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Die neue Staatsgläubigkeit.

Die Lage im März war dramatisch: Die Coronakrise ist der tiefste Wirtschaftseinbruch seit der großen Depression mit einem Welt-BIP, das in diesem Jahr um 4 Prozent zurückgeht.

28. Oktober 2020

Das ist ein klassischer keynesianischer Stützungsfall. Diese Wucht ist damit zu erklären, dass Im Gegensatz zur Finanzkrise diesmal alle Länder betroffen sind, auch die Schwellenländer. In Deutschland nämlich ist nach den allerneuesten Berechnungen der Rückgang sogar etwas milder als 2009 bei der Finanzkrise – dafür hat China zum ersten Mal seit den 50er Jahre ein Nullwachstum. Wenn man zur Erholung an dieser Stelle überhaupt bereits etwas sagen kann, dann, dass die Erholung leicht schneller läuft als erwartet, und das ist auch den wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen zu verdanken.

Obwohl die Krise alles andere als vorbei ist – in den kommenden Monaten wird neben der akuten zweiten Pandemiewelle mehr und mehr das Thema der Bonitätsverschlechterungen im Unternehmenssektor in den Fokus rücken – kommt doch zusätzlich die Nach-Corona-Zeit stückweise mehr in den Blick. Wir erwarten, dass das Jahr 2021 ein Übergangsjahr in dieser Nach-Pandemiezeit sein wird, insbesondere mit einem immer erfahreneren Umfang mit der Krankheit bis hin zu erfolgreichen Impfkampagnen.

In einer Nach-Corona-Welt werden wir wieder von den Problemen vor Corona eingeholt werden. Schon vor Corona war die Geldpolitik orientierungslos: die Inflation reagiert nicht mehr so wie früher, auch nicht in Coronazeiten. Mittlerweile repariert die Geldpolitik an den eigenen Instrumenten und Konzepten herum, aber dabei geht der ultraexpansive Kurs munter weiter mit seinen enormen Nebenwirkungen – unter anderem einem Anstieg der Assetpreise und weiter steigender Verschuldung. Ebenfalls schon vor Corona hatten wir in Deutschland und Europa vor allem strukturelle Herausforderungen. Da ist der notwendige technologische Strukturwandel, den die Unternehmen bewältigen müssen. Da ist die Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft, die einen immensen Finanzierungsbedarf hat. Und schließlich war auch vor Corona die Verteilungsgerechtigkeit ein Top-Thema.

Dr. Ulrich Kater

Chefvolkswirt

Die gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Überlegungen für die Zeit nach Corona gehen dahin, dass der Staat es richten soll. Mit staatlicher Hilfe und weiteren staatlichen Mitteln – die ja so billig sind – sollen diese strukturellen Aufgaben der Zukunft gelöst werden: Also die Nachhaltigkeitswende finanzieren, mittels Industriepolitik den technologischen Strukturwandel gestalten und wenn man die Verteilungsgerechtigkeit etwas lindern kann, wäre auch das ein Grund für staatliche Verschuldung.

In dieser neuen Staatsgläubigkeit liegen die Herausforderungen für Wirtschaft und Politik der kommenden Jahre nach Corona. Die Gefahr liegt darin, dass man nicht mehr erkennt, wo staatliche Förderung und Rahmensetzung aufhört und wo staatliche Bevormundung und Fehlinvestitionen anfangen. Wahrscheinlich werden diese Gefahren jedoch ignoriert. Für die Finanzmärkte bedeutet das, dass sie sich auf Jahre hinaus auf kräftige fiskalische und geldpolitische Impulse stützen können.

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