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Neue Regulatorik
Flexibilität für Bausparkassen

Mit der Anpassung des Bausparkassengesetzes eröffnet der Gesetzgeber den Instituten erweiterte Refinanzierungs- und Anlagemöglichkeiten. Unter anderem soll die Möglichkeit von Aktieninvestments ihre Ertragskraft stärken.

Wie fast alle institutionellen Investoren leiden auch Bausparkassen unter dem anhaltenden Niedrigzins­umfeld. Dabei sind sie gleich doppelt betroffen: Zum einen erschwert ihnen die minimale Rendite für qualitativ hochwertige Anleihen, die für ihr Geschäft notwendigen Erträge zu erwirtschaften. Das gilt insbesondere mit Blick auf höher verzinste Bauspareinlagen aus Altverträgen. Zum anderen hat der Niedrigzins zur Folge, dass immer weniger Sparer Bauspardarlehen in Anspruch nehmen. Schließlich können sie auf günstige Finanzierungsalternativen zurückgreifen.

 

Neuregelung schafft Spielräume

Auf dieses Dilemma hat der Gesetzgeber mit einer umfassenden Novellierung des Bausparkassengesetzes und der entsprechenden Verordnung reagiert. Zentrale Ziele der Neufassung sind neben einer Weiterentwicklung des Aufsichtsrechts vor allem die Sicherung und Stärkung der Ertragskraft der Bausparkassen.

 

Flexibilisierung von Vergabe und Eigenanlage

Wesentliche Aspekte der neuen Regulatorik sind die Erweiterung der Vergabemöglichkeiten sonstiger Baudarlehen, und die Ausgabe von Hypothekenpfandbriefen als günstige Refinanzierungsquelle, die Anhebung der Beleihungsgrenze bei Darlehen zur Finanzierung von selbstgenutztem Wohneigentum und die Ausweitung des Anlagespektrums. So dürfen Bausparkassen vom 1. Januar 2017 an bis zu fünf Prozent der Zuteilungsmasse in Aktien investieren. Damit ergeben sich neue Ertragschancen und zusätzliches Diversifizierungs potenzial. 

 

Neue Herausforderungen für die Anlagestrategie

„Verschiedene Institute prüfen derzeit, ob und in welchem Rahmen sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden“, sagt Alexander Weirauch aus der Einheit Produktservice für Institutionelle Kunden der DekaBank. Die dafür notwendige Anpassung der Eigenanlagestrategie, des Risikomanagements sowie der Bilanzierung und des Reportings stellt dabei hohe Anforderungen an einen entsprechenden Produkt­prozess. Dabei gilt es auch, die vergleichsweise restriktiven Vorgaben zur Vermeidung von Klumpenrisiken zu beachten, die sich im Gesetz finden.

 

Individuelle Fondslösungen eröffnen Möglichkeiten

Eine praktikable und gleichzeitig den angestrebten Anlageerfolg versprechende Lösung sind hier professionell gemanagte Publikumsoder Spezialfonds. Sie bieten nicht nur eine an der Risikotragfähigkeit und der ökonomischen Kapitalplanung des jeweiligen Instituts orientierte Anlagestrategie, sondern erleichtern auch die Erfüllung der Anforderungen des aufsichtsrechtlichen Meldewesens. Weiterer Vorteil: Die Titelauswahl wird genau wie Timing-Entscheidungen an ausgewiesene Fachleute delegiert. Grundsätzlich lassen sich dabei unterschiedlichste Aktienstrategien über die Vehikel umsetzen.

 

Weirauch ist indessen überzeugt: „Insbesondere einkommensorientierte Produkte wie Dividendenfonds sind für die Zielgruppe der Bausparkassen geeignet.“ Die kommenden Monate werden zeigen, wie rasch die Bausparkassen von den neuen Handlungsspielräumen Gebrauch machen.

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, August 2016