. Der ist einfach da. Die Ertragskrise wird kommen. Was wir aber zwingend vermeiden müssen, ist eine Vermögenskrise. Das heißt: Ich muss das Vermögen so optimieren, dass ich gar nicht in die Situation einer Vermögenskrise kommen kann. Und da gilt es, sämtliche Spielfelder der Säule I und Säule II auszunutzen. Dafür muss man sich intensiv und früh mit dem Thema auseinandersetzen. Unsere Themen sind die RWA-Optimierung, die Zinsänderungsrisiken anders und besser bewerten zu können und Risikomessmethoden mit der Deka gemeinsam weiterzuentwickeln.


Bliemel: Eine wichtige Unterstützung dabei ist der Deka Treasury-Kompass. Wir sehen auch, wie über die Jahre die Veränderungen in den Zinserträgen, die Risikotragfähigkeit und das Risikodeckungspotenzial beeinflusst haben. Deshalb haben wir frühzeitig den Dialog mit den Sparkassen gesucht. Beispiele sind die Diversifizierung von Eigenanlagen und dafür benötigte Unterstützungsleistungen bei der Produkt­einführung, aber auch Steuerungs- und Sicherungsinstrumente sind bei vielen Sparkassen ein aktuelles Thema. Unsere NPP-Eingabehilfen für SCD sind für viele institutionelle Kunden der Deka bereits zu einem im Alltag erprobten Instrument geworden.


Welche Dienstleistung von der Deka haben Sie konkret genutzt?Dietl: Das sind im Wesentlichen vier Kernfelder. Zum einen das Thema Stabilisierung der Erträge durch eine diversifizierte Asset-Struktur. Wir nutzen die Produkte der Deka als Vehikel, um etwa Märkte zu bewirtschaften, die wir in Direktanlagen so nicht bewirtschaften. Wir profitieren also von der speziellen
Expertise der Deka. Das zweite Thema ist die Deka als Masterfonds-Lösung, weil wir eine gute Unterstützung der Fonds im Risikomanagement benötigen. Ein weiteres Feld ist das Thema der Kapitalbasis. Wir haben für uns eine Optimierung vorgenommen, um Kapitalabzüge zu vermeiden. Das ging mit der Deka sehr gut. Das funktioniert auch, weil die Deka sich mit der Regulatorik intensiv auseinandersetzt und uns als Sparringspartner schätzt. Man braucht dieses Verständnis dafür und das hat längst nicht jeder Asset Manager. Das ist ein Differenzierungsmerkmal.

Wir sind als Deka daran interessiert, gemeinsam mit den Sparkassen skalierbare Lösungen zu finden.

Christopher Bliemel, CEFA

Leiter Strategieanalyse & Asset-Liability-Management bei der DekaBank

Welche Impulse wollen Sie anderen Sparkassen geben?Steckmann: Mein Rat lautet: Beschäftigen Sie sich in der Säule I und der Säule II nicht nur mit der Kennziffer, sondern auch mit Zähler und Nenner intensiv. Und das möglichst frühzeitig. Der KPP wird häufig noch als ein Instrument empfunden, das man im Grunde nur für die Aufsicht machen muss. Doch in Wirklichkeit ist der KPP das Steuerungsinstrument Nummer 1. Die Aufsicht nutzt den KPP als Regulierungsinstrument.


Dietl: Ganz wichtig aus unserer Sicht ist Folgendes: Die Kapitalplanung sollte nicht nur isoliert in der Säule I betrachtet werden, sondern auch in der Säule II. Es war bei uns eine frühzeitige Erkenntnis, dass die Kapitalplanung langfristig angelegt sein muss. Wichtig ist die längere Perspektive in die Zukunft.


Bliemel: Das ist genau der Fokus, den auch wir haben: Sparkassen als Anteilseigner und Kunden langfristig konkret zu unterstützen, die Stabilität zu festigen und Alternativen zur Reduktion von Komplexität anzubieten. Deswegen begleiten wir intensivregulatorische Herausforderungen wie die LCR oder Themen der zukünftigen Eigenkapitalanforderungen. Daraus resultieren Lösungen zur effizienten Steuerung von Risikobudgets oder die Überprüfung der Tragfähigkeit einer Asset Allocation.


Ist in diesem Bereich ein Wandel bei der Deka festzustellen?Steckmann: Ja, ganz eindeutig. Den Stand-Alone-Produktverkauf, wie er früher üblich war, gibt es nicht mehr. Der Partner muss die Säule I betrachten, er muss die Säule II betrachten und, ganz wichtig, auch die Säule III, also die Themen Offenlegung und Durchschaumethodik. Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Deka sich auf allen drei Ebenen der Baseler Säulen professionalisiert hat. Gerade auch in der Säule III der Offenlegung und Durchschaumethodik, die die Sparkassen heute und in der Zukunft vor große Herausforderungen stellt.

 

Nicole Dietl


ist seit 1993 in der Sparkassen-Finanzgruppe tätig und aktuell Leiterin der Unternehmenssteuerung der Sparkasse Vorderpfalz.

Klaus Steckmann


ist seit 1984 in der Sparkassen-Finanzgruppe tätig, war 2004 - 2012 Mitglied des Vorstands der Volksbank Ettlingen und ist seit 2012 Mitglied des Vorstands der Sparkasse Vorderpfalz.

Christopher Bliemel


ist Leiter Strategische Eigengeschäftssteuerung & Asset-Liability-Management, DekaBank.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Januar 2016