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CSR-Richtlinie wird verbindlich
Neue Berichtspflichten im Überblick

Eine strukturierte und transparente Nachhaltigkeitsbericht­erstattung wird ab 2017 zur Pflicht für große Unternehmen. Als führendes Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen beschäftigt sich KPMG bereits seit Jahren mit der Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte im unter­nehmerischen Handeln. Alexander Glöckner gibt einen Überblick über die neue Richtlinie.


Alexander Glöckner
KPMG AG


 

Mit der sogenannten Corporate Social Responsibility (CSR)-Richtlinie (2014/95/EU) will das EU-Parlament die Sozial- und Umweltberichterstattung von Unternehmen anregen. Die Vorgaben der Richtlinie sind bis 6. Dezember 2016 in nationales Recht umzusetzen und gelten ab 1. Januar 2017 als verpflichtend. Die exakte Umsetzung ins Handelsgesetzbuch bleibt noch abzuwarten. Die Richtlinie sieht die Abgabe einer nicht­finanziellen Erklärung vor. Davon sind grundsätzlich große Unternehmen von öffentlichem Interesse betroffen, die im Durchschnitt des Geschäftsjahres mehr als 500 Mitarbeitende beschäftigen. Bei Konzernen gilt diese Grenze auf konsolidierter Basis.

 

Alexander Glöckner

ist Wirtschaftsprüfer und Prokurist in der Abteilung Sustainability Services der KPMG AG. Er ist spezialisiert auf das Thema Nachhaltigkeit.

 

Risiken und Leistungsindikatoren erfassen

In der nichtfinanziellen Erklärung sind Informationen anzugeben, die für das Verständnis der Lage des Unternehmens sowie der Auswirkungen seiner Tätigkeiten erforderlich sind. Dabei müssen mindestens Angaben zu Umweltbelangen, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte sowie zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung gemacht werden. Die Informationen umfassen eine Beschreibung des Geschäftsmodells sowie der in Bezug auf die genannten Belange verfolgten Konzepte und deren Ergebnisse. Außerdem ist die Erfassung der wesentlichen Risiken in diesem Zusammenhang sowie der wichtigsten relevanten Leistungsindikatoren erforderlich. Zudem müssen Due-Diligence-Prozesse im Rahmen von Relevanz und Verhältnismäßigkeit auch in Bezug auf Lieferketten und Unterauftragnehmer beschrieben werden. Für nicht zutreffende Themenbereiche hat im Bericht eine begründete Erläuterung zu erfolgen, warum diese nicht relevant sind („Comply or explain“-Ansatz). Konkretisierende, aber nicht bindende branchenspezifische EU-Leitlinien sollen bis 6. Dezember 2016 erlassen werden. Tochterunternehmen, die in den Konzern-Lagebericht eines Mutterunternehmens einbezogen sind, werden grundsätzlich von der eigenen Abgabe einer nichtfinanziellen Erklärung befreit.

 

Die nichtfinanzielle Erklärung ist entweder als Teil des Lageberichts oder in Form eines gesonderten Berichts innerhalb von sechs Monaten nach Bilanzstichtag zu veröffentlichen. Zusätzlich sieht die Richtlinie eine Erweiterung der Erklärung zur Unternehmensführung (Artikel 20 der Richtlinie 2013/34/EU) um die Beschreibung des Diversitätskonzeptes der Organe der Gesellschaft vor. Dabei sind Ziele, Umsetzungsart und Ergebnisse darzustellen. Auch hier gilt der Grundsatz „Comply or explain“. Demnach muss eine klare Erläuterung der Gründe gegeben werden, wenn das Unternehmen keine Diversitätsstrategie verfolgt.

 

Kurz gefasst


Die CSR-Richtlinie erfordert von bestimmten großen Unternehmen in Zukunft eine umfangreiche Erklärung mit standardisierten Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte sowie zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Diese „nichtfinanzielle Erklärung“ ist entweder als Teil des (Konzern-)Lageberichts oder in Form eines gesonderten Berichts abzugeben. Vom Abschlussprüfer ist zu prüfen, ob die Erklärung vorgelegt wurde. Ob die Erklärung auch inhaltlich zu prüfen ist, bleibt abzuwarten, da hierfür ein Wahlrecht der Mitgliedstaaten vorgesehen ist. Daneben werden die Ausführungen in der Erklärung zur Unternehmensführung gem. § 289a Handelsgesetzbuch um die Angabe zu Diversitätskonzepten bezüglich der Organe der Gesellschaft erweitert. Die Anforderungen sind erstmals in dem Geschäftsjahr anzuwenden, das am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnt.


Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juli 2015