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Juni 2020

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Märkte im Überblick

 

Corona und die Märkte
Großer Einbruch, aber gute Perspektiven

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in eine globale Rezession gestürzt. Dies führte auch zu schwerwiegenden Folgen für die Kapitalmärkte. Wie sind diese Entwicklungen historisch zu bewerten? Gibt es Parallelen zur Finanzkrise ab 2008 oder sogar zur „Großen Depression“ Anfang der 30er Jahre? Das CIO-Office der Deka ordnet das Geschehen der vergangenen Monate ein. Vor allem wird dabei auch der Frage nachgegangen, wie die Chancen auf eine rasche und deutliche Erholung stehen. Fazit: Für strategisch ausgerichtete Investoren mit mittel- und langfristigem Horizont eröffnen sich interessante Einstiegsmöglichkeiten. Kurzfristig muss jedoch mit hohen Schwankungen gerechnet werden.

Die globale Ausbreitung des Coronavirus hat die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt. Damit endete einer der längsten konjunkturellen Aufschwünge quasi über Nacht. Mit einer Pandemie als Auslöser für das Ende dieses Aufschwungs hatte kein Marktteilnehmer zuvor ernsthaft gerechnet. Infolge des globalen „Shut Downs“ muss für das laufende Jahr mit einem Wachstumseinbruch gerechnet werden, der das Ausmaß der Finanzmarktkrise von 2008/09 noch deutlich übersteigt. Wir erwarten im Rahmen unserer Konjunkturprognosen einen Rückgang des globalen Bruttoinlandsproduktes von 2,9 Prozent. Für den Euroraum und die USA sind sogar Wachstumsraten von minus 8,5 Prozent bzw. minus 5,1 Prozent zu befürchten. Bei einer Fortsetzung beziehungsweise Rückkehr der restriktiven Maßnahmen über die Sommermonate müssten die Erwartungen aller Voraussicht nach sogar weiter nach unten angepasst werden.

Die wachsende Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung hat auch an den Kapitalmärkten im Rekordtempo zu massiven Verwerfungen geführt. Innerhalb weniger Wochen sind die Aktienkurse um durchschnittlich 40 Prozent eingebrochen, und die Volatilität ist auf neue Höchststände geklettert. Parallel dazu haben sich die Risikoprämien von Unternehmens­anleihen sprunghaft ausgeweitet und die Niveaus der Eurokrise erreicht. Erst das beherzte Eingreifen von Notenbanken und Regierungen konnte den Kursverfall stoppen und für Stabilisierung sorgen. Verglichen mit den „Panikniveaus“ von Mitte März haben sich die Aktienindizes in Europa und den USA sogar um 30 Prozent erholt und die Risikoaufschläge an den Kreditmärkten wieder merklich eingeengt. Eine Entwicklung, die vielen Investoren
in Anbetracht des massiven Konjunktureinbruchs zu weit geht. Oder sind die massiven Hilfsgelder sowie die Aussicht auf ein langsames Hochfahren der Wirtschaft bereits Grund genug, die Korrektur für beendet anzusehen?

 

Kein typischer „Sell-off“

Vergleicht man die durch Corona ausgelöste Entwicklung am Aktienmarkt mit früheren Rezessionsphasen, wird ziemlich schnell klar, dass es sich um keinen typischen „Sell-off“ handelt. Weder inhaltlich noch vom Verlaufsmuster lassen sich ­größere Übereinstimmungen erkennen. Kurseinbrüche jenseits der 30 Prozent ziehen sich in der Regel über mehrere Quartale, wenn nicht sogar Jahre hin und finden nicht wie zuletzt innerhalb eines Monats einen Boden. Gleiches gilt für die jüngste Erholungsbewegung. Sowohl ­Geschwindigkeit als auch Ausmaß des Anstiegs sind im historischen Kontext mehr als außergewöhnlich. Wenn überhaupt, lassen sich am ehesten noch Parallelen zum „Börsencrash“ von 1987 finden (siehe Abbildung 1). Damals brachen US-Aktien innerhalb von nur acht Wochen um 36 Prozent ein. Auch die Gegenbewegung gestaltete sich mit plus 20 Prozent äußerst dynamisch, bevor die Kurse in den darauffolgenden Wochen nochmal auf die Tiefstände zurückfielen. Insgesamt dauerte es damals knapp zwei Jahre, bis die Verluste im Juli 1989 wieder komplett aufgeholt waren.

Gänzlich anders beschreiben sich die Kurseinbrüche während der globalen Finanzmarktkrise (siehe Abbildung 2) und nach dem Platzen der Technologie-Blase. Mit Erreichen der Höchststände setzten anfangs nur leichte Gewinnmitnahmen ein, und die Kursverluste hielten sich lange Zeit noch in Grenzen.

 

Abb. 1
Börsencrash von 1987

Wertentwicklung in 12-Monatsperioden
31.03.1983 – 31.03.1988 in %

31.03.83 – 31.03.84 4,1%
31.03.84 – 31.03.85 13,5%
31.03.85 – 31.03.86 32,2%
31.03.86 – 31.03.87 22,1%
31.03.87 – 31.03.88 -11,2%

Abb. 2
Globale Finanzmarktkrise

Wertentwicklung in 12-Monatsperioden
31.10.2004 – 31.10.2009 in %

31.10.04 – 31.10.05 6,8%
31.10.05 – 31.10.06 14,2%
31.10.06 – 31.10.07 12,4%
31.10.07 – 31.10.08 -37,5%
31.10.08 – 31.10.09 7,0%

Abb. 3
Große Depression

Wertentwicklung in 12-Monatsperioden
25.05.2015 – 24.05.2020 in Prozent (grüne Kurve)

25.05.15 – 24.05.16 -3,34%
25.05.16 – 24.05.17 14,82%
25.05.17 – 24.05.18 8,00%
25.05.18 – 24.05.19 8,07%
25.05.19 – 24.05.20 7,62%

Quelle: Wertentwicklung indexiert, blaue Linie (Abb. 1: 25.08.1987=100 / Abb. 2: 28.08.2008=100 / Abb. 3: 10.10.1929=100), grüne Linie (Abb. 1-3: 19.02.2020=100), Refinitiv, DekaBank. Stand: Mai 2020.
Bitte beachten Sie: Die angegebene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Die eigentliche Verkaufspanik folgte erst ein knappes Jahr später, nachdem die Aktien bereits 20 Prozent gefallen waren. Dabei zog sich die Korrektur insgesamt bis zu 2,5 Jahre hin und fand erst nach Kursverlusten von mehr als 50 Prozent einen finalen Boden. Kurzzeitige Erholungen von bis zu 20 Prozent signalisierten dabei weder 2008/09 noch 2001/02 das Ende der Aktienbaisse. Vielmehr wurden die Tiefstände im weiteren Verlauf noch deutlich unterschritten. Hieraus jedoch abzuleiten, dass der DAX in den kommenden Monaten nochmal unter das Niveau von Mitte März bei 8.400 Punkten fallen wird, scheint aufgrund der sonst nur geringen Parallelen keine überzeugende Herleitung. 

Das aus konjunktureller Sicht größte Risiko stellt zweifelsohne eine mehrjährige Depression dar, wie sie die Weltbevölkerung in den 1930er Jahren durchleben musste. Innerhalb von fünf Jahren halbierte sich damals die Wirtschaftsleistung der USA in einem stark deflationären Umfeld. Bereits Ende 1929 brachen die Aktienmärkte in nur knapp drei Monaten um 45 Prozent ein, bevor sie sich – wie heute auch – um 30 Prozent erholen konnten (siehe Abbildung 3). Der eigentliche „Melt-Down“ folgte erst ab Mitte 1930 und lies die Kurse insgesamt um mehr als 80 Prozent fallen. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg dauerte es insgesamt 25 Jahre, bis die Verluste am Aktienmarkt 1954 wieder komplett aufgeholt waren. Ein Szenario, das auf der Zeitachse nicht nur äußerst weit zurückliegt, sondern auch von den Rahmenbedingungen schwer mit der aktuellen Situation vergleichbar scheint. Sollte der Wirtschaftsprozess aufgrund neuer Infektionswellen und dem Fehlen eines Impfstoffs jedoch über mehrere Jahre gestört bleiben, müsste auch in naher Zukunft mit einer massiven Pleitewelle und globaler Massenarbeitslosigkeit gerechnet werden. Eine Entwicklung, die wir aus heutiger Sicht jedoch für äußerst unwahrscheinlich erachten.

 

Kaufgelegenheiten für strategische Investoren

In Anbetracht der dynamischen Kurserholung an den Märkten scheint die Mehrzahl der Investoren derzeit offensichtlich bereit, durch den konjunkturellen Einbruch hindurchzusehen. Dabei könnte die Dauer der Rezession einen wesentlichen Unterschied zu vergangenen Krisen darstellen. Zwar dürfte der diesjährige Wachstumseinbruch das Ausmaß der Globalen Finanzmarktkrise noch deutlich übersteigen, gleichzeitig ist aber auch mit einer spürbar schnelleren Erholung zu rechnen. Neben den massiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen wird das sukzessive Wiederanlaufen der Wirtschaft hierbei die entscheidende Rolle spielen. Das sind wesentliche Einflussfaktoren für die Entwicklung der Unternehmensgewinne und der Frage nach der fairen Bewertung. Infolge stark negativer Revisionen liegt das erwartet Gewinnwachstum für dieses Jahr mittlerweile bei durchschnittlich minus 25 Prozent. Der historisch größte Einbruch nach dem zweiten Weltkrieg war 2008/09 mit minus 40 Prozent zu beobachten. Sollten sich die pessimistischen Konjunkturprognosen bewahrheiten, muss mit weiter deutlich negativen Anpassungen gerechnet werden. Dies droht nicht nur die Stimmung der Anleger zu belasten, sondern hinterlässt auch tiefe Spuren in der Bewertung. Während sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien (basierend auf den Gewinnerwartungen für 2020) mit aktuell 16 in der Nähe des historischen Durchschnitts befindet, haben US-Aktien mit einem Wert von 21 sogar bereits wieder die Höchststände vom Jahresanfang überschritten. Die Gefahr für temporäre Rückschläge ist damit kurzfristig deutlich gestiegen. Diese sollten jedoch als Kaufgelegenheit verstanden werden. Gerade strategischen Investoren, die über einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont verfügen, verspricht der Blick auf das kommende Jahr wieder außergewöhnlich hohe Wachstumsraten.

Neben einem Investment auf der Aktienseite bieten sich aber auch bei Anleihen wieder attraktive Einstiegschancen. EZB und US-Notenbank haben zur Bekämpfung der Krise massive Kaufprogramme verabschiedet und auf das Segment der Unternehmensanleihen ausgeweitet. Hiervon sollten insbesondere Emittenten mit besseren Bonitäten profitieren. Dies zeigt sich auch bereits in der jüngsten Stabilisierung der Risikoprämien. Nach einer Spreadausweitung im Bereich Investment Grade von 150 Basispunkten bis Mitte März konnten sich diese zuletzt wieder spürbar einengen. Dennoch befinden sich die Renditeaufschläge auf dem Niveau von 2012 und dem damit höchsten der vergangenen sieben Jahre.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juni 2020
 

Immobilien-Trends
Nahversorgung

Mit rund 83 Mio. Einwohnern ist Deutschland Europas größter Konsumgütermarkt. Der private Konsum gehört zu den wichtigsten Stützen der deutschen Wirtschaft. Insbesondere das Wachstum im Lebensmittelhandel ist ungebrochen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Umsätze der Branche 2019 um nominal 2,1 Prozent bzw. real 1,2 Prozent angestiegen. Der Lebensmittelanteil am Gesamtumsatz des Einzelhandels beläuft sich in Deutschland auf rund 14 Prozent. Im europäischen Vergleich bedeutet dies einen Platz im unteren Mittelfeld. Den geringsten Anteil weist UK mit elf Prozent auf, die höchsten Anteile mit knapp 25 Prozent entfallen auf Tschechien und Ungarn. Im laufenden Jahr dürfte der Umsatz mit Lebensmitteln deutlich höher ausfallen. Die Corona-Krise führt zu einer überdurchschnittlichen Nachfrage, da die Betriebe zur Grundversorgung weiterhin geöffnet haben.

Der Lebensmitteleinzelhandel in der vorherrschenden Form von Fachmarkt- und Nahversorgungszentren wird in Deutschland von den Top 4 Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl u.a.) und Aldi dominiert, die zusammen über einen Marktanteil von 70 Prozent verfügen. Die Anzahl der Betriebe im Lebensmittel- und Drogerie-Einzelhandel beläuft sich auf rund 42.000, wobei sich die verschiedenen Betriebstypen unterschiedlich entwickeln. Im Lebensmittelvollsortiment geht der Trend zu großflächigeren Verbrauchermärkten. Supermärkte und SB-Warenhäuser verringern dagegen ihre Standortanzahl. Hier dürfte es durch den Verkauf von „real“ (Metro) zu einer weiteren Konsolidierung kommen. Bei Discountern blieb der Bestand in den vergangenen Jahren stabil. Sie haben mit gut 41 Prozent den höchsten Umsatzanteil der Branche. Als Reaktion auf den Wettbewerb mit Vollsortimentern haben sie ihr Konzept angepasst und das Angebot mit qualitativ höherwertigen Produkten erweitert. Sie folgen damit dem anhaltenden Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Fair Trade sowie dem stetigen Wachstum im Convenience-Segment.

 

Investmentvolumen Einzelhandel Deutschland
nach Segmenten in Prozent

Quelle: CBRE, DekaBank Stand: April 2020

Investoren schätzen am Lebensmittelhandel vor allem seine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Online-Handel. Während der Umsatz im stationären Handel im Non-Food-Bereich zwischen 2008 und 2018 um insgesamt elf Prozent geschrumpft ist, legte er im Food-Bereich (Lebensmittel und Drogerieartikel) um 24 Prozent zu. Der Online-Anteil an den Umsätzen im Food-Bereich beträgt in Deutschland lediglich rund ein Prozent. Zwar gibt es auch hier, ausgehend von einer sehr niedrigen Basis, deutliche Steigerungsraten. Allerdings wird erwartet, dass bis 2025 die Marke von fünf Prozent nicht deutlich überschritten wird. Nicht nur Faktoren wie die Frische bzw. Verderblichkeit von Lebensmitteln spielen dabei eine Rolle. Im Gegensatz zu anderen Bereichen bietet der Online-Einkauf von Lebensmitteln auch keinen Preisvorteil. Die meisten Verbraucher sind nicht bereit, extra Kosten für einen Lieferservice zu bezahlen. Die Ausgabebereitschaft der Deutschen für Lebensmittel ist im europaweiten Vergleich sowieso eher niedrig. Die verhaltene Online-Resonanz bei den zudem an ein dichtes Filialnetz gewöhnten Kunden hielt die großen Player bisher von einer Ausweitung ihrer Online-Angebote ab. Möglicherweise trägt die Corona-Pan-demie dazu bei, dass die Kunden auch bei Lebensmitteln künftig stärker auf den Online-Handel zurückgreifen.

Ein weiteres Argument zugunsten von Nahversorgungszentren bzw. dem Lebensmittelhandel allgemein sind die vergleichsweise langlaufenden Mietverträge und damit langfristig gesicherte Mieteinnahmen für Investoren. Bei Lebensmittelunternehmen beträgt die durchschnittliche Laufzeit der Mietverträge zu 95 Prozent mehr als zehn Jahre, denn sie wollen die Investitionskosten für eine neue Filiale über einen langen Zeitraum amortisieren. Bei Modefilialisten laufen 40 Prozent aller Mietverträge kürzer als fünf Jahre und weitere 50 Prozent zwischen fünf und zehn Jahren. Hier macht sich der Einfluss des Online-Handels und der dadurch verschärfte Kostendruck deutlich bemerkbar. Das Mietwachstum in Supermärkten und Discountern war in den vergangenen fünf Jahren mit 2,0 bis 2,5 Prozent p.a. höher als in den 1a-Lagen vieler Metropolen mit unter einem Prozent p.a.

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juni 2020
 

Marktausblick Immobilien.
Büromärkte im Zeichen der Corona-Krise.

Die Büromärkte befanden sich zu Jahresbeginn in einer robusten Ausgangssituation. 2019 war erneut durch eine rege Nachfrage, weiter sinkende Leerstände und steigende Mieten geprägt. Wegen der guten Entwicklung der Mietmärkte hat die Bautätigkeit an Fahrt aufgenommen, hielt sich insgesamt aber noch im Rahmen. Seit Krisenausbruch leidet die Nachfrage unter der Unsicherheit bei der Unternehmensplanung, Expansionspläne werden auf Eis gelegt und Anmietungsentscheidungen verschoben. Rezessionsbedingt ist mit steigenden Leerständen und Abwärtsdruck auf die Mieten zu rechnen, Themen wie Untervermietung und Incentives kehren auf die Agenda zurück. Vor allem 2020 drohen teilweise deutliche Mieteinbußen, u.a. in London, Madrid oder Mailand. In Märkten wie Warschau oder in Paris - La Défense belastet die rege spekulative Bautätigkeit. In den deutschen A-Städten und den Benelux-Märkten erwarten wir hingegen nur geringe Korrekturen. Ab 2022 ist überall wieder mit Mietwachstum zu rechnen. Krisenbedingt sind generell Verzögerungen am Bau zu erwarten. Die Fertigstellungen für das laufende Jahr wurden zum Teil deutlich nach unten revidiert. Die Anfangsrenditen dürften temporär moderat steigen wegen der geringeren Liquidität und höherer Risikoprämien. Der Abstand zwischen Core und anderen Risikoklassen dürfte sich ausweiten. Ab 2022 erwarten wir wieder leicht nachgebende Renditen. Immobilien bieten aber im Vergleich zu Alternativanlagen nach wie vor attraktive Ertragsperspektiven, denn das Zinsniveau wird auch nach der Krise lange niedrig bleiben.

 

Krisenbedingt verzeichnete der Büromarkt in den USA im ersten Halbjahr 2020 eine erheblich schwächere Nachfrage als im Vergleichszeitraum 2019. Viele Unternehmen bevorzugten Mietvertragsverlängerungen gegenüber Umzügen. Der Mietmarkt wurde weiterhin vom Technologiesektor dominiert gefolgt von Finanzdienstleistern und Versicherungen. Das Wachstum des Flexible Office Sektors wurde durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die Schwierigkeiten von Marktführer WeWork ausgebremst. Da die Fertigstellungen auf einem relativ hohen Niveau verharrten, stieg der Leerstand leicht an. Bisher gab es jedoch mit Ausnahme von San Francisco noch keine großen Veränderungen bei den Mieten. Die Corona-bedingte Rezession in diesem Jahr dürfte sich auf dem Büromarkt vor allem in Verzögerungen bei Anmietungen bemerkbar machen. Der Leerstand in Downtown-Lagen dürfte steigen und das bereits nachlassende Mietwachstum in temporäre Mietrückgänge in diesem Jahr umschlagen. Die Cap Rates blieben bisher größtenteils unverändert. Viele laufende Deals wurden auch in der Anfangsphase von Corona noch abgeschlossen, erst in den kommenden Quartalen dürften die Bremseffekte der Einschränkungen sowie der erhöhten Unsicherheit sichtbar werden. Allerdings deuten die wirtschaftlichen Indikatoren an, dass die Rezession nicht ganz so tief ausfällt, wie zunächst befürchtet, während das Niedrigzinsumfeld weiterhin unterstützt.

 

Die Nachfrage nach Büroflächen in der Region Asien/Pazifik verringerte sich bereits 2019, bedingt durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China und in Hongkong durch die Unruhen. Im ersten Quartal 2020 kam die Corona-Pandemie hinzu und führte bei vielen Unternehmen zum Aufschub von Expansionsplänen. Insbesondere der Bedarf an Flexible Office Space verringerte sich spürbar. Die Leerstände blieben weitgehend unverändert, unterstützt durch ein insgesamt niedrigeres Neubauvolumen. Nur in Tokio zogen die Fertigstellungen an. Bei den Mieten gab es im ersten Halbjahr 2020 Rückgänge in Hongkong und Shanghai, in den japanischen Metropolen hingegen leichte Anstiege. Bis Jahresende werden die stärksten Mietrückgänge für Hongkong erwartet, gefolgt von Singapur. In Australien rechnen wir in Sydney und Melbourne auch angesichts der regen Bautätigkeit mit etwas stärkeren Korrekturen als in Perth und Brisbane. In Tokio, Osaka und Seoul dürften die Spitzenmieten weiter steigen. Ab 2021 ist generell wieder mit steigenden Mieten zu rechnen. Nach den zum Teil kräftigen Rückgängen im Vorjahr stagnierten die Spitzenrenditen im ersten Halbjahr 2020, in Hongkong und Singapur ergaben sich leichte Anstiege. Für die zweite Jahreshälfte rechnen wir in der gesamten Region mit Renditeanstiegen.

Mietausblick Büro Europa

Quelle: PMA, Prognose DekaBank

Mietausblick Büro Europa
Quelle: PMA, Prognose DekaBank

Berlin -1,5 1
Amsterdam -1,5 1,2
München -1,5 0,8
Brüssel -1,6 0,9
Stockholm -2,5 1,8
Wien -3,2 1,3
Paris CBD -4,5 0,8
Warschau -5 0
London West E -5 3,1
Mailand -6 0,4
Madrid -6,5 1,5
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juni 2020
 

Katers Welt
Corona in Zeiten der abnehmenden Globalisierung

Die Coronakrise führt schmerzhaft vor Augen, dass eine globalisierte Welt auch globalisierte Risiken mit sich bringt. Viele Staaten setzen in dieser Krise auf nationale Bewältigungsstrategien. Gilt das auch für die Wirtschaft? Werden wir durch Corona eine Rückkehr der alten „Nationalökonomien“ erleben, zumindest aber eine deutliche Abschwächung der globalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit? Was bedeutet Corona für die Globalisierung? Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka, ordnet ein.

Herr Dr. Kater, was hat die Globalisierung, wie wir sie bis Corona kannten, ausgezeichnet?

Die Weltwirtschaft hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten zu einer einzigen Fabrikhalle mit angeschlossenem einheitlichen Marktplatz entwickelt. Für lange Jahre stieg so der Welthandel schneller an als das Welt-Bruttoinlandsprodukt, was ein Hinweis auf die sich vertiefende Arbeitsteilung auf der Welt war. Jede Region spezialisierte sich nach ihren individuellen Produktionsvorteilen. Das brachte enorme Effizienzvorteile und am Ende für die Konsumenten weltweit das größte Warenangebot und die niedrigsten Preise, die es jemals in der Welt gegeben hat. Seit der Finanzkrise allerdings ist der Welthandel nur noch etwa mit der Geschwindigkeit der allgemeinen Wirtschaftsleistung gewachsen. Eine Vertiefung der Arbeitsteilung fand nicht mehr statt.

 

Welche Faktoren waren für diese Abschwächung im Wesentlichen verantwortlich?

In den Nullerjahren war der stürmische Aufbau der neuen weltweiten Produktionsstruktur in etwa abgeschlossen. Und es kamen Diskussionen auf, ob die Globalisierung nicht auch negative Effekte hat. So sind die Hoffnungen auf eine Angleichung des chinesischen Gesellschaftssystems an den Westen krachend gescheitert. Die Abgrenzungspolitik der Regierung Trump haben wir alle mitverfolgt. Und auch in den westlichen Gesellschaften kann man mit Anti-Globalisierungsprogrammen Wahlen gewinnen, da die Einkommensverteilung immer ungleicher wurde. Dabei ist es noch stärker die technologische Entwicklung als die Internationalisierung, die das Verteilungsproblem mit sich bringt.

 

Stärkt die Coronakrise diejenigen Faktoren, die für diese Abschwächung der Globalisierung am stärksten verantwortlich sind?
Mit dem wirtschaftlichen Shut-Down ganzer Hemisphären sowie der Unterbrechung der regelmäßigen internationalen persönlichen Bewegungsfreiheit ist die durch die Globalisierung erzeugte Abhängigkeit klar zutage getreten. Daher werden die multinationalen Unternehmen ab jetzt verstärkt in Flexibilisierung und Resilienz ihrer Produktionsketten investieren.
Die politische Systemrivalität hat in der Corona-Krise richtig an Fahrt aufgenommen. China bemüht sich, über seine Masken-diplomatie neue Freunde zu gewinnen. In den Schwellenländern mag das hier und da gelingen, in Europa eher nicht. Insgesamt hat die Coronakrise eher den bedauernswerten Zustand der Zusammenarbeit auf der Welt offengelegt, als dass sie ihn selber ausgelöst hat.

 

Verstärkt Corona lediglich eine Entwicklung, die schon vor dem Virus eingesetzt hatte, nämlich eine Abschwächung der Globalisierung?

Die weltweite Produktion ist nicht tot. Sie wird umorganisiert. Das variiert stark nach Branchen. Ob sich der Welthandel von seinem 30-prozentigen Einbruch vollständig erholen wird, ist fraglich. Aber dazu muss erst einmal die Wirtschaftsaktivität dort ankommen, wo sie vor Corona gestanden hat. Allein das dauert bis ins nächste oder übernächste Jahr.

 

Welche Branchen sind davon besonders betroffen?

In systemisch relevanten Sektoren wird sich Einiges ändern. Gesundheit, Kommunikation, Hochtechnologie: Überall wird Produktion neu verteilt – Produktionsstandorte werden nicht mehr ausschließlich nach Kosten, sondern auch nach politischer Sicherheit gewählt werden. Und vor allem wird es schwieriger, weitere Liberalisierungen des Welthandels durchzusetzen. In der Welt, in die wir uns hineinentwickeln, ist es unvorstellbar, etwa zu große internationale Abhängigkeiten im Agrar- oder Nahrungsmittelsektor aufzubauen. Keine schöne Nachricht für Schwellenländer, die hier ihre komparativen Vorteile besitzen.

Was wird von der Globalisierung, wie wir sie vor Corona kannten, nach dem Virus übrigbleiben?
Globalisierung wird sich wandeln. Alle Strukturveränderungen der kommenden Jahre sind allenfalls durch die gegenwärtige Krise beschleunigt, nicht jedoch „erfunden“ worden – von der De-Globalisierung, dem Systemwettbewerb bis zum Home-Office. Bereits in den vergangenen Jahren war der Industriestandort China bei der Produktion einfacher Güter vermehrt in Gefahr, denn mit der aufholenden Lohnentwicklung hatte sich einer der bisherigen Vorteile entscheidend abgeschwächt. Allerdings hat sich dann in der Corona-Krise gezeigt, wie stark die Welt bei der Produktion von Industriegütern immer noch auf China fixiert ist.

 

Welche Folgen wird eine solche Entwicklung auf die EU als Wirtschaftsraum haben?

Das Produktionsgeschehen wird sich stärker in die großen Blöcke USA, Europa und China zurückziehen. Die USA werden für einfache Produktion vermehrt auf Mexiko setzen, für die Europäer steht die verlängerte Werkbank noch fester in Osteuropa als bereits jetzt, und China wird stärker mit den südostasiatischen Volkswirtschaften zusammenarbeiten. Die übrigen Länder müssen sich entscheiden, für welchen dieser Blöcke sie als „befreundetes Ausland“ gelten möchten.

 

Welche Folgen ergeben sich für Deutschland als Exportnation?

Es mag sein, dass die Coronakrise den Industrieanteil in Deutschland ein wenig reduziert. Auch damit wäre allerdings nur eine Entwicklung fortgesetzt, die ohnehin bereits zu erwarten war, etwa durch den technologischen Wandel in der Automobilindustrie. Die deutsche Industrie steht wieder einmal vor der Herausforderung, einen Strukturwandel in der Weltwirtschaft bewältigen zu müssen. Wenn allerdings ein Industriesektor in der Vergangenheit bewiesen hat, sich an Strukturveränderungen anpassen zu können, dann ist es der deutsche, der sowohl die Globalisierungswelle als auch alle Technologieschübe der vergangenen Jahrzehnte hervorragend gemeistert hat. Deutschland hat kein Langfristproblem „Corona“, sondern enorme langfristige Herausforderungen durch Demografie, Bildung sowie den Erhalt der Qualität der öffentlichen Güter.

Für die internationale Zusammenarbeit als Ganzes gibt es Chancen eher auf der Ebene von einzelnen Unternehmen, die bei der Neuorganisation der Weltwirtschaft unterstützen, etwa durch Telekommunikationsanwendungen oder durch Automatisierung, wodurch Produktion auch wieder ins eigene Hochlohnland zurückgeholt werden kann.

 

Was werden all die Folgen der Coronakrise für die weltweiten Kapitalmärkte bedeuten?

An den Kapitalmärkten müssen die unterschiedlichen Erholungsprofile sowie die längerfristigen Sektor- und Regionenverschiebungen in ihren Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle durchdekliniert und dementsprechend Portfoliozusammensetzungen angepasst werden. Das geschieht derzeit. Zudem bedürfen die Schwellenländer besonderer Aufmerksamkeit, hier kann die Krise in den kommenden Monaten noch Weiterungen erfahren. Die wirkliche Bedeutung der Coronakrise liegt jedoch in den Verschiebungen der finanz- und geldpolitischen Dimensionen. Das Finanzsystem ist durch die Geschehnisse dieses Jahres noch einmal auf eine deutlich höhere Verschuldungs-Umlaufbahn gehoben worden, Geld- und Finanzpolitik sind zwangsverheiratet worden. Das wird schnell wieder zu den alten Problemen vor Corona zurückführen: Zu viel Liquidität, Anlagenotstand und hohe Vermögensbewertungen. Wie man mit der jetzigen Verschuldung im System generell umgehen soll, wird das beherrschende Thema im Finanzsystem der 20er Jahre werden.

 

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 2, Juni 2020