1. Start
  2. Markt & Impuls
  3. Recht und Regulatorik
  4. Regulatorik - Mit ESG-Kriterien Risiken frühzeitig erkennen

Regulatorik
Mit ESG-Kriterien Risiken frühzeitig erkennen

Marianne Ullrich, Expertin für Nachhaltigkeit im Portfoliomanagement der Deka, über die wachsende Bedeutung ESG-relevanter Aspekte im Investmentprozess.

Seit dem 1. Januar 2017 gilt in Deutschland das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Bis 2019 muss zudem die EU-Pensionsfonds-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Die zunehmende Verankerung von ESG (Umwelt, Soziales und Governance) im Bewusstsein der Anleger hat dazu beigetragen, dass laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen die in Deutschland, Österreich und der Schweiz verwalteten Volumina von 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 199,5 Milliarden Euro im Jahr 2017 gestiegen sind. Es gibt aber auch konkrete wirtschaftliche Aspekte, die für eine wachsende Attraktivität von ESG-Kriterien im Anlageprozess sorgen. Denn sie können dabei helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und damit Verluste auf Portfolioebene zu vermeiden.

„Nachhaltiges Investieren ist kein Luxus, es ist eine Frage der Einstellung. Zudem sind wir überzeugt, unsere Investmententscheidungen langfristig verbessern und Trends früher erkennen zu können.“
– Marianne Ullrich

Nachhaltiges Investieren aus Überzeugung

Die Deka setzt nachhaltige Aspekte in Prozessen und Anlagestrategien bereits seit 2008 um. Den Auftakt bildete ein Spezialfonds mit nachhaltiger Anlagepolitik. Der erste nachhaltige Publikumsfonds Deka-Stiftungen Balance wird seit 2009 für institutionelle Anleger verwaltet. 2011 folgten für Privatanleger die Fonds Deka-Nachhaltigkeit Aktien, Renten und Balance. Seit 2014 nutzt die Deka als erste systemrelevante Bank in Europa auch für ihre Eigenanlagen einen Nachhaltigkeitsfilter, der zusammen mit der ESG-Ratingagentur imug entwickelt wurde.

 

Für Marianne Ullrich, Expertin für Nachhaltigkeit im Portfoliomanagement der Deka, ist die konsequente Umsetzung nachhaltiger Überlegungen auch eine Frage der Verantwortung: „Es gehört zum Selbstverständnis der Deka, sich als Treuhänder der Kundengelder für nachhaltiges Wirtschaften und die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzwesens einzusetzen. Nachhaltiges Investieren ist kein Luxus, es ist eine Frage der Einstellung. Zudem sind wir überzeugt, unsere Investmententscheidungen langfristig verbessern und Trends früher erkennen zu können, wenn wir durch ESG-Kennzahlen eine zusätzliche Perspektive auf Chancen und Risiken von Wertpapieren gewinnen.“

ESG-Scores für alle Anlageklassen

Daher integriert die Deka nachhaltige Kriterien noch stärker in den allgemeinen Investmentprozess des Geschäftsfeldes Asset Management Wertpapiere. Das Ziel ist, für alle Anlageklassen neben der Bewertung finanzieller Aspekte eine eigene ESG-Bewertung zu generieren. Dazu bezieht die Deka monatlich zunächst ESG-Daten auf Emittentenebene vom Indexanbieter MSCI. Auf dieser Basis werden die aggregierten ESG-Scores auf Asset-Klassen-Ebene berechnet. Die ESG-Experten der Deka analysieren die Daten, bringen ihre eigene Expertise ein und nehmen eine individuelle Gewichtung der jeweiligen Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance vor.

 

Zusätzlich fließt die Expertise der Fondsmanager und Analysten der Deka Investment ein. Erkenntnisse aus mehreren hundert Investorengesprächen mit den Unternehmen liefern zusätzliche wertvolle Hinweise. Dieser Prozess wurde bereits für fast 20 Anlageklassen implementiert, beispielsweise für Aktien aus dem Energiesektor oder US-Staatsanleihen. Das Resultat ist ein Punktesystem für alle Asset-Klassen auf einer einheitlichen Skala von null (schlechtester Wert) bis zehn (Bestwert). Mithilfe eines Ampelsystems werden die Werte für jede Asset-Klasse nach Kritikalität geclustert. Damit wird eine Datenbasis geschaffen, die das Know-how von MSCI mit der ESG-Expertise sowie der Unternehmens- und Branchenkenntnis der Deka Investment kombiniert. Auf dieser Grundlage führt das Investmentkomitee eine Risikobewertung durch und entwickelt die hauseigenen Anlageempfehlungen für das Fondsmanagement.

Fazit:

Die stärkere Berücksichtigung ESG-relevanter Fragestellungen innerhalb des Investmentprozesses kann dabei helfen, das Rendite-Risiko-Profil der Portfolios zu schärfen. Gleichzeitig wird ein nachhaltiger Fokus zur regulatorischen Mindestanforderung. Die Deka wird deshalb die Integration von ESG-Kriterien in die Analysen und Anlageentscheidungen der Portfoliomanagement-Teams weiter vertiefen und entsprechende Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Februar 2019