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ETF-Monitor

Kolumne von Dr. Bernhard Jünemann
An der Börse ist alles möglich ...

 

…auch das Gegenteil. Dies ist einer meiner Lieblingssprüche. Egal, was an Prognosen für ein neues Jahr produziert, abgewogen und verkündet wird, es kann auch ganz anders kommen. Solide fundamentale Wirtschaftsdaten helfen zwar Erwartungen zu formulieren, reichen aber nicht aus, um darauf eine Anlegestrategie aufzubauen. Man muss immer auch die Gefühlswelt der Börse analysieren. Denn Börse ist nun mal vor allem Psychologie, wie Altmeister André Kostolany zu predigen pflegte. Die Fakten entscheiden nicht allein, sondern wichtig ist auch, wie die Fakten wahrgenommen und bewertet werden.

 

Vor einem Jahr schien die Welt nicht nur in Ordnung, sondern perfekt. Wohin man blickte, solide Wirtschaftsdaten. Oft wurde damals wieder das sogenannte Goldilocks-Szenario zitiert, auf das ich in meiner Dezember-Kolumne hingewiesen habe. Alles schien wirklich perfekt, ordentliches Wachstum ohne Inflation und dazu der Stimulus einer Steuersenkung in den USA. Das Missliche nur: Genau, wenn alle vom perfekten Szenario schwärmen, ist höchste Vorsicht geboten. So war es bei der Asien- und Russlandkrise 1997 und 1998, so war es vor der Finanzkrise 2008 oder eben auch Ende 2017 wieder. Es gab heftige unerwartete Reaktionen.

 

So war es dann auch im Jahr 2018, in dem die Kurse enttäuschten. Der DAX ein Minus von 19 Prozent, der S&P 500 noch verhältnismäßig moderat mit minus sechs Prozent. Das ist noch keine ausgeprägte Baisse, aber sie könnte es noch werden.

 

Das spiegelt sich natürlich Eins zu Eins bei den ETFs wider, aber nur bezogen auf die einzelnen Indizes. Klar, auch der DAX-ETF hat 19 Prozent verloren. Aber es kommt immer auf das konkrete Portfolio an, in dem ETFs die Bausteine bilden. Je nachdem wie die Asset-Allokation gestaltet und gesteuert wurde, ließen sich die heftigen Verluste vieler Aktienindizes auf der Portfolio-Ebene abmildern, wenn auch kaum komplett vermeiden. Dachfonds mit ETFs konnten die Verluste so je nach Rentenanteil zwischen fünf und acht Prozent begrenzen. Das gilt auch für spezielle Portfoliolösungen in der Form von ETFs, bei denen in der Regel für die Anlageklassen feste Quoten gelten. Individuell mag das Ergebnis natürlich deutlich besser sein, sogar ein Plus gebracht haben. Rückblickend lässt sich natürlich leicht sagen, wer zunächst massiv auf amerikanische Aktien gesetzt und dann ab August die Investitionsquoten drastisch reduziert hatte, kam ordentlich aus 2018 heraus.

 

„Kluge Investoren mit langer Erfahrung wissen, dass man in solchen Phasen antizyklisch handelt und selektiv wieder einsammelt. Dazu gehört nicht mal besonders viel Mut.“

Dr. Bernhard Jünemann

Wirtschaftjournalist der DekaBank

 

Blicken wir nach vorne. Die Wahrnehmung ist jetzt überwiegend negativ. Von einem Goldilocks-Szenario redet niemand mehr. Entsprechend heftig sind die Reaktionen bei schlechten Nachrichten, beziehen sie sich nun auf Politik, Konjunkturdaten oder Unternehmensbilanzen.

 

Die gute Nachricht aber ist, dass damit schon sehr viel in den Kursen an negativen Erwartungen enthalten ist. Den Anlegern ist klar, dass die Wachstumsdaten der Wirtschaft deutlich zurückgekommen sind. Selbst für die USA wird nun vielfach mit einer Abschwächung gerechnet. Bei den Schwellenländern macht China Sorgen. Das Land ist aber mit Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent immer noch einigermaßen robust aufgestellt, ebenso die Weltwirtschaft, die 2019 noch drei Prozent schaffen sollte.Die gute Nachricht aber ist, dass damit schon sehr viel in den Kursen an negativen Erwartungen enthalten ist. Den Anlegern ist klar, dass die Wachstumsdaten der Wirtschaft deutlich zurückgekommen sind. Selbst für die USA wird nun vielfach mit einer Abschwächung gerechnet. Bei den Schwellenländern macht China Sorgen. Das Land ist aber mit Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent immer noch einigermaßen robust aufgestellt, ebenso die Weltwirtschaft, die 2019 noch drei Prozent schaffen sollte.

 

Hinzu kommen jetzt die üblichen politischen Risiken: Handelskrieg USA-China-Europa, Brexit, Wahlen in Europa, Stärkung populistischer Kräfte in vielen Ländern. Auch das sollte weitgehend vom Markt antizipiert sein. Aber es kann natürlich erst noch mal zu einem panikartigen Ausverkauf kommen, was dann nach aller Erfahrung die psychische Voraussetzung für eine Wende sein dürfte.

 

Daraus ergeben sich für 2019 einige Hoffnungen. Übertreibungen nach unten werden abgebaut und die Kurse sollten sich stabilisieren. Hilfe kommt von der US-Notenbank, die den Prozess der Zinsanhebung verlangsamen dürfte. Die EZB muss ohnehin bei Ihrer utralockeren Politik bleiben. Nur sehr selten folgt auf ein negatives Jahr an der Börse noch ein zweites negatives. Meistens ist das Folgejahr positiv. Voraussetzung dafür ist, dass es keine außergewöhnlichen Krisen gibt wie zwischen 2000 und 2003. Damals folgte auf den Internetcrash der Terroranschlag auf das World Trade Center und der zweite Irakkrieg.

 

Wie gesagt: An der Börse ist alles möglich – auch das Gegenteil, in diesem Fall das Gegenteil der extrem negativen Erwartungen. Kluge Investoren mit langer Erfahrung wissen, dass man in solchen Phasen antizyklisch handelt und selektiv wieder einsammelt. Dazu gehört nicht mal besonders viel Mut.