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Mobilität der Zukunft
Wer sind die künftigen Herrscher am Automarkt?

Mit dem Dieselskandal ist viel Bewegung in den Automobilmarkt gekommen. Der Siegeszug des Elektromotors ist nicht mehr aufzuhalten. Doch stellt sich die Frage, wie der Markt künftig aussehen wird. Werden Newcomer wie Tesla oder der chinesische Wettbewerber BYD dominieren? Oder haben die traditionellen Hersteller wie BMW, Volkswagen und Co. dem etwas entgegenzusetzen?

Wer sich die Börsenbewertung der Autokonzerne ansieht, kann zu der Überzeugung gelangen, dass die Schlacht um den Elektrofahrzeugmarkt geschlagen ist. Das kalifornische Unternehmen Tesla weist Ende November einen Marktwert von 43 Milliarden Euro auf. Daran gemessen ist es der zweitgrößte
US-Autokonzern, vor Ford und nur knapp hinter General Motors. Und die Firma, die 2016 rund 84.000 Stromer produzierte und rund sieben Milliarden Dollar umsetzte, ist damit nur etwa zehn Milliarden Euro weniger wert als Daimler oder BMW.

„Elektroautos werden zwischen 2022 und 2025 die Kostenparität gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor erreichen.“

Senta Graf

Automobil-Analystin, Deka Investment

Tesla profitiert derzeit von dem Boom um das Elektroauto. Im Jahr 2016 legte der Markt 37 Prozent zu. Mitte letzten Jahres durchbrach der Bestand an E-Autos, angeführt von den beiden größten Märkten China und USA, laut der Internationalen Energieagentur weltweit erstmals die Marke von zwei Millionen Stück. Damit hat sich die Zahl an Stromern seit 2014 mehr als verfünffacht. Die Gründe für dieses Wachstum sind vielfältig. Seit dem Dieselskandal ist die Politik bestrebt, die Nutzung von E-Autos voranzutreiben. Dazu kommen der weltweit voranschreitende Klimawandel und die zunehmende Verschmutzung der Städte. „Schließlich verursacht einer aktuellen OECD-Studie zufolge jedes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor allein in Deutschland 20.000 Euro an Kosten für das Gesundheitssystem“, sagt Jochen Rudat, Europa-Chef von Tesla. Zwar ziehen manche Untersuchungen in Zweifel, ob ein Elektroauto über den gesamten Lebenszyklus tatsächlich umweltfreundlicher ist als ein Verbrenner. Aktuelle Studien wie die der belgischen Vrije-Universität kommen aber zu dem Ergebnis, dass Fortschritte bei der Batterietechnologie, der wachsende Anteil alternativer Energien am Strom-Mix und fortschrittlichere Recycling-Methoden die anfallenden Emissionen im Lebenszyklusvon E-Autos immer weiter senken werden.

E-Mobilität wird immer wichtiger
Entwicklung der E-Auto-Verkäufe bis 2016 in Millionen

Quelle: IEA, Stand: November 2017

Außerdem werden batteriebetriebene Fahrzeuge wegen des technischen Fortschritts für Kunden immer attraktiver. „Unsere Fahrzeuge haben inzwischen eine Reichweite von bis zu 600 Kilometer“, informiert Rudat. „Außerdem verkürzen wir die Batterieladezeit immer weiter. Mit unserem Super-Charger lässt sich eine Batterie in nur noch 20 Minuten zur Hälfte aufladen.“ Zugleich wird fieberhaft am Ausbau der Ladeinfrastruktur gearbeitet. Dennoch gibt es ein Hindernis für den endgültigen Durchbruch: den Kostennachteil Und der soll erst langfristig verschwinden. „Nach unseren Berechnunge werden E-Autos zwischen 2022 und 2025 die Kostenparität gegenüber Verbrennern erreichen“, sagt Senta Graf, Auto-Analystin der Deka. „Erst dann werden Fahrzeuge mit Elektro­antrieb richtig durchstarten.“ Eine Entwicklung, die den Automarkt dann aber kräftig durchschütteln könnte. Schließlich positionieren sich in diesem Segment Herausforderer wie Tesla, der chinesische Hersteller BYD, die Deutsche Post oder der aus der Hochschule Aachen hervorgegangene E-Auto-Bauer e.Go. „Natürlich hat eine Firma wie Tesla den Vorteil, Pionier zu sein, sich ein starkes Image und eine hohe Glaubwürdigkeit aufgebaut zu haben, weil sich der Konzern mit Überzeugung ausschließlich auf das E-Autkonzentriert“, sagt Professor Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule Nürtingen-Geislingen.

Tatenlos aber schauen die traditionellen Autobauer dem nicht zu. Längst haben sie Strategien für die Entwicklung alternativer Antriebstechniken entworfen. Der Abgesang auf BMW, Volkswagen und Co. wäre deshalb verfrüht. „Zum einen sehe ich bei einem Elektromotor nicht, dass ein Hersteller große technologische Vorteile hat, die andere nicht aufholen könnten“, so der Experte. „Zum anderen ist die Produktion großer Stückzahlen in hoher Qualität im Autobereich ein komplexer Prozess. Und das ist die Stärke traditioneller Hersteller.“ Dazu kommt, dass diese über ein weltweites Vertriebs- und Servicenetz verfügen. Das müssen die jungen Wilden der Branche erst aufbauen.

Trends in der E-Mobilität – elektrifiziert ist nicht elektrisch
Zielsetzungen der Hersteller für die Zukunft

Quelle: Deka; Stand: Dezember 2017

 

 

 

 

Tesla

Absatzziel von 1 Million rein elektrischen

Fahrzeugen pro Jahr in 2020.

 

 

 

 

BMW

Plant (und dürfte das übertreffen) in 2017 100.000 E-Autos (alle Fahrzeugtypen) zu verkaufen. Der Bereich soll 2025 15 – 25 % des jährlichen Umsatzes ausmachen.

 

 

 

 

VW

Strebt 2025 mit zwei bis drei Millionen verkauften E-Autos pro Jahr (alle Fahrzeugtypen, die Mehrzahl

soll rein elektrisch sein) auf Konzernebene (eine Million unter der Marke VW) die Weltmarktführerschaft an.

 

 

 

 

PSA

Groupe (Peugeot) Will in 2020 eine Million elektrische Fahrzeuge absetzen. 80 % der 34 Kernmodelle sollen bis 2023 elektrifiziert (PHEV/BEV) werden.

 

 

 

 

Volvo

Plant 2025 kumuliert 1 Million „elektrifizierte“ Fahrzeuge abzusetzen, einschließlich Plug-in-Hybrid und 48 V (95 % der verkauften Autos dürften 2019/2020 einen Verbrennungsmotor haben).

 

 

 

 

Daimler

Kein offizielles Ziel. Laut CEO Zetsche wird der Konzern ein Viertel des globalen E-Auto-Marktes im Premiumsegment behaupten. E-Autos sollen 2025 15–25 % des Umsatzes ausmachen.

 

 

 

 

Renault / Nissan
Ziel ist der Gesamtabsatz von eineinhalb Millionen rein elektrischen Fahrzeugen in 2020.

Auch Senta Graf warnt deshalb davor, nur auf die Herausforderer zu setzen. „Außerdem müssen Sie bedenken, dass es Übergangstechnologien geben wird, mit denen sich die Flottenziele beim CO2-Ausstoß erreichen lassen“, sagt sie. Zum Beispiel den Plug-in-Hybrid, der den Verbrennungs- mit einem E-Motor kombiniert. Oder die 48-V-Technologie, auch „Mild Hybrid“ genannt, die auf der Start-Stopp-Technologie basiert, bei der sich der Motor an der Ampel automatisch abschaltet. „Wir gehen davon aus, dass die 48-V-Technologie vorerst die Gewinnerin sein wird, da hier die geringsten Zusatzkosten entstehen, während die klassischen Autobauer damit aufgrund der CO2-Einsparung in Höhe von 15 bis 20 Prozent die gesetzlichen Vorgaben erfüllen können“, sagt Graf. Hier aber geben die traditionellen Hersteller und deren Zulieferer den Ton an. Doch selbst wenn nach 2022 der E-Auto Markt richtig Fahrt aufnimmt, müssen nicht unbedingt die Herausforderer die Hauptprofiteure sein. Das zeigt sich schon an den aktuellen Verkaufszahlen. Zwar führt Tesla diese Rangliste im ersten Halbjahr 2017 laut dem Datenanbieter Statista an. Allerdings befindet sich BMW an zweiter Stelle, noch vor dem chinesischen E-Auto-Bauer BYD.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2018