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Investmentsteuerreform
Unternehmen und Family Offices vor neuen Herausforderungen

Im kommenden Jahr ändert sich die Besteuerungssystematik für Spezialfonds und Publikumsfonds grundlegend. Welche Auswirkungen sich daraus für institutionelle Investoren, insbesondere Family Offices, ergeben, erläutert Franz Schober aus der Abteilung Produktsteuern bei der Deka.


FRANZ SCHOBER
Produktsteuern bei der Deka


 

Zum 1. Januar 2018 wird ein reformiertes Investmentsteuergesetz in Kraft treten, inklusive deutlicher Änderungen bei der Besteuerung von Investmentfonds. Einer der wesentlichen Eckpunkte der Reform ist es, die Besteuerung von Investmentfonds deutlich zu vereinfachen und zu verschlanken. Außerdem galt es für den Gesetzgeber, europarechtliche Vorschriften zu erfüllen.

 

Um es vorweg deutlich zu sagen: Aus unserer Sicht bringt das Investment­steuerreformgesetz neben der Vielfalt an Herausforderungen auch Chancen für Kapitalverwaltungs­gesellschaften und deren Anleger mit sich. Aber der Reihe nach: Abweichend von den aktuellen komplexen Besteuerungs­vorschriften, in denen es keinen materiellen Unterschied zwischen der Besteuerung für Publikumsfonds und Spezialfonds gibt, finden wir ab 2018 zwei grundlegend voneinander abweichende Systeme der Besteuerung vor: zum einen für Investmentfonds, zum anderen für Spezial-Investmentfonds, kurz Spezialfonds. Der Wahl zwischen der Besteuerung als Investment­fonds oder Spezialfonds kommt künftig eine völlig neue Bedeutung zu.

 

Regeln für Investmentfonds

Einer der wesentlichen Eckpunkte der Reform ist, wie erwähnt, die Vereinfachung der Besteuerung. Um das zu erreichen, hat sich der Gesetzgeber verschiedener pauschaler Hilfsmittel bedient. Die Vereinfachung besteht zum einen darin, die steuerpflichtigen Erträge im Rahmen einer Thesaurierung (der so genannten Vorabpauschale) anhand eines jährlich festzulegenden Zinses zu ermitteln. Zum anderen sollen die Vorbelastungen auf Ebene des Fonds mit einer pauschalen Freistellung von Erträgen auf Anlegerebene einhergehen. Diese pauschalen Freistellungen sollen dafür sorgen, die Vorbelastung bestimmter Erträge auf Fondsebene zu kompensieren. Die bisher bekannte, eher komplexe Durchschau auf die wirtschaftlichen Ertragskomponenten entfällt bei Investmentfonds ab 2018 vollständig.

 

Im derzeit noch gültigen Investment­steuergesetz ist ein bestimmter Katalog an zulässigen Vermögens­gegenständen für transparente Investment­fonds durch das Steuerrecht vorgeschrieben. Dieser findet ab dem 1. Januar 2018 im Grunde genommen für Investmentfonds – Ausnahmen bestätigen, wie so oft im Steuerrecht, die Regel – keine Anwendung mehr. In der Konsequenz unterliegt das Universum der zulässigen Vermögens­gegenstände aus dem Steuerrecht somit keinerlei Einschränkungen. Es sind lediglich die aufsichts­rechtlichen Grenzen zu beachten, die in aller Regel weiter gefasst sind.

Besteuerung ab dem 1. Januar 2018

Quelle: DekaBank; Stand: April 2017

Regeln für Spezialfonds

Bei Spezialfonds wird die bereits bekannte Besteuerungssystematik mit einigen Anpassungen fortgeführt. So gibt es nun für die zulässigen Vermögensgegenstände auf Ebene des Spezial-Investments bestimmte Einschränkungen; hier handelt es sich also um portfoliobezogene Anpassungen. Außerdem werden Änderungen hinsichtlich der zulässigen Investoren wirksam. Für bestimmte Anlegergruppen ergeben sich trotz der eigentlich aus Sicht des Gesetzgebers nur geringfügigen Änderungen bemerkenswerte Einschnitte. Hier ist insbesondere die indirekte Beteiligung natürlicher Personen an steuerlichen Spezialfonds anzusprechen, wie sie beispielsweise durch Family Offices oder andere vermögensverwaltende Personen­gesellschaften regelmäßig erfolgt.


Die Beteiligung dieser Investorengruppe in der bisherigen Form wird ab 2018 lediglich im Rahmen bestimmter Übergangs­fristen zulässig sein. Neu ist auch, dass im Rahmen der (indirekten) Beteiligung von natürlichen Personen über eine vermögens­verwaltende Personen­gesellschaft an einem steuerlichen Spezialfonds – im Gegensatz zu den bisherigen Regeln – nicht mehr der Abgeltungssteuersatz in Höhe von 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag) Anwendung findet. Es gilt vielmehr der persönliche Einkommensteuersatz des Anlegers beziehungsweise der hinter dem Investment stehenden Gesellschafter.

 
Im bisherigen Besteuerungssystem besteht bereits jetzt mehr oder minder ein Wahlrecht für die Kapital­verwaltungs­gesellschaften, ihre (aufsichtsrechtlichen) Spezialfonds als „Publikumsfonds“ mit den damit einhergehenden Veröffenlichungs­pflichten besteuern zu lassen. Für die steuerliche Belastung spielt die Ausübung dieses Wahlrechts keine Rolle – die Höhe der steuer­pflichtigen Erträge weicht zwischen beiden Besteuerungs­regimen nicht ab.

 

Ausübung des Wahlrechts wird wichtig

Ab 2018 wird sich das jedoch drastisch ändern. Wie oben beschrieben, finden wir ab 2018 zwei völlig verschiedene Besteuerungs­systeme vor – jeweils mit Vor- und Nachteilen. Die Ausübung des Wahlrechts, ob ein Fonds als Investmentfonds oder Spezialfonds besteuert werden soll, spielt somit in Zukunft eine wesentliche Rolle. Daneben gibt es auch innerhalb der Spezialfonds-Regime die Möglichkeit, zwischen Ausübung oder Nichtausübung der so genannten Transparenz­option für inländische Erträge (insbesondere inländische Dividendenerträge) zu wählen. Die Ausübung ist für verschiedene Investoren­gruppen von Vorteil, wohingegen wiederum andere Investoren davon profitieren, wenn die Transparenzoption durch die Kapital­verwaltungs­gesellschaft nicht ausgeübt wird.

 

Was bedeuten diese Änderungen nun für institutionelle Investoren? Der Gedanke „One size fits all“ gehört endgültig der Vergangenheit an. Anlegerindividuelle Lösungsmöglichkeiten zu finden und diese auf die Ertrags­ströme und die Asset Allocation des Fonds auszurichten, wird zusammen mit der passgenauen Ausübung von steuerlichen Wahlrechten von immer größerer Bedeutung werden.

 

White-Label-Publikumsfonds als eine Lösung

Das bedeutet, dass institutionelle Investoren künftig einen Partner benötigen, der in der Lage ist, die sich aus den Anleger-Bedürfnissen ergebenden Anforderungen der Investmentsteuerreform abzubilden. Im Bereich Unternehmen und Family Offices der DekaBank begegnen wir diesen Herausforderungen, indem wir unseren Kunden zwei Vehikel zur Verfügung stellen. Einerseits sind wir in der Lage, einenaufsichtsrechtlichen Spezialfonds steuerlich als Publikumsfonds zu behandeln. Wir können das Vermögen, zum Beispiel eines Family Office, in einen so genannten „White-Label-Publikumsfonds“ investieren, der die Individualität einer Spezialfonds-Lösung mit der drastisch verschlankten Besteuerung eines „normalen“ Publikumsfonds vereint. Andererseits sind wir in der Lage, je nach Anleger das bereits bekannte semitransparente Besteuerungs­regime eines Spezial-Investmentfonds anzuwenden. Je nachdem, in welche Assetklassen investiert werden soll, kann es sinnvoll sein, eine transparente Fondslösung zeitgleich neben einer intransparenten Fondslösung zu betreiben. Wir sind für beide Varianten aufgestellt und beraten Sie gerne.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Mai 2017