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Die Weichen für die Zukunft stellen
Portfoliovergleich mit dem Deka Treasury-Kompass

Der Deka Treasury-Kompass eröffnet Sparkassen neue Perspektiven und ermöglicht einen viel­schichtigen Vergleich innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Teilnehmende Institute können so ihre Ist-Situation überprüfen und bei Bedarf neue Wege gehen.

Seit 2012 erhebt die Deka gemeinsam mit teilnehmenden Sparkassen den Deka Treasury-Kompass. Die Studie umfasst Angaben zu Kreditportfolio, Cashflow, Depot-A-Beständen sowie Steuerungs­kennzahlen und wertet sie aus. Teilnehmende Institute erhalten hierbei ein repräsentatives Gesamtbild im Vergleich zur Lage aller Sparkassen, zur Region sowie zu Instituten ähnlicher Größe und können so die eigene Struktur bewerten und die künftige Strategie daran ausrichten. Die jüngsten Ergebnisse der Studie enthalten erweiterte Vergleiche zu SREP [Zinsänderungsrisiko (ZÄR)] und Impulse zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen. „Mit 231 Teilnehmern bildet der Deka Treasury-Kompass 56 Prozent aller Sparkassen ab und ist damit ein etablierter und repräsentativer Bestandteil in der Sparkassen-Finanzgruppe“, so Matthias Kowallik, Leiter Sparkassen und Finanzinstitute der Deka.


Der 2016 erhobene fünfte Deka Treasury-Kompass ermöglicht es, Bilanzstrukturen im Zeitablauf aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Zentrales Thema für Sparkassen ist der sinkende Zinsüberschuss. Besonders kritisch in diesem Zusammenhang: Die Durchschnittsverzinsung auf der Aktivseite sinkt schneller als auf der Passivseite. Zugleich sehen sich Sparkassen weiterhin einem starken Ertrags- und Regulierungsdruck ausgesetzt.

Entwicklung des Zinsüberschusses

Quelle: Deka Investments; Stand: Dezember 2016

Optimierte Erfüllungsportfolios: Regulierung und Rendite

Da der wachsende Druck der Regulierung für Sparkassen zugleich auch ein Kostenfaktor ist, ist es notwendig, die Vermögensklassen neu auszurichten. Der Deka Treasury-Kompass unterscheidet Assetklassen und Wertpapiere mit der sogenannten Fußnote hinsichtlich ihrer Rolle für das Treasury-Management in Ertrags- und Erfüllungs­portfolios. Die Erfüllungs­portfolios dienen vor allem der Steuerung der strategischen LCR-Quote mit dem Ziel, die Vorgaben zu erfüllen, Kosten zu senken und bestmöglich sogar Erträge zu erzielen. Viele LCR-fähige Wertpapiere werden nach einem Buy-and-hold-Ansatz verwaltet und rentieren inzwischen im negativen Bereich. Es bietet sich an, mit einem aktiven Management­ansatz gegenzusteuern und LCR-Papiere mit negativen Renditen gegen Papiere mit positiven Renditen im HQLA-Universum zu tauschen. Dieser aktive Tausch von negativen in positive Renditen ist der „springende Punkt“, um die Kosten der LCR-Erfüllung reduzieren zu können. „Die Deka bietet dieses Management im Rahmen von LCR-Spezialfonds an und ermöglicht es Sparkassen auf diese Weise, regulatorische Vorgaben zu erfüllen und zugleich positive Renditen zu vereinnahmen“, erklärt Kowallik.

 

Der Deka Treasury-Kompass liefert Sparkassen Steuerungsimpulse, um geeignete Quoten für das Erfüllungs­portfolio zu erreichen und freie Potenziale auf Seiten des Ertragsportfolios identifizieren und nutzen zu können. Die Ertragsportfolios kombinieren strategische Ertragsquellen und Marktopportunitäten. Es werden beispielsweise Spread­unterschiede in unterschiedlichen Kreditmärkten (Positive Basis), Abrolleffekte im Hochzinsmarkt und maßgeschneiderte Aktienertragsquellen genutzt. Das übergeordnete Ziel ist es planbare, ordentliche, Erträge zu generieren.

 

„Der aktuelle Deka Treasury-Kompass zeigt zwar, dass Sparkassen ihre Erfüllungsportfolios bereits zunehmend effizienter organisieren und zu hohe LCR-Quoten abbauen“, schildert Kowallik. „Dennoch besteht bei vielen Instituten noch immer Potenzial, Erfüllungsportfolios zu optimieren.“ Die Deka unterstützt Sparkassen bei diesem Vorhaben und bietet beispielsweise zur Optimierung des SREP-Kapitalzuschlags verschiedene Umsetzungs­möglichkeiten an. Werden Erfüllungsportfolios effizienter gestaltet, entsteht Spielraum, Ertragsportfolios diversifizierter aufzustellen sowie das absolute Eigenkapital und damit die künftige Wettbewerbsfähigkeit effizient zu stärken. Wie der Deka Treasury-Kompass zeigt, ist eine solche Entwicklung bereits im Gange: 2016 teilnehmende Sparkassen haben Bestände an Aktien, Hochzinsanleihen, Immobilien, aber auch Staatsanleihen seit 2013 kontinuierlich aufgebaut. Beim detaillierten Blick auf die einzelnen Anlageklassen zeigen sich allerdings teilweise deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Sparkassen. Von 231 Teilnehmern sind 39 überhaupt nicht in Aktien investiert. Im Durchschnitt liegt die Aktienquote der 191 investierten Sparkassen bei rund drei Prozent des Depots A. Nach einem geeigneten DAX-Niveau zum Einstieg in die Anlageklasse gefragt, zeigen sich die teilnehmenden Sparkassen sehr zurückhaltend. „Eine Alternative zur reinen Investition in Aktien können für Sparkassen Aktienanleihen darstellen, die von den Experten der Deka individuell in bestehende Ertragsportfolios eingepasst werden können“, betont Kowallik.

Verteilung der Aktienvolumina in den Sparkassen

Quelle: Deka Investments; Stand: Dezember 2016

Bonitätsrisiken von Krediten und Anleihen erstmals im Vergleich

Auch bei den Assetklassen Schwellenländer-Anleihen und Hochzinsanleihen zeichnet der Deka Treasury-Kompass ein äußerst heterogenes Bild. Die im Rahmen der vergangenen Erhebung befragten Institute sind in diesen Anlageklassen mehrheitlich nicht engagiert oder investieren unterhalb der gemittelten Anlage­summe. Trotzdem hat der steigende Ertragsdruck auch bei diesen Assetklassen über die Jahre zu einer größeren Allokation in den Portfolios der Sparkassen geführt. Im Gespräch mit einzelnen Instituten zeigt sich, dass Sparkassen, die bereits zuvor in Anlageklassen wie Aktien oder High-Yield-Anleihen investiert waren, eine neuerliche Anlage deutlich leichter fällt.

 

Eine Neuerung im Deka Treasury-Kompass war 2016 die erweiterte Betrachtung von Bonitätsrisiken. Erstmals bestand für teilnehmende Sparkassen die Möglichkeit, die Ausfall­wahrscheinlichkeit (Probability of Default; PD) ihres Blankokreditvolumens mit den Ausfallrisiken von Anleihe­portfolios zu vergleichen. Dies sorgt bei Sparkassen für neue Perspektiven bei der Betrachtung von Bonitätsrisiken. „Die Ausfallrisiken im Bereich der Kredite wiesen eine starke Streuung auf, wohingegen sich die Bonitätsrisiken bei Anleiheinvestments verstärkt im Bereich der guten bis sehr guten Ratings bewegten“, schildert Kowallik. „Ergebnisse wie diese offerieren am Deka Treasury-Kompass teilnehmenden Sparkassen neue Perspektiven und können wichtige Impulse für das künftige Handeln liefern“, so der Leiter Institutionelle Kunden – Sparkassen und Finanzinstitute. So könnten Sparkassen Risiken effizienter kombinieren und letztendlich robustere Erträge erzielen. Auch eine Unterteilung nach Ertrags- und Erfüllungsportfolios eröffne neue Möglichkeiten in der Betrachtung und Steuerung der Anlageklassen, betont Kowallik.

Im Überblick

Teilnahmebedingungen

 

Die Teilnahme am Deka Treasury-Kompass steht jeder Sparkasse kostenfrei zur Verfügung. Nach der Anmeldung werden sämtliche Informationen rund um die Lieferung der Daten den Sparkassen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der Dateneinlieferung von 2017 sind ab Herbst verfügbar.

Der Deka Treasury-Kompass in der Praxis
Kollektiv analysieren, individuell agieren

 


Andreas Peters
Vorstandsvorsitzender,
Sparkasse Rhein-Nahe

Leiter Treasury, stellvertretender
Handelsvorstand
Sparkasse Rhein-Nahe

Was bringt Sparkassen der Deka Treasury-Kompass und wo stößt die Studie an ihre Grenzen? Andreas Peters, Vorstand der Sparkasse Rhein-Nahe, und Thomas Stephan, Leiter Treasury, über ihre Erfahrungen.


 

Welchen Herausforderungen blicken Sie angesichts des sinkenden Zinsüberschusses entgegen?

Andreas Peters: Um Situationen analysieren zu können, ist eine objektive Bestands­aufnahme wichtig. Dabei war uns der Deka Treasury-Kompass in der Vergangenheit von großem Nutzen. Vor zwei Jahren haben wir angesichts der besonderen Markt­situation beschlossen, unsere Risiko­tragfähigkeit neu zu allokieren. Dabei hat uns die Deka tatkräftig unterstützt, so dass wir inzwischen über 100 Millionen Euro in alternative Anlage­klassen investiert haben. Insgesamt haben wir auch im Hinblick auf die Opti­mierung unserer Risiko­tragfähigkeit die Asset­klassen unter dem Gesichts­punkt Chancen und Risiko deutlich ausgeweitet.

 

Thomas Stephan: Die besondere Heraus­forderung in diesem Zusammen­hang besteht darin, trotz zusätzlicher Investitionen Kennzahlen wie Risiko­tragfähigkeit, Zinsänderungs­risiko und LCR-Quote einzuhalten. Aus diesem Grund ist es nicht der sinkende Zinsüber­schuss allein, der Sparkassen dazu bringt, neue Wege zu gehen.

 

Vor zwei Jahren haben die Ergebnisse der Studie Ihre Sparkasse dazu motiviert, gemeinsam mit der Deka neue Lösungen zu suchen. Welche Impulse waren dafür konkret ausschlaggebend?

Peters: Wir haben bereits vor Jahren durch den Verkauf kurzer Fixed-Income-Titel die Duration zur Ertrags­optimierung ausgeweitet. Der Deka Treasury-Kompass hat uns damals gezeigt, dass wir überdurchschnittlich gut dastehen. Dieses Ergebnis war für uns aber kein Signal, uns auf dem Erreichten auszuruhen. Vielmehr haben wir beschlossen, den Weg hin zu mehr Diversifikation konsequent weiter zu beschreiten. Bei alternativen Anlageklassen wie Immobilien haben wir dann gemeinsam mit der Deka zusätzliche Potenziale für uns identifiziert und bauen unser Engagement in diesem Bereich seitdem
Schritt für Schritt aus.

 

„Der Treasury-Kompass sollte eine objektive Bestands­aufnahme sein, die den Anstoß zu maß­geschneiderten Lösungen gibt.“

Andreas Peters

Heißt das, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen?

Stephan: Gerade bei Immobilien müssen Investoren geduldig sein. Geeignete Investitions­ziele sind nicht ständig am Markt verfügbar und müssen daher nach und nach erworben werden. Hinzu kommt die hohe Nachfrage nach guten Objekten. Auch bei anderen Anlage­klassen, wie beispiels­weise US-amerikanischen Corporate Bonds, haben wir nicht alles auf einmal investiert. Es empfiehlt sich, eine Anlageklasse zunächst kennen­zulernen und einen Markt behutsam zu erschließen. Uns war wichtig, dass wir trotz einer veränderten Risiko­tragfähigkeit auf Qualität setzen. Dabei hat uns die Deka kontinuierlich zur Seite gestanden.

 

Sehen Sie Risiken dank des Deka Treasury-Kompasses aus einer neuen Perspektive?

Peters: Da wir das Thema Risikotragfähigkeit bereits vor Jahren als für uns zentral identifiziert haben, konnten uns die Ergebnisse der Studie nicht überraschen. Der Deka Treasury-Kompass belegt aber, dass es viele andere Sparkassen gibt, die sich mit den Ergebnissen ergebnisoffen auseinander­setzen sollten. Gerade im Bereich der LCR-Quote gibt es für viele Häuser sicherlich noch Potenziale, die sich – wir haben den Prozess gemeinsam mit der Deka bereits durchlaufen – vergleichsweise einfach heben lassen.


Stephan: In diesem Zusamm­enhang haben wir um Anlage­vorschläge gebeten und einen Teil dieser Ideen dann in zwei Tranchen 2015 umgesetzt. Konkret ging es dabei um strukturierte Anleihen und US Corporates.

 

Sie sind nun schon seit Jahren beim Deka Treasury-Kompass dabei. Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Peters: Die Studie muss auch weiterhin die individuellen Gegebenheiten einer jeden Sparkasse berück­sichtigen. Das bedeutet auch, dass es für einzelne Häuser keine Muster­lösungen geben kann. Der Treasury-Kompass sollte eine objektive Bestands­aufnahme sein, die den Anstoß zu maßge­schneiderten Lösungen gibt. Nehmen wir das Beispiel der Immobilien. Diese Anlage­klasse kann für kontinuier­liche Erträge sorgen. Zugleich ist sie jedoch sehr illiquide. Die Frage, welchen Anteil illiquider Investments sich eine Sparkasse leisten kann, muss individuell beantwortet werden. Es wäre nicht richtig, von unserer Entscheidung für Immobilien auf andere Sparkassen zu schließen.


Stephan: Auf keinen Fall sollten die Ergebnisse dazu führen, dass bestimmte Produkte als bes­tmögliche Lösungen dargestellt werden. Wie Sparkassen auf Herausfor­derungen reagieren, muss auch weiterhin Gegen­stand von Einzelent­scheidungen bleiben. Ich wünsche mir, dass der Treasury-Kompass weiterhin für objektive Ergebnisse und Vergleich­barkeit steht. Auf dieser Basis können Sparkassen gemeinsam mit den Partnern der Deka die richtigen Entschei­dungen treffen.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Mai 2017