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Mindestliquiditätsquote
Sparkassen gut aufgestellt

Zur Stärkung der Liquiditätsausstattung von Banken und Sparkassen gilt ab 2015 eine verbindliche Mindest­li­quiditätsquote. Die Anlageschwerpunkte von Sparkassen beeinflussen die entsprechende Kennzahl positiv. Die Ver­öffentlichung einer verbindlichen Regelung wird im Herbst 2014 erwartet.

Die in Deutschland gültige Liquiditäts­verordnung (LiqV) stellte Sparkassen bisher nicht vor nennenswerte Herausforderungen. Mit dem Ziel, das europäische Aufsichtsrecht zu harmonisieren, wird die LiqV jedoch mittelfristig durch einheitliche Liquiditätsanforderungen abgelöst. Diese sind in der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Aufsichts­anforderungen an Kreditinstitute und Wertpapier­firmen (Capital Requirements Regulation, CRR) enthalten, die seit Januar 2014 für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gilt.

Liquiditätspuffer kompensiert stressbedingte Mittelabflüsse

Ein Kernelement der Liquiditätsstandards ist die Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR), die Banken und Spar­kassen in der Beobachtungs­phase seit März 2014 bis Jahresende monatlich melden und ab 2015 verbindlich einhalten müssen. Diese Kennzahl zeigt den Liquiditätspuffer an, der stressbedingte Mittel­abflüsse während eines Zeitraums von 30 Tagen kompensieren soll. Der Quotient muss 2015 mindestens 60 Prozent betragen und bis 2018 auf mindestens 100 Prozent ansteigen

Die Mindestliquiditätsquote dürfte für das Gros der Sparkassen leicht steuerbar sein.

Jens-Peter Kempf
Senior Strategieanalyst Vertrieb
Institutionelle Kunden, DekaBank

„Auch wenn die LCR konzeptionell nicht mit der LiqV vergleichbar ist, dürfte diese Kennzahl für das Gros der Sparkassen ebenfalls leicht steuerbar sein“, sagt Jens-Peter Kempf, Senior Strategieanalyst im Vertrieb Institutionelle Kunden der DekaBank. So zeigte der Deka Treasury-Kompass 2013 eine durchschnittliche
LCR in Höhe von über 350 Prozent bei Mindestquoten von rund 13 Prozent und Maximalwerten von über 3.000 Prozent. Die Ergebnisse des Deka Treasury-Kompass 2014 dürften ähnlich ausfallen. Da die konkrete Ausgestaltung des Liquiditätspuffers noch diskutiert wird, wird sich die Veröffent­lichung des delegierten Rechtsaktes der EU-Kommission weiter verschieben. Auf Basis der bis zum Redaktionsschluss vorliegenden Informationen können Kreditinstitute die in der Grafik dargestellten Positionen und Wertpapiere als liquide und hochliquide Aktiva in die LCR ein­bringen. Ungelöst ist derzeit insbesondere die Zuordnung von Pfand­briefen zu Level-1- oder Level-2-Aktiva.

„Investmentfonds dürften voraussichtlich weiterhin nur dann als Liquiditätspuffer anrechenbar sein, wenn sie ausschließlich in regulatorisch liquide Aktiva investiert sind und derivative Instrumente lediglich zur Absicherung von Zins-, Währungs- und Kreditrisiken einsetzen“, sagt Kempf. Die natürliche Kassen­haltung innerhalb eines jeden Fonds stehe einer Anrechnung nicht entgegen. Seien sämtliche Anforderungen erfüllt, sei der anrechenbare Betrag aus Fonds auf maximal 500 Millionen Euro begrenzt.

Bei Spezialfonds im Besonderen besteht unter Umständen die Möglichkeit, enthal­tene liquide Positionen mittels Durchschau zu berücksichtigen, auch wenn diese nicht ausschließlich in liquide Aktiva investiert sind. Da es bei Spezialfonds mit nur einem Anleger, zum Beispiel einer Sparkasse, bei der Anrechnung der liquiden Aktiva zu einer Ungleichbehandlung im Vergleich zum eigenen Wertpapierbestand des Instituts käme, haben die Deutsche Kreditwirtschaft und die Europäische Sparkassenvereinigung in diesem Fall einen Sonderweg angeregt: Die liquiden Aktiva sollen angerechnet werden, auch wenn der Spezialfonds nicht ausschließlich in hochliquide Aktiva investiert ist. Spezialfonds bei Gültigkeit des Ausschließlich­keits­kriteriums auf die LCR auszurichten ist durch eine Anpassung der Anlagerichtlinien vergleichsweise unbürokratisch darstellbar. „Lediglich in einzelnen Fällen scheint eine Prüfung und Abstimmung mit der jeweiligen Kapitalverwaltungsgesellschaft notwendig zu sein“, so der Strategieanalyst.

Unter den Publikumsfonds dürften heute bereits einige Renten-ETFs die noch zu definierenden Anforderungen an den Liquiditätspuffer erfüllen. Die DekaBank plant allerdings, gezielt institutionelle LCR-fähige Publikumsfonds aufzulegen, die kurzfristige Liquidität sicherstellen und einen attraktiven risikoadjustierten Renditebeitrag generieren sollen.

Erträge aus überschüssiger regulatorischer Liquidität

Auch die unbesicherte Wertpapierleihe hat Auswirkungen auf die LCR. Die Sparkasse als Verleiher kann ein verliehenes Wertpapier unabhängig von der Restlaufzeit oder b.a.w. grundsätzlich nicht mehr dem Liquiditätspuffer zuordnen. „Dies scheint bei den meisten Sparkassen unerheblich zu sein, wie aus dem Deka Treasury-Kompass 2013 hervorgeht“, erklärt Kempf. Im Gegenteil könnten die Institute meist sogar große Bestände an überschüssiger regulatorischer Liquidität verleihen, um Zusatzerträge zu generieren (vgl. „Terminleihe", Seite 30).

Leihegeschäfte unterscheiden sich jedoch darin, in welcher Höhe sie eventuell zu einem Mittelzufluss im Nenner führen und so mögliche negative Implikationen auf die LCR abmildern. Die Leihe mit einer Restlaufzeit von über 30 Tagen führt zu keinem Mittelzufluss beim Ver­leiher, bei einer Restlaufzeit von unter 30 Tagen kann die Sparkasse hingegen einen Mittelzufluss in Höhe von bis zu 100 Prozent verbuchen. Gleiches gilt für die b.a.w.-Leihe – allerdings nur dann, wenn sie gekündigt wurde und die Kündigungsfrist eine Valuta innerhalb von 30 Tagen sicherstellt. Unabhängig davon empfiehlt sich über die überschüssigen Direktbestände an regulatorischer Liquidität hinaus die Leihe im Spezialfonds – insbesondere, falls dieser nur dann anrechenbar sein sollte, wenn er ausschließlich in liquide Aktiva investiert ist.

Anrechenbare Liquiditätspuffer in der LCR

Anrechenbare Liquiditätspuffer in der LCR
Quelle: DekaBank; Stand: Redaktionsschluss

Fazit

Der Deka Treasury-Kompass 2013 zeigt, dass die meisten Sparkassen gut aufgestellt sind, um die Anforderungen der LCR zu erfüllen. Die dem Liquiditätspuffer zurechenbaren Wertpapiere übersteigen die Anforderungen meist so deutlich, dass zum einen die Anrechenbarkeit von Fonds entbehrlich ist, zum anderen durch das Verleihen wesentlicher Bestände Zusatzerträge generiert werden können. Mit ihrem regulatorischen Know-how unterstützt die DekaBank Sparkassen dabei, LCR-schonende und renditeoptimierende Anlagen zu gestalten.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, September 2014