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Solvency II
Produktüberlegungen im aktuellen Marktumfeld

Versicherungsunternehmen befinden sich im dritten Jahr nach Inkrafttreten des neuen aufsichtsrechtlichen Regelwerks Solvency II. Das neue risikobasierte Regelwerk hat bereits jetzt deutliche Spuren in der Ausrichtung der Neuanlage hinterlassen.


JOCHEN WEISS,

Produktservice institutionelle Kunden, Deka


 

Die Spielräume für die Kapitalanlage bei Lebensversicherungsunternehmen haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich eingeengt. Ursache hierfür sind zu einem wesentlichen Teil die geringen Renditen in der Neuanlage. Diese reichen im Zuge der Niedrig- bzw. Negativzinspolitik der EZB bei traditionellen verzinslichen Kapitalanlagen nur noch schwerlich aus, um die langfristigen Garantien gegenüber den Versicherungsnehmern erfüllen zu können.

 

Unterlegung von Risiken mit Eigenkapital

Um höhere Renditen zu erzielen, müssten die Lebensversicherer in dieser Situation entsprechend höhere Risiken in der Anlage eingehen. Das wird aber durch das neue aufsichtsrechtliche Regime Solvency II eingeschränkt, insbesondere durch die Bestimmungen über die verfügbaren aufsichtsrechtlichen Eigenmittel. Diese werden verwendet, um die für Versicherungen einschlägigen Risiken (zum Beispiel Marktrisiken oder versicherungstechnische Risiken) zu „bezahlen“. Dabei gilt, dass höhere Risiken auch mit mehr Eigenkapital zu unterlegen sind.

 

Während also niedrig verzinsliche Anlagen wie Staatsanleihen oder Pfandbriefe auch mit wenig Eigenkapital zu unterlegen sind (EU-Staatsanleihen mit null Prozent, fünfjährige AAA-Pfandbriefe unter vier Prozent), liegt die Eigenkapitalanforderung für risikoreichere Anlagen deutlich höher. Beispielsweise erfordert eine Anlage in Aktien eine Unterlegung von mindestens 39 Prozent, was bislang zu einer traditionell niedrigen Aktienquote von unter fünf Prozent bei Lebensversicherungsunternehmen führte. An der langjährigen Aufwärtsbewegung im Aktienmarkt der vergangenen Jahre hat somit ein großer Teil der Versicherungen nicht partizipiert.

Produktlösung für Versicherung

Bei einem neuen Produkt, das die Deka in 2018 auf den Markt bringen wird, soll genau dieser Punkt adressiert werden: Durch die „Deka Equity Overlay Strategie“ soll die Eigenmittelbelastung für Anlagen in Aktien mehr als halbiert werden. Dies soll durch mehrere Maßnahmen erreicht werden, die in einem Investmentvermögen gebündelt werden:

 

  • Aufbau eines passiv (oder ggf. auch aktiv) verwalteten Aktienportfolios
  • Begrenzung des hieraus resultierenden Aktienrisikos durch geeignete Sicherungsmaßnahmen auf täglicher Basis
  • Das Absicherungsniveau richtet sich in diesem Kontext nach Umweltindikatoren, die das Marktrisiko insgesamt einschätzen und so das risikoadäquate „Strike-Level“ definieren
  • Kosten der Absicherung werden durch eine Begrenzung der Performance nach oben kompensiert (Zero-Cost-Ansatz)
  • Die Absicherungsmaßnahmen werden so eingesetzt, dass sie als Risikominderungstechnik unter Solvency II einsetzbar sind und so die Eigenmittelbelastung auf 16 Prozent bis 20 Prozent reduzieren


Durch die Senkung der Eigenmittelbelastung kann somit die Rendite des eingesetzten Kapitals (Return on SCR) deutlich gesteigert werden. Aktieninvestments können hierdurch – auch bei den aktuellen aufsichtsrechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – deutlich an Attraktivität für Solvency-II-Anleger gewinnen.

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2018