Kapitalmarkt Kolumne

Der Aktienmarkt ist von wenigen Unternehmen dominiert.

Juni 2020

Die Corona-Krise hat auf der einen Seite innerhalb kürzester Zeit viele Dinge in Wirtschaft und Kapitalmarkt auf den Kopf gestellt. Auf der anderen Seite aber auch bereits vor der Krise bestehende Trends verfestigt oder deren Entwicklung sogar beschleunigt. Ein Trend, der sich seit vielen Jahren an den Aktienmärkten abzeichnet, ist die starke Outperformance der US-amerikanischen Aktien gegenüber Aktienmärkten im Rest der Welt.

Betrachtet man die Kursentwicklung der Aktienmärkte in ihrer breitest möglichen Abgrenzung von Schwellenländern und Industrieländern zusammen (MSCI All Country World Index) und rechnet alle US-amerikanischen Aktien heraus, dann lässt sich feststellen, dass ohne den US-Aktienanteil die Kurse global seit fünf Jahren nur seitwärts tendieren. Es sind also ausschließlich die US-Aktien, welche die globalen Märkte nach oben ziehen. Gleiches gilt bei der Betrachtung der Unternehmensgewinne. Auch hier sind es ausschließlich die US-Aktien, welche für einen kontinuierlichen Zuwachs sorgen, während die Unternehmensgewinne von Aktienunternehmen im Rest der Welt über die vergangenen fünf Jahre lediglich leicht zulegen konnten. Die US-Aktienmärkte dominieren somit klar die Bewegungen an den globalen Aktienmärkten.

Ein etwas detaillierterer Blick in die US-Aktienmärkte fördert ebenfalls interessantes zu Tage. Denn der US-Aktienmarkt wird nur von einigen wenigen Titeln dominiert. Dies ist eindrucksvoll zu erkennen, wenn man aus dem S&P 500 Index 6 Titel herausrechnet, nämlich Apple, Alphabet, Amazon, Facebook, Microsoft und Netflix, und diese separat von den 494 verbleibenden Aktien des S&P 500 Index betrachtet. In den letzten fünf Jahren konnten die genannten sechs Aktien knapp 4.000 Mrd. USD an Marktkapitalisierung hinzugewinnen, was einer Verdreifachung entspricht. Ohne diese sechs Titel stieg die Marktkapitalisierung des restlichen US-Aktienmarktes um lediglich ein knappes Viertel an. Diese Bewegung hat einen durchaus fundamentalen Hintergrund, denn die kleine Aktiengruppe erzielt ein deutlich überdurchschnittliches Umsatzwachstum und damit auch höheres Gewinnwachstum. Das verhindert aber nicht, dass sich die Bewertungen dieser Titel wesentlich schneller als die des Gesamtmarktes nach oben bewegt haben und mittlerweile jenseits vom 30-fachen der erzielten Unternehmensgewinne liegen. Die Märkte verteilen also Vorschusslorbeeren, werden durch die Corona-Krise allerdings in ihrer Einschätzung bestärkt, denn Corona unterstützt den Trend zur Digitalisierung und damit die Geschäftsmodelle der mittlerweile monopolartigen Unternehmen. Anleger müssen sich der Dominanz dieser Titel bewusst sein. Denn mittelfristig könnten über die Forderung nach einer stärkeren Regulierung oder Entflechtung der Geschäftsmodelle Zweifel an der Nachhaltigkeit der herausragenden Stellung dieser Unternehmen aufkommen, was die Aufwärtsdynamik der US-Aktienmärkte gegenüber anderen globalen Märkten spürbar abschwächen würde.

Entwicklung der Marktkapitalisierung seit Januar 2015.

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen, DekaBank, Stand Juni 2020

Eine Kolumne von

Joachim Schallmayer