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Infrastruktur
Top-Anlagethema für institutionelle Investoren

Infrastruktur als Geldanlage – vor wenigen Jahren war dies für die Mehrzahl der institutionellen Investoren noch eine eher exotische Nische. Schließlich bestand kein Anlass, über die bewährte Mischung aus Anleihen, Aktien und Immobilien hinauszudenken. Doch das anhaltende Niedrigzinsumfeld hat den bewährten Rezepten z. T. die Kalkulationsgrundlage entzogen. Um ihre Renditeverpflichtungen erfüllen zu können, schlagen professionelle Anleger neue Wege ein. Vermehrt ziehen sie Investments in Form von Finanzierung von Infrastrukturprojekten in Betracht. Dafür gibt es gute Gründe, jedoch sind auch die Besonderheiten dieser Anlageklasse zu bedenken.

Institutionelle Anleger geben in Umfragen mit überwältigender Mehrheit an, dass Infrastruktur­investitionen für sie attraktiv sind. Die meisten Befragten haben sich auch schon entsprechend engagiert. Dennoch ist der Anteil von Infrastruktur in den Anlageportfolios bislang vergleichsweise gering. „Der Trend zu mehr Infra­struk­tur­investments wird sich in den nächsten Jahren weiter verstärken“, prognos­tiziert Thomas Kling, der das Kreditgeschäft der DekaBank leitet. Gerade die Finanzierung von Infrastrukturprojekten bietet Vorteile wie kaum eine andere Anlageklasse.

Infrastruktur – eine Klasse für sich

Dass Infrastruktur auf dem besten Weg ist, eine eigene Anlageklasse zu werden, steht für Kling außer Frage: „Institutionelle Investoren schätzen nicht nur die gut prog­nostizierbaren und regelmäßigen Cashflows. Lange Laufzeiten untermauern die langfristigen Perspektiven dieser Anlageform. Sie sehen auch den Vorteil der geringen Korrelation zu anderen Assetklassen und den damit verbundenen Diversifikationsbeitrag im Anlageportfolio.“ Für diese Anlageform spricht auch, dass sich gegenüber den Nutzern der jeweiligen Infrastruktur Preisanhebungen durchführen lassen, sofern dafür Gründe vorliegen.
Die Zahlungsströme beinhalten damit einen potenziellen Inflationsausgleich, was Infrastruktur aus dem Blickwinkel des Asset-­Liability-Managements noch attraktiver macht. Nicht zuletzt bieten Infrastruktur­investitionen einen hohen Substanzwert, der bei reinen Finanzforderungen nicht gegeben ist.

Der unübersehbar hohe Investitionsbedarf im Bereich der Verkehrs-, Energie- und Bildungsinfrastruktur lässt ein großes Interesse an einer Finanzierungsbeteiligung institutioneller Investoren erwarten. So ver­an­schlagt die OECD den globalen Finanz­ier­ungs­bedarf im Bereich Infrastruktur allein für Europa auf 10 Billionen Dollar in den nächsten 15 Jahren. Angesichts der aktuellen Staatsverschuldung haben viele Länder jedoch kaum noch finanziellen Spielraum für Ausbau und Erhalt notwendiger Infrastruktur. Dabei ist Infrastruktur ein wesentlicher Standortfaktor im globalen Wettbewerb. Infrastruktur stellt das Rückgrat einer Volkswirtschaft dar, deren Stillstand oder gar Verfall sich keine Regierung leisten kann.

Noch verhaltenes Interesse der Politik

In Deutschland ist die Diskussion um private Infrastrukturinvestitionen speziell durch die Energiewende in Gang gekommen. Im Fokus stehen Finanzierungen für den Bau kostspieliger Offshore-Windkraftwerke und neuer Stromtrassen. „Allerdings sieht die deutsche Politik eine stärkere Inanspruch­nahme privater Finanzierungsquellen vielfach noch skeptisch“, berichtet Kling. Ein Grund hierfür ist nach seiner Einschätzung die verbreitet kritische Einstellung gegenüber Finanzinvestoren. Auch in Europa befindet sich der Markt für private Investments in Infrastruktur noch in einem frühen Stadium. „In Anbetracht des Investitionsstaus und der Haushaltszwänge erwarten wir jedoch, dass es einen intensiveren Dialog zwischen Politik und institutionellen Investoren geben wird“, so Kling. Zusätzlichen Schub dürften Infrastruktur­investitionen durch die europäische Solvency-II-Richtlinie erhalten, die auf verbesserte Diversifikation und geringere Volatilität der Erträge bei Versicherungen abzielt. Kling bestätigt: „Wir sehen bei unseren Kunden ein zunehmendes Interesse an der Finanzierung von Projekten zur öffentlichen Daseinsvorsorge.“

„Der Trend zu mehr Infrastruktur­investments wird sich in den nächsten Jahren weiter verstärken.“

Thomas Kling

Leiter Kreditgeschäft der DekaBank

Großes Potenzial, aber hohe Komplexität

Es gibt also ein großes Marktpotenzial und zudem ein wachsendes Interesse aufseiten der institutionellen Investoren. In der praktischen Umsetzung sind jedoch einige Herausforderungen zu beachten. „Wer sich in diesem Markt aktiv positionieren will, darf die hohe Komplexität in diesem Anlage­segment nicht unterschätzen“, sagt Kling, der für die DekaBank schon seit 18 Jahren im Bereich der Kreditfinanzierung aktiv ist. Aus Erfahrung weiß er, wie wichtig die sorgfältige Auswahl von geeigneten Projekten ist. Zudem müsse die Auswahl der richtigen Instrumente auf den Bedarf des jeweiligen Investors abgestimmt sein. „Es gibt nur wenige Asset Manager und Anleger, die dafür die notwendige Expertise besitzen“, so Kling.

Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele. Zentral ist dabei die Frage, ob ein Investor als Fremd- oder Eigenkapitalgeber auftreten will. „Generell sind Infrastrukturinvestments ihrer Natur nach wenig liquide und nur bedingt marktgängig. Dies gilt besonders für Eigenkapitalinvestitionen, in abgeschwächter Form für fremdkapitalbasierte Anlagen, also Infrastrukturkredite“, erklärt Kling. Die komplexe Konstruktion werfe zudem Bewertungsfragen auf, die Eigenkapitalanlagen in Infrastruktur für institutionelle Anleger wenig attraktiv machten. Aus Solvency-II-Sicht führen Eigenkapitalinvestments in Infrastruktur zu hohen Eigenkapital-Unterlegungspflichten bei Investoren, die dem Versicherungsaufsichtsgesetz unterliegen.

Zu beachten ist auch, dass Infrastruktur in Deutschland zumindest bislang regulatorisch (bezogen auf die Versicherungsbranche) nicht als eigene Assetklasse gilt, sodass Infrastrukturinvestments zulasten der Quoten für andere Assetklassen gehen. Auch hier ist zwischen Eigen- und Fremdkapital zu unterscheiden.

„Alles in allem stellen Fremdkapitalanlagen zurzeit die attraktivste Form der Investition in Infrastruktur für institutionelle Anleger dar“, lautet Klings Fazit. Denn sie zeichnen sich durch ihr klar begrenztes Risiko aus. Gegenüber anderen Fremdkapitalanlagen vergleichbarer Rentabilität bieten sie niedrigere Ausfallwahrscheinlichkeiten bei gleichzeitig hohen Wiedereinbringungsquoten. Ob ein Angebot jedoch insgesamt attraktiv ist, muss sehr genau geprüft werden. Umso wichtiger ist ein starker Partner, der langjährige Markterfahrung und hohe Gestaltungskompetenz mitbringt.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juli 2014