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Die Kapitalmärkte 2019
Chancen im Blick

Regulatorische Vorgaben und die Risikoüberwachung durch Gesetzgeber und Behörden verschärfen unfreiwillig die Herausforderungen, vor denen institutionelle Anleger stehen. Die meisten Investoren müssen den überwiegenden Anteil ihres Gesamtportfolios in festverzinslichen Wertpapieren anlegen – meist im mittel- und langfristigen Anlageuniversum. Zwar können sich diese Marktteilnehmer derzeit noch über gute Kursgewinne in den investierten Anleiheportfolios freuen. Bei einem moderaten Zinsanstieg schmelzen diese Kursgewinne aber wieder weg. Dies führt zu einem strategischen Dilemma: Bleiben die Anleihen im Portfolio, entstehen in den nächsten Monaten zumindest Buchverluste. Werden die Anleihen veräußert, um Kursgewinne zu realisieren, fehlen attraktive alternative Anlageoptionen: Neuanlagen im festverzinslichen Anlagesegment bieten keine Alternative. Beim Ausweichen auf andere Anlageklassen ändern sich die Risikoprofile. Und ein Engagement in so genannten High-Yield-Anleihen oder Emerging Markets Debt bringt eine deutliche Renditeverbesserung, kann aber nur bedingt in institutionellen Portfolios ein- und umgesetzt werden. Bleibt eine Investition in variabel verzinsliche Wertpapiere. Grundsätzlich denkbar, leider aber noch zu selten angeboten. Absicherungsstrategien (Overlay) mit Derivaten können Anleger vor Kursverlusten schützen. Nachteil: Höhere Kosten und damit eine zusätzliche Minderung des ohnehin niedrigen Portfolio-Ertrages.

„Für institutionelle Anleger würden nur signifikante Zinserhöhungen den Renditedruck mindern. Eine Erhöhung um 40-50 Basispunkte hilft nicht.“

– Susanne Hellmann

 

Dennoch bewertet die Deka die Marktperspektiven für 2019 optimistischer als die Entwicklung 2018. Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater sieht angesichts der Flexibilität der Geldpolitik positive Signale für die Kapitalmärkte, solange die Konjunktur eine bestimmte Grunddynamik behält (mehr dazu in „Katers Welt“ auf S. 19). Für Susanne Hellmann, Leiterin Vertrieb Institutionelle Investoren, hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gezeigt, dass die EZB einen guten Job macht, sowohl in ihrer Kommunikation zum Markt als auch in der Bewertung ihrer Aktivitäten im Hinblick auf die Marktentwicklungen. Im Vergleich zu vielen Situationen in der Vergangenheit ist die EZB nicht mehr „behind the curve“. Daher hat sich nach Hellmanns Einschätzung nach den Korrekturen 2018 die Perspektive für 2019 deutlich aufgehellt: „Es gibt gute Opportunitäten, um neu einzusteigen und sich zu positionieren. Die Spreadausweitungen in den Rentenspezialitäten bieten attraktive Einstiegsmöglichkeiten und taktisch gute Perspektiven für Sondererträge. Gerade europäische Corporates oder auch Emerging-Markets-Währungsanleihen, die 2018 deutlich unter Druck geraten sind, werden wieder attraktiv.“

Wie realistisch sind solche signifikanten Zinserhöhungen für 2019?

DR. KATER „Wir gehen davon aus, dass sich der moderate Zinsanstieg, den wir bis jetzt erlebt haben, sowohl im Euroraum als auch in den USA nur noch wenig fortsetzen wird. Die EZB wird versuchen, auch gegen Schwächesignale der Konjunktur ihren Kurs fortzuführen, der auf eine Erhöhung der Leitzinsen um 1 Prozent in den kommenden vier Jahren ausgerichtet ist. Für ein Inflationsszenario, das dafür sorgt, dass die Notenbanken die Zinsen schneller und stärker anheben müssen als erwartet, sehen wir derzeit keine Anzeichen. Denn dafür müsste der Aufschwung kräftig weitergehen und sich die Konjunktur 2019 besser entwickeln, als dies bislang erwartet wird. Damit ist aber nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Eine solche konjunkturelle Entwicklung wäre eine dicke Überraschung und würde die Märkte auf dem linken Fuß erwischen. Die Aufwärtsentwicklung ist zehn Jahre alt, und sie schwächt sich zurzeit ab – sowohl in den USA als auch im Euroraum sowie in der Volksrepublik China.“

 

 

Welche Anlagestrategien gibt es für institutionelle Anleger im Niedrigzinsumfeld?

SUSANNE HELLMANN „Viele Anleger versuchen über eine möglichst breite Diversifikation im Portfolio die Rendite zu optimieren. Gesucht sind speziell im illiquiden Alternative- Bereich Anlagestrategien, die einen Renditeaufschlag zu den herkömmlichen traditionellen Anlageklassen haben, zugleich aber noch ein vertretbares Risikoprofil bieten. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Strategien entwickelt: Private Debts, Infrastrukturfinanzierungen, Senior Secured Loans oder Immobilieninvestments. Dabei kommt es entscheidend auf die enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Administrationsplattformen an. Bei Aktien werden verstärkt modellbasierte Strategien aufgesetzt, die Faktorenansätze implementieren. Gerade mittlere und kleinere institutionelle Anleger greifen daher auf Multi-Asset-Strategien zurück, die eine sinnvolle und hochwertige Portfolio-Zusammensetzung aus einer Hand anbieten.“

„Viele Faktoren sprechen für dauerhaft niedrige Zinsen. Dazu zählen unter anderem die Signale für eine Abschwächung der konjunkturellen Entwicklung, moderate Tarifabschlüsse und der geringere Kapitalbedarf der digitalen Dienstleistungs-Ökonomie.“

– Dr. Kater

Wie sollten Anleger mit der Zinsschere zwischen den USA und dem Euroraum umgehen?

SUSANNE HELLMANN „Ein Anlegen auf dem amerikanischen Rentenmarkt ist aktuell zwar attraktiver als in Europa, aber die Hedgingkosten zehren diesen Renditeaufschlag fast gänzlich wieder auf. Attraktiver wären in diesem Falle dann auch Investitionen im Bereich der High-Yield-Anleihen oder Emerging Markets Debt, die durch die Spreadausweitung der vergangenen Monate schon eine Kurskorrektur gesehen haben und wieder deutliche Renditeaufschläge zu den Core Investments im Fixed-Income-Bereich zeigen.“

„Die Divergenz zwischen dem US-Zinsniveau und dem Zinsniveau im Euroraum setzt die EZB nicht unter Druck. Sie zeigt die Unabhängigkeit der EZB von den USA.“

– Dr. Kater

Wie sollten sich insitutionelle Investoren auf Überraschungen vorbereiten?

SUSANNE HELLMANN „Im Rahmen der möglichen Diversifikation sollten Ablauffiktionen grundsätzlich ausgenutzt werden, um die Risiken der unterschiedlichen Asset-Klassen gegeneinander auszusteuern. Anleger sollten keine Scheu vor Rentenspezialitäten oder strukturierten Produkten haben, da sie genau diese Diversifikation ermöglichen. Das immer wieder vorgeschobene Thema der Illiquidität spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, da es keinen Anleger gibt, der innerhalb eines Tages sein gesamtes Portfolio liquidieren muss und sollte. Und auch die Bewertung von alternativen Asset-Klassen im Vergleich zu den klassischen Anlageformen wie Aktien und Renten beeinflusst nicht zwangsläufig die Bilanz bzw. die Eigenkapitalunterlegung negativ.“

„Zwar würde eine ausgewachsene Rezession viele Analysten dann doch überraschen, aber am wenigsten haben alle die Fortsetzung des kräftigen Aufschwungs auf dem Schirm.“

– Dr. Kater

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Februar 2019