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Einbringung von Sacheinlagen
Mehr Risikokapital durch Nutzung stiller Reserven

Die Stadtsparkasse Magdeburg hat Bankanleihen aus dem Eigenbestand in einen Spezialfonds eingebracht. Die Deka hat
auf dieser Basis ein breit diversifiziertes Financial-Portfolio aufgebaut. Der Vorteil dabei: weniger Risiko bei mehr Ertrag.
Das Fondsmanagement der Deka übernimmt Titelauswahl und Portfoliosteuerung – in enger Abstimmung mit den Treasurern
der Sparkasse. Vom Ergebnis und vom Weg dorthin sind der Vorstandsvorsitzende Horst Eckert und sein Vorstandskollege
Jens Eckhardt überzeugt.

Herr Eckert, Sie haben Ihr Eigenanlageportfolio in Teilen verändert. Wie sind Sie in diesen Prozess gestartet?

Horst Eckert: Unser Portfolio war im Prinzip recht typisch strukturiert. Wir haben immer Wert auf eine breite Streuung ge­-legt – sozusagen als Risikopuffer. Das gilt vor allem für unser Corporate-Portfolio. Weil wir aus einer wirtschaftsschwachen Region kommen und das Kundenkreditgeschäft insbesondere im gewerblichen Bereich bei uns nicht so stark ist, sind für uns Investitionen in Unternehmensanleihen eine wichtige Ertragskomponente. Hier arbeiten wir seit Langem sehr eng mit der Deka zusammen. In Anleihen von Banken hatten wir bislang dagegen direkt investiert. Das waren keine riesigen Beträge, nie mehr als 10 Millionen Euro pro Emittent.

Was gab den Anstoß, dies zu ändern?

Eckert: Früher hat man das mit Bankenanleihen verbundene Risiko eher als gering eingestuft und folglich Papiere auch mal blanko, also ohne Sicherheit, ins Depot A gekauft. Das ist heute anders, da muss sehr viel genauer geprüft werden, wie solide die einzelnen Emittenten sind. Dem wollten wir Rechnung tragen und haben uns entschieden, im Bereich Financials breiter zu streuen und unser Portfolio zugleich etwas globaler auszurichten.

Investitionen in Unternehmensanleihen sind für uns eine wichtige Ertragskomponente.

Horst Eckert

Vorstandsvorsitzender Stadtsparkasse Magdeburg

Jens Eckhardt: Für unsere damalige Standortbestimmung haben wir uns angeschaut, wie unser Depot A im Vergleich zu anderen Sparkassen strukturiert ist – mithilfe des Treasury-Kompasses der Deka und anderen Analysen, die vom Verband angeboten werden. Hier wurde deutlich: Erstens müssen wir stärker ins Risiko gehen und zweitens können wir das auch. Diese Erkenntnis hat unsere Entscheidung ein Stück weit beschleunigt.

Wie genau sah diese Entscheidung aus?

Eckert: Wir haben unsere Financials-Anleihen als Sacheinlage in einen Spezialfonds bei der Deka eingebracht – 70 Millionen Euro insgesamt – mit dem Ziel, dass daraus ein Portfolio mit mehr Emittenten und einer höheren Granularität aufgebaut wird. Der große Vorteil dabei: Wir konnten viele stille Reserven einbringen und haben zusätzlich die Reserven im Fonds gestärkt. Das ist für die Zukunft sehr bedeutend, vor allem wenn die Zinsen irgendwann auch wieder steigen.

Eckhardt: Für uns war es dabei wichtig, dass wir weiterhin nah dran bleiben an den Investmententscheidungen. Aber es war uns auch klar, dass wir als Sparkasse hier in den neuen Bundesländern und mit Blick auf unsere Prozesse und Kapazitäten nicht die Möglichkeit haben, selbst so tief in die Analyse der Märkte und Unternehmen einzusteigen, wie es für eine fundierte Investmentstrategie erforderlich ist. Da brauchen wir die fachliche Expertise und die Kontakte der Fondsmanager, die dann ja auch den direkten Zugang zu den jeweiligen Banken haben und mit den CEOs sprechen.

Michael Hahne: Da wir in anderen Segmenten – Corporates als Beispiel – in den vergangenen Jahren gemeinsam gute Erfahrungen sammeln konnten, haben wir sehr schnell den richtigen Weg gefunden, wie die Verantwortlichen auf Sparkassenseite und die Kollegen aus unserem Fondsmanagement sich untereinander austauschen. Der Kontakt ist sehr intensiv. Es vergeht keine Woche ohne Abstimmungen und Informationen zu aktuellen Entwicklungen.

Eine Sacheinbringung ist ja mitunter mit einigen schwierigen Fragen verbunden. Wie haben Sie das konkret gelöst?

Eckhardt: Sicher müssen hier viele steuerliche und rechtliche Themen berücksichtigt werden. Wir haben dazu in unserem Haus eine Arbeitsgruppe gegründet mit Kollegen beispielsweise aus dem Eigenanlagemanagement und der Finanzabteilung. Auch der Vorstand war regelmäßig eingebunden. Denn wenn Sie ein Vermögen von nominal 70 Millionen Euro und den daraufliegenden Kurswertreserven in ein Vehikel wie einen Spezialfonds übertragen, dann muss das sehr sorgfältig geprüft sein, da kann man sich an keiner Stelle einen Lapsus erlauben.

Für uns ist es wichtig, dass wir weiterhin 

nah dran bleiben an den Investment­ent­scheidungen.

Jens Eckhardt

Mitglied des Vorstands Stadtsparkasse Magdeburg

Hahne: Bei diesem Prozess haben wir die Sparkasse unterstützt. Auch die Fondsmanager haben ganz konkrete Vorschläge gemacht, wie die Umsetzung im Portfolio aussehen kann. Wir wissen ja aus der bisherigen Kundenbeziehung, worauf die Kollegen in Magdeburg Wert legen, was ihnen auch bei der Portfoliostrukturierung wichtig ist.

Eckhardt: Das ist für uns ein großer Vorteil. Unsere Ansprechpartner wissen, wie die Sparkasse tickt. Das ist im Grunde ein Verhältnis so ähnlich wie von der Sparkasse zu ihren Kunden. Man kennt sich einfach.

Wie lange dauert ein solcher Prozess?

Eckert: Wir haben das recht zügig umgesetzt. Wichtig war die Frage, ob wir die Sacheinbringung noch im alten Jahr oder doch erst 2014 machen. Da muss man aufpassen, denn es gibt gewisse Fristen zum Jahresabschluss, die man einplanen muss.

Hahne: Der Startschuss fiel eigentlich mit der Vorstellung des Treasury-Kompasses im Februar. Die Umsetzung war dann am 17. Dezember abgeschlossen.

Und seither investieren Sie im Spezialfonds in Financials …

Eckert: Ja, und haben bisher gute Erfahrungen gemacht. Wichtig ist für uns ja vor allen Dingen, dass wir hier in Titel investieren, bei denen das Geld am Ende des Tages auch zurückgezahlt wird. Deshalb haben wir sehr darauf geachtet, wie seitens der Deka in der Vergangenheit gemanagt wurde. Inzwischen ist unser Portfolio ziemlich breit aufgebaut, wir investieren etwa in 70 Titel, in kleinen Teilen auch im Non-Investment-Bereich. Da ist es natürlich wichtig, zu wissen: Auf der anderen Seite sitzt jemand, der das alles im Blick hat.

Eckhardt: Das können wir weder in der Breite noch in der Tiefe selbst leisten. Es ist ja nicht nur so, dass man diese Papiere kauft, wir wollen ein aktives Portfolio. Und dazu auch die aktuellen Infos, eine Einschätzung des Portfolio­managements beispielsweise zum Stresstest. Da hat unsere Fondsmanagerin kurz und knapp dargestellt, welche Adressen sie nach wie vor kritisch sieht, wo wir auf der sicheren Seite sind. Da fühlen wir uns gut abgeholt.

Hahne: Es ist sehr wichtig, die volle Transparenz zu schaffen. Der Bedarf aufseiten der Sparkasse hat sich da deutlich verändert, da ist heute viel mehr an Information erforderlich – gerade im direkten Austausch zwischen Treasury und Fondsmanagement.

Wichtig ist, dass in der Anlagestrategie mehr 

auf ein effizientes Einsetzen der Risikobudgets geachtet wird.

Michael Hahne

Vertrieb Institutionelle Kunden Sparkassen
DekaBank

Jetzt ist diese Baustelle ja so weit abgeschlossen. Gibt es weitere Überlegungen, wie Sie die Eigenanlagen auf mehr Ertrag trimmen?

Eckert: Wir haben jedes Jahr große Fälligkeiten – sowohl im Kundenkreditgeschäft als auch im Wertpapiergeschäft. Die können wir nicht alle zum Nullzins anlegen. Deshalb müssen wir uns Alternativen einfallen lassen. Da partizipieren wir von Informationen und Einschätzungen der Deka, wir werden uns jetzt gemeinsam dem Thema Emerging Markets zuwenden und tendenziell in Fremdwährungsanleihen gehen.

Eckhardt: Für uns ist wichtig, dass solche Schritte möglichst effizient erfolgen. Wir stehen zwar noch am Anfang der Überlegungen, aber wir wollen solche Veränderungen möglichst immer im Rahmen bestehender Spezialfonds machen, keinen neuen Fonds auflegen. Im Moment erweitern wir daher sukzessive die Anlagemöglichkeiten in unserem Fonds, wenn die Zeiten wieder andere werden, können wir die Stellschrauben wieder zurückdrehen. Denn wir wollen mit diesem Risiko nicht auf Dauer unterwegs sein, wenn es nicht nötig ist.

Dann haben Sie die Fühler ja schon ausgestreckt. Wie sieht es mit dem Thema Aktien aus?

Eckert: Wir brauchen einfach sehr viel Risikokapital für Aktien wegen der ho­hen Volatilität. Deshalb nutzen wir unser Risikobudget lieber anderweitig. Rück­blickend wäre man mit Aktien sehr gut gefahren, aber wer weiß das vorher schon. Erschwerend kommt hinzu: Da wir jetzt länger keine Aktienpositionen hatten, müssen wir wieder einen New-Product-Process durchführen. Das ist aufwendig und wir haben im Moment andere Prioritäten.

Eckhardt: Selbst wenn wir heute der Meinung wären, es ist ein guter Zeitpunkt für Aktien, dann brauchen wir mindestens sechs Monate, bis wir so weit sind. Aber wir werden das Thema in Ruhe für die Zukunft angehen und dann auch wieder einen kleinen Aktienbestand halten. Wenn der Prozess erst mal durchlaufen ist, dann können wir stärker nach Markteinschätzung entscheiden und sehen, was wir uns auch vom Risikokapital her leisten können.

Hahne: Ganz klar: Die Prioritäten sind hier anders gesetzt. Wichtig ist, dass in der Anlagestrategie mehr auf ein effizientes Einsetzen der Risikobudgets gesetzt wird, und da ist die Sparkasse einen wichtigen Schritt vorangekommen. Das zeigt sich jetzt schon in den Erträgen.

Schwerpunkt: Anlagestrategie 2015

Horst Eckert


ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Magdeburg. Dort war er ab 1993 als stellvertretendes Vorstandsmitglied und ab 1994 als Mitglied im Vorstand tätig. Zuvor arbeitete Horst Eckert seit 1986 als Verhinderungsvertreter des Vorstands bei der Stadtsparkasse Nettetal, wo er 1970 auch seine Ausbildung absolviert hatte. Horst Eckert ist Sparkassenbetriebswirt und Diplom-Sparkassenbetriebswirt.

Jens Eckhardt


ist seit 1983 in der Sparkassen-Finanzgruppe tätig, seit 2003 als Mitglied des Vorstands bei der Stadtsparkasse Magdeburg für den Bereich Markt, Treasury und Marktfolge passiv. Von 1990 bis 2002 arbeitete er im Firmenkundengeschäft der NORD/LB, zuletzt als Bankdirektor in der Niederlassung Magdeburg.

Michael Hahne


ist als Kundenbetreuer im Institutionellen Vertrieb Sparkassen für die Betreuung von Sparkassen im Gebiet des Ostdeutschen und Niedersächsischen Sparkassenverbands verantwortlich. Zuvor betreute er seit 1997 im Depotgeschäft der DekaBank Institutionelle Kunden. Er ist gelernter Bankkaufmann und Diplom-Bankbetriebswirt (BA).

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Januar 2015