Märkte

Märkte im Überblick
Januar 2017

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Konjunktur und Zinsen
Deflation abgesagt – leichter Zinsanstieg – viele Risikofaktoren­märkte

Basisszenario
(Wahrscheinlichkeit: 70 %)

In unserem Basisszenario für das Jahr 2017 wird die weltwirtschaftliche Entwicklung wieder etwas kräftiger. Die Industrieländer setzen ihren Kurs des moderaten Wirtschaftswachstums fort, angeführt von den Impulsen der neuen US-Regierung für die dortige US-Wirtschaft (2017: Bruttoinlandsprodukts- Wachstumsrate 2,3 %) über die sich weiterhin erholenden Euroland-Ökonomien (1,4 %) bis hin zu Japan (1,4 %), das weiterhin unter der alternden Bevölkerung und unter fehlenden Wirtschaftsreformen leidet.

 

Vom Wirtschaftsprogramm des designierten US-Präsidenten Trump werden aus unserer Sicht wohl am ehesten die konjunktur­stimulierenden Elemente verwirklicht. Die angekündigten handelsbeschränkenden Maßnahmen dürften sich auf Nachverhandlungen von Handels­abkommen beschränken.


Die Emerging Markets sollten den ersten Schock der Trump-Wahl spätestens dann überwinden, wenn der neue US-Präsident im Laufe der ersten Jahreshälfte 2017 von drastischen handelsbeschränkenden Maßnahmen Abstand nehmen wird. Die Finanzmärkte des Euroraums werden die Unsicherheiten rund um die Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und in Deutschland zwar widerspiegeln. Die konjunk­turellen Auswirkungen sind jedoch in der Summe im Jahr 2017 eher positiv, wenn die bestehenden Regierungen vor den Wahlentscheidungen noch Wahlgeschenke verteilen.


Die Deflationsdebatte wird auch 2017 nicht zurückkehren. Die Rückkehr der Inflation wird dagegen sehr unterschiedlich verlaufen. In den USA wird der vorhandene Inflationsdruck durch die wirtschafts­politischen Pläne der neuen Regierung moderat verstärkt. Im aufkommenden Streit der US-Regierung mit der US-Notenbank Fed um die Verringerung der staatlichen Defizite rechnen wir damit, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit zwar erhalten kann, angesichts der Umstände aber trotzdem eher zögerlich auf die anziehenden Inflationserwartungen reagiert. Das bedeutet einen Druck hin zu steigenden Renditen langlaufender US-Staatsanleihen. In Euroland sind die Aussichten für mehr Inflation dagegen noch sehr verhalten. Zwar versteilert sich auch hierzulande die Zinsstrukturkurve, allerdings in wesentlich geringerem Ausmaß als in den USA. Ventil dieses Ungleichgewichts wird ein erstarkender US-Dollar sein. In diesem Szenario versu­chen die Notenbanken durch Zinsen unterhalb der Inflationsrate eine Entschuldung der Volkswirtschaften – der Staaten und der privaten Sektoren – voranzutreiben. Ohne Marktein­griffe oder Regulierungen dürfte es allerdings schwierig sein, die steigenden Kapitalmarkt­renditen auf niedrigem Niveau zu halten.

 

Negativszenario
(Wahrscheinlichkeit: 20 %)

Das Negativ-Risikoszenario umfasst vor allem eine Reihe von negativen Einflüssen auf die weltweite Konjunktur. Hier sind zunächst drastische handelsbeschränkende Maßnahmen der neuen US-Regierung gegenüber Mexiko oder China zu nennen mit darauf folgenden Gegenmaßnahmen der betroffenen Staaten. Ein weltweiter Konjunktureinbruch mit negativen Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität wäre die Folge.

 

Für Euroland sehen wir weitere disruptive Wahlergebnisse als Hauptrisiko für 2017. Aus Italien, den Niederlanden und Frankreichkönnen je nach Ausgang der anstehenden Wahlen Bestrebungen für weitere Abstimmungen über die Zugehörigkeit zur Europäischen Union ausgehen. Angesichts der umstrittenen Rolle Europas und der Verheißung einfacher Lösungen reichten bereits die Ankündigungen weiterer Referenden, um deutliche Kapitalmarktreaktionen hervorzurufen. Ebenfalls in diese Kategorie fallen außenpolitische Schocks wie ein Wiederauf­leben der Ukraine-Krise oder weitere Spannungen zwischen Russland und der NATO. Im Risikoszenario liegt auch eine Notenbankpolitik der Fed, die versucht, durch kräftige Zins­steigerungen „vor die Kurve“ der Inflationsbekämpfung zu kommen. Der negative Konjunktur­einfluss ergäbe sich in den Jahren nach 2017 in Gestalt eines konjunkturellen Einbruchs und finanzieller Instabilitäten durch rückläufige Aktien- und Anleihekurse sowie Rückgänge bei Immobilienpreisen.

Prognose Bruttoinlandsprodukt Welt

Quelle: Deka; Stand: Dezember 2016

Positivszenario
(Wahrscheinlichkeit: 10 %)

Das Positiv-Risikoszenario liegt in einer stärker als im Hauptszenario ansteigenden weltwirt­schaftlichen Dynamik begründet, ohne dass zugleich die Inflationserwartungen dramatisch nach oben gehen. Ursache hiervon wären eine global dynamischere Investitionsaktivität sowie ein höheres Produktivitäts­wachstum. Dies würde den Notenbanken eine sehr behutsame Straffung ihrer Geldpolitik ermöglichen. Die Gesundung der Finanzsysteme schreitet in diesem Szenario zügig mit dem Abbau von Verschuldung voran. Auch die Erhöhung der US-Staatsverschuldung fällt vor dem Hintergrund kleiner Infrastrukturmaßnahmen geringer aus.

Eine deutlich bessere Entwicklung könnte auch daraus resultieren, dass die Emerging Markets wieder auf einen dynamischeren Wachstumspfad einschwenken. Die entsprechende Sogwirkung würde auch die Industrieländer über eine stärkere Exportaktivität beflügeln. Schließlich könnte in der Europäischen Union (EU) der sich nähernde Austritt des Vereinigten Königreichs einen Reformprozess anstoßen, der in höheres Wachstum und solidere Staatsfinanzen mündet. Ein solcher wachstumsfreundlicher wirtschaftspolitischer Schwenk könnte u. a. von einer neuen Regierung in Frankreich angestoßen werden.
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2017
 

Renten
Rentenmärkte haben Zinswende abgehakt

Für den grundsätzlichen Ausblick auf die Rentenmärkte gelten die altbekannten Unsicherheiten: Die umfangreiche Liste der Risiken und Nebenwirkungen der langjährigen expansiven Geldpolitik der Notenbanken bleibt. Die Weltwirtschaft expandiert weiter nur moderat, der Bereinigungs­prozess ist zäh und dauert an. Dabei ist der Schwung der globalen Konjunktur nicht stark genug, um alle Unternehmen mitzureißen und über eine starke Investitionstätigkeit einen nennens­werten Inflationsschub zu generieren. So sind die Renditen für deutsche Staatsanleihen weiterhin ungewöhnlich niedrig. Immerhin jedoch sind die Renditen langlaufender Anleihen gegen Jahresende 2016 im Sog der USRentenmärkte ein wenig angestiegen. Mit steigenden Inflationserwartungen und der Überzeugung, dass die Notenbanken keine weiteren Lockerungs­maßnahmen mehr ergreifen müssen, dürfte sich die moderate Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen.

 

Unternehmensanleihen

Nach einer Phase der Verunsicherung zu Jahresbeginn 2016 haben sich die Zinsaufschläge von Unterneh­mens­anleihen seitdem deutlich eingeengt. Ein Haupt­grund war die Aus­weitung des EZB-Kaufprogramms auf europäische Unter­nehmens­anleihen, aber auch der zunehmende Druck der Anleger, in höher rentier­liche Assetklassen auszuweichen.

 

Damit hat sich insgesamt das Chance-Risiko-Ver­hältnis verschlechtert. Auch ein maßvoller genereller Renditeanstieg ist belastend für die Unternehmens­anleihen. Zudem dürfte der Druck vom Primärmarkt anhalten. Die Emissionsdynamik bleibt hoch. Der Verschuldungsgrad der Unternehmen ist trotz des verbesserten konjunkturellen Umfelds nicht zurückgegangen. Dies macht den Anleihemarkt mittelfristig anfällig. Immerhin haben viele Unter­nehmen die aktuellen günstigen Refinan­zierungs­konditionen genutzt. Die entsprechenden Kennzahlen werden sich im Zeitablauf wieder verschlechtern, was die Bedeutung der Einzeltitelselektion erhöht.

 

 

Hochzinsanleihen

Die Ausfallraten von Unternehmensanleihen im europäischen wie im amerikanischen Hochzins­segment befinden sich auf historisch niedrigen Niveaus. Im Zuge sich stabilisierender Energie- und Rohstoffpreise sollte der negative Einfluss dieses Bereichs in der Tendenz zukünftig wieder abflachen. Ansteckungseffekte auf weitere Sektoren bzw. die Gesamt­wirtschaft sind nicht zu beobachten. Da sich die globale Konjunktur weiterhin auf einem moderaten Wachstumspfad befindet, erwarten wir ohne einen externen Schock kein deutliches Anziehen der Ausfallraten bei Unternehmensanleihen im Hochzinsbereich.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2017
 

Aktien
Mehr Licht als Schatten an den globalen Aktienmärkten

Die verbesserte Einschätzung der Weltwirtschaft dürfte sich auf Unternehmensebene in steigenden Gewinnen niederschlagen. Dies wird zwar keine Euphorie auslösen, denn die Anstiege sind nicht massiv. Aber nach der Gewinnstagnation auf Unternehmensebene 2016 sowohl in den USA als auch in Europa ist die Perspektive auf verbesserte Unternehmensgewinne 2017 glaubhaft. Sie dürfte somit auch stärker in der Preisfindung am Markt reflektiert werden. Dies ist für den Aktienmarkt eine wichtige fundamentale Unterstützung und lässt darüber hinaus Fantasie für mögliche Bewertungsausweitungen in Vorwegnahme eines verbesserten Gewinnausblicks zu. Dabei bewegen sich die Bewertungen an den meisten Aktien­märkten seit geraumer Zeit stabil auf unauffälligen Niveaus nahe ihren langjährigen Durchschnittswerten. Demzufolge ist – abgesehen von den USA – keine Gefahr von Kursrückschlägen aufgrund von Bewertungsübertreibungen zu befürchten.


Die Risiken für die Aktienmärkte drohen in den kommenden Monaten von anderer Seite und zwar hauptsächlich von Faktoren, die nur indirekt mit Aktien etwas zu tun haben. Zum einen sind dies, wie so oft in den vergangenen Jahren, politische Unwägbarkeiten. Zum anderen ist es die veränderte Situation an den Anleihemärkten und damit auch eine mögliche Neuein­schätzung der Geldpolitik der Noten­banken. Dies wird auch am Aktienmarkt zu einer besonderen Sensibilität gegenüber Anzeichen steigender Renditen führen.

Aktienmarktprognose in Basispunkten

Quelle: Bloomberg, Deka; Stand: Dezember 2016
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2017
 

Immobilien
Europäische Immobilienmärkte in Zeiten politischer Unsicherheit

Die Euroland-Wirtschaft ist – ohne das Eintreten politischer Risiken im Wahljahr 2017 – weiterhin in moderatem Wachstumstempo. 2017 wird mit einem prognostizierten BIP-Anstieg um 1,4 Prozent und 1,6 Prozent für 2018 gerechnet. In etwa zwei Jahren sollte Vollauslastung erreicht sein. Daher ist die Inflationsentwicklung hierzulande wesentlich gedämpfter als in den USA. Der größte Risikofaktor für die europäische Konjunktur liegt in einem beschleunigten Vertrauens­verlust in die Institutionen der Europäischen Union, insbesondere, wenn dieser auf die Europäische Währungsunion überspringen sollte. Deutschland bleibt wirtschaftlich in der Spur. Eine geringere Bedeutung des Außenhandels in den kommenden Jahren wird durch eine kräftige Binnennachfrage kompensiert.


Der Ausblick für die europäischen Immobilienmärkte bleibt trotz Brexit und politischer Unsicherheit verhalten positiv. Die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die britische Konjunktur sind bislang moderat, da irrationale Übertreibungen ausgeblieben sind. Mittelfristig dürfte die Abwertung des britischen Pfunds einen Inflations­anstieg zur Folge haben, der die Mietrück­gänge im Zusammenspiel mit der dann wieder zurückgefahrenen Bautätigkeit begrenzen sollte. Überdurchschnittliche Mietanstiege auf Sicht von fünf Jahren erwarten wir für Madrid, Paris, Amsterdam und die deutschen Standorte. Renditeanstiegen in UK dürften im Rest Europas anhaltende Rückgänge gegenüberstehen. Auch wenn die Renditen auf extrem niedrigen Niveaus angelangt sind, bleibt der Abstand zu den Renditen langlaufender Staatsanleihen weiterhin sehr attraktiv.


Als Spitzenreiter bei den Gesamterträgen 2017/18 sehen wir Frankfurt und Madrid. Während die spanischen Märkte nach dem tiefen Fall der Vorjahre auch bei den Mieten noch erhebliches Wachstumspotenzial bieten, könnte Frankfurt in der Gunst der Investoren weiter steigen. Die Bankenmetropole gilt als einer der Favoriten bei einer möglichen Verlagerung von Bankarbeits­plätzen aus London.

Prognose Mietwachstum Büro 2017– 2021

Quelle: Deka; Stand: Dezember 2016
Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2017

Katers Welt
Wendejahr an den Finanzmärkten

Die Finanzmärkte vollzogen im Jahr 2016 eine Wende. Eine leise zwar, aber eine Wende. Sie beinhaltet zwei Themen für 2017, und die Frage lautet, wie sich die Umschwünge weiter fortsetzen werden.


VON DR. ULRICH KATER, Chefvolkswirt der DekaBank

                                                    

 

Die erste Wende betrifft die Zinslandschaft: Die drei wichtigsten Botschaften aus 2016 lauteten erstens, dass die Weltwirtschaft trotz aller politischen Belastungen gehalten hat. Das hat zweitens zu einer Bodenbildung an den Rohstoffmärkten geführt und damit die Deflationssorgen vertrieben. Und drittens haben uns die Notenbanken mitgeteilt, dass sie keine weiteren Maßnahmen mehr planen, dass sie ihr Pulver verschossen haben. Das hat die Zinsen an den Kapitalmärkten leicht ansteigen lassen.

 

Die zweite Wende findet in der Politik statt. 2016 hat mit dem Brexit und der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten eindrücklich gezeigt, dass sich die Wähler in den westlichen Industriestaaten umorientieren. Weg von der uneingeschränkten Liberalität der vergangenen Jahrzehnte, hin zu traditionelleren Werten. Wirtschaftlich bedeutet dies eine Abkehr von der hohen Bereitschaft zur wirtschaftlichen Verflechtung, die die vergangenen Jahrzehnte beherrscht hat.

 

Die besonnene Reaktion der Finanzmärkte lag daran, dass der angekündigte Wandel nicht konkret genug ist. Ausserdem beeinflussen Zentralbanken nach wie vor die Märkte in extremer Weise, so dass sich etwa politische Risiken im Euroraum nicht in vollem Umfang in den Anleihekursen widerspiegeln.

 

Wir interpretieren den Zinsanstieg an den Rentenmärkten nach der Wahl Donald Trumps weniger als Reaktion auf seine Wirtschaftspläne, sondern vielmehr als den Auslöser, der den Finanzmärkten die makroökonomische Lage der US-Wirtschaft vor Augen geführt hat.

 

 

Trump ist weniger die Ursache für den Zinsanstieg als eher ihr Steigbügelhalter. Insbesondere der Anstieg der Inflationserwartungen fällt in die Kategorie „Normalisierung“. Ausgeprägte Inflationssorgen werden an den Kapitalmärkten nicht gehandelt. Daher ist das für 2017 verbliebene Zinssteigerungspotenzial noch gering.

 

Die viel beschworene Zinswende ist das beherrschende geldpolitische Thema zur Jahreswende 2016/17. Es ist aus unserer Sicht richtig, dass die USA und Euroland die niedrigsten Zinsen in dieser Periode der ultra­expansiven Geldpolitik hinter sich haben. Von einer echten Zinswende kann jedoch nur für die USA gesprochen werden. In Deutschland kommt von der Zinswende auch in den kommenden beiden Jahren beim Sparbuch nichts an. Für uns sind daher die hervorstechendste Entwicklung der Geldpolitik ihre zunehmende globale Divergenz und die Unsicherheit, die sich mit ihr verbindet. Die Renditeanstiege mögen insgesamt moderat ausfallen. Die Schwankungen um den moderaten Anstiegspfad werden erheblich sein.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2017