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Investmenttrends.

Ein Monat der Entscheidungen.

Jörg Boysen

Chefanlagestratege Deka Investment

Verehrte Leserinnen und Leser,

das bemerkenswerte Schauspiel um die US-Präsidentschaftswahl befindet sich im letzten Akt. Es gab dramatische und komödiantische Einlagen, aber was für die Finanzmärkte am wichtigsten war: Es gab einen Gewinner. Das Horrorszenario einer in Chaos oder sogar Gewalt versinkenden US-Demokratie fand nicht statt. Die noch bestehenden Restrisiken von Anfechtungen oder Neuauszählungen sind unserer Meinung nach gering, so dass mit der Vereidigung von Joe Biden am 20. Januar der Vorhang zu dieser Wahl fallen sollte. Seit fünfzig Jahren wäre dies der erste Präsident, der ohne eine Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses ins Weiße Haus einzieht. Während zu Zeiten von Ronald Reagan auch unter solchen Umständen das Regieren noch möglich war, ist seitdem das Verhältnis von Demokraten und Republikanern in den USA immer unversöhnlicher geworden. Das bedeutet, dass der neue Präsident von seiner wirtschaftspolitischen Agenda – etwa Steuererhöhungen, Umwelt- und Klimapolitik, Ausweitung der Gesundheitsvorsorge – nichts wird in die Tat umsetzen können. An den Märkten wird dies nicht als nachteilig angesehen, im Gegenteil: Die Rahmenbedingungen für die US-Unternehmen sind gut. Und in der Handelspolitik, in welcher der Präsident weitgehend ohne Kongress regieren kann, unterscheidet sich Biden von seinem Vorgänger mehr im Ton als in der Sache: Das Zurückdrehen der Globalisierung in wichtigen Sektoren der Weltwirtschaft wird weitergehen. In den USA wurde noch gezählt, da wendeten sich die Märkte schon wieder dem nächsten Megathema zu: Fortschritte auf dem Weg zu einem Corona-Impfstoff waren zwar zu erwarten gewesen, die Ankündigung eines baldigen Zulassungsantrags durch BioNTech/Pfizer war trotzdem eine große Erleichterung für die Märkte. Es ist weniger eine vollkommen neue Perspektive in der Corona-Krise als eine Reduzierung des Risikoszenarios von ewigen Lockdowns oder sogar noch weiteren Beschränkungen für die Wirtschaft, die hier aufgemacht wurde. Im besten Fall kann im ersten Halbjahr der Impfschutz für die Risikogruppen schon weit ausgebaut werden, so dass parallel eine dauerhafte Öffnung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen möglich wird. Alles in allem waren das gute Nachrichten für die Anlagemärkte in der ersten Novemberhälfte. Es bleiben immer noch viele Risiken und Herausforderungen bestehen, denn die konjunkturellen Beeinträchtigungen durch die Infektionszahlen in Europa und nun wahrscheinlich auch wieder verstärkt in den USA müssen abgearbeitet werden. Auch müssen wir bereits einen Schritt weiterdenken und die irgendwann notwendige Rücknahme von fiskal- und geldpolitischen Impulsen mit bedenken. Doch im Großen und Ganzen bewegt sich die Entwicklung in die von uns erwartete Richtung. Vor diesem Hintergrund haben wir in unserer taktischen Allokation die Aktien und High Yield-Anleihen in die Übergewichtung genommen.

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