Neues Modell

Alternatives Analyseverfahren für die Prognose des Anteils des Ergebnisses aus der Zins-Fristentransformation.

Der Ergebnisbeitrag der Fristentransformation ist für die Ertragssituation der Sparkassen elementar. Diese Ertragsquelle nimmt jedoch signifikant ab. Ein neues Analyseverfahren kann Sparkassen helfen, ihre Abhängigkeit einzuschätzen und gezielt gegenzusteuern.

Die Entwicklung des Zinsniveaus hat in den letzten Jahren zu insgesamt niedrigeren Ergebnisbeiträgen aus der Fristentransformation geführt. Das ist insbesondere für Sparkassen und andere, regional operierende kleine Kreditinstitute problematisch. Der Zinsüberschuss stellt für diese Gruppe eine bedeutende Ertragsquelle dar. Er bildet sich zum einen durch die am Markt erzielbare Zinsmarge sowie die Bereitschaft zur Ausnutzung der zumeist positiven Differenz zwischen langfristigen Kredit- und kurzfristigen Einlagenzinssätzen. Insbesondere bei untypisch verlaufenden Zinsstrukturkurven und vor allem bei negativen Zinsniveaus ist die Fristentransformation mit erheblichen Ertragsrisiken verbunden. Zusätzlich herausfordernd wird eine solche Entwicklung in Zeiten steigender regulatorischer Anforderungen.

Wir haben diese Entwicklungen zum Anlass genommen, ein neuartiges Analysemodell zu entwickeln. Damit untersuchen wir die Zinsbuchsteuerung von Sparkassen in Deutschland auf der Basis einer Stichprobe und stellen diese Erkenntnisse in Zusammenhang mit den von der Deutschen Bundesbank jährlich ermittelten Erfolgskennziffern der öffentlich-rechtlichen Institute. Aus dem Vergleich der realisierten Ergebnisse und den Benchmark-Resultaten der Steuerungsalternativen lässt sich das Ausmaß der Erfolgsabhängigkeit vom Grad der Fristentransformation näherungsweise simulieren. Dieses Modell unterscheidet sich grundsätzlich von zahlreichen bereits existierenden Studien zur Messung des Risikogehaltes im Zinsbuch heimischer Banken. Methodisch basieren diese Untersuchungen beinahe ausnahmslos auf ökonometrischen Zeitreihenanalysen unter Verwendung (mehr oder weniger) geeigneter Modelle des Bankenverhaltens.

Tabelle 1. Simulation Ergebnisbeitrag aus der Zinsfristen­transformation 10 Jahre gleitend und 2 × 10 Jahre gleitend.
Geschäftsjahr
Zins-Struktur 1 × 10 Jahre gleitend
Zins-Struktur 2 × 10 Jahre gleitend
2 × 10 Jahre Relation zur Bilanzsumme
Veränderung zum Vorjahr
Veränderung kumuliert
2008
4,59%
6,22%
0,75%
 
 
2009
4,47%
7,94%
0,95%
0,206%
0,206%
2014
3,16%
6,14%
0,74%
-0,040%
-0,010%
2019
1,50%
3,32%
0,40%
-0,066%
-0,348%
2024
0,44%
1,19%
0,14%
-0,032%
-0,604%
2029
0,18%
0,67%
0,08%
-0,005%
-0,661%

Abb. 2.
Simulation Betriebsergebnis vor Bewertung ab 2019.

Quelle: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnungen. Stand: März 2020

Vier Parameter als Basis.

Im Detail untersuchen wir mit unserem Verfahren, wie sich das Zinsergebnis aus dem isolierten Teil der Fristentransformation bei einer unveränderten Zinsstrukturkurve (Ausgangspunkt 28. Juni 2019) über die nächste Dekade entwickeln könnte. Die Analyse basiert im Wesentlichen auf vier institutsspezifischen Parametern. In einer Simulation werden auf Einzelbank-bezogenen (modellbasierten) Bestandsbarwerten mit den jeweiligen Summen-Cashflows (Zinsbuch-Cashflow) Risikowerte und mögliche Periodenergebnisentwicklungen als Reaktionen auf Zinsänderungen dargestellt. Im Ergebnis geht es um den (hypothetischen) Vergleich des monetären Erfolgs einer unterstellten Benchmark mit einer vorgegebenen Fristigkeitsstruktur, z.B. einer (durchschnittlich) zehnjährigen gleitenden Zinsbindung, und dem des tatsächlichen Forderungsportfolios mit (in der Regel) deutlich abweichendem Zinsbindungsprofil. Die Benchmark reflektiert den erwarteten Ertragsanspruch der Sparkasse aus einer Zinsbuchpositionierung, in der keine aktive Fristentransformation betrieben wird. Für beide Szenarien (Zinsbuch der Bank und gewählte Benchmark) werden zudem die jeweiligen Values at Risk (VaRs) im Hinblick auf mögliche Änderungen der Marktzinsen ermittelt. Die Gegenüberstellung der VaRs von tatsächlichem und Benchmark-Portfolio liefert schließlich den sogenannten Zinsbuchhebel.

Als notwendige ergänzende Information dient die Relation des Zinsbuchbarwerts zur Bilanzsumme. Durch die Multiplikation des institutsindividuellen Barwertes (in Euro) mit dem jeweiligen Zinsbuchhebel lässt sich im nächsten Schritt der jeweilige (rechnerische) periodische Ertragsanspruch ableiten.

Laufende Kostenüberprüfung und Skaleneffekte werden erfolgskritisch.

Wir gehen von der (zugegeben hehren) Annahme aus, dass die durchschnittliche Zinsspanne aller Sparkassen, der Ergebnisbeitrag aus dem Provisionsüberschuss sowie die Verwaltungsaufwendungen relativ zur Bilanzsumme ab dem Jahr 2018 unverändert bleiben und setzen ihn daher als konstant gegeben für die Folgejahre. Die einzige Variable in diesem Modell ist der Ergebnisbeitrag aus der Fristentransformation. Unter dieser Prämisse ergäbe sich für das Betriebsergebnis vor Bewertung das in Tabelle 1 bzw. Abbildung 2 ersichtliche Bild.

Im ausgewiesenen Zinsüberschuss sind neben dem Beitrag der Fristentransformation die Ergebnisse aus dem Konditionsbeitrag sowie dem Bonitätsaufschlag enthalten. Die zusätzliche potenziell mögliche Margenreduzierung durch gegebenenfalls negativen Konditionsbeitrag (Mindestverzinsung der Passiva bei null Prozent) wurde in der Modellberechnung nicht berücksichtigt, da diese ausschließlich auf die Wirkung der Zinsentwicklung fokussiert ist und nicht auf die Margensituation. Die Ergebnisse zeigen, dass die Ertragssituation erheblich vom Ergebnisbeitrag der Fristentransformation abhängig ist. Der Fristentransformationsbeitrag wird aber deutlich zurückgehen und damit den Sparkassen über die nächsten zehn Jahre im Schnitt insgesamt um ca. 0,30 Prozentpunkte sinkende Betriebsergebnisse bescheren (unter der Annahme konstanter Konditionsbeiträge im Kreditgeschäft und konstanter Spreads im Depot A).

Es wird deutlich, dass die Ertragsquelle Fristentransformation also signifikant an (positivem) Einfluss verlieren wird. Besondere Brisanz erhält diese Entwicklung durch die Tatsache, dass der Fristentransformationsbeitrag auch ohne weitere Zinssenkung fallen wird. Die Ergebniswirkung innerhalb der zukünftigen Perioden verläuft schleichend, aber nachhaltig negativ. Die Null-Prozent-Grenze für große Teile der Kundeneinlagen wird zudem deutliche Ergebnisbelastungen nach sich ziehen. Eine laufende Überprüfung der Kosten und das Heben von Skaleneffekten im Verbund erscheint zwingend notwendig und letztendlich erfolgskritisch.

Ein leistungsfähiges Modell zum Gegensteuern.

Unsere Resultate lassen erwarten, dass die bis dato positiven Ertragswirkungen der Fristentransformation deutlich zurückgehen werden. Um diesen Rückgang wirksam zu kompensieren, hilft eine entsprechende Entwicklung des Zinsertrages der eigenen Wertpapiere, der Ertragsportfolien sowie des Kundengeschäfts. Mit dem von uns angewendeten Verfahren haben Banken die Möglichkeit, die Ergebniswirkung der isolierten Fristentransformation institutsspezifisch abzuschätzen und frühzeitig die potenzielle Neuausrichtung der Kreditvergabestrategie respektive der langfristigen Asset-Allokation einzuleiten. Das Verfahren werden wir in der nächsten Deka-Treasury integrieren. Sollten Sie Interesse an einer Berechnung haben, nehmen Sie gerne Kontakt zu Stanimir Denev vom Team Strukturierte Produkte auf.

Prof. Dr. Horst Gischer

Geschäftsführender Direktor des Forschungszentrums für Sparkassenentwicklung e.V. (FSZE) und Leiter des Lehrstuhls für Monetäre Ökonomie und öffentlich-rechtliche Finanzwirtschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Matthias Kowalik

Leiter Institutionelle Kunden -Sparkassen & Finanzinstitute, Deka.

Stanimir Denev

Team Strukturierte Produkte
Stanimir.Denev@deka.de