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Zinszusatzreserve
Anpassung in Sicht

Bei Branchen­vertretern, Verbänden und der Versicherungs­aufsicht herrscht derzeit ungewohnte Einigkeit. Einhellig sind sie der Ansicht, dass die Berechnungs­methodik der Zinszusatz­reserve (ZZR) die wirtschaft­liche Leistungs­fähigkeit der Lebens­versicherungen und Pensions­kassen über Gebühr beansprucht. Sie alle fordern deshalb, dass die ZZR in ihrer Konzeption geändert werden müsse.


JOCHEN WEISS
Produktservice Institutionelle Kunden, Deka

Der Gesetzgeber hatte die ZZR im Jahr 2011 als Reaktion auf die Niedrigzins­phase eingeführt. Hiermit, so die Idee, sollte die Finan­zierung der garantierten Leistungen an die Versicherungs­nehmer durch eine zusätzliche Deckungs­rück­stellung sicher­gestellt werden. Dies war notwendig geworden, weil absehbar war, dass allein die laufenden Erträge der Versicherungen aus Kapital­anlagen hierzu nicht ausreichen würden. Die Berechnung der ZZR wurde an einen Referenz­zins gebunden, der sich aus dem über zehn Kalenderjahre errechneten arith­metischen Mittel von Euro-Zins­swapsätzen ergibt. Je tiefer dieser Referenzzins in den vergangenen Jahren fiel, umso umfang­reicher wurden jedoch die erforder­lichen Rück­stellungen.

Hohe Brisanz für die Branche

Wie brisant das Thema ist, verdeutlicht ein Blick auf die historische Reser­vierung. Insgesamt hat die Branche per Ende 2017 rund 60 Milliar­den Euro zurück­gestellt. Zum Vergleich: Dies entspricht ungefähr dem Vier­fachen der Summe des unter HGB ausge­wiesenen Eigen­kapitals aller von der BaFin beaufsichtigten Lebens­versicherungs­unternehmen in Deutschland (Stand 2016, Quelle: BaFin).

 

Wird nun die aktuelle Berechnungs­methodik beibe­halten und setzt sich zugleich das aktuelle Zins­niveau fort, dann droht die Summe der erforder­lichen Rück­stellungen in den kom­menden zwei Jahren sogar auf 101 Milliar­den Euro anzuwachsen (Quelle: GDV, Oktober 2017).

Branchenvertreter fordern Anpassung der Berechnungsmethode

Kritisiert wird insbe­sondere das hohe Tempo, mit dem sich die ZZR aufbaut. Dies kann nicht ohne die umfangreiche Auflösung von Bewertungs­reserven erfolgen, was wiederum nachhaltige negative Auswirkungen auf die langfristige Ertrags­lage der Unter­nehmen hätte. Branchen­vertreter setzen sich deshalb dafür ein, die Berechnungs­methodik für die ZZR anzupassen. Dabei soll zwar die Summe der aufzubauenden ZZR beibehalten, die jährliche Höhe der Reservierung jedoch gesenkt werden. Favorisiert wird die Korridor­methode, mittels derer sich die Belastung aus der ZZR um über ein Drittel verringern würde. Dies hätte eine deut­liche Entlastung für die Lebens­versicherungs­unternehmen, Lebens­versicherer und Pensions­kassen zur Folge.

 

Gefragt ist jetzt der Gesetz­geber. Am 28. Juni wurde vom Bundes­finanz­minis­terium der Evaluierungs­bericht zum Lebens­versicherungs­reformgesetz (LVRG) veröffent­licht. Dabei wird unter anderem auch das Thema ZZR aufge­griffen und der Änderungs­bedarf bei der Berechnungs­methode mit Wirkung für das Jahr 2018 heraus­gestellt. Offen ist somit nur noch der Zeit­punkt der gesetz­lichen Anpassung.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, Oktober 2018