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Investmentsteuerreform (Sparkassen)
Das ändert sich für Immobilienspezialfonds

2018 nimmt die Regulierungsflut wieder Fahrt auf. Eine Neuerung: das Investmentsteuergesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt. Dessen Ziel ist es, das deutsche Steuerrecht im Hinblick auf die aktuell noch nicht vorhandene Gleichbehandlung aus- und inländischer Investmentfonds EU-konform zu gestalten.

Die wichtigste Änderung dabei: Ab 2018 unterliegt der Fonds selber der Körperschaftssteuer in Höhe von 15 Prozent bei inländischen Dividenden (inklusive Solidaritätszuschlag) beziehungsweise 15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag bei Immobilienerträgen. Allerdings können die Initiatoren von Immobilienspezialfonds die Körperschaftssteuer-Erhebungsoption (häufig als „Transparenzoption“ bezeichnet) ziehen, damit ein Fonds weiter so besteuert wird wie bisher. Ob die Beibehaltung oder ein Wechsel des Steuerstatus vorteilhaft ist, gilt es seitens der Kapitalverwaltungsgesellschaft mit Blick auf die Interessen der Investoren bei jedem Fonds genau abzuwägen.

 

Dabei müssen zunächst die Anlagebestimmungen, die im § 26 InvStG geregelt sind, berücksichtigt werden. Dazu zählt, dass die Zahl der Anleger in einem Fonds auf 100 begrenzt ist oder dass natürliche Personen sich entgegen der derzeit gültigen Regelung nicht mehr mittel- und unmittelbar an Immobilien­spezialfonds beteiligen dürfen. „Werden die Bestimmungen nicht eingehalten, kann ein Spezialfonds seinen Status verlieren“, erklärt Matthias Roth, Leiter Steuer- & Beteiligungs­management Immobilien der Deka. „Und einen Weg zurück gibt es dann nicht.“

 

Transparenzoption erfordert genaue Analyse

Zum einen muss der Initiator deshalb darauf achten, dass die Anlage­bestimmungen eines Fonds zum gewünschten Steuer­status passen. Zum anderen stellt sich die Frage, welcher Steuer­status besser ist. Grundsätzlich gilt: Bei Nichtausübung der Transparenzoption erfolgt die Besteuerung im Wesentlichen wie bei einem Publikumsfonds. Inländischen Immobilien­erträge werden künftig also auf Fondsebene besteuert, ausgeschüttete Erträge und Gewinne hingegen bei den Anlegern.

 

Bei Ausübung der Option dagegen gibt es keine wesent­lichen Änderungen zur bisherigen Praxis. Die Körperschafts­steuerpflicht für inländische Immobilien­erträge auf Fondsebene entfällt dann und die Besteuerung findet weiter auf Anlegerebene statt. Diese Option kann jederzeit, allerdings nicht rückwirkend, von der Kapital­verwaltungs­gesellschaft ausgeübt werden, wobei diese Entscheidung unwiderruflich für das jeweilige Geschäfts­jahr gilt.

 

Ob das Ziehen der Transparenz­option vorteilhaft ist, ist je nach Fonds unterschiedlich. „Wir bei der Deka analysieren deshalb jeden unserer Immobilien­fonds mit Blick auf die Interessen unserer Investoren mit äußerster Sorgfalt“, sagt Matthias Roth. Die Fonds der Domus-Reihe zum Beispiel haben bislang den steuerlichen Status eines Spezialfonds. Nach dem aktuellen Sachstand erscheint es hier, da die Fonds auf den deutschen Immobilienmarkt ausgerichtet sind und dort zudem einige steuer­befreite Anleger investiert sind, nicht sinnvoll, den Steuer­status zu wechseln. Es ist also von Vorteil, die Transparenz­option zu ziehen.

Wahlrecht mit Folgen

Spezial-Investmentfonds mit oder ohne Kapitalertragssteuer-Erhebungsoption

Ohne Ausübung der Option Mit Ausübung der Option
• Auf Fondsebene 15 %  Eingangs­belastung auf inländische Beteiligungseinnahmen, inländische Immobilienerträge und sonstige inländische Einkünfte i. S. d. § 49 EStG (analog Publikumsfonds)

• Die Steuerpflicht für inländische Beteiligungseinnahmen, inländische Immobilienerträge und sonstige inländische Einkünfte i. S. d. § 49 EStG entfällt auf Fondsebene

 

 

• Gewisse Freistellungsquoten,
aber anteilige Versagung des Betriebsausgabenabzugs, Veräußerungskosten

 

• Keine wesentliche Änderung im
Vergleich zur bisherigen Besteuerung

 

 

•Verlagerung der Steuerpflicht auf
Anlegerebene (wie bisher)

 

Statuswechsel nur bei Einstimmigkeit

Anders könnte es bei der Fokus-Reihe, zu der der Deka-Immobilien Fokus Prag zählt, aussehen. „Diese Fonds, die ebenfalls steuerliche Spezial­fonds sind, haben einen hohen Anteil ausländischer Immobilien, weshalb ein Wechsel in den Steuerstatus eines Publikumsfonds überlegenswert sein kann“, sagt Matthias Roth. Wichtig ist dabei auch, dass die Anleger in diese Überlegungen einbezogen werden. So erfolgt der Wechsel zu einem steuerrechtlichen Publikums­fonds nur mit deren einstim­miger Zustimmung. Bislang als steuerliche Publikums­fonds werden die Fonds der TargetSelect-Reihe geführt. Eine Änderung des Steuerstatus ist hier aber nicht angedacht, da diese weiter für mehr als 100 Anleger offen sein sollen. Beispiele, die verdeutlichen, dass verschiedene Variablen in die Überlegungen zum künftigen Steuerstatus miteinfließen müssen. „Nach aktuellem Sachstand gehen wir davon aus, dass alle Spezial­fonds künftig entweder als steuerlicher Publikumsfonds oder Spezialfonds mit Transparenz­option fortgeführt werden“, so Matthias Roth. Ausblick: In den nächsten Monaten müssen dann, sofern erforder­lich, die Zustimmung der Anleger eingeholt und die Vertrags­werke angepasst werden.

Verstärkte Regulierung im Anlegerschutz durch MiFID II
Umfassende Information erfolgt in den kommenden Wochen

 

MiFID II entwickelt die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID („Markets in Financial Instruments Directive“) von 2007 weiter. Die Verordnung ist die Reaktion des europäischen Gesetzgebers auf die Finanzmarktkrise und sorgt für eine verstärkte Regulierung im Bereich des Anlegerschutzes, insbesondere in den folgenden vier Bereichen:

 

  • Erhalt und Gewährung von Provisionen/Zuwendungen
  • Gestaltung und Überwachung von Finanzprodukten (Product Governance, Schwerpunkt Zielmarkt)
  • Kostentransparenz
  • Anlageberatung (Geeignetheitsprüfung und Dokumentation)

 

Hinzu kommen Themen der Marktinfrastruktur, die den Handel mit Finanzinstrumenten an und auf den Märkten regulieren, und dabei vor allem Melde- und Transparenzpflichten betreffen. Die Deka ist aktuell in Abstimmung mit dem DSGV hinsichtlich der Aufnahme von Monitoring Services bzgl. systematischer Internalisierung, OTC-Nachhandelstransparenz und Best Execution in die Gruppenlösung für die MiFID-II-Services der Deutschen Börse als Dienstleistungsanbieter.

 

Die neuen Regelungen sind zum 3. Januar 2018 anzuwenden und werden in Deutschland durch das zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz (2. FimanoG) umgesetzt, das Ende März 2017 durch den Bundestag verabschiedet wurde.

 

Die Deka wird im Zeitraum September bis Dezember 2017 detaillierte Informationen zur MiFID-II-Umsetzung zur Verfügung stellen. Diese betreffen im Wesentlichen folgende Bereiche:

 

  • Produktangebot der Deka (Investmentfonds, Zertifikate, Fonds- und
    klassische Vermögensverwaltung sowie Einzeltitel)
  • Depotlösungen der Deka-Gruppe
  • Die Rolle der DekaBank als Research- und Investmentpartner der Sparkassen
  • Die Rolle der DekaBank als Handelspartner im Depot-A-Geschäft
  • Aufzeichnung von Telefongesprächen und elektronischer Kommunikation, die sich auf die Annahme, Übermittlung und Ausführung von Kundenaufträgen bezieht, unabhängig davon, ob tatsächlich eine Order zustande kommt

 

Die Deka arbeitet im Rahmen des DSGV-Projekts MiFID-Revision zusammen mit Sparkassen, Regionalverbänden, Landesbanken, der Finanz Informatik (FI) und der dwpbank an praxisgerechten Lösungen für die Umsetzung der Anforderungen in der Sparkassen-Finanzgruppe. Aus diesem Projekt heraus sind auf Basis des aktuellen Stands der Gesetzgebung erarbeitete Lösungen den Sparkassen in Form eines Rollout-Leitfadens sowie eines Umsetzungsleitfadens zur Verfügung gestellt worden. Die Leitfäden werden im Laufe des Jahres weiter aktualisiert.

 

Für Fragen zu MiFID II stehen Ihnen Ihre persönlichen Ansprechpartner bei der Deka zur Verfügung. Zusätzlich informiert die Deka über eine eigene Service-Rufnummer: MiFID-II-Hotline (069) 71 47 - 64 64, mifid2@deka.de.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, August 2017