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Bankanleihen
Handlungsbedarf bei Altbeständen

Seit kurzem bietet das Kredit­wesen­gesetz Banken die Möglich­keit, explizit unbe­sicherte (sogenannte Senior Preferred) Anleihen zu emit­tieren. Für die Steuerung der Eigen­anlage stellt sich daher die Frage, wie mit den Anleihen umge­gangen werden soll, die noch nach alter Rechts­lage emittiert wurden.


THORBEN LÜTHGE, Leiter Handel und Strukturierung und TIMO HAAS SIEBERT, Rentenhandel, beide Deka


Mit der Änderung des § 46f KWG schaffen die deutschen Banken­regulierer für Kredit­institute die Möglich­keit, Anleihen zu emittieren, bei denen der Anleger keine Verlust­beteiligung im Falle einer staat­lichen Banken­rettung erleidet. Damit folgt der deutsche Regulator dem euro­päischen Standard. Zukünftig sind so alle neu emittierten Anleihen grund­sätzlich von der Beteiligung an einer staat­lichen Banken­rettung (sog. Verlust­betei­ligung, engl. „bail-in“) ausge­schlossen. Diese Anleihen werden auch Senior Preferred Anleihen genannt. Soll bei einer Bankenrettung eine (Verlust-)Beteiligung der Anleihegläubiger erfolgen, so muss dies nun auch explizit in den Anleihe­bedingungen fest­gehalten werden. Solche Anleihen werden ihrem Rang entsprechend als Senior Non Preferred Anleihen bezeichnet.


Für die bisher (d. h. nach altem Recht) emittierten Anleihen deutscher Kredit­institute gilt, dass auch diese grund­sätzlich eine Verlust­beteiligung der Gläubiger vorsehen – die alten Anleihen sind also ebenfalls Senior Non Preferred Anleihen. Diese Anleihen mit möglicher Verlust­beteiligung (egal ob alt oder neu) werden nicht noten­bankfähig sein, das heißt, sie stehen auch für eine Verwen­dung im Pfand­depot nicht zur Verfügung. Für Anleihen alter Rechts­grundlage, die vor April 2018 begeben wurden, gilt die Regelung ab dem 31.12.2018.

Neue Insolvenzrangfolge in Deutschland
Übergangsfrist bis Endfälligkeit für Altbestände mit gesetzlichem Nachrang

Quelle: DekaBank; Stand: August 2018

Bei einer anstehenden Investition in Banken­anleihen wird die Sparkasse nun die Möglichkeit haben, Anleihen beider Rang­stufen zu kaufen. Erfahrungen aus Frankreich und Spanien – dort hat sich bereits eine entsprechende Gesetz­gebung etabliert – zeigen, dass Anleihen mit expliziter Verlust­betei­ligung zwar größeren Markt­preisschwankungen ausgesetzt sind, dafür jedoch attraktive Risiko­aufschläge bieten.

 

Für den Altbestand deutscher Banken­anleihen sollten Anleger allerdings den Verlust der Pfand­depot­fähigkeit berück­sichtigen. Hierdurch könnte einer­seits für diese Papiere ein Verkaufs­anreiz mit ent­sprechender negativer Preis­entwicklung entstehen. Andererseits handelt es sich bei diesen älteren Papieren oft um Anleihen mit vergleichsweise hohen Kupons und somit entsprechendem Beitrag zum Zins­ergebnis. Die Deka unter­stützt Sparkassen darin, die verschiedenen Entscheidungs­parameter zu bewerten und Bestände bei Bedarf neu auszurichten. Unserer Erwartung nach wird dieses Thema in den kommenden Wochen zahlreiche Opportu­nitäten mit sich bringen, um mit dem Austausch von Altbe­ständen im Pfand­depot und Neuengage­ments in Senior Non Preferred Anleihen Mehr­erträge zu erwirt­schaften. Da sich das Zinsumfeld zunehmend volatiler gestaltet, wird auch die Auswahl geeigneter Anleihen anspruchsvoller. In dieser Situation lässt sich die Banken-Asset­klasse aber auch über strukturierte Emis­sionen der DekaBank aktiv steuern und positiv beeinflussen.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 3, Oktober 2018