Kompetenz
Zwischen Volatilität und Strukturbruch.
Wie Pensionskassen und Stiftungen Portfolios auf ein fragiles Regime vorbereiten.
Mai 2026
Unerwartete Ereignisse können schneller kommen als es manchem Anleger lieb ist. Für langfristig orientierte institutionelle Investoren sind kurzfristige Schocks mit anschließender Erholung in der Regel gut beherrschbar. Breite Portfolio-Diversifikation schafft es oft, auch in turbulenten Marktphasen insgesamt ruhiger durchs Fahrwasser zu kommen. Insofern dämpft eine gute Portfoliostruktur Volatilität mit der Konsequenz, dass verbleibende Drawdowns – innerhalb klar definierter Risikobudgets – ausgesessen werden können.
Anders bei anhaltenden Regimewechseln: Wenn sich Erwartungsniveaus für Zinsen, Inflation und Risikoprämien also dauerhaft verschieben. Dann können langfristige Renditeziele und Risikoparameter unter Druck geraten, wie in der Niedrigzinsphase. Dies kann den Stiftungszweck beziehungsweise die Finanzierbarkeit zugesagter Rentenzahlungen sogar dauerhaft gefährden.
Mit der steigenden Dynamik makroökonomischer und geopolitischer Faktoren wächst die Wahrscheinlichkeit solcher Regimewechsel. Gleichzeitig sind die Zeitfenster, um Renditen zu sichern oder De-Risking umzusetzen, oft sehr klein. Die notwendige Antwort liegt in der Resilienz des Gesamtportfolios. Dieses gilt es, gezielt zu stärken – insbesondere gegenüber Regimen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial.
Regimewechsel wirken nicht einheitlich auf alle institutionellen Investoren. Verpflichtungsstruktur, Bilanzierungsregime, Liquiditätsanforderungen und regulatorische Rahmenbedingungen determinieren, welche Makrokonstellationen tatsächlich bedrohlich sind. Für Pensionskassen mit hoher Anleihequote stellt etwa ein Rückfall in ein Niedrigzinsregime andere Risiken dar als für stiftungsähnliche Anleger, die reale Kapitalerhaltung und Ausschüttungsfähigkeit priorisieren und in einem Stagflationsumfeld besonders gefordert sind. Der erste Schritt ist daher die systematische Identifikation der für das eigene Haus relevanten Hochrisiko-Regime – idealerweise explizit unter Einbezug der Passivseite (ALM).
„Durch die zugenommene Fragilität der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren hat das Risiko für strukturelle Regimebrüche zugenommen.“
Mitglied der Geschäftsführung Deka Investment und Leiter Institutionelle Kunden Asset Management, Deka.
Für jedes Superszenario kalibrieren die Deka-Volkswirte einen eigenständigen Economic Scenario Generator – ein konsistentes Weltbild mit regimespezifischem Verhalten der Marktteilnehmer. Denn Regimewechsel verändern nicht nur Niveaus, sondern auch Reaktionsfunktionen: Zentralbanken reagieren beispielsweise auf erhöhte Inflationserwartungen mit Zinsanpassungen. Unternehmen passen Investitionen und Margenpolitik an. Diese Verhaltensanpassungen schlagen sich in geänderten Modellparametern nieder. Sie weiten oder verengen die Ergebniskorridore. Im Deka-Modell werden 10.000 plausible Pfade je Superszenario simuliert, um Erwartungswerte, Risikokennziffern (z. B. Volatilitäten, Drawdowns) und Verlustwahrscheinlichkeiten über den relevanten Planungshorizont abzuleiten.
Der Mehrwert für Investoren liegt insbesondere in der Quantifizierung regimeabhängiger Verwundbarkeiten. Im Klartext bedeutet das: Unter der Annahme eines Superszenarios, beispielsweise eines Stagflationsregimes (niedriges Wachstum, hohe Inflation), können gezielt die schlechtesten 5% der Pfade analysiert werden, um potenzielle Nachschussrisiken, Unterdeckungen oder Verletzungen von Risikobudgets sichtbar zu machen. So wird schnell erkennbar, welche Stellhebel in welchem Regime die größte Robustheitswirkung entfalten, so dass Investoren das Portfolio aktiv in die selbst gewählte Richtung adjustieren können.
Das Stagflationsregime – niedriges Wachstum bei hoher Inflation – stellt ein zentrales Risikoumfeld sowohl für Pensionskassen als auch für Stiftungen dar: Die Geldpolitik agiert restriktiver, Zinsen steigen, Unternehmensgewinne geraten unter Druck und Risikoaufschläge weiten sich. Anleihen erleiden zunächst Bewertungsverluste, mittelfristig können Anleger jedoch von höheren Kupons und Wiederanlagezinsen profitieren; Aktien sind durch Multiple-Kompression und Gewinnrevisionen besonders korrekturgefährdet.
Pensionskassen sind aufgrund ihrer starken Ausrichtung hin zu Anleihen (häufig 70% oder mehr) besonders zins- und inflationssensitiv, während ihre Aktienquoten meist einstellige Werte aufweisen. Die hohe Portfoliogewichtung in sicheren Anleihen führt im Stagflationsumfeld zunächst zu Bewertungsverlusten; mit dem sukzessiven Auslaufen von Papieren und der Wiederanlage zu höheren Renditen nimmt das Bedrohungspotenzial über die Zeit jedoch ab. Analysen mit dem Deka Strategy Navigator, dem ALM / SAA-Tool der Deka Institutionell, zeigen, dass die Resilienz des Portfolios durch einen höheren Fokus auf Qualität im Kreditportfolio, um dauerhafte Bewertungsverluste und Abschreibungen zu vermeiden, signifikant erhöht werden kann. Die Analysen zeigen aber auch, dass ein Stagflationsregime für Pensionskassen zwar herausfordernd ist, das zentrale Risikoszenario bleibt für diese Anlegergruppe jedoch ein Rückfall in ein Niedrigzinsumfeld, sprich geringes Wachstum bei geringer Inflation.
„Ein strukturierter Prozess ist wichtig, um Entscheidungen möglichst objektiv und evidenzbasiert treffen zu können.“
Leiter Institutionelles Asset Management Development, Deka.
Stiftungen sind heterogener aufgestellt und weisen häufig eine deutlich höhere Aktienquote, die nicht selten oberhalb der 30-%-Marke liegt, und signifikante Anteile an Alternativen auf, wodurch die Quote des Anteils von Anleihen regelmäßig weniger als die Hälfte des Portfoliogewichts einnehmen. Das Ziel der Stiftungen ist hingegen sehr homogen, konzentrieren sie sich bei der Kapitalanlage regelmäßig auf die Erzielung ordentlicher Erträge kombiniert mit dem realen Kapitalerhalt. So ist es kein Wunder, dass sie bei erhöhten Stagflationsphasen die Anforderungen an die Portfolioresilienz deutlich priorisieren. Realwerte wie Immobilien und Infrastruktur sind vielfach substanziell implementiert.
Analysen mit dem Deka Strategy Navigator zeigen, dass regelmäßig positive Effekte durch die Hinzunahme von Rohstoffen und inflationsgeschützten Anleihen als zusätzlich diversifizierende Bausteine mit realwerterhaltender Wirkung erzielt werden können. Eine deutliche Reduktion der Aktienallokation kommt für viele Stiftungen aufgrund des erwähnten benötigten realen Kapitalerhalts regelmäßig nicht in Frage. Die Auswertungen mit dem Deka Strategy Navigator belegen (im aktuellen Umfeld/Regime) zudem, dass die Portfolioresilienz gesteigert werden kann, wenn Aktien von wachstumsorientierten und stark zyklisch abhängigen Unternehmen zurückgefahren werden. Ein dafür höheres Gewicht auf dividendenstarke Substanzwerte, dies umfasst beispielsweise Versorger oder Grundbedarfsgüter, zeigt in den Analysen positive Effekte. Auf Faktor-Ebene spricht dies für einen Ausbau von Qualität, Low Risk und Value sowie eine Reduktion von Growth- und Small Cap-Exposures. Ein solches Vorgehen kann schon dann sinnvoll sein, wenn die Aktienallokation passiv abgebildet wird. Durch die hohe Gewichtung des IT-Sektors im MSCl-World können Faktor-Strategien mit einer höheren Gewichtung von Qualität und Low Risk und Value einen hohen Diversifikationsbeitrag leisten. Dies kann sich nicht nur im Stagflationsszenario positiv auswirken.
Durch die zugenommene Fragilität der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren hat das Risiko für strukturelle Regimebrüche zugenommen. Institutionelle Investoren und ihre Kontroll- und Aufsichtsgremien setzen sich verstärkt mit potenziellen Risiken aus solchen Regimebrüchen auseinander. Mit dem Analysetool Deka Strategy Navigator kann ein Portfolio für unterschiedliche Regime deutlich persistenter aufgestellt und justiert werden. Dabei hat sich in der Beratungspraxis ein mehrstufiger Analyseprozess etabliert.
Im ersten Schritt erfolgt eine Optimierung des Portfolios über den gesamten Erwartungsraum, das heißt über alle Superszenarien aggregiert. Im zweiten Schritt wird das Regime mit dem höchsten Risiko für den institutionellen Investor identifiziert und mit der spezifischen Risikotragfähigkeit des Anlegers abgeglichen. Hierzu werden die für den Investor kritischen Key-Performance-Indicators, in Bezug auf Risiko und Ertrag, analysiert. Für das Regime mit dem höchsten Risiko werden dann gezielt Maßnahmen überprüft, um das Portfolio resilienter für das Regime zu machen. Im letzten Schritt wird das Resilienzportfolio im Risikoregime mit dem optimierten Portfolio über den gesamten Erwartungsraum verglichen und die Maßnahmen in Bezug auf ihre Auswirkungen evaluiert. Die letzten beiden Schritte werden häufig so lange iterativ wiederholt, bis eine effiziente Lösung erzielt und abgestimmt ist. Erkenntnis aus der Praxis: Häufig kann bereits durch die Kombination mehrerer leichterer Eingriffe die Resilienz des Portfolios bereits signifikant erhöhen.
Ein strukturierter Prozess ist wichtig, um Entscheidungen möglichst objektiv und evidenzbasiert treffen zu können. Dies erhöht im Ereignisfall, dem Eintritt eines Regimeshifts, nicht nur die Persistenz des Portfolios, sondern auch die Risikotragfähigkeit insgesamt. Durch die höhere Diversifizierung wird das Portfolio robuster. Werden Risiken bewusst eingegangen und ihre Folgen im Vorfeld durchdacht, wirken Draw Downs weniger bedrohlich und können besser ,durchgehalten' werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn im Entscheidungsprozess verschiedene Stakeholder und Gremien einbezogen werden müssen. Auch können im Fall eines Regimeshifts aufgrund vorhergehender Analysen schneller Handlungsoptionen abgewogen und gegeben falls Anpassungen vorgenommen werden. Mit den Erkenntnissen aus dem Deka Strategy Navigator kombiniert mit einer kompetenten ganzheitlichen Beratung kommen sowohl Pensionen als auch Stiftungen gelassener zum erwünschten Portfolio.
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