1. Start
  2. Markt & Impuls
  3. Recht & Regulatorik
  4. Solvency II – - Änderung bei der Eigenmittelunterlegung von Zinsrisiken

Solvency II –
Änderung bei der Eigenmittelunterlegung von Zinsrisiken


JOCHEN WEISS
Produktservice Institutionelle Kunden, Deka

Was haben Autos und aufsichtsrechtliche Regelwerke gemeinsam? Nach Ablauf eines festen Zeitraums wird von offizieller Seite die Funktions­fähigkeit über­prüft.

 

Was bei Autos der TÜV über­nimmt, erfolgt bei Solvency II als „Supervisory Review Process“ durch die EIOPA. Auf Initiative der Europä­ischen Kommission werden die beste­henden Methoden, Annahmen und Standard­parameter der Standard­formel hinsicht­lich ihrer Wirk­samkeit überprüft. Die EIOPA veröffentlichte Ende Februar 2018 diesbe­züglich ein abschließendes Beratungs­papier. Dieses behandelt eine Vielzahl von Einzel­themen, etwa die Änderung im Zinsrisiko­modul.

 

Die unter Solvency II bestehende Anforderung, das Zinsrisiko adäquat mit Eigenkapital zu unterlegen, wird von der aktuellen Berechnungsmethodik nicht erfüllt. Beispiels­weise war die tatsächliche Zinsbe­wegung zum Teil größer, als die hierfür vorge­sehenen Stress­szenarien der Berechnung überhaupt vorgaben.

 

Der EU-Kommission wird deshalb eine diesbe­zügliche Änderung der Delegierten Verordnung vorge­schlagen. Gemäß den Ausführungen der EIOPA kommt der „Relative Shifted Approach“ zu einer verbesserten Abbildung des Zins­risikos. Dabei werden zwar weiterhin Zinsanstiegs- und Zinsrückgangs­szenarien betrachtet, neben diesem prozentualen Schock erfolgt aber zusätzlich eine Verschiebung der Zins­struktur­kurve, basierend auf einer additiven Kompo­nente. Diese stellt eine Korrektur dar, um auch im Niedrigzins­szenario zu sachgerechten Ergebnissen zu kommen. Gleich­zeitig entfällt der Floor von 0 %, um das aktuelle Negativzins­szenario wirksam im Zins­schock reflek­tieren zu können.

 

Diese Änderung führt zwangsläufig zu erhöhten Eigenkapital­anforderungen. Gemäß einer Analyse der EIOPA würde  für ein Lebens[-[versicherungs­unternehmen eine Minderung der Solvenz­kennzahl von insgesamt 14 % ergeben (z. B. von 216 % auf 202 %). Ausgehend von den SFCR-Auswertungen der BaFin (Juli 2017) würde dies einem Anstieg der Eigenmittel­unterlegung der Zinsrisiken von über 40 % entsprechen.

 

Aufgrund der signifikanten Auswirkung einer solchen Anpassung schlägt EIOPA eine graduelle Ein­führung der neuen Methodik über einen Zeitraum von drei Jahren vor. Eine Entscheidung der Europäischen Kommission über die Umsetzung der Vor­schläge soll bis Ende 2018 erfolgen.

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Mai 2018