Märkte

Märkte im Überblick
August 2017

  1. Start
  2. Markt & Impuls
  3. Märkte
  4. Markt & Impuls August 2017
 

Aktien
Positives Makroumfeld

Dank anhaltend konstruktiver Weltkonjunktur und guter Unternehmens­gewinne haben mehrere bedeutende globale Aktien­indizes neue Allzeithochs erzielt. Die schnelle und starke Aufwertung im Euro hat die Kurs­entwick­lung bei europäischen Aktien­indizes verlangsamt. Wir erwarten, dass nach den schwächeren Sommer­monaten die Märkte ihren positiven Trend weiterführen. Politische und geopolitische Risiken sollten nur kurzfristig sein, jedoch ist mit erhöhter Volatilität und sich ausweitenden Risiko­aufschlägen zu rechnen. Die Wahrschein­lichkeit für Korrekturen ist infolge der schnellen Kurs- und Bewertungsanstiege seit 2016 gestiegen. In unserer Investment­strategie sind wir neutral ausgerichtet und warten auf eine taktische Gelegenheit, die Aktien­quote auszubauen. Regional gilt unsere Präferenz den europäischen Standard­werten zu Lasten von US-Aktien.

Aktienentwicklung
Seit Januar 2016

Quelle: Deka; Stand: August 2017
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017
 

Renten
Zentralbanken im Blick

Die großen Zentralbanken bestimmen weiterhin das Geschehen. Nachdem die US-Notenbank in zwölf Monaten dreimal die Leitzinsen angehoben hat, richtet sich der Fokus auf das Bilanzreduzierungs­programm, das noch dieses Jahr starten soll. In Europa wartet der Markt auf die Ankündigung der EZB über den Umfang der Anleihekäufe im Jahr 2018, wobei von einer Reduzierung ausgegangen wird. Die geringeren Kaufvolumina der Zentralbanken könnten Aufwärts­druck auf Staatsanleiherenditen ausüben. Wir beurteilen die Ertrags­chancen daher als begrenzt und bleiben in Staats­anleihen von Kerneuropa, Peripherie und USA untergewichtet.

 

Im Anleihe­segment präferieren wir Unternehmens­anleihen über Staatsanleihen der Industrie­länder. Das positive wirtschaft­liche Umfeld und eine geringe Rezessions­wahrscheinlichkeit deuten mittelfristig auf stabile Risiko­aufschläge hin. Für internationale Anleger stellen US-Dollar-Anleihen aufgrund höherer Renditen eine interessante Beimischung dar. Einkommens­orientierte Investoren sollten nach wie vor Hochzinsanleihen und Staatsanleihen von Schwellenländern in Betracht ziehen. Die anhaltende Suche nach Rendite und die stabile konjunk­turelle Lage sprechen für die weitere Favorisierung von höher verzinste Anlagen gegen­über Niedrig­zinsanleihen.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017
 

Immobilien
Gefragte Anlage

Die europäischen Mietmärkte profitieren von der weiteren Konjunkturbelebung und rückläufigen Arbeitslosigkeit. Europaweit erwarten wir im laufenden Jahr einen Mietanstieg von durchschnittlich gut 2,5 Prozent. Einen Renditeanstieg erwarten wir wegen des Niedrigzinsumfeldes erst langfristig. Die Class A-Flächen-Nachfrage in den USA hat sich im ersten Halbjahr abgeschwächt. Als Mieter am aktivsten waren Technologie-Unternehmen und Finanzdienstleister. Das stärkste Mietwachstum auf Fünfjahressicht erwarten wir in Chicago, Miami und Seattle sowie im New Yorker Teilmarkt Downtown Manhattan. In der Region Asien/Pazifik blieb die Flächennachfrage stabil. In Shanghai und Singapur zogen viele Mieter in erschwingliche Neubauten. Das stärkste Mietwachstum registrierten Sydney, Brisbane, Osaka und Hongkong.

Globales Investmentvolumen
Gewerbliche Immobilien

Quelle: JLL; Stand: August 2017

Unsere ausführlichen Markteinschätzungen finden Sie auf
www.deka-institutionell.de

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017
 

Asset Allokation
Ausblick

Die Konjunkturdaten signalisieren weiter eine robust wachsende Weltwirtschaft mit Wachstums­raten um 3,5 Prozent p. a. bis Ende 2018. Die Frühindikatoren konsolidieren auf hohen Niveaus, während die Auslastungs­grade der Wirtschaft weiter ansteigen. Die Berichts­saison der Unternehmen für das zweite Quartal spiegelt das insgesamt freundliche Umfeld wider. Die G3-Zentral­banken sollten in den kommenden Monaten weniger stark expansiv agieren, das geldpolitische Umfeld sich dabei aber nur mit geringem Tempo verändern. Im Vergleich hierzu bleiben die Preis­anstiege in den USA und Euroland hinter den Erwartungen zurück und die Kernrate der Inflation verharrt auf niedrigem Niveau. Die Belastungs­faktoren Euroaufwertung, Realzins­anstieg und politische Themen sollten bis zum Jahres­ende weniger im Vordergrund stehen. Geostrategische Risiken, wie der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, fanden in diesem Jahr bis Anfang August nur eine geringe Bedeutung bei der Preisfindung von Risiko­anlagen.

IFO Geschäftsklimaindex und ISM-verarbeitendes Gewerbe
Monatlich ab 2007

Quelle: Deka; Stand: August 2017

Nach taktischen Gewinnmitnahmen im Juli bleiben wir vorerst neutral in der Aktien­allokation. Erste Aktien­käufe erfolgen selektiv auf niedrigeren Einstiegs­niveaus, weil die Chancen zur Fortsetzung der positiven Aktien­trends kurzfristige Störfaktoren berlagern sollten. Die stabile Konjunkturdynamik in Europa und die mittelfristig andauernden Positivtrends auf der Unternehmens­ebene rechtfertigen bei der Aktienallokation eine Präferenz für europäische Standardwerte. Für die Region wird Aufholpotenzial nach der zuletzt schwächeren Wertentwicklung gesehen. Eine Übergewichtung von US-Aktien ist aufgrund der relativ hohen Bewertung zu den übrigen Anlageregionen nicht anzuraten. Daneben kann auch die Verschärfung der geopolitischen Konflikte eine kurzfristige Belastung für den Aktienmarkt darstellen. Innenpolitisch erscheint ein beschlussfähiger Entwurf zur Steuerreform als schwieriges Unterfangen für die Trump-Administration. Die näher rückende Zahlungsunfähigkeit und Schulden­obergrenze werden spätestens nach der Sommerpause des US-Kongresses ab dem kommenden Monat ein nicht zu unterschätzender Faktor.


Im September sind relevante Notenbank­entscheide sowohl seitens der Fed (Bilanz­reduktion) als auch der EZB („Tapering“-Fahrplan) zu erwarten. Eine zu schnelle geldpolitische Straffung kann im Umfeld niedriger Inflationsraten den Ende Juni beobachteten Realzinsanstieg fortsetzen lassen. Im Rahmen der Anlage­strategie bieten Renten­produkte im Niedrig­zinsbereich kein attraktives Chance-/Risikoprofil. Die Normalisierung der Geldpolitik wird als Belastungs­faktor angesehen, der im Zeitablauf zu langsam steigenden Renditeniveaus führen sollte. Bei Staatsanleihen wird an der Untergewichtung von Emittenten der Industrie­länder festgehalten. Innerhalb von Staatsanleihen werden weiterhin Schwellenländeranleihen in Hart- und Lokal­währung übergewichtet. Innerhalb des Credit-Segmentes werden Hochzins­anleihen präferiert. Unternehmens­anleihen werden insgesamt neutral eingeschätzt. Die Spreads haben sich in den letzten Handelswochen reduziert, was insbesondere für EUR-Emittenten in einer guten Wertentwicklung mündete. Das Credit-Segment hat von der nur flachen Rendite­entwicklung von US-Staats­anleihen profitieren können, weiteres Kurs­potenzial erscheint nach vorne blickend limitiert.

DAX Aktienindex und EUR/USD
Wertentwicklung im Zeitraum 1. Januar 2017 bis 31. Juli 2017

Quelle: Deka; Stand: August 2017
Zeitraum Indexwert
01.08.2012 – 31.07.2013 +22,5%
01.08.2013 – 31.07.2014 +11,8%
01.08.2014 – 31.07.2015 +22,8%
01.08.2015 – 31.07.2016 -8,6%
01.08.2016 – 31.07.2017 +17,7%

Quelle: Deka; Stand: August 2017

Währungsseitig sehen wir eine gute Chance für eine Gegen­bewegung beim US-Dollar, aktive Währungs­positionen nehmen wir im Rahmen der taktischen Anlage­strategie vor dem Hintergrund des vorliegenden Marktumfelds nicht vor. Das Vorhalten einer liquiden Kasse-Position erlaubt es, im Fall von Preisrück­gängen unsere Positionen aufzustocken.

 

Die angegebene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017

Katers Welt
Nachhaltigkeit auch im Finanzwesen


VON DR. ULRICH KATER, Chefvolkswirt der DekaBank

                                                    

 

Nachhaltig­keit hat viele Facetten. Für die Politik und für Anleger steht zunächst die lang­fristige Verträg­lichkeit ihrer Investitionen mit ökonomischen und ökologischen Gleich­gewichten im Vorder­grund. Für die nachhaltige Bewirtschaftung des Finanz­systems selber sind dagegen die Betreiber des Systems, die Notenbanken und Finanz­politiker sowie die Anbieter und Nachfrager von Finanz­dienst­leistungen verant­wortlich. Bei Noten­banken und Politik finden sich Nachhaltig­keits­aspekte in der Grund­philosophie, mit der Geld- und Kredit­politik betrieben wird.

 

Es lassen sich zwei unterschied­liche Konzepte erkennen. Da ist zum einen die Ansicht, dass das Finanz­system lediglich die Verkehrsinfrastruktur für das Geld darstellt. In dieser Philosophie steht die Stabi­lität dieser Infrastruktur vor allen anderen Aspekten. Solche anderen Aspekte werden in der anderen Sichtweise zum Finanz­system wesent­lich stärker gewichtet. Etwa, ob man mittels der Geld­schaffung auch noch andere gesellschaft­liche Ziele erreichen kann als nur ein kosten­günstiges Zahlungs­verkehrs­system und die notwendige Versorgung der Wirtschaft mit Kredit. Solche Ziele sind etwa die Glättung von Konjunktur­zyklen, mehr Wachstum, mehr Arbeits­plätze oder mehr soziale Gerechtig­keit. Der Auffassung, dass die Geld­politik mehr kann als nur Zahlungen abwickeln, hängt die große Mehrheit der Geld­politiker und auch der Ökonomen weltweit an. Hier hat Deutschland eine Sonder­stellung, weil hierzulande eher der Nachhaltigkeits[-[aspekt im Geldwesen betont wird. Daher auch die notorischen Unterschiede zwischen der Auffassung der Bundes­bank und anderer Noten­banken.

Leider haben ausgeprägte „Experimente“ mit dem Erreichen anderer Ziele – etwa in den USA jeden zu einem Hausbesitzer zu machen, unabhängig von seinem Einkommen und Vermögen – die Nachhaltigkeit des Geldwesens arg auf die Probe gestellt.

Dr. Ulrich Kater

Leider haben ausgeprägte „Experi­mente“ mit dem Erreichen anderer Ziele – etwa in den USA jeden zu einem Haus­besitzer zu machen, unab­hängig von seinem Einkommen und Vermögen – die Nachhaltig­keit des Geld­wesens arg auf die Probe gestellt. Unter den Spät­folgen leiden wir heute immer noch. Und die Finanz­politik scheint sich endgültig der Illusion hinzugeben, dass die Kapazitäten für Staats­schulden riesig sind. Sind sie auch. Allerdings nur, wenn man Abstriche an der Nachhaltig­keit des Finanz­systems macht. Die beste Unabhängig­keit der Noten­bank steht nur auf dem Papier, wenn sie durch eine unverant­wortliche Kredit­politik von Staaten oder von der gesamten Gruppe der privaten Akteure ausgehebelt wird. Zurzeit sind die Noten­banken dabei, nach dem Schock der Finanz­krise wenigstens wieder ein bisschen Normalität herzustellen. Es wird aber viele weitere Jahre dauern, bis dieser Schock wirklich verdaut ist. Bis dahin sind die privaten Akteure, also Kredit­nehmer und Investoren, noch mehr aufgefordert, die Nachhaltig­keit selbst in die Hand zu nehmen.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017
 

Neue Kolumne „Kapitalmarkt-Trends“
Strukturwandel im US-Einzelhandel


Kolumne von JOACHIM SCHALLMAYER, Leiter Kapitalmärkte und Strategie im Makro, Research der DekaBank


 

Aktuelle Nachrichten und kurzfristige Überlegungen dominieren oftmals die Entscheidungs­findung am Kapitalmarkt. Dabei ist es für den lang­fristigen Anlage­erfolg entscheidend, sich gerade nicht von der kurzfristigen Nachrichten­lage verunsichern zu lassen, sondern diese zu durchschauen und langfristige strukturelle Veränderungen richtig einzuschätzen. Dies ist natürlich leichter gesagt als getan. Da wir aber davon überzeugt sind, dass das Erkennen struktureller wirtschaftlicher Rahmen­bedingungen und deren Bewertung von essenzieller Bedeutung für den langfristigen Anlage­erfolg sind, werden wir uns in einer unregelmäßig, aber mehrmals jährlich erscheinenden Publikation diesen strukturellen Themen widmen. Dabei werfen wir in der im August erscheinenden Erstausgabe einen Blick auf die strukturellen Veränderungen im US-Einzel­handel.

Neue Kolumne
Kapitalmarkt Trends

An dieser Stelle berichtet in Zukunft Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie im Makro Research der DekaBank, über strukturelle Entwicklungen an den Kapitalmärkten.

Perfekt beobachten lässt sich der Struktur­wandel im US-Einzel­handel am Beispiel von Amazon. Das Unter­nehmen treibt unaufhaltsam, zuletzt mit der geplanten Akquisition der Supermarkt­kette Whole Foods, die Erschließung immer weiterer Einzelhandels­kategorien voran. Dies setzt klassische Einzelhändler, Kaufhaus­ketten und Betreiber von Shopping­centern unter Druck. Die Folge sind Geschäfts­schließungen und Unternehmens­pleiten en masse, einbrechende Aktienkurse und steigende Kredit­ausfälle. Auch wenn der Trend des E-Commerce nicht neu ist, sollte man die Nachhaltigkeit der Veränderungen nicht unterschätzen. Es wird sich in den kommenden Jahren in diesem Sektor noch sehr viel Spreu vom Weizen trennen. Das birgt neben großen Risiken vor allem aber auch Chancen für den aktiven Stock Picker, der vor dem Hinter­grund der Veränderungen gezielt versuchen wird, die Profiteure des sich wandelnden Geschäfts­umfeldes herauszufiltern.

Anteil des Online-Handels wächst deutlich (in %)
E-Commerce mit beeindruckenden Wachstumsraten

Quelle: Deka Stand: August 2017

Nun ist der Einzelhandel nicht gerade das größte und wichtigste Segment der Wirtschaft. Dennoch sind die Folgen des Struktur­wandels bei weitem nicht auf die Mikro­ebene beschränkt, sondern haben gerade auf makroökonomischer Ebene tiefgreifende Implikationen, die in den klassischen makroökonomischen
Modellen allerdings eine viel zu geringe Bedeutung erfahren. Will man aber unser heutiges Umfeld aus moderatem Wachstum, geringem Lohn- und Preisdruck und niedrigen Zinsen besser verstehen, so muss man sich unweigerlich mit dem Mosaik der vielen strukturellen Veränderungen, von dem wir mit dem US-Einzelhandel lediglich ein Teilchen heraus­gegriffen haben, auseinander­setzen. Sollte es in den kommenden Monaten aufgrund der weniger stark expansiv agierenden Geldpolitik zu starken Marktreaktionen an den Anleihemärkten kommen, so sollten sich gerade langfristig orientierte Anleger dieser strukturellen Veränderungen besinnen. Sie werden den Notenbanken die Grenzen der geldpolitischen Normali­sierung aufzeigen, so dass Zinsen zwar moderat ansteigen, ein starker und nachhaltiger Zins­anstieg aber wenig wahrscheinlich erscheint.

Arbeitskräfte pro eine Million USD Umsatz
Netto weniger Arbeitsplätze, Lohn- und Preisdruck – Fehlanzeige

Quelle: Deka Stand: August 2017
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 3, August 2017