Deka-InvestmentBrief

Inflationsängste

März 2021

Während Regierungen, Wirtschaft und Gesellschaft noch mit der Überwindung der weiterhin andauernden Corona-Pandemie beschäftigt sind, sind die Finanzmärkte schon zwei Schritte weiter. Im ersten Schritt hatten die Finanzmärkte bereits im letzten Jahr durch die Gesundheitskrise hindurchgeschaut und eine Erholung der Wirtschaft im Jahr 2021 antizipiert. An diesem Bild hat sich trotz zweiter Welle und schwankender Konjunkturindikatoren nichts geändert. Nun machen die Finanzmarktteilnehmer den zweiten Schritt, indem sie sich fragen, welche makroökonomischen Einflüsse die Nach-Corona-Welt bestimmen. Hier fällt der Blick auf eine Konjunkturentwicklung, die von starken Nachholeffekten geprägt sein wird. Gleichzeitig liefern die Staaten über Konjunkturprogramme weitere Impulse für die Realwirtschaft. Daher sind die Analysten sehr wachsam gegenüber einer Überforderung der wirtschaftlichen Kapazitäten, die sich dann in steigenden Inflationsraten entladen könnte. In diese Phase hinein fielen überraschend starke Inflationsdaten aus dem Euroraum für den Januar. Der Renditeanstieg an den Rentenmärkten, der sich bereits davor schleichend bemerkbar gemacht hatte, beschleunigte sich daraufhin.

Die Inflationsdaten, insbesondere aus Deutschland, sind relativ eindeutig zu interpretieren. Sie stellen ein Aufholen der schwachen Inflationsdynamik aus dem Corona-Jahr 2020 dar, verstärkt um eine Reihe von einmaligen Sondereffekten. Die Inflation im Euroraum wird zwar im weiteren Jahresverlauf noch ansteigen, im kommenden Jahr allerdings auf ihr Vor-Corona-Niveau zurückfallen. Wenngleich die aktuelle Inflationsentwicklung nicht besorgniserregend ist, lässt sich jedoch schon eine größere Vorsicht an den Märkten erkennen, die wohl auch weiter anhalten wird. Dazu kommt, dass ein Anstieg der Realrenditen bei einer fortgesetzten wirtschaftlichen Erholung unvermeidlich ist.

Wesentlich ist jedoch, ob der Renditeanstieg, verbunden mit einer Wirtschafts- und Gewinnentwicklung, die nun nicht mehr stark nach oben überraschen sollte, die Perspektiven an den Aktienmärkten eintrüben kann. Wir glauben, dass Aktien strategisch weiterhin attraktiv bleiben, wenngleich ein Kursanstieg wie aus den vergangenen Quartalen nicht realistisch erscheint. Taktisch bildet das Umdenken an den Kapitalmärkten jedoch durchaus Störpotenzial, etwa wenn die Renditebewegungen in den kommenden Wochen auch einmal überschießen können.

Jörg Boysen

Chefanlagestratege Deka Investment.

Asset Allokation.

Inflationssorgen lösen Deflationsszenario ab

Ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise schreiten der konjunkturelle Aufholprozess und die Impfkampagnen trotz weiterhin hoher Infektionszahlen voran. Nach der erfolgreichen Stabilisierungspolitik der Regierungen und Notenbanken stellt sich insbesondere für die USA die Frage, ob es zu einer Überstimulierung mit ausufernden Inflationsprozessen kommt. Die spürbarste Veränderung der vergangenen Wochen waren die höheren Renditen für US-Staatsanleihen und Bundesanleihen im längeren Laufzeitenbereich. Dies ist eher dem Auspreisen eines Deflationsszenarios geschuldet als der Überzeugung einer anstehenden Inflationierungsphase. Insofern werden die Notenbanken noch für einige Zeit ihre Anleihekaufprogramme fortsetzen und ihre niedrigen Leitzinsen beibehalten.

Basisszenario: Inflationsfreies, moderates Wachstum – leicht steigende Zinsen (Wahrscheinlichkeit: 70 %)

  • Weltwirtschaft wird Corona-Pandemie Schritt für Schritt hinter sich lassen und 2021 wieder auf ihren Wachstumspfad zurückfinden.
  • Corona-Krise hat bisher schon zu beobachtende Trends verstärkt: langanhaltende Niedrigzinsphase, Digitalisierung, Globalisierung mit ausgeprägterem regionalem Fokus.
  • Euroland: Nach-Corona-Aufschwung wird gebremst durch gestiegene Staatsverschuldung, technologischen Strukturwandel und Brexit. EU-Wiederaufbaufonds stützt krisengeschüttelte südeuropäische Staaten.
  • USA: Geld- und Finanzpolitik unterstützen Wirtschaft und Märkte auf dem Weg aus der Corona-Krise. Regierungswechsel bringt wenig Änderung mit Blick auf restriktive Handelspolitik.
  • Inflation: Nach der Corona-bedingt sehr geringen Teuerung im Jahr 2020 erfährt Euroland 2021 aufgrund von Sondereffekten einen temporären Inflationsschub. Die Annäherung an das Inflationsziel bleibt aber grundsätzlich langsam. In den USA nimmt der Inflationsdruck moderat zu.
  • Geldpolitik: Große Notenbanken halten Leitzinsen niedrig und fahren ihre Notfallmaßnahmen vorerst noch nicht zurück, um die Konjunktur weiter zu stützen.
  • Finanzmärkte: Aktienmärkte konzentrieren sich auf den beginnenden Aufschwung. An Anleihemärkten weitere Verringerung der Risikoprämien, vor allem in Hochzinsbereichen positive Gesamtertragserwartungen.
  • Zinsen: Dauer der Niedrigzinsphase wird durch Corona-Krise nochmals verlängert. Kaufkrafterhalt der Geldanlagen funktioniert nur noch bei Wertpapieren, allerdings unter Inkaufnahme von Wertschwankungen.

Negativszenario: Rezession – Marktverwerfungen – Protektionismus (Wahrscheinlichkeit: 15 %)

  • Störfaktor Inflation: Inflationsängste treiben Renditen nach oben und trüben das günstige Finanzierungsumfeld für Unternehmen und Staaten ein.
  • Impfungen können weitere umfassende Reinfektionswellen nicht verhindern, u.a. wegen resistenter Coronavirus-Mutationen. Langanhaltende globale Pandemie verursacht wiederkehrende großflächige Stillstände. Globale Produktionsketten werden nachhaltig gestört. Vertrauensverlust führt zu Abwärtsspirale an den Finanzmärkten.
  • Stark gestiegene Staatsverschuldung löst globale bzw. regionale Schuldenkrisen aus mit dem Risiko einer umfassenden Emerging Markets-Finanzkrise bzw. in Euroland einer erneuten Infragestellung der Währungsunion.
  • Globale Ausbreitung von Protektionismus und Nationalismus reduziert den Grad der internationalen Arbeitsteilung in spürbar wachstumsbremsender Form.
  • Dauerhafte Wachstumsabschwächung in China.

Positivszenario: Starkes Wachstum ohne Verspannungen (Wahrscheinlichkeit: 15 %)

  • Corona-Pandemie ebbt dank zügiger Durchimpfung großer Teile der Weltbevölkerung schnell ab. Produktion und Konsum können wieder ungehindert wachsen.
  • Niedrigzinsen, ein gestiegenes Vertrauen und deutliche Produktivitätszuwächse führen trotz zunehmender Kapazitätsauslastung zu überraschend starkem Wachstum ohne nennenswert steigende Inflationsraten. Dank Verschuldungsabbau schreitet die Gesundung der Finanzsysteme zügig voran.
  • Kräftige Gewinnanstiege der Unternehmen führen zu deutlichen Aktienkursanstiegen und wirken als Triebfeder für die Investitionsdynamik.
  • Reformprozess in Euroland stabilisiert Finanzsektoren der Krisenländer und setzt damit stärkere Wachstumspotenziale frei.
  • Überraschend starke Wachstumsdynamik in den Emerging Markets mit Schubwirkung für globale Wirtschaft.

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