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BaFin macht Nachhaltigkeit zum Prüfungsschwerpunkt

Wie berücksichtigen VAG-Investoren nachhaltige Anlage­kriterien in ihrer Kapital­anlage? Das will die Finanz­aufsicht jetzt bei Versicherungen und Pensions­kassen mit Hilfe eines Fragebogens ermitteln.

Zu einem ihrer Prüfungs­schwer­punkte in diesem Jahr hat die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin) das Thema Nach­haltig­keit erklärt. Die Aufsicht hat eine umfang­reiche Erhebung bei institu­tionellen Investoren, die dem Versicherungs­aufsichts­gesetz (VAG) unter­liegen, ange­kündigt. Dazu wird ein Frage­bogen verschickt, den Versicherungen und Pensions­kassen detail­liert ausfüllen müssen.

Aufsicht fordert mehr ESG-konforme Investments

Dass die BaFin sich in diesem Jahr nachhaltige Anlage­kriterien zu einem ihrer Prüfungs­schwer­punkte ausgeguckt hat, hat einen speziellen Hinter­grund. Die hoch­rangige Experten­gruppe High Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) zur Ausrichtung des EU-Finanz­markts auf Nachhaltig­keit hatte in ihrem jüngst veröffent­lichten Abschluss­bericht unter anderem empfohlen, Nachhaltig­keit in das Mandat der europäischen Aufsichts­behörden einzu­beziehen und den Horizont der Risikoüberwachung zu erweitern. „Institutionelle Investoren, insbesondere VAG-Anleger, sollen so animiert werden, künftig stärker ESG-Kriterien in ihrer Kapital­anlage zu berück­sichtigen“, erläutert Jochen Weiss, Produkt­service Institu­tionelle Kunden bei der Deka, den Vorstoß der Bafin.

 

Konkret will die Aufsicht wissen, wie es um die Nach­haltig­keit in der Kapital­anlage von Versicherern und Pensions­fonds bestellt ist. So müssen die VAG Anleger in dem Frage­bogen detail­lierte Angaben über ihr verwaltetes Kapital machen. Unter anderem möchte die Aufsicht erfahren, wie hoch das jeweils nachhaltig investierte Anlage­volumen ist, welche Anlage­strategien genutzt und welche ESG-Faktoren berück­sichtigt werden und in welcher Form die Offenlegung hinsichtlich ESG-konformer Investments erfolgt. Außerdem müssen die VAG-Anleger auch begründen, warum ESG-Kriterien bei der Anlage­entscheidung bislang keine Berück­sichtigung fanden und ob sie das Aus­maß der bisherigen ESG-Invest­ments aktiv ändern wollen.

Nachhaltig investierende Kundensegmente (in %)
Die BaFin möchte VAG-Anleger künftig noch stärker animieren, ESG-Kriterien in der Geldanlage zu berücksichtigen. Unter den nachhaltig investierenden Kundensegmenten nimmt diese Gruppe bereits heute eine exponierte Stellung ein.

Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen; Stand: 2017

Unterstützung bei der Auswahl von Nachhaltigkeitskriterien

Während größere VAG-Anleger erfahrungs­gemäß bereits nachhaltige Strategien in ihrer Kapital­anlage umsetzen, haben kleinere Versicherungen und Pensions­kassen häufig wenig oder sogar keine Erfahrungen in diesem Bereich. „Gerade kleineren institutio­nellen Anlegern fehlen häufig die Zeit und vor allem die Kapa­zitäten, um sich intensiv mit der Materie zu beschäftigen“, begründet Weiss.

 

Seiner Beobachtung zufolge lagern deshalb immer mehr VAG-Anleger das Thema Nach­haltig­keit an speziali­sierte Asset Manager wie die Deka aus. Für Weiss eine gute Entscheidung: „Ob bei der Definition individueller Nachhaltigkeits­kriterien, der Festlegung des Anlage­universums oder der Opti­mierung bestehender Portfolios – wir unter­stützen institutionelle Investoren dabei, eine maßgeschneiderte Nach­haltigkeits­lösung zu entwickeln und umzu­setzen.“ Dreh- und Angel­punkt bei der Entscheidung für ein nach­haltiges Port­folio seien dabei das eigene Selbst­verständnis und die Frage, in welcher Tiefe der Ansatz verfolgt werden soll. „Hier kann eine umfas­sende Beratung maß­geblich zur Klärung beitragen“, sagt der Deka-Experte.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, Oktober 2018