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Märkte im Überblick
August 2016

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Märkte im Überblick

 

Marktausblick Immobilien
Real Estate bleibt eine gefragte Assetklasse

Das Zinstief sorgt für Hochstimmung bei den Immobilien­investments. Quer durch alle Nutzungsarten sind hohe Umsätze zu verzeichnen. Die hohe Nachfrage führt zu einem Rückgang des Leerstands und sinkenden Renditen.

Das Niedrigzinsumfeld sorgt für anhaltend gute Stimmung an den Immobilieninvestmentmärkten. Mangels attraktiver Anlagealternativen und aufgrund des Überflusses an Kapital dürfte die Nachfrage weiter steigen. Nicht nur Büro- und Einzelhandelsimmobilien stehen in der Gunst der Investoren. Begünstigt große Portfolioverkäufe registrieren auch die Assetklassen Hotel und Logistik Rekordumsätze. Das hohe Kaufinteresse hat in allen Marktsegmenten zu starken Renditerückgängen geführt. Charakteristisch ist außerdem, dass sich die Risikoprämien zwischen den Nutzungsarten reduziert haben.

 

 

PROGNOSE MIETENTWICKLUNG BÜROMÄRKTE 2016 – 2020 IN % P.A.

Quelle: DekaBank
 

Büroimmobilien: Rückgang des Leerstands

Die Nachfrage an den europäischen Büromietmärkten bewegt sich auf einem stabilen Niveau, für viele Unternehmen steht weiterhin die Flächenoptimierung im Vordergrund. Die Mehrzahl der Standorte verzeichnete 2015 und im ersten Quartal 2016 Leerstandsrückgänge. Dazu trugen zum einen das moderate Neubauvolumen und zum anderen die zunehmende Umnutzung alter, nicht mehr marktfähiger Bürogebäude bei. Lediglich Warschau wich aufgrund der hohen Bautätigkeit und der dadurch steigenden Leerstände von diesem Bild ab. Die stärksten Mietanstiege ergaben sich 2015 vor allem in Standorten der europäischen Peripherie, in denen krisenbedingt ein hohes Aufholpotenzial besteht, wie z.B. Barcelona, Madrid und Dublin. Auch London und die britischen Regionalzentren lagen beim Mietwachstum europaweit auf den vorderen Plätzen. Unter den deutschen Märkten sind vor allem Berlin und München hervorzuheben. Dort führte das äußerst knappe Angebot in zentralen Lagen zu Mietanstiegen.

 

Europa: Mietausblick 2017 positiv

Bei der Volksabstimmung in UK hat eine knappe Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Wir rechnen daher insbesondere für den Büromarkt in London im laufenden und kommenden Jahr mit Mietrückgängen und Leerstandsanstiegen. Eine höhere Risikowahrnehmung dürfte zu steigenden Renditen führen. Die Auswirkungen auf die kontinentaleuropäischen Mietmärkte dürften sich in Grenzen halten. Hier erwarten wir insgesamt ein leicht schwächeres Mietwachstum und aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus weitere moderate Rückgänge der Anfangsrenditen. Das höchste Mietwachstum im Gesamtzeitraum bis 2020 dürften Madrid, Barcelona und Stockholm aufweisen. Bei einer möglichen Verlagerung von Arbeitsplätzen des Finanzsektors aus London sollten Frankfurt und Paris mittel- bis langfristig am meisten profitieren, in geringerem Umfang auch Amsterdam, Dublin und Luxemburg.

 

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, August 2016
 

Volkswirtschaftlicher Ausblick
Brexit-Perspektive frisst sich in die Erwartungen

Nach dem Brexit-Ergebnis hatten sich zwischenzeitlich die Finanzmärkte wieder etwas beruhigt; sie bleiben jedoch anfällig wegen der vielfältigen politischen Risiken, die diese neue Lage innerhalb der europäischen Politik nun bietet. Allerorten sind die Konjunktur-, Aktien- und Zinsprognosen zurückgenommen worden, so auch bei uns.

 

 

Dr. Ulrich Kater

Chefvolkswirt
DekaBank

 

Konsumenten und Unternehmen bleiben gelassen

Die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, dürfte auch die europäische Wirtschaft negativ treffen. Allerdings nicht im zweiten Quartal. Eine Verängstigung der Konsumenten und Unternehmen im Vorfeld des Brexit-Referendums im Vereinigten Königreich ist in den Stimmungsindikatoren nicht zu erkennen. Vielmehr hat sich das Wirtschaftsvertrauen im Vergleich zum ersten Quartal sogar leicht verbessert. Im zweiten Quartal ist mit einem Wachstum von 0,3 % im Vergleich zum Vorquartal zu rechnen. Die solide gesamtwirtschaftliche Entwicklung hat zu einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 10,1 % im Mai geführt. Dies ist die niedrigste Arbeitslosenquote seit Juli 2011. Die Inflation hingegen ist weiterhin durch eine sehr schwache Energiepreisentwicklung kaum vorhanden. Die Inflationsrate lag im Juni bei 0,1 % im Vergleich zum Vorjahr.

 

Diese kritische Bewertung rührt entscheidend von dem Anstieg der politischen Unsicherheit her. Wann, mit welchem zeitlichen Verlauf und mit welchem neuen Status für die Briten endet der Austrittsprozess? Wie wirkt sich dies auf die politische Landschaft in den anderen europäischen Ländern aus? Wir gehen von einer Austrittswahrscheinlichkeit von 75 % aus sowie von weiteren Belastungen der Märkte durch die Politik.

 

Politische Unsicherheit in Europa

Offenkundig hat sich in diesem Jahr der Krisenfokus endgültig von Finanzthemen hin zur Europapolitik verschoben. Unangenehmerweise droht Europa und dem Euro der politische Unterbau zu erodieren. Und die Kette von wichtigen politischen Abstimmungen reißt nicht ab: Landtagswahlen in Deutschland und niederländische Parlamentswahlen im Herbst, französische Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2017 und die Bundestagswahlen im Herbst 2017. In der politischen Gemengelage wird es jedes Mal darum gehen, ob sich das politische Establishment behauptet oder ob die neuen „alternativen“ Kräfte das Ruder übernehmen können und europa- und/oder reformkritische Ansätze verfolgt werden.

 

Leitzinssenkung unwahrscheinlich

In Euroland richten Marktteilnehmer ihr Augenmerk sowohl auf umfangreichere Anleihekäufe als auch auf eine erneute Senkung des Einlagensatzes. Letztere erwarten wir jedoch nicht, selbst wenn die Geldmarkt-Futures ein bis zwei Zinsschritte von je zehn Basispunkten einpreisen. Denn bereits vor dem Referendum argumentierte die EZB, dass die schädlichen Nebenwirkungen negativer Einlagensätze mit jedem Schritt nach unten zunehmen würden, und auf der EZB-Pressekonferenz Anfang Juni wurde nicht über eine solche Politikoption gesprochen. Bei unveränderten Leitzinsen sollten die EONIA- und EURIBOR-Sätze ihre Untergrenzen weitgehend erreicht haben. Demgegenüber dürfte die baldige Ankündigung der EZB, ihre Wertpapierkäufe über März 2017 hinaus fortzusetzen, die Marktteilnehmer in der Erwartung bestärken, dass noch für lange Zeit mit negativen Geldmarktsätzen zu rechnen ist.

 

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, August 2016