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Zinsbuchsteuerung
Den Notfallkoffer packen

Die Ablauffiktionen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Das birgt Risiken. Von Matthias Kowallik, Leiter Institutionelle Kunden Sparkassen und Finanzinstitute.

Der Blick in die Bilanzen der Sparkassen zeigt, dass Sparkassenkunden in den letzten Jahren vermehrt Sparprodukte nutzen, die eine hohe Flexibilität sicherstellen. Die Bilanzrelationen innerhalb der Passivastruktur haben sich verschoben. Der Anteil der Sichteinlagen bei den Sparkassen in Deutschland hat deutlich zugenommen und belief sich nach Angaben der Bundesbank im Dezember 2017 auf rund 565,5 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg seit der Finanzmarktkrise auf durchschnittlich 60 Prozent der Bilanzsumme.

Entwicklung Einlagen / Anteil der Sichteinlagen von Sparkassen

Eigene Darstellung, Datenquelle: Bundesbank (e), Seite 65; Stand: 2018

Bereits 90% der Spareinlagen haben eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Aus Kundensicht ist die Nachfrage nach kurzfristig verfügbaren Anlageformen verständlich. Zum einen sichert die kurzfristige Anlage zumindest einen Zinssatz von Null Prozent (nur wenige Institute geben die Negativzinsen an Endkunden weiter), zum anderen bieten sie die Flexibilität, bei tendenziell steigenden Zinsen schnell reagieren zu können. Bei den Sparkassen hingegen führt diese Entwicklung zu einer Herausforderung der Risiko- und Liquiditätssteuerung.

Verteilung der Ablauffiktion in der Betrachtungsgruppe
Stichprobe aus 68 Sparkassen der Datenbasis DTK über den Betrachtungszeitraum

Quelle: DekaBank; Stand: Dezember 2018

Im Rahmen der Zinsbuchsteuerung fließen die variabel verzinslichen Passivprodukte in der Regel mit einer Ablauffiktion in den Cashflow ein. Aus den juristisch kurzfristig verfügbaren Sicht- und Spareinlagen wird auf der Passivseite unter der Annahme eines konstanten Volumnes eine längere Zinsduration, welche grundsätzlich risikodämpfend wirkt.

 

In ABB. 2 auf der linken Seite ist die Entwicklung der jeweiligen Ablauffiktionen von 68 Sparkassen anhand der Boxplots der Jahre 2014 bis 2018 dargestellt. Dabei wird die durchschnittliche Ablauffiktion unter Berücksichtigung sämtlicher in Frage kommender Produkte der Sparkasse betrachtet. Dargestellt sind das erste Quantil, dritte Quantil sowie der Median und Durchschnittswert der jeweiligen Jahre. Deutlich wird, dass sich der Aufbau der Ablauffiktionen bei den untersuchten Sparkassen über die vergangenen Jahre nur unwesentlich geändert hat. Das erstaunt, denn Zinsänderungsszenarien spiegeln sich in diesem Bild nur in geringem Umfang wider. Hinzu kommt, dass zu lange Ablauffiktionen deutliche Zins- und Liquiditätsrisiken bergen können.

„Zinsänderungsszenarien spiegeln sich in den Ablauffiktionen nur in geringem Umfang wider. Hinzu kommt, dass zu lange Ablauffiktionen deutliche Zins- und Liquiditätsrisiken bergen können.“

In Zukunft wird die Bedeutung der Risiko- und Liquiditätssicht in der Zinsbuchsteuerung weiter zunehmen. Auch wenn wir für 2019 und 2020 von einem moderaten Zinsanstieg ausgehen, ist es für Sparkassen sinnvoll, „Notfallkoffer“ für Stressszenarien zu entwickeln. Als Steuerungspartner der Sparkassen verfügt die Deka zum einen über eine umfassende Analysekompetenz bei steuerungsrelevanten Fragestellungen, zum anderen kann sie als Wertpapierhaus der Sparkassen individuelle Asset-Management- und Kapitalmarkt-basierte Lösungen entwickeln und die Sparkassen bei der Optimierung und Absicherung der Zinsbuchsteuerung zu unterstützen. Ich möchte Sie deshalb einladen, diese Themen mit uns zu diskutieren. Sprechen Sie uns an.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Februar 2019