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Berlin Hyp
Attraktive Spreads mit Solva 0

Die Berlin Hyp ist ein wichtiger Player auf dem Markt der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Im Interview erläutert Sven Schukat, Leiter Treasury der Berlin Hyp, wie sich sein Haus refinanziert und warum Sparkassen eine besonders wichtige Kundengruppe sind und bleiben.

Das Niedrigzinsumfeld hat die Finanzmärkte weiter im Griff. Inwieweit haben sich deshalb die Fundingstrukturen der Berlin Hyp in den vergangenen Jahren verändert?

Schukat: Es gibt eigentlich keine großen Veränderungen zu beobachten. Wir haben ein klares Kerngeschäft, und das ist die gewerbliche Immobilienfinanzierung mit unverändertem Fokus auf die wirtschaftsstarken Ballungsräume in Deutschland. Der Großteil unseres Geschäfts ist deckungsfähig und somit geeignet für die Refinanzierung über Hypothekenpfandbriefe. Dies ist auch unser wichtigstes Refinanzierungsinstrument. Daran ändern auch unterschiedliche Marktsituationen nichts. Der große Vorteil des Hypothekenpfandbriefs ist, dass er selbst in schweren Krisen wie 2008 / 2009 am Markt platzierbar war. Darüber hinaus treten wir auch als Emittent von Senior Unsecured sowie Nachrangschuldverschreibungen auf.

Wir haben ein klares Kerngeschäft, und das ist die gewerbliche Immobilienfinanzierung mit unverändertem Fokus auf die wirtschaftsstarken Ballungsräume in Deutschland.

Sven Schukat

Leiter Treasury

Berlin Hyp

Noch einmal zurück zum Niedrigzinsumfeld. Wie haben sich die niedrigen Zinsen auf die Konditionen wie Laufzeiten und Spreads ausgewirkt?

Schukat: Natürlich bewegen auch wir uns im allgemeinen Zinsumfeld. Nicht nur die Zinsen, die Emittenten am Kapitalmarkt bezahlen müssen, nehmen ab. Auch die Risikoaufschläge vermindern sich. Im Pfandbriefbereich befinden sich die Spreads auf sehr niedrigem Niveau – auch bedingt durch das Ankaufprogramm der EZB. Nur ein Beispiel: Wir haben im April 2015 unseren ersten Grünen Pfandbrief in einer Phase an den Markt gebracht, als die Zinsen weit unten waren. Der Grüne Pfandbrief war ursprünglich mit einer Laufzeit von fünf Jahren geplant gewesen. Doch bei den damaligen Spreadlevels ären wir mit fünf Jahren Laufzeit ganz eng an die Grenze zur negativen Rendite geraten. Deswegen haben wir die Laufzeit auf sieben Jahre verlängert, aber selbst hier war die Rendite eher bescheiden.

 

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Laufzeiten der emittierten Papiere also immer länger werden, da Investoren versuchen, sich so wenigstens einen kleinen Renditevorteil zu sichern, oder?

Schukat: Da wäre ich vorsichtig. Wir haben in 2015 im Benchmark-Segment Pfandbriefe mit drei, fünf und sieben Jahren Laufzeit emittiert, also fast den gesamten Kurvenbereich abgedeckt. Ich gebe Ihnen aber insofern recht, als dass es mit zunehmenden Käufen durch die EZB schwieriger  werden wird, Emissionen im kurzen und mittleren Laufzeitenbereich zu emittieren, insbesondere wenn in den jeweiligen Laufzeiten schon die Swap-Sätze im negativen Bereich sind.

 

Zu Ihrem Angebot gehören sowohl Benchmark-Anleihen als auch Private Placements. Wann wird welches Angebot genutzt?

Schukat: Bei den Pfandbriefen haben traditionell im Private-Placement-Segment immer Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke eine sehr große Rolle gespielt. Bei den augenblicklichen Renditelevels können diese Investorengruppen ihre Zielrenditen selbst in längeren Laufzeiten nicht mehr erreichen, sodass die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich geringer geworden ist. Insofern spielen Benchmark-Anleihen beim Pfandbrief eine immer größere Rolle. Das wird noch befördert durch die ein oder andere regulatorische Vorgabe, beispielsweise die Liquidity Coverage Ratio, kurz LCR. Pfandbriefe sind je nach Emissionsgröße und Rating Level-1b- oder 2a-Aktiva im Rahmen der LCR. Deshalb ist auch die Nachfrage von Bank-Treasuries, und dazu gehören natürlich auch Sparkassen, sehr groß.

Auch für Sparkassen ist Eigenkapital ein rares Gut, sodass Pfand­brief­invest­ments im eigenen Verbund zur LCR-Erfüllung ökonomisch sinnvoll sind.

Sven Schukat

Leiter Treasury

Berlin Hyp

Wie sieht es bei Senior Unsecured aus?Schukat: Hier ist die Situation anders, denn durch höhere Spreads erreichen wir in diesem Segment attraktivere Renditelevels. Bei Sparkassen, die Emissionen der Berlin Hyp kaufen, ist es ohnehin so, dass sie für beide Formen zur Unterlegung kein Eigenkapital benötigen. Das sind – genau wie öffentliche Anleihen – Solva-0-Investments. Deshalb sind Senior-Unsecured-Emissionen für Sparkassen aktuell das interessantere Instrument. Über unsere Vertriebspartner wie die Deka sehen wir insgesamt eine gute Nachfrage im Private-Placement-Bereich, wo die ein oder andere Sparkasse ihre ganz speziellen Wünsche an die Ausstattung bzw. Strukturierung der jeweiligen Emission hat. Wir sind in der Regel in der Lage, diese Wünsche zu erfüllen. Auf der anderen Seite haben wir aber in den vergangenen Jahren jeweils auch immer eine Senior-Unsecured-Benchmark-Anleihe emittiert. Rund 50 Prozent des Orderbuchs waren Aufträge von Sparkassen, die von der höheren Liquidität bei einem gleichzeitig attraktiven Renditelevel profitieren wollen. Hierbei hilft uns natürlich auch die gute Zusammenarbeit mit der Deka und deren gute Platzierungskraft.


Kommen wir zum Thema Regulatorik. Sie sprachen vorhin die LCR an. Wie wirkt sich diese Kennziffer generell auf den Anlagebedarf ausSchukat: Die LCR muss seit Oktober 2015 mindestens 60 Prozent betragen und wird durch eine stufenweise Erhöhung der Mindestanforderung bis zum Jahr 2018 auf 100 Prozent ansteigen. Es gibt Institute, und damit meine ich jetzt gar nicht unbedingt Sparkassen, die erfüllen zwar diese 60 Prozent, aber nicht die 100 Prozent, die am Ende erreicht werden müssen. Somit besteht ein großer regulatorisch getriebener Optimierungsbedarf im Depot-A. Auch für Sparkassen ist Eigenkapital ein rares Gut, sodass Pfandbriefinvestments im eigenen Verbund zur LCR-Erfüllung ökonomisch sinnvoll sind.

 

Die Berlin Hyp ist ja nun nicht das einzige Institut am Markt. Warum sollte eine Sparkasse gerade Ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmen?

Schukat: Da gibt es viele Gründe. Zum einen bescheinigen alle Ratingagenturen der Berlin Hyp weiterhin durchweg gute Ratings. Und zum anderen ist natürlich Solva 0 ein großer Vorteil für Sparkassen. Den können natürlich nur Emittenten aus dem Verbund bieten. Über die Deka bekommen wir natürlich auch immer wieder Anfragen nach individuell strukturierten Emissionen für Sparkassen, die wir in der Regel immer erfüllen können. Wir verstehen uns hier auch als Dienstleister für den Sparkassensektor. Außerdem ist eine Sparkasse mit Adressen, die wie wir aus dem Verbund kommen, ein bisschen vertrauter, und man kennt sie ein Stück besser. Schließlich gehören wir ja auch den Sparkassen.

 

Viele Sparkassen zählen zu Ihren Kunden, aber längst nicht alle. Was tun Sie dafür, um diese noch mehr von der Berlin Hyp zu überzeugen?

Schukat: Im Treasury haben wir eine eigene Investor-Relations-Abteilung, die für die Betreuung unserer Investoren verantwortlich ist. Hier nehmen die Sparkassen natürlich auch einen großen Raum ein. Wir haben allein in diesem Jahr ca. 80 Sparkassen getroffen, viele davon direkt vor Ort. Diese Besuche organisieren für uns Geschäftspartner aus der Sparkassengruppe, wie zum Beispiel die Deka, mit der wir viele Besuche gemeinsam gemacht haben.


Welche Produkte bietet die Berlin Hyp den Sparkassen an?

Schukat: Aus dem Treasury heraus fokussieren wir uns natürlich zunächst einmal auf unsere Refinan­zierungs­instrumente wie Hypothekenpfandbriefe und unbesicherte Emissionen. Darüber hinaus hat die Berlin Hyp aber weitere Produkte speziell für die Sparkassen entwickelt, wie den ImmoSchuldschein, bei dem die Sparkassen die Möglichkeit haben, sich an unserem originären Kreditgeschäft zu beteiligen. Der ImmoSchuldschein stellt eine Verbindung aus klassischem Schuldschein und Konsortialkredit mit einer Absicherung über Grundpfandrechte dar. Mit einer Mindestbeteiligung von einer Million Euro haben die Sparkassen die Möglichkeit, sich regional zu diversifizieren. Eine weitere Produktneuentwicklung ist ImmoKonsortial – ein Produkt, mit dem wir Sparkassen in Zukunft gerade für kleine und mittlere Finanzierungen eine Konsortiallösung anbieten werden.

Der Grüne Pfandbrief: Nutzung der Einnahmen

Quelle: Berlin Hyp; Stand: April 2015

Ein Produkt, das großen Anklang fand, war  der Grüne Pfandbrief, den Ihr Haus im Frühjahr 2015 emittiert hat. Was war das Motiv?

Schukat: Wir waren selbst begeistert vom Erfolg. Für den 500 Millionen Euro großen Pfandbrief mit sieben Jahren Laufzeit und einem Zinskupon von 0,125 Prozent war das Orderbuch vierfach überzeichnet. Erfreulich war besonders: Unter den insgesamt 72 Investoren waren 15, die noch nie zuvor einen Pfandbrief oder eine SeniorUnsecured-Anleihe der Berlin Hyp gekauft hatten. 48 Prozent der Investoren kamen aus dem Nachhaltigkeitsbereich. Somit ist das Hauptziel, unsere Investorenbasis zu erweitern, erreicht worden. Uns ging es aber auch um etwas anderes: Wir sind in der Bank schon seit Jahren dabei, unser Nachhaltigkeitsprofil zu schärfen. Und da lag es nahe, ein entsprechendes Produkt aufzulegen. Außerdem ist der Pfandbrief per se ein sehr nachhaltiges Produkt. Ihn gibt es seit fast 250 Jahren.

48 Prozent der Investoren kamen aus dem Nachhaltigkeitsbereich. Somit ist das Hauptziel, unsere Investorenbasis zu erweitern, erreicht worden.

Sven Schukat

Leiter Treasury

Berlin Hyp

Sind Grüne Pfandbriefe ein Zukunftsmarkt?

Schukat: Der Green-Bond-Markt ist noch relativ jung und relativ klein. Insgesamt sprechen wir von einem Markt mit einem ausstehenden Volumen von weniger als 90 Milliarden Dollar. Wenn man das in Relation zu den 2,7 Billionen Euro Covered Bonds setzt, sieht man die Größenordnung. Auf der anderen Seite gibt es aber immer mehr Investoren, die sich öffentlich dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil ihrer Kapitalanlage ausschließlich in solche Green Bonds zu investieren. Insgesamt steigt die Nachfrage dadurch beständig, das Angebot ist aber noch gering.


Wird es bald ein Nachfolgeprodukt geben?

Schukat: Die Herausforderung ist, im Vorfeld die hierfür geeigneten Deckungswerte zusammenzustellen. Aber in der Tat würden wir auch 2016 gerne mit einem Grünen Pfandbrief an den Markt kommen; auch wieder im Benchmark-Format. Wir hoffen, dass der ein oder andere Emittent aus Deutschland auch so ein Produkt auflegt, schließlich haben wir hier eine gute Vorlage geliefert. Wir sind ganz zuversichtlich, dass wir da nicht lange alleine bleiben werden.

Berlin Hyp: Ein besonders sicheres Investment

 

Weiterentwicklung des Geschäftsmodells

  • 1869 gegründet
  • Integration in die Sparkassen-Finanzgruppe
  • Mitglied im Haftungsverbund
  • Solva 0 für Sparkassen
  • Deutsche Sparkassen als direkte Eigentümer
  • Kerngeschäft: Gewerbliche Immobilienfinanzierungin Deutschland
  • Einer der führenden deutschen Gewerbeimmobilienfinanzierer (Portfolio 18,1 Mrd. Euro, Neugeschäft 5,0 Mrd. Euro)
  • Deutschland-Anteil rund 80%
  • Internationales Geschäft ausschließlich in ausgewählten europäischen Kernmärkten
  • Ausbau des Verbundgeschäfts
  • Pfandbrief als wichtigstes Refinanzierungsinstrument
  • Pfandbriefumlauf: 14,0 Mrd. Euro (10,7 Mrd. Euro Hypothekenpfandbriefe /3,3 Mrd. Euro Öffentliche Pfandbriefe)

Quelle: Berlin Hyp; Stand: April 2015

Abschließende Frage zum Jahr 2016. Wie sieht Ihr Ausblick aus?

Schukat: Das Wettbewerbsumfeld bleibt für die Berlin Hyp unverändert herausfordernd. Gründe sind die anhaltende Niedrigzinsphase und der durch einen zunehmenden Wettbewerb entstehende Margendruck im Kreditgeschäft sowie die nicht enden wollenden regulatorischen Anforderungen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir an die erfreuliche Entwicklung in den Vorjahren anknüpfen können, voraus­gesetzt, es gibt keine unvorhergesehenen Verwerfungen auf den Märkten. Die Emissionstätigkeit wird im Wesentlichen gleich bleiben. Aber der Markt wird künftig sehr viel mehr differenzieren. Und wir hoffen, dass wir ein erster Ansprechpartner der Sparkassen bleiben werden.

Sven Schukat

 

ist seit 1993 bei der Berlin Hyp und seit 2004 Bereichsleiter Treasury. Insgesamt verfügt Herr Schukat über 30 Jahre Erfahrung am Kapitalmarkt.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Januar 2016