Deka Institutionell Investment-Konferenz 2021

Eine große technisch-ökonomische Revolution.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind zwei Megatrends unserer Zeit – auch an den Kapitalmärkten. Doch wo bleibt der Mensch? Und welche Rolle spielt die Ethik? Diese und weitere Fragen beleuchteten Experten aus verschiedenen Blickwinkeln auf der Deka Institutionell Investment-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn.

Dezember 2021

Vor allem in der Pandemie hat sich eines deutlich gezeigt: Deutschland hat bei einigen Zukunftsthemen Nachholbedarf. So ist das Land im Hinblick auf die Digitalisierung im internationalen Vergleich noch nicht optimal aufgestellt. „Ich wundere mich schon lange, warum andere das besser hinbekommen haben“, sagte der ehemalige Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer. Während Deutschland hinterherhinke, hätten andere Länder und die dort ansässigen Unternehmen oftmals modernere Digitalstrategien entwickelt. „Die neue Bundesregierung wird sich gemeinsam mit den hiesigen Unternehmen dringend kümmern müssen. Wir können es uns nicht leisten, bei einer Grundlagentechnologie abgehängt zu werden“, mahnte er. Eine Gefahr, dass Maschinen in naher Zukunft die menschliche Arbeit ersetzen werden, sieht er dagegen nicht. Vielmehr stellen Maschinen seiner Meinung nach eine Ergänzung dar. Technologie werde unser Leben aber verändern – dies gilt insbesondere auch mit Blick auf den Klimaschutz.

Der Philosoph und Autor Richard David Precht sieht die Welt gar vor einer technisch-ökonomischen Revolution – der größten seit der ersten industriellen Revolution. Die klassische Lohn-Erwerbs-Gesellschaft werde durch eine neue Sinngesellschaft ersetzt. Menschen würden künftig weniger arbeiten, die Produktivität durch Automatisierung steigen. Die Digitalisierung betrachtet er nicht als Bedrohung – auch er sieht darin eher eine Ergänzungsfunktion.

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V.l.n.r.: Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt, DekaBank; Joschka Fischer, Vizekanzler und Bundesaußenminister a.D.; Prof. Dr. med. Christiane Woopen, Medizinethikerin;
Prof. Dr. Richard David Precht, Philosoph und Autor.

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Dr. Henning Beck, Neurowissenschaftler und Autor.

Ein Thema, das im Zusammenhang mit der Digitalisierung immer wieder genannt wird und welches vielen Menschen Angst macht, ist Künstliche Intelligenz (KI). Dahinter verbergen sich für viele die Fragen: Welche Rolle nimmt der Mensch künftig noch ein, und wird KI uns überlegen sein? Neurowissenschaftler Henning Beck gab Entwarnung. „Menschliche Intelligenz ist die Fähigkeit, komplizierte Probleme mit minimalem Energieaufwand möglichst effizient zu lösen“, sagt der Experte, der zahlreiche Bücher über Kreativität und das Lernen geschrieben hat. „Aktuell ist KI das Gegenteil: Sie löst vergleichsweise einfache Probleme mit gewaltigem Energieaufwand. Das ist zudem nicht besonders nachhaltig.“ KI habe mit echtem Denken nichts zu tun und sei vielmehr ein Marketing-Instrument der Technologiefirmen. „KI kann Warum-Fragen nicht beantworten, sie benötigt zu viele Informationen, passt sich zu sehr an einen Datensatz an. Sie abstrahiert nicht, bildet keine Denkkonzepte aus, um neuartige Probleme zu lösen. Sie befolgt Regeln und kann diese nicht gestaltend verändern. Kurzum: KI versteht nicht, was sie tut“, so Beck. „Im Grunde existiert KI überhaupt nicht, sondern ist vielmehr lediglich gute Mustererkennung und Statistik.“

Den „Faktor Mensch“ und die ethischen Gesichtspunkte der technisch-ökonomischen Revolution beleuchtete die Theologin Margot Käßmann. Sie sieht die Gesellschaft aktuell in einer Zeit der Zerrissenheit. „Das Gewebe, das unsere Gesellschaft zusammenhält, droht zu zerfallen“, sagt sie. „Wir brauchen Menschen mit einer Wertehaltung, die eintreten für eine zukunftsfähige Gemeinschaft.“ Sie ist überzeugt, dass man eine solche Haltung aus der christlichen Tradition ableiten könne – und das gelte nicht nur für diejenigen, die sich ihr zugehörig fühlen.

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Susanne Hellmann, Leiterin Institutionelle Anleger, DekaBank.

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Markus Zipperer, Senior Investment Stratege, Deka Investment.

Während die voranschreitende Digitalisierung mit vielen Fragezeichen und Ängsten behaftet schien, waren beim zweiten Megatrend, dem Thema Nachhaltigkeit, vor allem Lösungsansätze gefragt und damit ein vorausschauender Blick in die Zukunft. Fischer bekräftigte, dass Klimaschutz und Technologie unabdingbar miteinander verbunden seien und in der zunehmenden Digitalisierung auch ein Potenzial zu sehen sei, nämlich dann, wenn eine effizientere Nutzung von Energien zum Tragen kommt. Deka-Vertriebsvorstand Torsten Knapmeyer betonte in diesem Zusammenhang, dass die Nachhaltigkeit seit Bestehen der Deka-Gruppe als Teil der Sparkassenfamilie fest in der Unternehmens-DNA verankert ist. Dies spiegelt sich auch in der Produktpalette des Wertpapierhauses der Sparkassen wider. So bietet die Deka in sämtlichen relevanten Anlageklassen nachhaltige Produkte an.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit treiben auch Investoren um. Ein weiteres Thema, das die Finanzmarktteilnehmer schon seit einigen Monaten bewegt, sind die gestiegenen Inflationsraten. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater sprach über Chancen und Risiken des Inflationsausblicks. Einer kurzfristigen Beruhigung der Inflationsraten stünden mittelfristige Inflationsrisiken gegenüber. Vorbehaltlich weiterer Corona-Zuspitzungen zeigte sich Kater in Bezug auf die Konjunktur optimistisch. Die Weltwirtschaft werde im kommenden Jahr um gut 4 Prozent wachsen, nach 5,8 Prozent im laufenden Jahr. Getrieben werde das Wachstum mehr und mehr durch eine steigende Investitionsnachfrage. Vor diesem Hintergrund erwartet Markus Zipperer, Investmentstratege bei der Deka Investment, wieder ein freundliches Aktienumfeld. „Die Aktienmärkte laufen der Konjunktur voraus, insofern ist ein großer Teil der Erholung bereits eingepreist“, sagt er. Trotzdem sieht er für 2022 weiterhin Chancen an den Aktienmärkten.

"Die Wirtschaft hat längst verstanden, dass sie grün sein muss"

Joschka Fischer

Vizekanzler und Bundesaußenminister a.D.

Der ehemalige Vizekanzler Joschka Fischer ist sich sicher: In der Bildung der neuen Bundesregierung liegt eine große Chance. Die Veränderungen durch die Digitalisierung, aber auch die Rolle Chinas, sieht er dagegen als große Herausforderungen.

"Eine KI kann optimieren, aber nicht die richtigen Fragen stellen"

Dr. Henning Beck

Neurowissenschaftler und Bestsellerautor.

Dr. Henning Beck gilt als Vordenker rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Wo diese menschliche Tätigkeiten ersetzen wird und wo dies schlicht unmöglich ist, erläutert er im Interview.

"Die Aggression untereinander steigt - wir brauchen eine neue Mitte"

Prof. Dr. Dr. h. c. Margot Käßmann

Theologin.

Prof. Dr. Dr. h. c. Margot Käßmann, die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, beschreibt eine immer zerrissenere Gesellschaft. Die Digitalisierung verschärft dies, meint sie.