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Abnahme

Research und Märkte

Real Assets: Infrastruktur

Mai 2026

Volkswirtschaftlicher Überblick.

Kriege haben über das unermessliche menschliche Leid hinaus auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. Der aktuelle Krieg im Nahen Osten zeigt einmal mehr, welche zentrale Bedeutung Handelsrouten für die Weltwirtschaft haben – insbesondere die Straße von Hormus als Knotenpunkt für den globalen Energiehandel. Mit der Verkündung einer vorübergehenden Waffenruhe durch die US-Regierung gaben die Ölpreise kurzzeitig nach, Aktien legten zu und Anleiherenditen gingen zurück. Allerdings sind die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran derzeit ziemlich festgefahren. Die Lage bleibt fragil, und selbst bei einem baldigen Frieden dürften die wirtschaftlichen Folgen noch für längere Zeit spürbar sein.

Wir gehen davon aus, dass es nach der Öffnung der Straße von Hormus noch viele Monate dauern wird, bis Lieferketten wieder reibungslos funktionieren, Förderkapazitäten vollständig hergestellt sind und Energierohstoffe wieder zuverlässig und zu niedrigeren Preisen zur Verfügung stehen. Der jüngste Energiepreisschock, ausgelöst durch stark gestiegene Öl- und Gaspreise, belastet die Weltwirtschaft. Er treibt die Inflation, erhöht die Produktionskosten für Unternehmen und schmälert die Kaufkraft der privaten Haushalte. Trotz dieser Widrigkeiten bleibt das globale Wachstum mit rund 3 % moderat positiv, allerdings bei deutlich erhöhter Unsicherheit.

Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in der Geldpolitik wider. Die Notenbanken müssen aufgrund der höheren Energiepreise abwägen zwischen Inflationsbekämpfung und konjunktureller Stabilisierung. Während wir bei der EZB im Juni 2026 mit einer Leitzinserhöhung rechnen, erwarten wir für die US-Notenbank Fed bis Ende 2026 noch zwei Leitzinssenkungen. Der bevorstehende Wechsel an der Fed-Spitze von Jerome Powell zu Kevin Warsh schafft hier allerdings eine ungewöhnlich hohe Unsicherheit, was für die Kapitalmärkte nach wie vor erhöhte Schwankungsrisiken birgt.

In einem solchen Umfeld rückt die Frage nach Stabilität und Planbarkeit von Erträgen stärker in den Vordergrund. Hier zeigt sich die besondere Rolle von Infrastruktur. Viele Infrastrukturprojekte, etwa in den Bereichen Energie, Transport oder Versorgung, basieren auf langfristigen Verträgen oder regulierten Erlösstrukturen, die häufig an die Inflation gekoppelt sind. Steigen die Preise, wie aktuell durch den Energiepreisschock, kann hierdurch zumindest ein Teil der höheren Kosten kompensiert werden. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Infrastruktur kann in Phasen erhöhter Volatilität ein ausgleichender Baustein in einem breit diversifizierten Portfolio sein. Während liquide Märkte kurzfristig stark auf geopolitische Ereignisse und Zinsänderungen reagieren, entwickelt sich die nicht-börsennotierte Infrastruktur typischerweise stetiger. Das macht sie nicht immun gegenüber wirtschaftlichen Schocks, wohl aber robuster gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Infrastruktur nicht nur aus Anlegersicht an Bedeutung gewinnt, sondern auch volkswirtschaftlich eine Schlüsselrolle spielt. Der aktuelle Energiepreisschock ist nicht nur Ausdruck geopolitischer Spannungen, sondern auch ein klarer Hinweis auf strukturelle Schwächen in der Versorgung mit Energie. Während der Ausbau erneuerbarer und damit günstiger Energie voranschreitet, zeigt sich zunehmend, dass die eigentliche Herausforderung weniger in der Energieerzeugung als vielmehr in deren Verteilung liegt.

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