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Regulatorik
Die gesamte Klaviatur

Dr. Caroline Herkströter, neue Leiterin des Bereichs Recht der DekaBank, sprach darüber, was sie an Regulierung so spannend findet. Stets spricht sie sich für eine positive Annäherung an
das Thema aus. Nach ihrer Auffassung dient Regulierung einer sachgerechten Allokation von Kapital sowie der Funktions­fähigkeit der Märkte.


Dr. Caroline Herkströter

Chefjustiziarin, DekaBank


 

Dr. Caroline Herkströter hat zu Oktoberbeginn dieses Jahres die wichtige Rolle der Chefjustiziarin der Deka übernommen. In Frankfurt geboren und aufgewachsen fühlt sich die 44-Jährige der Stadt nach wie vor sehr verbunden. Die Mutter von drei Kindern liebt Sport und die Musik. Sie spielt drei Instrumente – und die gesamte Klaviatur der Regulatorik: Die Juristin gilt als eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet; so arbeitete sie seit 2007 als Partnerin der Kanzlei Norton Rose Fulbright. Vorherige Stationen in ihrer Karriere waren Stellen bei internationalen Anwaltskanzleien wie Clifford Chance und Mayer Brown. Im Rahmen ihrer Tätigkeit beriet sie Kreditinstitute und Finanzdienstleister, AIF- und OGAW-Verwaltungs­gesellschaften sowie Wertpapierhandelsfirmen zu allen Fragen des Investment-, Banken- und Kapitalmarktrechts.

Dr. Caroline Herkströter

Dr. Caroline Herkströter hat zum 1. Oktober 2015 die Leitung des Bereichs Recht der DekaBank übernommen. Ansatz der ­ausgewiesenen Spezialistin für Investment- und Bankaufsichtsrecht: aus den Themen Recht, Aufsicht und Regulierung Mehrwert generieren.

Grund für den Seitenwechsel

Spannend ist für Herkströter ein Wechsel der Perspektive – von der Kanzlei auf die Kundenseite, von der Beratung ins Inhouse-Geschäft des Wertpapierhauses. „Ich schätze die Arbeit in der Kanzlei nach wie vor, aber nun hat es sich angeboten, etwas Neues zu machen.“ Sie könne sich mit ihrer umfassenden Expertise einer neuen Herausforderung widmen: „Das ist eine extrem spannende Tätigkeit, bei er ich immens viel mitgestalten kann“, so die Justiziarin.

Der Reiz der Regulierung

Am Investment- und Bankaufsichtsrecht reizt Herkströter vor allem die Abwechslung: „Regulierung ist für mich einer der Bereiche, die am vielfältigsten sind.“ Dabei gelte es aber, erst einmal zu definieren, was alles unter Regulierung verstanden wird oder werden soll. „Grundsätzlich ist jede gesetzliche Norm Regulierung“, so die Spezialistin für Aufsichtsrecht. „Das ist einfach ein sehr spannender Bereich – gerade die Regulierung der Finanzmärkte, der Banken und der Versicherungen. „Dauernd hat man ein neues Thema auf dem Tisch“, meint die Juristin. Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen an der Regulierung Beteiligten sei reizvoll, beispielsweise die konstruktive Zusammenarbeit mit der Aufsicht. Im Gegensatz zu anderen Rechtsgebieten befindet sich das Aufsichtsrecht ständig im Wandel und ist damit ein Bereich, in dem man laufend gefordert ist.

Regulatorik spielt fast überall mit hinein. Darum verstehen wir uns auch als
Sparringspartner der Fachbereiche.

Dr. Caroline Herkströter

Chefjustiziarin, DekaBank

Wider das undifferenzierte ­Regulierungs-Bashing

Vehement spricht sich die Leiterin des Bereichs Recht gegen das undifferenzierte „Regulierungs-Bashing“ aus – der heftige, oftmals einseitige und herabsetzende Kritik an der Regulierung. Ein Vorwurf, der häufig laut wird, ist, dass Regulierung per se hinterherrennt: So versuche sie die Probleme der letzten Krise mit den Mitteln der vorletzten zu lösen. „Das stimmt so nicht“, sagt Herkströter bestimmt. „Regulierung blickt grundsätzlich nach vorn. Sie will eine Balance zwischen den Interessen der Anleger an den Kapitalmärkten und der Marktseite der Produkt- bzw. Lösungsanbieter erreichen.“ Es gehe insbesondere um die Vermeidung ökonomisch schädlicher Anreize und damit um die Schaffung von Transparenz. Dies dient der Erhaltung eines funktionierenden Kapitalmarktes.

 

Regulierung verändert die Branche

Weil Regulierung wachsenden Einfluss auf die Finanzbranche hat, wird Know-how in Sachen Regulierung immer wichtiger. „Auf uns als Rechtsbereich kommen alle Fachbereiche zu; Regulatorik spielt fast überall mit hinein. Darum verstehen wir uns auch als Sparringspartner der Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Herkströter. So ließe sich beispielsweise kein Fonds mehr strukturieren, ohne die aufsichtsrechtlichen Anforderungen und Grenzen zu kennen. Und auch im Vertrieb sind Recht, Aufsicht und Regulierung ein Thema. „Regulatorik lässt sich heute nicht mehr von anderen Bereichen trennen.“

Zudem müssten die institutionellen Anleger z. B. auf der einen Seite ihre eigenen – an sie gerichteten – Anforderungen erfüllen; auf der anderen Seite gilt es für die Deka als Wertpapierhaus zu wissen, welche Anforderungen ihre Produkte erfüllen müssen.

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Unterschiedliche Kundengruppen – unterschiedlich reguliert

Regulierung geht alle Kundengruppen an: große Versicherungen, sogenannte VAG-Anleger, vermögende Privatkunden, Family Offices, Corporates oder Kreditinstitute, u. a. mit ihrem Depot A-Geschäft. Jedoch sind sie unterschiedlich stark betroffen.

Ab nächstem Jahr sieht die Regulierungsexpertin mit dem Start von Solvency II ein Auseinanderfallen: Für unter die Richtlinie fallende Versicherer löst Solvency II ab Januar 2016 die bisher ­geltende Anlageverordnung ab; für andere VAG-Anleger wie Pensionskassen gilt sie weiterhin. Herkströter berichtet, dass zudem viele Versorgungswerke über das jeweilige Landesgesetz der Anlageverordnung unterliegen; dasselbe gelte für viele Versorgungseinrichtungen in Form von Anstalten des öffentlichen Rechts, z. B. die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder, aber auch kommunale Versorgungseinrichtungen. „Family Offices und sogenannte Contractual Trust Arrangements (CTAs) im Bereich der betrieblichen Altersversorgung haben dagegen grundsätzlich freie Hand bei ihren Anlageentscheidungen“, so die Deka-Chefjustiziarin, die auch bei Stiftungen viel Freiraum sieht. „Vor diesem Hintergrund sind wir als Investmenthaus darauf bedacht, Produkte so zu gestalten, dass sie die verschiedenen Anforderungen, die an sie von unseren Kunden gestellt werden, erfüllen.“

Am Ende kommt es immer darauf an, was der Kunde wünscht und was für ihn – auch unter regulatorischen Gesichtspunkten – sachgerecht und sinnvoll ist.

Dr. Caroline Herkströter

Chefjustiziarin, DekaBank

Engere Verzahnung zwischen ­deutscher und europäischer ­Gesetzgebung

Für die Zukunft erwartet die Rechtsexpertin eine noch engere Verzahnung zwischen deutscher und europäischer Regulierung. „Deutschland hat hier oft eine Vorreiterrolle inne“, erklärt sie. Viele Initiativen seien von Deutschland begleitet oder sogar angestoßen worden. Abweichungen in der länderspezifischen Umsetzung würden immer geringer, sind durchaus aber noch vorhanden. Mittlerweile gebe es bei vielen Maßnahmen, Richtlinien und Verordnungen ganz konkrete und sehr detaillierte Vorlagen, die auch nicht mehr umzuschreiben seien. „Im Idealfall soll es in Zukunft keine Sonderwege einzelner Länder mehr geben“, sagt Herkströter.

 

Fondsdomizile – Deutschland versus Luxemburg?

Luxemburg als Fondsstandort erachtet die neue Deka-Chefjustiziarin als wichtig. Die Tatsache, dass die Deka an beiden Standorten vertreten ist, ermöglicht uns, dem Kunden eine optimale Produktpalette anzubieten. Gründe, warum der Kunde den einen oder anderen Standort bevorzugt, können mannigfaltig sein und neben rechtlichen Themen auch durchaus in der Akzeptanz eines Produkts im eigenen Hause u. Ä. liegen.

Zudem hält sie den deutschen Spezialfonds für sehr wichtig. „Das ist ein verlässlicher regulatorischer Rahmen und ein gutes Vehikel, in dem viele Investmentideen umgesetzt werden können.“ Die Beliebtheit von Spezialfonds bei institutionellen Investoren spreche für sich, und daran würde sich nach der Einschätzung der Regulierungsexpertin auch in Zukunft nicht viel ändern. „Die neue KAGB-Regulierung gibt hier noch mehr Spielraum: Sie erlaubt einiges an Möglichkeiten, die es vorher so nicht gab.“


DREI RECHTLICHE RAHMEN: Investoren-, Anbieter- und Steuerrecht

Schematische Darstellung

 

Regulatorische Themen auf der Agenda

Neben dem KAGB gibt es derzeit eine Vielzahl von regulatorischen Themen, mit denen sich die deutschen institutionellen Anleger beschäftigen müssen, darunter MiFID II, Schattenbankenregulierung, OGAW V, EMIR und die Novellierung der Investmentfondsbesteuerung. Bei OGAW V sieht Herkströter die Herausforderung mehr bei den Anbietern und Depotbanken liegen, weniger bei den Investoren. Bei MiFID II seien die Auswirkungen für Erwerber von Produkten schon größer. Anhand der Beispiele Schattenbankenregulierung und EMIR werde klar, dass viele Regulierungsvorhaben erst auf den zweiten Blick Relevanz für institutionelle Anleger bekommen. „So hat die Schattenbankenregulierung ja nicht nur eine Auswirkung auf die sogenannten Schattenbanken, sondern auch auf deren Kontrahenten“, so die Juristin. EMIR wiederum soll helfen, systemische Risiken im europäischen Derivatemarkt einzudämmen; daraus ergeben sich Pflichten für bestimmte Parteien von Derivatetransaktionen. „Und mit EMIR geht eine Regulierung einher in puncto Sicherheiten: Welche Sicherheiten müssen gestellt werden und welche Kosten bringt das mit sich?“ Dies alles wirke sich auf Investoren aus.

Mehrwert durch Regulierung

Was Herkströter bei den Diskussionen über Regulierung oft fehlt, ist eine positive An-näherung an das Thema. Sicher sei Regulierung eine Herausforderung, aber richtig und gut gemacht, ließen sich hier viele positive Effekte generieren – für Anbieter und Anleger. „Gerade ein Haus wie die Deka verfügt hier über enorme Expertise, die sich in der Produktgestaltung widerspiegelt.“ Das Vertrauen in die Finanzwelt habe die letzten Jahre enorm gelitten, hier gelte es, die Dinge sachlich richtig aufzuarbeiten und Vertrauen in die Stabilität der Finanzmärkte zurückzugewinnen. Der Ansatz der Deka-Chefjustiziarin ist klar: Mehrwert generieren – aus den Themen Recht, Aufsicht und Regulierung. Und wie in jedem vielstimmigen Gefüge hilft es auch hier, mehr als nur ein Instrument zu beherrschen, um die richtigen Akzente zu setzen oder auch mal den Ton angeben zu können.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, November 2015