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Nachhaltige Bundesinvestitionen
Umweltförderung und Geldanlage

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit im März 1991 rund 1,7 Milliarden Euro für mehr als 9.500 Projekte an Fördermitteln für innovative Umweltprojekte bewilligt. Markt & Impuls hat mit Michael Dittrich über nachhaltige Kapitalanlage bei der weltgrößten Umweltstiftung gesprochen.


Markt & Impuls im Gespräch mit MICHAEL DITTRICH, Deutsche Bundesstiftung Umwelt


 

Wie haben Sie das Stiftungs­kapital von 2,2 Milliarden Euro (Stand Jahres­ende  2016) investiert?

Zunächst unsere grobe Asset Allocation: Nach Kurswerten haben wir rund 30  Prozent Aktien und etwa 60 Prozent Renten. Bei den Renten halten wir etwa 25 Prozent in Unternehmens­anleihen und etwa 12 Prozent in Nachrang­papieren, aber auch in Inhaber­schuld­verschreibungen. Der Anteil der Staats­anleihen liegt gemeinsam mit den Pfand­briefen bei etwa 8 Prozent, der reine Anteil an Staats­anleihen im Moment bei unter 4 Prozent. Das ist insofern interessant, weil wir bei der Gründung der Stiftung 1991 mit 100 Prozent Staats­anleihen gestartet sind, damals allerdings auch mit 9,375 Prozent für zehn Jahre im Fonds Deutsche Einheit.

Porträt

Michael Dittrich
Abteilungsleiter Finanzen und Verwaltung, Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Der studierte Jurist startete seine berufliche Laufbahn von 1985 bis 1991 als Hörfunk- und Fernseh­journalist. Seit 1991 ist er bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als Abteilungs­leiter Finanzen und Verwaltung tätig. Außerdem ist er Prokurist des DBU Zentrum für Umwelt­kommunikation und der DBU Naturerbe GmbH.

Wie sieht es mit anderen Anlageklassen und der regionalen Verteilung aus?

Etwa 5  Prozent des Stiftungs­kapitals sind Immobilien und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Zudem verfügen wir über eine Cash-Position von circa 4 Prozent. Zu ungefähr zwei Dritteln sind wir in deutschen Werten positioniert, sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite. Unser Exposure außerhalb Europas beträgt unter 10 Prozent. Zu den deutschen Werten kommen also ungefähr 30 Prozent europäische Werte, exklusive Deutschland, hinzu.

 

Wie viel Prozent der Kapitalanlagen verantworten Sie in Eigenregie?

Über 90 Prozent. Wir haben knapp 10 Prozent in Spezial­fonds investiert. Diese Spezial­fonds sind für uns ein Element der Diversifikation. Damit decken wir unter anderem die Märkte außerhalb Europas ab. Es handelt sich dabei um global ausgerichtete Aktien und Renten­fonds.

 

Erläutern Sie uns bitte Ihre Leitlinien für eine nachhaltige Geldanlage.

Seit 2005 haben wir in der DBU eine Nachhaltigkeitsstrategie fest in unseren Anlagerichtlinien verankert. Damals haben wir festgelegt, dass 80 Prozent aller Aktien und 80 Prozent aller Anleihen börsennotierter Unternehmen, die wir halten, in mindestens einem der gängigen Nachhaltigkeitsindizes enthalten sein müssen. Dabei orientieren wir uns unter anderem am „Dow Jones Sustainability Europe“ und am „FTSE4Good“. Zudem bewerten Nachhaltig­keits-Rating­agenturen unsere Bestände und teilen uns mit, was nach ihrer Klassi­fizierung als investier­bar gilt und was nicht.

 

Wie hat sich diese Nachhaltigkeits­strategie weiterentwickelt?

Über die Jahre haben wir sie inhaltlich erweitert: So haben wir auch Themen­fonds in die Anlage­strategie integriert, zum Beispiel mit dem Fokus Nachhaltigkeit, Wasser, aber auch effiziente Energie­nutzung oder CO2-Minderung. Wir sind investiert im Bereich Micro Finance mit um die zwei Prozent unseres Stiftungs­kapitals. Inzwischen haben wir einen wachsenden Anteil an Green Bonds im Depot und werden dieses Engagement Stück für Stück ausweiten, weil wir denken, dass das für die Zukunft ein wichtiges Element sein kann, um Projekte im Bereich der Nachhaltig­keit zu finanzieren.

 

Dann gibt es noch die Dekarbonisierungsstrategie.

Das ist in der Chronologie die jüngste Entscheidung gewesen. Seit Anfang 2016 investieren wir nicht mehr in Unternehmen, deren Geschäfts­modell zu einem erheblichen Teil auf Kohle basiert, und wir haben darüber hinaus beschlossen, die bestehenden Engagements mittel­fristig abzubauen. Konkret heißt das, dass wir von ehemals etwa 40 Millionen Euro, die wir Anfang 2016 noch in diesem Sektor investiert hatten, aktuell auf unter 5 Millionen Euro reduziert haben.

 

Geht Nachhaltigkeit nicht zu Lasten der Rendite?

Unsere eigene Erfahrung – und auch das Ergebnis etlicher wissenschaftlicher Studien – ist: Eine nachhaltige Kapitalanlage hat keine nachteiligen Auswirkungen auf die Performance.

Im Überblick

Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Die Stiftung der Bundesrepublik Deutschland fördert innovative, modellhafte und lösungs­orientierte Vorhaben zum Schutz der Umwelt. Sie erfüllt diesen Auftrag im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in ihren ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Aspekten unter besonderer Berück­sichtigung kleiner und mittlerer Unternehmen.

 

  • Die unabhängige, parteipolitisch neutrale Stiftung setzt sich für den
    Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ein.
  • Durch ihre Arbeit will sie nachhaltige Wirkung in der Praxis erzielen,
    Impulse geben und als Multiplikator agieren.
  • Insgesamt gingen 2016 bei der DBU 722 An­träge und Projektskizzen ein.
  • 184 Pro­jekte wurden mit insgesamt 51,1 Millionen Euro gefördert.
  • Seit 1993 verleiht die DBU den „Deutsche Umweltpreis“. Mit 500.000 Euro ist es
    aktuell der am höchsten dotierte Umweltpreis in Europa. Mit der Verleihung werden
    „Einsatz und Leistungen ausgezeichnet, die jetzt und zukünftig entscheidend und in
    vorbildhafter Weise zum Schutz und zur Erhaltung unserer Umwelt beitragen“.
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017