Deka-InvestmentBrief

Bankenstress: Inflationsbekämpfung fordert Tribut.

März 2023

Banken unter Stress: In den USA sind Regionalbanken unter Liquiditätsdruck geraten, in Europa musste mit der Credit Suisse eine der großen systemrelevanten Banken durch Fusion aufgefangen werden. Die Furcht vor einer allgemeinen Bankenkrise geht um, der Vergleich mit 2008 kommt schnell in den Sinn. Dabei ist die Situation heute deutlich verschieden. Es sind nicht faule Kredite, die Misstrauen hervorrufen, sondern es ist der Anpassungsdruck an ein stark gestiegenes Zinsniveau, der auf dem gesamten Finanzsektor weltweit lastet. Die gute Nachricht lautet, dass dieser Druck, der bereits im letzten Jahr begonnen hatte, dank solider Bilanzen im Großen und Ganzen gut abgefedert wurde. Dort, wo einzelne Geschäftsmodelle mit dem schnellen Zinsanstieg überfordert sind, müssen Notenbanken und Aufsicht im Einzelfall Lösungen finden. Dies ist bislang gut gelungen, und wir erwarten, dass auf diese Weise die Übergangsphase hin zu einem dauerhaft höheren Zinsniveau auch ohne Krise weiterhin bewältigt werden kann. Ganz folgenlos bleibt der Bankenstress aber nicht. Das Kreditangebot wird künftig noch weiter eingeschränkt werden, als es in den letzten Monaten bereits der Fall war. Liquidität wird weiterhin knapper werden. Die Geldmengen schrumpfen. Die Konjunktur wird auf diese Weise noch weiter abgebremst. Beim Blick in die Vergangenheit oder in die geldpolitischen Lehrbücher wird klar, dass die gegenwärtige Entwicklung nicht ungewöhnlich ist: Hohe Inflation kann nur in einem Umfeld moderater Konjunkturentwicklung zurückgeführt werden. Wir haben auf diese Perspektive bereits in den vergangenen Monaten mit einer etwas defensiveren taktischen Aufstellung reagiert. Diese behalten wir bei.

Jörg Boysen

Chefanlagestratege Deka Investment.

Asset Allokation.

Der Jahresstart an den Kapitalmärkten verlief bisher positiv, trotz des zwischenzeitlichen Stresses in den USA und der Schweiz. Wer hätte gedacht, dass keine neuen Aktientiefs bei den jüngsten Finanzmeldungen erreicht werden. Diese Erkenntnis und Faktenlage basiert auf zwei Gründen. Erstens haben sich die Bewertungsniveaus in den großen Anlageklassen, wie Aktien und Anleihen, bereits im letzten Jahr deutlich reduziert. Zweitens werden gerade in Stressphasen die hohen Renditeniveaus von Staatsanleihen bester Bonität (Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen) wieder genutzt, um Portfolien krisenfest zu machen. Damit ist das Thema der Diversifikation von Aktien und Anleihen zurück. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass wieder besser unterstützte Staatsanleihemärkte die Finanzierungskonditionen für Staaten und deren Unternehmen auf vertretbaren oder günstiger werdenden Levels halten. Auch wenn die Inflation noch nicht wieder in der Zielzone der Notenbanken angekommen ist und auch die Krisenschlagzeilen nicht abebben, das Jahr ist anders und nicht mit 2022 vergleichbar. Ungeachtet unserer verhalten konstruktiven Sicht auf das Gesamtjahr haben wir in den letzten Handelswochen eine taktisch zurückhaltende Ausrichtung auf der Aktienseite eingenommen. Der positive Jahresstart war aus unserer Sicht den fundamentalen Entwicklungen zu weit vorrausgelaufen. Hinzu kam ein erneuter Realzinsanstieg im Februar sowie die zwischenzeitlich bereits wieder (zu) optimistische Investorenstimmung. Mittlerweile haben sich die Gründe für einen Aktienrücksetzer zwar ausgespielt, aber angesichts der neu hinzugekommenen Bankenproblematik ist eine gewisse Beruhigung der Kursschwankungen vor einer potentiell taktischen Aktienhochstufung ratsam. Eine vergleichbar abwartende Haltung bleibt dementsprechend in der kurzen Frist auch für die verschiedenen Income-Segmente angebracht. Für Unternehmensanleihen guter Bonität sollten die jüngsten Spread-Ausweitungen allerdings eine attraktive Phase für Zukäufe einläuten. Zinsänderungsrisiken sollten ausgewogen bzw. mit Referenz auf Vergleichsvermögen in vollem Umfang eingegangen werden. Im Multi-Asset-Kontext wird auch mit der neuen Ausgabe des Deka-InvestmentBriefs an der Empfehlung für strukturelle Goldbeimischungen festgehalten. In Anbetracht der vielerorts erneut angestiegenen Unsicherheiten hat sich das Edelmetall abermalig gut behaupten können. Die Attraktivität im Portfoliokontext bleibt vorhanden.

Der ausführliche Deka-InvestmentBrief als Download.

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