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Mehr Geschwindigkeit, neue Assets, andere Prozesse – die Verwahrstelle heute und in der Zukunft.
Das Verwahrstellengeschäft gewinnt zunehmend an Bedeutung. An der Schnittstelle zwischen Regulatorik, neuen Produkten und sich verändernden Infrastrukturen stehen Verwahrstellen im Mittelpunkt vieler bedeutender Veränderungen. Welche Themen derzeit für institutionelle Investoren besonders relevant sind und wie die Deka dafür aufgestellt ist, zeigen Jörg Debé, Leiter Investment Services, und Markus Groll, Kundenbetreuer Investment Services, im Interview auf.
April 2026
Herr Debé, die Verwahrstelle und Depotbank der Deka ist mit über 600 Milliarden Euro Assets under Custody (inkl. Direktbestände) einer der größten Anbieter im deutschen Markt. Welche Themen prägen kurz- und mittelfristig das Geschäft?
Debé: Wir sehen mehrere strukturelle Entwicklungen. Zum einen hält der Trend zur Konsolidierung im Verwahrstellenmarkt an. Ein weiteres prägendes Thema ist die Regulatorik, zum Beispiel die Umstellung auf einen verkürzten Abwicklungszyklus, also T+1. Und schließlich spielt Digitalisierung eine zentrale Rolle; nicht nur in Form effizienterer Prozesse und Systeme, sondern auch mit Blick auf neue Assetklassen und Infrastrukturen, wie etwa digitale Assets oder Stablecoins und natürlich auch die Blockchain und Distributed-Ledger-Systeme. All dies bringt besondere Anforderungen an Prozesse und Organisation mit sich.
Warum geben immer mehr Marktteilnehmer ihr Verwahrstellengeschäft auf? Ist das auch bei der Deka zu befürchten?
Groll: Das Verwahrstellengeschäft entwickelt sich zunehmend zu einem Skalengeschäft. So machen etwa regulatorische Änderungen wie die Umstellung auf T+1 teilweise erhebliche Investitionen in Systeme und Prozesse notwendig. Auf der anderen Seite erwarten viele Kunden heute mehr als eine reine Verwahrung von Wertpapieren. Gefragt sind integrierte Services aus einer Hand. Idealerweise reicht die Prozesskette vom Handel über das Middle Office bis hin zur Abwicklung und Verwahrung. Das macht es für kleinere Anbieter schwierig.
Debé: Für die Deka stellt sich diese Frage nicht. Wir sind seit über 60 Jahren im Verwahrstellengeschäft aktiv und betreuen mehr als 95 Asset Manager. Für uns ist die Verwahrstelle ein strategisches Kerngeschäft. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren auch viel in Technologie, also Infrastruktur, und Expertise sowie in Teams investiert. Das sehen wir zum einen als Signal an den Markt und zum anderen stellen wir so sicher, dass wir auch künftigen Anforderungen gerecht werden können.
„Die Einführung von T+1 in den USA hat dazu geführt, dass viele Prozesse bereits optimiert wurden. Das kommt uns jetzt zugute.“
Leiter Investment Services, Deka.
Sie haben die Umstellung auf T+1 bereits angesprochen. Warum ist das für Verwahrstellen so relevant?
Groll: Aktuell gilt in Europa noch ein Abwicklungszyklus von T+2. Künftig soll ein Geschäft bereits einen Werktag nach dem Handel abgewickelt sein. Das klingt zunächst wie eine kleine Veränderung, setzt aber erhebliche prozessuale und systemische Anpassungen bei allen Marktteilnehmern voraus, weil sich die Zeit für Nachhandelsprozesse deutlich verkürzt. Für US-Wertpapiertransaktionen wurde dieser Schritt bereits vor rund eineinhalb Jahren vollzogen.
Debé: Europa ist allerdings deutlich komplexer: Wir haben hier eine fragmentierte Struktur mit vielen Märkten, Zentralverwahrern, Zeitzonen und regulatorischen Besonderheiten. Da ist die Umstellung nur mit mehr Automatisierung, schnellerer Kommunikation und strengeren Standards zu bewältigen.
Wie bereitet sich die Deka auf diese Umstellung vor?
Debé: Wir sehen uns technisch bereits sehr gut aufgestellt. In den vergangenen Jahren haben wir erheblich in unsere Infrastruktur investiert und vor kurzem ein neues Abwicklungssystem eingeführt. Derzeit arbeiten wir an der Umstellung auf ein neues Fondsbuchhaltungssystem. Auch die Einführung von T+1 in den USA hat dazu geführt, dass viele Prozesse bereits optimiert wurden. Das kommt uns jetzt zugute. Wir können die Umstellung also grundsätzlich über unsere schon bestehende technische Infrastruktur abbilden. Der wesentliche Hebel liegt für uns weniger in der Technik als in prozessualen Anpassungen. Hier arbeiten wir daran, unsere Abläufe weiter zu digitalisieren und zu automatisieren. Die Umstellung wird bei uns in einem zentral koordinierten Projekt betreut, da sie sehr viele Abteilungen und Teams betrifft und eine größtmögliche Abstimmung voraussetzt.
Groll: Gleichzeitig steigt der Anspruch an die Qualität der Daten und an operative Standards. Denn selbst wenn die eigene Infrastruktur vorbereitet ist, bedeutet das noch nicht automatisch, dass auch alle Gegenparteien jederzeit fehlerfreie Informationen liefern. Daher sind wir auch im Gespräch mit unseren Partnern und Kunden. Hinzu kommen Auswirkungen auf das Cash Management. Beispielsweise kann der Fondsanteilshandel voraussichtlich weiterhin auf T+2 basieren, während Wertpapiergeschäfte bereits zu T+1 umgesetzt werden müssen. Das erfordert zusätzliche Koordination in der Liquiditätssteuerung.
„Durch Tokenisierung können Vermögensgegenstände mittlerweile auch digital auf der Blockchain begeben werden. Die Deka hat hier früh begonnen, entsprechende Kompetenzen aufzubauen und ist ein Pionier im Markt.“
Kundenbetreuer Investment Services, Deka.
Sie haben eingangs auch digitale Assets erwähnt. Warum ist Kryptoverwahrung für Verwahrstellen und institutionelle Investoren überhaupt relevant?
Groll: Durch Tokenisierung können Vermögensgegenstände mittlerweile auch digital auf der Blockchain begeben werden, etwa Anleihen, Fondsanteile oder andere Vermögenswerte. Der Markt ist derzeit noch überschaubar, wächst aber kontinuierlich. Dafür braucht es allerdings eine neue Infrastruktur, die teilweise erst aufgebaut wird. Die Deka hat hier früh begonnen, entsprechende Kompetenzen aufzubauen und ist ein Pionier im Markt. Wir haben beispielsweise SWIAT entwickelt, eine Blockchain-basierte Plattform zur Cross-Border-Abwicklung von Wertpapieren in Echtzeit.
Debé: Allerdings hat sich gezeigt, dass eine solche Infrastruktur langfristig nur funktioniert, wenn genug Marktteilnehmer sie nutzen und weiterentwickeln. Bei SWIAT gab es für außenstehende Institute jedoch nicht ausreichend Anreize, an der Weiterentwicklung der Plattform mitzuarbeiten. Deshalb wurde die Technologie inzwischen in die Initiative Regulated Layer One (RL1) überführt. Dabei handelt es sich um ein europäisches Vorhaben mehrerer Banken und Finanzinstitute zum Aufbau eines Distributed-Ledger-Netzwerks. Die Partner werden RL1 gemeinsam besitzen, betreiben und steuern. Zudem können künftig auch neue Partner hinzustoßen. So wollen wir sicherstellen, dass die Plattform zum neuen Marktstandard wird. Man kann sich RL1 als regulierte Infrastruktur – gewissermaßen als die Straße, auf der Assets transportiert werden – vorstellen.
Wenn RL1 die Infrastruktur ist – was kann auf dieser „Straße“ dann transportiert werden?
Debé: Theoretisch alles: Kryptowerte, tokenisierte Wertpapiere oder andere digitale Vermögenswerte. Ein entscheidender Baustein fehlt allerdings bislang noch im europäischen Markt: digitales Geld auf der Blockchain. Heute müssen Transaktionen mit digitalen Assets häufig weiterhin über klassisches Fiatgeld abgewickelt werden. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit anderen Finanzinstituten in einem europäischen Konsortium Qivalis, einen Euro-Stablecoin. Ein Stablecoin ist ein digitaler Token, dessen Wert eins zu eins an eine Referenzwährung gekoppelt ist, in diesem Fall an den Euro. Ziel ist es, Stabilität zu schaffen und gleichzeitig „Cash on-chain“ verfügbar zu machen. Der Stablecoin-Markt ist heute stark vom US-Dollar dominiert. Ein Euro-Stablecoin könnte hier ein Gegengewicht bilden und insbesondere für internationale Anwendungen relevant werden, wenn der Dollar seinen Status als sicherer Hafen verliert.
Groll: Entscheidend ist dabei die Absicherung. Die hinterlegten Mittel werden als Collateral in Euro gehalten, beispielsweise als Bankguthaben oder sehr liquide, kurzlaufende Staatsanleihen. Das ist die Grundlage dafür, dass die Eins-zu-eins-Kopplung glaubwürdig bleibt. Der zusätzliche Mehrwert liegt darin, dass Zahlung und Wertpapier auf derselben Infrastruktur abgewickelt werden können. Perspektivisch reduziert das Brüche im Ablauf und kann Settlement-Prozesse erheblich beschleunigen.
Das klingt, als könnten solche Technologien künftig auch die klassische Wertpapierabwicklung verändern?
Groll: Genau. Auf einer Blockchain lassen sich Transaktionen grundsätzlich in Echtzeit abwickeln, das heißt in T+0. Deshalb sehen viele Marktteilnehmer Distributed-Ledger-Technologien als eine mögliche Grundlage für zukünftige Abwicklungsmodelle.
Debé: Die Umstellung auf T+1, digitale Assets, Stablecoins und Projekte wie RL1 sind keine isolierten Entwicklungen. Sie verfolgen letztlich dieselben Ziele: mehr Effizienz, geringere Risiken und stärker automatisierte Prozesse. Deshalb sind wir auch davon überzeugt, dass wir mit diesen Projekten unser Verwahrstellengeschäft für Kunden zukunftssicher machen. Letztlich ist das aus unserer Sicht ein weiteres Bekenntnis der Deka zur Bedeutung dieses Geschäftsbereichs.
Hinweis: Diese Unterlage/Inhalte wurden zu Werbezwecken erstellt. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Basisinformationsblätter, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der Deka Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Bitte lesen Sie diese, bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen. Die enthaltenen Meinungsaussagen geben unsere aktuelle Einschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung wieder, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.
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