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Ausblick 2015
Entschleunigte Wirtschaft

Staatsanleihen, deren Renditen nahe null liegen oder sogar negativ sind – 2014 mussten sich institutionelle Anleger endgültig auf das renditefreie Risiko einstellen. Vor dem Hintergrund eines ent­schleu­nigten Wachstums, zögerlicher Investitionen und extrem niedriger Inflationsraten zeichnet sich 2015 keine Wende ab.

In Deutschland dürfte die Konjunktur nach einem verhaltenen Jahresbeginn wieder an Fahrt gewinnen. „Wir rechnen mit einem Wachstum von 1,3 Prozent 2015 und 2 Prozent 2016“, lautet die Prognose von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. „Daran haben der sinkende Euro und die rückläufigen Ölpreise mit insgesamt gut 0,5 Prozent Wachstumsbeitrag pro Jahr einen großen Anteil – und das wird durch die Griechenland-Turbulenzen auch nicht infrage gestellt.“ Die Unternehmen und Haushalte seien weiterhin gut aufgestellt, nur der nötige Rückenwind habe gefehlt. Das sollte die Wirtschaftspolitik aber nicht davon entbinden, die Standortvorteile Deutschlands zu erhalten. Dazu gehörten Bildung, Infrastruktur, stabile Lohnstückkosten und ein funktionierender Heimatmarkt in Europa, erläutert der Chefvolkswirt.

 

Der europäische Markt zeigt sich bislang in einer schwachen Verfassung, allerdings nicht überall in gleichem Maße. „In ganz Euroland bleiben die Wachstumsraten weit hinter dem zurück, was man in ‚normalen Zeiten‘ nach einer langen Schwächephase erwarten würde“, sagt Dr. Kater. Doch seit 2008 seien die Zeiten nicht mehr normal. Weiterhin deckele der notwendige Schuldenabbau bei Staat, Unternehmen und Haushalten die Wachstumsmöglichkeiten. Ausnahmen sind die Re­­­form­länder der Peripherie, die gegenwärtig die Früchte ihrer Reformanstrengungen ernten.

 

In Irland, Spanien und Portugal ist die Re­zession einem erfreulichen Wachstum gewichen und die Arbeitslosigkeit sinkt. Demgegenüber steht Griechenland vor Neuwahlen, bei denen reformfeindliche Parteien einen Sieg erwarten können. Die Märkte reagieren bisher gelassen, wohl auch, weil unserem Hauptszenario ent­sprechend Griechenland – unabhängig vom Wahlausgang – in der Währungs­union bleibt, wenngleich es zuvor harte Verhandlungen und turbulente Märkte geben wird. Unerfreulich ist überdies der Zustand in Italien und Frankreich: Dort kom­men die Reformanstrengungen nur langsam voran und die Wirtschaftsentwicklung ist schwach. Auch der übrige Kern der Währungsunion schwächelt. Aus sich heraus scheint derzeit eine Großzahl der Länder nicht genug Wachstum generieren zu können. Es bedarf eines Anstoßes von außen, der in Gestalt eines leicht anzie­henden globalen Wachstums und einer Euro-Abwertung daherkommen dürfte.

Die Konjunkturzyklen werden weiterhin von Kreditzyklen überlagert.

Dr. Ulrich Kater

Chefvolkswirt
DekaBank

Wirtschaftsstrukturen um- und Verschuldung abbauen

„Die Konjunkturzyklen werden weiterhin vom Kreditzyklus überlagert“, lautet ein Fazit des Chef­volkswirts. Der aktuelle Kreditzyklus könnte noch Jahrzehnte andauern, mit unmittelbaren Folgen für die Realwirtschaft. Um das Wachstum anzukurbeln, gehört es zu den Haupt­aufgaben, die Wirtschafts­strukturen umzubauen und die Verschuldung in den privaten Sektoren zu vermindern. „Die Vereinigten Staaten sind hier mit einem prognostizierten Brutto-inlands­produkt von 3 Prozent für 2015 und 2,7 Prozent für 2016 am erfolgreichsten. Die nächste Prognoserevision geht eher nach oben als nach unten“, sagt Dr. Kater. Im Euroraum wird sich nach Ansicht des Experten in den kommenden beiden Jahren ebenfalls eine positive Entwicklung abzeichnen. Die Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt liegen bei 1,2 Prozent für das Jahr 2015 und bei 1,7 Prozent für 2016.

 

Sinkende Inflationsraten in den Ländern des Euroraums werden das Jahr 2015 bestimmen. „Wir befinden uns in einem deflationären Umfeld, in dem jedoch nicht die Deflation selbst, sondern die Begleitumstände die größten Herausforderungen sind“, sagt Dr. Kater. Am Rückgang der Inflation von 1,4 Prozent 2013 auf nur noch 0,4 Prozent zum Jahresende 2014 hatten die Energiepreise einen Anteil von etwa 0,25 Prozentpunkten, also etwa einem Viertel. Weitere 0,25 Prozentpunkte sind rückläufige Nahrungs­mittelpreise. „Der Rest ist der geringen Lohndynamik in Euroland aufgrund der Unterauslastung insbesondere in den Peripheriestaaten geschuldet“, so der Chefvolkswirt. Aufgrund fallender Rohstoffpreise gibt es zeitweise negative Inflationsraten in Euroland. „Das ist aber noch keine Deflation, weil diese nur an den langfristigen Inflations­erwartungen ab­­gelesen werden kann.“ Noch liegen diese über 1,5 Prozent, allerdings mit abnehmender Tendenz.

Leitzinsen

Quelle: DekaBank Makro Research; Stand: Dezember 2014

Geldpolitik treibt Inflation

Eine Japanisierung der Wirtschaft sei das trotzdem nicht: „Im Unterschied zu Japan ist das Inflations­geschehen im Euroraum sehr heterogen. Wir erwarten daher auch keine flächendeckende Deflation für Europa. Ins­besondere in Deutschland werden die Raten weiterhin deutlich positiv bleiben.“ Allerdings rechnen die Volkswirte der DekaBank für 2015 mit weiterhin sehr niedrigen Inflationsraten von 0,6 Prozent und mit 1,3 Prozent für 2016 im Euroraum. Die Prognosen für Deutschland liegen bei 1,1 Prozent für 2015 sowie 1,6 Prozent für 2016.

 

Die Geldpolitik in der Eurozone sollte noch expansiver werden. Ein plakatives Maß hierfür ist die Höhe der Bilanz­summe der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wir erwarten eine Vielzahl neuer Instrumente. Anfang Januar bereits angekündigt wurden Ankäufe von privaten Kreditverbriefungen“, sagt Dr. Kater. Um die angestrebte Ausweitung der Bilanzsumme um rund eine Billion Euro in angemessen kurzer Zeit zu erreichen, wird wohl ein substanzielles Volumen von etwa 500 Milliarden Euro mithilfe von Staatsanleihekäufen erarbeitet werden müssen.

 

Diese Maßnahmen werden unmittelbar die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten wieder Richtung 2 Prozent anheben. Sie werden die europäischen Aktienmärkte unterstützen. Am Anleihemarkt ist der erste Effekt ein Anziehen der Renditen um 20 bis 30 Basispunkte im Bereich der zehnjährigen Bundesan­leihen, als Glaubwürdigkeitsvorschuss für die Geldpolitik. Die langfristigen Reaktionen des Marktes richten sich jedoch nach der Nachhaltigkeit der Wirtschaftsentwicklung. Diese kann die EZB nicht beeinflussen. Sie kann nur Zeit kaufen. Wird diese von den Regierungen nicht genutzt, könnte sich die EZB angesichts einer erneuten Konjunkturabkühlung zu weiteren Runden von Anleihekäufen genötigt fühlen, mit abnehmenden Effekten auf die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten.

 

Eine hohe Ereignisdichte von politischen, geopolitischen und wirt­schaft­lichen Themen trifft auch in diesem Jahr auf unsichere Erwartungen. Das macht die Kapitalmärkte – wie im letzten Jahr – schwankungsanfällig. Trotzdem bleiben die fundamentalen Trends für Aktien und mit Einschränkungen auch für An­­leihen positiv. Insgesamt könnte das Jahr 2015 damit eine wirtschaftliche Neuauflage des Jahres 2014 bringen, so Dr. Kater: „Turbulent und pessimistisch im Verlauf, am Ende aber besser als sein Ruf.”

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2015