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Investieren im Niedrigzins
Anlagekonzepte für maß­geschneiderte Risikoprämien

Selbst bei niedrigen Zinsen gibt es zahlreiche Optionen, um die Renditechancen in der Eigenanlage zu steigern. Ob strukturierte Kapitalmarktanlagen oder ertragsoptimierte Fondslösungen – für die spezifischen Anforderungen der Sparkassen hat die DekaBank ein breites Portfolio an neuen Produktkonzepten entwickelt.
Wie diese Lösungen im Detail aussehen, stellte die Deka den
Spar­kassen auf der Vorständekonferenz vor.

Spätestens bei der Wiederanlage der Fälligkeiten steht die Frage nach Alternativen zur sicheren Anleihe im Raum. Eine höhere Risikoprämie ist dann das Stichwort. Gerade den Anlageklassen Aktien, High-Yield- oder Emerging-Markets-Anleihen werden auch 2014 die besten Renditechancen zugeschrieben. Dennoch fällt vielen Häusern die Entscheidung für stärkere Investitionen in diesen Anlageklassen nicht leicht. Dabei lassen sich mit durchdachten Anlagekonzepten auch dort die Risiken kalkulierbar machen.

 

Implizierter Risikopuffer gegen Kursverluste

Victor Moftakhar, Vorsitzender der Geschäftsführung Deka Investment, setzt dabei vor allem auf Laufzeitfonds: „Über diese Konstruktion erreichen wir eine sinnvolle Kombination aus den Vorteilen der Fondsanlage und einem Direktinvestment.“ Besondere Bedeutung kommt bei der Einmalanlage dem Abrolleffekt zu. Der so entstehende implizierte Risikopuffer gegen Kursverluste wird umso größer, je steiler die Zinskurve ist. „Wenn wir diesen Effekt bei Spread-Anleihen einsetzen, dann wird der Puffer noch größer. Denn der Spread sorgt für mehr Steilheit der Zinskurve“, erläutert Moftakhar. Am Beispiel rechnet er vor, wie sich der Abrolleffekt in einem High-Yield-Fonds auswirkt. Bei einer Laufzeit von fünf bis sechs Jahren wird ein Risikopuffer von 180 Basispunkten geschaffen. Deshalb sind Laufzeitfonds in diesen Anlagesegmenten besonders attraktiv. Ein weiterer Vorteil ist die Planbarkeit: „Diese Fonds haben eine feste Laufzeit und einen festen Kupon. Die Rückzahlung erfolgt zu 100 Prozent. Das sind wichtige Kriterien für die Depot A-Anlage“, führt Moftakhar aus.

Implizierter Risikopuffer gegen Kursverluste

Implizierter Risikopuffer gegen Kursverluste

Abrolleffekt:

  • Aus einer dreijährigen wird nach einem Jahr eine zweijährige Anleihe.
  • Die Steilheit der Kurve bestimmt die Höhe des Abrolleffektes.

Credit-Spreads:

  • Analog zum Zinseffekt ergibt sich eine weitere Komponente, die ebenfalls
    einen positiven Wertbeitrag durch Laufzeitverkürzung leistet.

Diversifikation schützt vor Ausfallrisiken

Laufzeitfonds hat die Deka zuletzt für das Anlagesegment High Yield aufgelegt, weitere Produkte für Corporates und Emerging Markets sind im April 2014 in den Vertrieb gegangen. Dass es gerade in diesen Segmenten auf eine gute Titelauswahl ankommt, steht für Moftakhar außer Frage: „Wir managen den Titelbestand in unseren Fonds sehr aktiv, haben etwa 50 bis 60 Werte auf der Liste, von denen wir je nach Marktlage die besten 40 auswählen.“ Der Fokus liegt auf der Nachhaltigkeit der Cashflows, also ob die Rückzahlung der Emission auch getätigt werden kann.

Dass durch die breite Diversifikation im High-Yield-Fonds auch mögliche Ausfallrisiken gut aufgefangen werden können, macht Moftakhar an folgendem Beispiel deutlich: Die Struktur des Fonds sieht 50 Emittenten mit einer durchschnittlichen Gewichtung von 2 Prozent vor. Die Recovery Rate bei einem Ausfall liegt bei 40 Prozent. „Wenn wir das durchrechnen, können bis zu 21 Ausfälle verkraftet werden, bevor das investierte Kapital angegriffen wird“, so Moftakhar. Auf ein Renditeniveau wie bei einer sicheren Bundesanleihe zu kommen, wäre selbst nach 15 Ausfällen noch erreicht. Risikomanagement und Diversifikation im Fonds zusammen machen es also möglich, in eine Risikoklasse zu investieren, die als Einzel­investment nicht vertretbar wäre.

Die Laufzeitfonds können darüber hinaus zu einem attraktiven „High-Income-Portfolio“ kombiniert werden und bieten damit im aktuellen Niedrigzinsumfeld eine attraktive Fondslösung mit planbaren ordentlichen Erträgen.

Victor Moftakhar

Vorsitzender der Geschäftsführung
Deka Investment GmbH

Risikoprämien maßgeschneidert vereinnahmen

Es gibt aber noch andere Varianten zur ertragsoptimierten Vereinnahmung von Risikoprämien. Thorben Lüthge, Leiter Handel und Strukturierung bei der Deka, hat aus der Vielzahl der Ertragschancen am Kapitalmarkt den Teilnehmern drei Kapitalmarktlösungen nähergebracht. Zunächst rät er Sparkassen, den Verkauf der 2011 und 2012 gekauften Kapitalmarktfloater zu prüfen. „Die Barwertgewinne sind je nach Einstiegszeitpunkt sehr attraktiv, ohne dass in der GuV die Zinsüberschüsse deutlich sichtbar sind. Also jetzt Gewinne sichern, bevor Verluste entstehen“, so Lüthge. Darüber hinaus setzt er auf zwei Optionen, mit denen sich Risikoprämien maßgeschneidert vereinnahmen lassen: bestehende Kreditlinien veredeln durch Anleihen mit Ergänzungsrisiko und die Port­folio­verzinsung langfristig stabilisieren durch Anleihen mit Mehrfachandienung.

 

 

Anleihen mit Ergänzungsrisiko für Sparkassen weiter passend

Quelle: DekaBank Referenz: 5-Jahres-Swapsatz 1,03 %, zehn Jahre 2,00 %


  • Deka Anleihe als „Trägermaterial“
  • Verzinsung höher als Referenzanleihe
  • Bei Kreditereignis Referenzwert:
    Lieferung der Anleihe



„Was zunächst abstrakt klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als eine recht einfache Lösung, die sich als Komponente in jedes Portfolio integrieren lässt“, erläutert Lüthge. Das Veredeln von Kreditlinien funktioniert über Anleihen mit Ergänzungsrisiko, auch Bonitätsanleihen oder Credit Linked Notes genannt. Am Beispiel eines Lkws beschreibt Lüthge die dahinterstehende Konstruktion: „Die DekaBank ist das Trägermaterial, also der Lkw. Auf dessen Ladefläche kommt eine Referenzanleihe, welche der Kunde frei wählen kann, beispielsweise auf Basis freier Kreditlinien. Das können ganz unterschiedliche Emittenten sein.“ Landesbanken böten sich an, hier vor allem die Anleihen der BayernLB und der NORD/LB, weil deren Verzinsung mit gut 3 Prozent sehr attraktiv erscheint. „Das ist knapp doppelt so viel wie bei einer Bundesanleihe gleicher Laufzeit und der Investor ist nicht abhängig von der Emissionstätigkeit des gewünschten Emittenten“, erläutert Lüthge weiter.

 

Das Kreditrisiko materialisiert sich aus ausfallorientierter Sicht für Investoren nur, wenn es tatsächlich ein Kreditereignis gibt. „Bildlich gesprochen laden wir dann die Anleihe beim Investor ab“, sagt Lüthge. Das sei in dem Moment nicht schön, aber der Investor sei dadurch prinzipiell nicht schlechter gestellt, als wenn er direkt den Referenzwert gekauft hätte. Denn der Vorteil bleibt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die höhere Verzinsung aus der Bonitätsanleihe vereinnahmt.

Portfolioverzinsung langfristig stabilisieren

Eine weitere Möglichkeit zur Renditeoptimierung bieten spezielle Anleihen der DekaBank mit Mehrfachandienung. Diese Anleihen wurden entwickelt in Anlehnung an die Strategie „Gleitend 10 Jahre“. „Wenn heute die Strategie ‚Gleitend 10 Jahre’ mit Bundesanleihen neu aufgesetzt werden würde, läge die Rendite bei 0,93 Prozent“, rechnet Lüthge vor. Das sei zu wenig, und deshalb seien immer mehr Sparkassen auf der Suche nach neuen Ideen. „Wenn wir mit unseren Kollegen aus dem Institutionellen Vertrieb sprechen, dann steht meist eine Renditeerwartung von 4,50 Prozent auf dem Wunschzettel vieler Kunden“, berichtet der Kapitalmarkt­experte aus der Praxis. Mit klassischen Schuldscheindarlehen der DekaBank ist dies bei einer Laufzeit von zehn Jahren nicht machbar, die Rendite liegt hier nur bei etwa 2,4 Prozent.

Deshalb hat die DekaBank eine Anleihe mit Mehrfachandienung aufgelegt. Für dieses Schuldscheindarlehen wird auf 10-Jahres-Sicht in jedem Jahr ein Zins von 4,30 Prozent gezahlt. Allerdings hat die DekaBank an jedem Kupontermin das Recht, ein weiteres 10-jähriges Schuldscheindarlehen mit gleicher Verzinsung zu einem Kurs von 100 Prozent an den Kunden zu verkaufen. „Zu einer Andienung kommt es nur dann, wenn an einem Andienungstermin die Rendite für ein 10-jähriges DekaBank Schuldscheindarlehen über 4,30 Prozent notiert“, erklärt Lüthge. Dafür müssten entweder die Zinsen in Euroland deutlich stärker steigen als in den USA oder die Zinsen müssten stärker steigen als gemäß dem Basel-II-Zinsschock. Die Zinsprognosen der DekaBank erwarten mittelfristig jedoch keine Zinssteigerungen so deutlichen Ausmaßes. „Aus heutiger Sicht ist es unwahrscheinlich, dass es zu vielen Andienungen kommt“, fasst Lüthge zusammen. Sicher sei aber, dass zehn Jahre lang 4,30 Prozent in jedem Jahr ausgeschüttet werden.

Und wenn er doch falsch liegt? „Dann trägt der Investor das Risiko der verpassten Chance“, so Lüthge. Denn auch wenn die Rendite eines DekaBank Schuldscheindarlehens für zehn Jahre über 4,30 Prozent steigt, erhält er weiterhin „nur“ 4,30 Prozent im Jahr bis zum Ende der Laufzeit. Ein Risiko, dass sich aber nach Ansicht vieler Investoren durchaus im Rahmen hält. „Natürlich muss bei der Investitionsentscheidung die jeweilige kundenspezifische Risikosituation berücksichtigt werden“, führt Lüthge aus.

Thorben Lüthge

Leiter Handel und Strukturierung

Für die Wiederanlage von Fälligkeiten gibt es also zahlreiche Optionen, die das Vereinnahmen zusätzlicher Prämien bei überschaubaren Risiken möglich machen. Wie genau die Umsetzung erfolgt – als Kompo­nente in der Vermögensanlage oder im Spezialfonds – hängt von den individuellen Anforderungen jeder Sparkasse ab.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Juli 2014