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Risiko und Rendite im Blick
„Mit Reporting das Ohr am Puls der Zeit“

Mit dynamischen Reporting-Lösungen unterstützt Deka Institutionell bei der Risikosteuerung. Christoph Wichmann von der Roland Rechtsschutz Versicherungs-AG und Michael Gieseler von der Deka diskutieren, wie es gelingt, Risiken in Echtzeit zu überwachen und Portfolios aktiv zu managen.


Markt & Impuls im Gespräch mit CHRISTOPH WICHMANN, Roland Rechtsschutz-Versicherungs-AG, und MICHAEL GIESELER, Deka


 

Die Roland Versicherung arbeitet seit einiger Zeit mit der Deka zusammen. Welche Anlageklassen umfasst diese Zusammenarbeit?

CHRISTOPH WICHMANN: Zunächst einmal sind dabei die beiden großen Anlage­klassen Renten und Aktien zu nennen. Renten sind für uns als VAG-Anleger natürlich ein sehr großer Bereich, der sich wiederum in Sub-Assetklassen wie Unternehmens­anleihen, Pfandbriefe oder Staats­anleihen unterteilen lässt. Seit letztem Jahr sind wir zudem auch im Bereich Alternative Assets engagiert. Im Detail setzen wir auf geschlossene Fonds und mischen unserer Asset Allocation bewusst illiquide Investments bei.

 

Für welchen Bereich der Alternative Investments haben Sie sich konkret entschieden und wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

WICHMANN: Wir haben im Juli 2016 gemeinsam mit der Deka ein Infrastructure-Debt-Investment getätigt und sind derzeit dabei, ein Engagement im Bereich der Finanzierung von Gewerbe­immobilien zu prüfen.

 

MICHAEL GIESELER: Gestartet haben wir diese Ergänzung im Portfolio mit einem Workshop, der die Fach­spezialisten von Roland Rechtsschutz und der Deka an einen Tisch gebracht hat. Damit konnten wir uns einen Überblick über steuerliche, rechtliche und adminis­trative Anforderungen verschaffen.

„Es kommt darauf an, Risiken auf der Ebene des Gesamtportfolios bewerten zu können.“

Christoph Wichmann

Welche Rolle spielt Reporting für Sie als VAG-Anleger?

WICHMANN: Reporting ist essentiell und erfüllt für uns mehrere Funktionen. Einerseits dienen umfassende Berichte als Entschei­dungs­grundlage für das Management und liefern die nötige Zahlen­basis und andererseits ist Reporting eine regula­torische Anforderung. Besonders hervorzu­heben ist in diesem Zusammen­hang, dass die Maßgaben der Regulatorik kontinuierlich wachsen. Insbesondere im Zusammen­hang mit Solvency II hat die Komplexität deutlich zugenommen.

 Sorgt die Schnelllebigkeit an den Märkten auch dafür, dass Sie für Ihren Investmentprozess auf aktuelle Daten angewiesen sind?

WICHMANN: Im Laufe der Jahre ist es eine Selbst­verständlichkeit geworden, dass bestimmte Daten und Berichte ad hoc abgerufen werden können. Die Möglichkeiten, die uns die Deka bietet, helfen uns dabei, bestimmten Anfragen des Vorstandes leichter gerecht zu werden. So können wir beispielsweise unser Exposure auf bestimmten Märkten tagesaktuell ausweisen.

 

Wie sehen Sie als Leistungsanbieter diesen Wandel im Reporting?

GIESELER: Dieser Wandel war für uns absehbar. Wir begleiten diesen Prozess seit vielen Jahren und sind daher auch mit Unwäg­barkeiten, die damit verbunden sein können, vertraut. Beispiels­weise kann man sich nie wirklich sicher sein, welche Formen Regulatorik am Ende annimmt. Aus diesem Grund setzen wir alles daran, flexibel zu sein. Wir haben uns schon vor einiger Zeit vom reinen statischen Messen von Performance hin zu dynamischen Lösungen bewegt – schließlich sind die Märkte immer in Bewegung. Zunächst haben wir tägliche Berichte angeboten und diesen Ansatz zuletzt noch flexibler gestaltet. Heute können sich unsere institutionellen Kunden Berichte nach ihren Präferenzen zusammenstellen und in dieser Form immer wieder abrufen. So passen sich unsere Lösungen beispielsweise dem internen Reporting unserer Kunden an.

 

Sehen Sie sich also bereits am Ziel?

GIESELER: Trotz der Fortschritte bin ich davon überzeugt, dass sich Reporting-Lösungen stetig verändern werden. Insbesondere die Art und Weise, wie wir Risiken erfassen und kunden­gerecht aufbereiten, ist ein wichtiges Thema. Für uns als Leistungs­anbieter bedeutet das, dass wir weiterhin neue Entwicklungen und Anforderungen berücksichtigen müssen, um auch in Zukunft das bestmögliche Angebot zu haben.

 

WICHMANN: Zur Individualisierung kann ich Ihnen ein konkretes Beispiel aus unserem Hause nennen. Das Reporting der Deka umfasst auch die Möglichkeit, Stresstests durchzuführen. Der Aktienstress wird standardisiert mit zwanzig Prozent gerechnet. Wir kalkulieren allerdings seit Jahren mit fünfzehn Prozent. Dank der Flexibil­ität war es leicht möglich, den Stress­test auf unsere Bedürf­nisse anzupassen.

Interaktives E-Reporting
Umfassende Transparenz für das Portfolio

 

 

 

 

STANDARD- UND AD-HOC-REPORTS Den Kunden stehen auch künftig alle Standard- und die individuell zusammengestellten Ad-hoc-Reports zur Verfügung.

 

WEB-BASIERTE SOFTWARE Die dem interaktiven Reporting zugrunde liegende Software sorgt sowohl auf Rechnern als auch auf Tablets für die vollständige Transparenz des Portfolios. Anleger werden so jederzeit auf das interaktive Reporting auch mobil zugreifen können.

 

DEKA-ZIELFONDS IM DETAIL Auch Zielfonds können, insbesondere im Portfoliokontext, Risiken bergen. Künftig ist mit dem interaktiven Reporting bei Deka-eigenen Zielfonds eine genaue Durchschau möglich.

 

STRESSTEST-SIMULATION Mit Hilfe des interaktiven Reportings werden Investoren ihre Spezialfonds künftig beliebigen indikativen Stresstests unterziehen können.

 

INDIVIDUELLE ANALYSEN Nutzer können flexibel – etwa per Drill-down – die Strukturen ihres Portfolios analysieren.

Sie haben diese Evolution über dieJahre eng begleitet. Welche Ereignisse haben den Trend hin zu einem dynamischeren Reporting verstärkt?

GIESELER: Ich glaube, dass es in erster Linie die Krisen der vergangenen fünfzehn Jahre waren, die zu Verän­derungen geführt haben. In deren Nachgang kam es immer wieder zu regula­torischen Neuerungen. Den größten Einfluss hatte sicherlich Solvency II, vor allem für mittelgroße Unternehmen. Können Sie das bestätigen, Herr Wichmann?

 

WICHMANN: Definitiv ist das so! Die Anforderungen von Solvency II waren für uns ein großes Projekt mit einem entsprechenden Budget. Wir haben im Zuge der Neuerungen Personal aufgestockt, um den Heraus­forderungen effektiv gerecht werden zu können. Weiterhin war es natürlich hilfreich, mit der Deka einen erfahrenen Partner an der Seite zu wissen.

 

GIESELER: Es ist immer hilfreich, wenn man einen Prozess selbst bereits erlebt hat und nicht nur auf theoretische Betrachtungen zurückgreift. Banken werden schon seit längerem durch eine neue Form von regulatorischen Auflagen herausgefordert. Mathematische Verfahren zur Bestimmung von Eigenkapital­belastung von Investments und Markt­simulation durch Stresstests sind beispielsweise nichts Neues für uns. Diese Erfahrungen bringen wir bei unseren Kunden ein.

 

Gerade in den Jahren vor Solvency II war lange nicht klar, wie die Regulatorik am Ende konkret aussehen würde. Wie gehen Sie mit einer solchen Unsicherheit um?

WICHMANN: Es gibt in der Tat Unternehmen, die behandeln eine solche Situation eher sportlich und lassen die Dinge auf sich zukommen. Wir sehen das anders. Je weniger Zeit bleibt, um regula­torische Vorgaben umzusetzen, desto improvisierter sind auch die Lösungen. Wir haben uns von vornherein gegen den „Hauruck-Ansatz“ entschieden und uns stattdessen lieber auf alle Eventualitäten vorbereitet.

 

GIESELER: Je flexibler die Tools, desto besser können wir auf Veränderungen reagieren. Aus diesem Grund haben wir bereits früh in die entsprechende IT-Infrastruktur investiert. Heute haben wir dynamische Lösungen, die sich sowohl der Regulatorik als auch den Märkten anpassen können. Mit starren Lösungen, wie Sie vor zwanzig Jahren noch aktuell waren, könnte man der heutigen Situation nicht gerecht werden.

 

Bei welchem Marktereignis waren Sie froh, das dynamische Reporting der Deka nutzen zu können?

WICHMANN: Zuletzt war dies der Brexit. Im Zuge der Entscheidung ist auch auf Vorstands­ebene das Interesse an detail­lierten Berichten gestiegen. Dem konnten wir nach dem britischen Referen­dum leicht nachkommen. Insgesamt zeigt sich, dass die Welt schnell­lebiger geworden ist. Daraus resultiert auch eine ganz andere Erwartungs­haltung der Investoren. Heute ist es sehr wichtig, Situationen schnell einschätzen zu können.

 

GIESELER: Wenn wir uns mit Portfolio­managern austauschen, bemerken wir immer wieder, dass der Fokus heute stärker auf Eventrisiken liegt. Anders als früher werden Markt­korrekturen heute nicht mehr ausgesessen und wenn, dann nur mit einer engmaschigen Kontrolle. Institutionelle Investoren denken heute stärker denn je in Szenarien. Reporting muss sich auf diese Szenarien einstellen und auch Möglich­keiten für Simulationen geben. Nur wer auf alle Eventua­litäten vorbereitet ist, kann souverän mit Risiken umgehen und diese steuern.

 

 

„Institutionelle Investoren denken heute stärker denn je in Szenarien. Reporting muss Möglichkeiten für Simulationen geben.“

Michael Gieseler

Bemerken Sie bei verschiedenen Anlegergruppen auch ein unterschiedliches Anforderungsprofil für das Reporting?

GIESELER: Andere Anleger­gruppen, wie beispielsweise Versorgungs­werke, schauen ganz genau hin, wie Versicherer auf neue Heraus­forderungen reagieren. Trotz historisch gewachsener und regulatorisch bedingter Unterschiede hat Solvency  II VAG-Anlegern hier Chancen eröffnet. Ich denke dabei insbesondere an alternative Investments. Dieser Trend führt zu innovativen Produkten, die auch für andere institutionelleI nvestoren von Interesse sind. Für uns als Lösungs­anbieter ist es wichtig, dass wir unsere Kunden auch bei für sie zusätzlichen Anlage­klassen begleiten. Für das Reporting bedeutet das konkret, dass wir diese Ansätze messbar machen. Wer als Investor neue Wege geht, möchte diesen Prozess so genau wie möglich begleiten. Unser modulares Angebot eignet sich daher für alle Investoren­gruppen, die Heraus­forderungen aktiv begegnen wollen. Gerade Versorgungs­werke können dabei von der Expertise, die wir gemeinsam mit Versicherungen gesammelt haben, profitieren.

 

War das umfassende Reporting-Angebot für Sie entscheidend, sich alternativen Investments zu öffnen?

WICHMANN: Es war eine zwingende Voraussetzung! Wichtig ist uns vor allem, dass wir dank des Deka-Reportings einen Blick auf das Gesamt­portfolio werfen können. Isolierte Informationen ergeben vergleichsweise wenig Sinn. Es kommt vielmehr darauf an, Risiken auf der Ebene des Gesamt­portfolios bewerten zu können. Dies ist nicht nur eine aufsichtsrechtliche Vorgabe, sondern auch eine praktische Notwendigkeit. Aus diesem Grund haben wir unsere Real Assets auch bewusst nicht in den Direkt­bestand gekauft, sondern über die KVG investiert.

 

Sie kennen das Angebot der Deka als langjähriger Kunde genau. Sehen Sie sich gut aufgestellt? Wo gibt es noch Raum für Innovationen?

 

WICHMANN: Die Zusammen­arbeit macht derzeit richtig Spaß. Weiter­entwicklungen wird es aber immer geben müssen. Das Gute für uns ist, dass die Deka selbst tätig wird und Innovationen aktiv angeht.

 

Wie schaffen Sie es, Kunden passgenaue Lösungen anzubieten?

GIESELER: Das ist das Ergebnis eines ständigen Austauschs. Wir setzen uns mit unseren Kunden zusammen und eruieren die Situation im Vorfeld. Dabei sprechen wir auch mögliche Risiken an und gehen auf potenzielle Probleme ein. Eine gute Planung hilft dabei, Lösungen auch genau an den Wünschen der Kunden auszurichten und individuell zu gestalten. Doch auch abseits aller Konzeption ist es wichtig, dass es zwischen Investoren und uns als Lösungs­anbieter einen direkten Weg gibt. Stellen sich auf Seiten unserer Kunden kurzfristig Fragen, suchen wir gemeinsam nach Lösungen.

 

Wie stellen Sie sich das Reporting der Zukunft vor?

WICHMANN: Die Datenmengen werden wachsen. In diesem Zusammen­hang kommt es immer stärker auf die Qualität der Daten an. In Zukunft werden Informationen zügig aggregiert und anschließend effektiv ausgewertet werden müssen. Um dies zu gewähr­leisten, ist eine gute Infrastruktur nötig. In diesem Zusammen­hang denke ich auch an mobile Lösungen, die wichtige Daten unterwegs verfügbar machen. Auch werden Reports sicher bald nicht mehr nur auf einen Tag bezogen sein, sondern auf Echtzeit­daten basieren.

 

Wie schafft es die Deka, im digitalen Wandel am Ball zu bleiben?

GIESELER: Wir beobachten Innovationen im Bereich der Fintechs ganz genau und versuchen immer, diese Neuerungen auch im Sinne unserer Kunden nutzbar zu machen. Branchen­übergreifend setzen wir uns mit Verbänden auseinander und begleiten die digitale Trans­formation aktiv. Hinzu kommt, dass wir in unseren Reihen einige Absolventen und Berufs­einsteiger haben, die uns kontinuierlich Input und Denk­anstöße bieten. Wir haben dies im Rahmen einer eigenen Akademie sogar institutionalisiert und sehen uns daher für die Heraus­forderungen des digitalen Wandels sehr gut aufgestellt. Am Ende ist jedoch entscheidend, dass sich Innovationen auch in der Praxis bewähren. Um dies sicherzustellen, ist auch der stetige Austausch mit unseren Kunden unerlässlich. Wir legen einerseits also das Ohr an den Puls der Zeit und hören andererseits ganz genau hin, was sich unsere Kunden konkret wünschen.

Porträt

Christoph Wichmann
Leiter Anlagencontrolling bei der Roland Versicherung in Köln

Christoph Wichmann verantwortet seit 2012 den Bereich Kapitalanlagen bei der Roland Rechtsschutzversicherungs-AG in Köln. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden das Asset Liability Management, die strategische und taktische Asset Allocation sowie das Kapital­anlagencontrolling, insbesondere die Risikoüberwachung und das Reporting. Davor leitete Christoph Wichmann das Privatkunden-Research der WestLB.

Michael Gieseler
Kompetenzteam Versicherungen und Versorgungswerke der Deka

Michael Gieseler betreut seit 2014 Kunden im Bereich Institutionelle Investoren Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke. Zuvor leitete er acht Jahre die Abteilung Institutionelle Kunden der Landesbank Berlin. Er verfügt zudem über eine langjährige Erfahrung in der Kundenbetreuung der Geschäftsbereiche Institutional Sales, Equity Sales und Corporate Banking und war einige Jahre Teamleiter Kredit.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Mai 2017