Debeka und Deka

Erfolgreiche Kooperation.

Ralf Degenhart, Finanzvorstand der Debeka Versicherungen (re.), im Dialog mit Michael Gieseler vom Deka-Kompetenzteam Versicherungen und Versorgungswerke. Beide Häuser arbeiteten bei der Weiterentwicklung der Debeka-Rentenstrategie eng zusammen. Im Gespräch erläutert Ralf Degenhart, worauf es dabei ankam.

Komplexe Investments sind im institutionellen Portfoliomanagement auf dem Vormarsch. Aufgrund ihrer Komplexität binden diese Investments auf Anlegerseite einen Anteil an den internen Kapazitäten, der überproportional höher ist als ihr Anteil am eigentlichen Portfolio. Dieser Umstand stellt das Ressourcenmanagement vor eine Herausforderung: Mehr denn je kommt es darauf an, die vorhandenen Ressourcen effizient zu nutzen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren und zum Beispiel wiederkehrende Aufgaben an professionelle externe Dienstleister auszulagern. Die Debeka Versicherung hat sich beispielsweise entschieden, das Management eines unter Solvency-Aspekten optimierten Rentenfonds auszulagern. Diese Investitionen sind vor allem aufgrund langfristiger Verpflichtungen auf der Passivseite notwendig. Ihre Ausgestaltung basiert auf individuellen Asset-Liability- Management-(ALM-)Studien. Die Deka bietet Anlegern die Möglichkeit, diese bei solchen Investments zu unterstützen und darüber hinaus weitere Ertragskomponenten zu erschließen. Zugleich überwacht die Deka während der Laufzeit der Anlagen die risikobezogenen Rahmenbedingungen wie Rating, Ausschlüsse oder Positivlisten und bietet den Kunden jederzeit vollständige Transparenz. Im Gespräch mit Markt & Impuls erläutert Ralf Degenhart, Vorstandsmitglied der Debeka Versicherungen und unter anderem zuständig für Finanz- und Rechnungswesen, die Portfoliostrategie seines Hauses und die Kooperation mit der Deka.

Die Debeka-Gruppe gehört mit ihrem vielfältigen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsangebot zu den Top Ten der Versicherungs und Bausparbranche.


Herr Degenhart, Sie bauen das Kapitalanlageportfolio der Debeka-Gruppe weitreichend um. Wo stehen Sie bei diesem Prozess?

Herr Degenhart: „In den vergangenen Jahren haben wir damit begonnen, unser Anlageportfolio umzubauen und stärker zu diversifizieren. Der Fixed-Income-Bereich stellt jedoch auch weiterhin wie in der Vergangenheit einen wesentlichen Anteil unserer Kapitalanlagen dar. Die Diversifikation unserer Asset Allocation werden wir auch in den nächsten Jahren konsequent vorantreiben.“

Wie das Kapitalanlageportfolio eines Versicherers strukturiert ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Welche Faktoren dominieren aktuell bei der Debeka?

Herr Degenhart: „Im Vordergrund all unserer Aktivitäten in der Kapitalanlage steht stets die Maßgabe, alle Verpflichtungen gegenüber unseren Mitgliedern und Kunden zu erfüllen. In dem Spannungsfeld zwischen rendite- und solvenzorientierter Kapitalanlage ist als weiterer Faktor verstärkt das Thema „Nachhaltigkeit“ als Kundenpräferenz hinzugekommen.“

Zur Neuausrichtung gehört auch die Schaffung der Debeka Asset Management GmbH (DebekAM). Worin sehen Sie die Vorteile einer eigenen Asset Management-Gesellschaft, und welche Themen werden Sie dort bündeln?

Herr Degenhart: „Wir möchten beim geplanten Ausbau der Aktienquote Investmentfonds erfolgreich und kostengünstig in Eigenverantwortung managen. Zudem können wir unsere neue Produktwelt in der Altersvorsorge unterstützen, in der der langfristige Ansparprozess mit Aktien eine wichtige Rolle spielt. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist „Das Rentenwerk“, in dem wir unsere Kompetenz als Asset Manager in Form eines unter Nachhaltigkeitsaspekten gemanagten Aktienfonds einbringen. „Das Rentenwerk“ ist ein Konsortium von fünf Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit unter Federführung der Debeka, das betriebliche Altersvorsorge gemäß dem Betriebsrentenstärkungsgesetz anbietet.“

Woher kommen die Impulse für neue Anlageentscheidungen?

Herr Degenhart: „Im Rahmen unseres Asset-Liability-Managements (ALM) werden in einem interdisziplinären ALM-Komitee unterschiedliche Kapitalanlagestrategien unter verschiedenen Kapitalmarktverhältnissen betrachtet und die Auswirkungen im Zusammenspiel mit der Passivseite beleuchtet. Daraus wird eine strategische Asset Allocation entwickelt, der sich die taktische Asset Allocation anschließt.“

Welche Rolle spielen externe Partner für die Umsetzung der von Ihnen entwickelten Neuausrichtung der Portfoliostrategie?

Herr Degenhart: „Bei der Investition in Nischen- oder Spezialgebieten spielen externe Partner eine wichtige Rolle. Es hat keinen Sinn, hier große Spezialstäbe aufzubauen. Unsere Expertise liegt eher im Bereich der Auswahl des für uns am besten geeigneten Partners.“

Ein Beispiel ist die langfristige Rentenstrategie, die Sie mit Unterstützung der Deka aufgesetzt haben. Können Sie uns zu dieser Strategie und der Kooperation mit der Deka etwas sagen?

Herr Degenhart: „Diese Strategie haben wir im Rahmen des bereits erwähnten ALM-Prozesses entwickelt. Sie verfolgt zwei Ziele: Zum einen, Duration aufzubauen, um Solvenzkapital zu schonen. Zum anderen, einen gewissen Rendite-Pick-up zu gewährleisten, indem Credit Spreads vereinnahmt werden. In der Deka haben wir den passenden Partner für die weitere Umsetzung der Strategie gefunden.“

„Wir arbeiten mit der Deka seit mehr als 20 Jahren erfolgreich und vertrauensvoll zusammen. Nicht zuletzt deshalb kam die Partnerschaft mit der Deka auch beim Fondskonzept für unsere künftige Rentenstrategie zustande.“

Ralf Degenhardt

Finanzvorstand der Debeka Versicherungen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Deka gemacht? In welchen Bereichen gab es die wertvollste Unterstützung?

Herr Degenhart: „Wir arbeiten mit der Deka seit mehr als 20 Jahren erfolgreich und vertrauensvoll zusammen. Nicht zuletzt deshalb kam die Partnerschaft mit der Deka auch beim beschriebenen Fondskonzept zustande.“

Sie haben Nachhaltigkeit in Ihre Portfoliosteuerung integriert. Inwiefern beeinflusst dies Ihre Anlageentscheidungen im Asset Management?

Herr Degenhart: „Grundsätzlich ist für uns als Unternehmen, das den genossenschaftlichen Gedanken des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit lebt, Nachhaltigkeit schon immer ein zentrales Thema gewesen. Das Thema Nachhaltigkeit ist daher ein wichtiger Bestandteil des Investmentprozesses und dort fest verankert.“

Was sind die größten bevorstehenden Projekte in der Kapitalanlage der Debeka?

Herr Degenhart: „Mit der Gründung der DebekAM haben wir das größte strukturelle Projekt im Rahmen der Kapitalanlage gerade sehr erfolgreich beendet. Die größte Herausforderung für die Kapitalanlage ist und bleibt das politisch motivierte Niedrigzinsumfeld. Dessen langfristige Auswirkungen zum Beispiel auf die Altersvorsorge, die Immobilienpreise und damit auch die Mieten werden in meinen Augen viel zu wenig von der Politik und unserer Gesellschaft thematisiert.“

Zum Schluss noch eine Frage zur Arbeitsorganisation: Die Debeka geht neue Wege in der Gestaltung der Arbeitsplätze. So testen Sie neue Arbeitsmodelle, um das Unternehmen auf die Aufgaben der Zukunft vorzubereiten. Wie haben Sie die entsprechenden Arbeitsfelder ausgewählt?

Herr Degenhart: „Die Debeka hat ein Innovationscenter (DICE) gegründet, um Innovationen schneller voranzubringen. Die Serviceerwartungen unserer Mitglieder haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Diesen Erwartungen wollen wir gerecht werden. Dazu müssen wir noch stärker innovativ und kundenorientiert denken. Indem wir konsequent digitalisieren, können wir Mehrwert für unsere Mitglieder und Mitarbeiter in Form von neuen Services und kosten- wie ablaufoptimierten Geschäftsprozessen anbieten. Das DICE soll mithelfen, Lösungen für diese veränderten Bedürfnisse zu finden. Dabei ist das DICE bewusst kein eigenständiges Unternehmen, sondern fester Teil der Debeka-Gemeinschaft und baut auf unseren Unternehmenswerten auf. Hier werden in einem modernen Arbeitsumfeld mit modernster Technologie Themen bearbeitet, um diese anschließend auf die gesamte Organisation zu übertragen.

Darüber hinaus gibt es ein Projekt „New Work“, wo wir uns um die zukünftige Organisation der Arbeit und Ausgestaltung der Arbeitsplätze aller Debeka-Mitarbeiter Gedanken machen. Damit fühlen wir uns für die vor uns liegenden Aufgaben gut aufgestellt.“

„Komplexe Investments sind im institutionellen Portfoliomanagement auf dem Vormarsch. Die Deka kann Versicherungen, Pensionskassen oder Versorgungswerke hier entlasten und wirksam unterstützen.“

Michael Giesler

Direktor des Deka-Kompetenzteams Versicherungen und Versorgungswerke.