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Umfang von Kontrolle und Haftung erweitert
Auswirkungen des KAGB auf Verwahrstellen

In Deutschland wurde mit der Umsetzung der europäischen AIFM-Richtlinie das bestehende Investmentgesetz (InvG) aufgehoben. Darin enthaltene Regeln sind seit 22. Juli 2013 in das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) integriert. Über die neu geregelte Klassifizierung von Fonds und Anlegertypen haben wir bereits berichtet (Markt & Impuls, September 2013). Warum die Einführung des KAGB auch für Depotbanken – nun Verwahrstellen genannt – eine Zäsur bedeutet, lesen Sie hier.

Mit einem verwahrten Fondsvermögen von insgesamt rund 80 Milliarden Euro in 350 einzelnen Sondervermögen ist die Verwahrstelle der DekaBank die größte innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Zu ihren Aufgaben gehört neben der Kontrolle der Ermittlung der Fondspreise, der Abwicklung des Zahlungsverkehrs und der Verwahrung der zum Fonds gehörenden Wertpapiere auch der Anlegerschutz. Dafür muss die Verwahrstelle stets auf der Höhe der Zeit sein und war daher auf die Neuerungen im Zuge des KAGB gut vorbereitet. „Bereits im Jahr 2012 startete ein konzernweites Projekt. In verschiedenen Teilprojekten wurden Maßnahmen entwickelt, um die Anforderungen des Kapitalanlagegesetzbuchs umzusetzen. Eines dieser Teilprojekte beschäftigte sich ausschließlich mit der Verwahrstelle“, erklärt Dr. Sandro Schurig, Leiter des Bereichs Bankgeschäftsabwicklung und Depotbank. „Unser Ziel war, dass unsere Kunden den gewohnten Service erfahren, ohne dass sich die Umstellung der Prozesse bemerkbar macht.“

 

Risiken der Verwahrkette im Blick

Generell kommt der Verwahrstelle unter der KAGB-Regulierung eine größere Bedeutung zu als unter dem InvG. Ein wichtiger Punkt ist die Erweiterung der Kontrollpflichten. So liegt es nun verstärkt in der Verantwortung der Verwahrstelle, die Risiken über die gesamte Verwahrkette hinweg im Blick zu haben und zu bewerten. Werden beispielsweise für einen Fonds Wertpapiere an der New York Stock Exchange erworben, liegen diese Wert­papiere bei einem Unterverwahrer in den USA, der dort auch seinen Zentralverwahrer hat. Doch die Verwahrkette ist unter Umständen länger, da zwischen den Unterverwahrer und die DekaBank mehrere Zwischenverwahrer geschaltet sein können. „Wir verlassen uns nicht auf unseren unmittelbaren Vertragspartner, sondern schauen die gesamte Verwahrkette an“, erklärt Dr. Carsten Nickel, Leiter Network Management. „Das haben wir früher schon getan, haben unser Engagement aber aufgrund der neuen An­forderungen an die Auswahl und das Monitoring von Unterverwahrern intensiviert.“

 

Dass wir über die Haftungspflicht hinaus Verwahrrisiken über Eigenkapital absichern, ist ein zusätzliches Plus an Sicherheit für unsere Kunden.

Dr. Sandro Schurig

Leiter Bankgeschäftsabwicklung und Depotbank

Darüber hinaus wurde mit dem KAGB die Haftung bei der Unterverwahrung von Wertpapieren verstärkt. Wollte die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) früher in einen risikobehafteten Markt investieren, etwa in einen Emerging Market oder in ein politisch instabiles Land, war es die Pflicht der Verwahrstelle, die KVG über bestehende Risiken mit Blick auf den Unterverwahrer vor Ort oder generell auf den betreffenden Markt zu informieren. Hatte sich die KVG dennoch für eine Investition entschieden, trug sie auch das grundsätzliche Haftungsrisiko. Unter der KAGB-Regulierung besteht nach wie vor die Informationspflicht für die Verwahrstelle. Darüber hinaus haftet sie weitestgehend für den Fall, dass Wertpapiere abhandenkommen, unabhängig davon, ob sie dies zu verschulden hat.

 

Quantitatives Kontrollsystem entwickelt

Um die entsprechende Sorgfalt und ein hohes Maß an Anlegerschutz zu gewährleisten, hat die DekaBank ein quantitatives, auf Kennzahlen basierendes Risiko­management eingerichtet. Anhand verschiedener Bewertungskriterien werden aktuelle Informationen sowohl über den Unterverwahrer als auch über den Markt, in dem er tätig ist, verarbeitet. Aus der Gesamtbewertung leitet sich eine Kennzahl ab, die die Grundlage für operative Risikoszenarien darstellt. Zusätzlich wird über diese Szenarien automatisch die Eigenkapitalunterlegung der Verwahr­risiken gesteuert. „Dass wir über die Haftungspflicht hinaus Verwahrrisiken über Eigenkapital absichern, ist eine Besonderheit der DekaBank, das machen nicht alle Verwahrstellen“, sagt Dr. Schurig. „Auf diese Weise bieten wir unseren Kunden ein zusätzliches Plus an Sicherheit.“ Insgesamt bedeutete die Umsetzung aller Anforderungen aus dem KAGB einen großen Aufwand für die DekaBank und mit weiteren Änderungen im Zuge des KAGB ist zu rechnen. Hinzu kommen andere Regulierungsthemen wie die EMIR-Verordnung, die im Handel mit OTC-Derivaten Transparenz und Sicherheit schaffen soll, oder die Einführung des SEPA-Zahlungsverkehrs. „Umstellungen, die sich aus der Regulierung ergeben, gehören für uns inzwischen zur Tagesordnung“, erklärt Dr. Schurig. Wichtig dabei sei neben der zeitnahen Umsetzung, dass die Verwahrstelle alle Prüfungen der internen oder externen Revision sowie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ohne Beanstandung durchlaufe. Darüber hinaus lege die DekaBank Wert auf eine kostenneutrale Umsetzung: „Bislang konnten wir die zusätzlichen Kosten allein schultern“, so Dr. Schurig. „Auch das gehört für uns zu einem optimalen Serviceangebot für unsere Kunden.“

 

Wir verlassen uns nicht auf unseren unmittelbaren Vertragspartner, sondern schauen die gesamte Verwahrkette an.

Carsten Nickel

Leiter Network Management

Fazit

Seit Inkrafttreten des neuen Kapitalanlagegesetzbuchs werden die früheren Depotbanken als Verwahrstellen bezeichnet. Sie haben erweiterte Verwahr- und Kontrollaufgaben. Außerdem hat sich der Haftungsumfang bei der Unterverwahrung von Wertpapieren erweitert. Die DekaBank hat ihre Kontrollmechanismen intensiviert und ein umfassendes quantitatives Risikomanagement
eingerichtet. Zusätzlich werden Ver­wahr­risiken über Eigenkapital abgesichert.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juli 2014