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Taktische Allokation zahlt sich aus
Volatilitätsspitzen nutzen

In vielen Kundengesprächen der vergangenen Monate war die gefühlt höhere Volatilität an den Aktienmärkten ein Thema. Für Marco Peters, Leiter Kompetenzteam Strukturierte Produkte, Grund genug zu prüfen, ob die Märkte tatsächlich so viel schwankungsintensiver geworden sind.

Von Marco Peters

 

 

Ein erster Blick auf den Verlauf des VDAXIndex zeigt, dass wir uns aktuell im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 15 Jahre auf keinem höheren Volatilitätsniveau befinden. Der VDAX-Index ist ein von der Deutschen Börse AG berechneter und veröffentlichter Volatilitätsindex. Er misst die implizite Volatilität für den deutschen Aktien-Leitindex DAX – also dessen erwartete Schwankungsbreite – für den Zeitraum der nächsten 45 Tage und wird in annualisierter Form notiert.

 

Untersucht man die Anzahl der Tage, an denen der DAX-Index eine Abwärtsbewegung von mehr als zwei Prozent auf Tagesbasis vollzogen hat, so kann man selbst während der letzten drei Jahre keine überdurchschnittlich hohe Anzahl an solchen Verlusttagen erkennen (siehe Tabelle). Auch dauerte die Erholung nach einem solchen Kursverfall während der vergangenen drei Jahre nicht außergewöhnlich lange. Die Zahlen können das Gefühl von schwierigeren oder unsichereren Aktienmärkten also nicht bestätigen.

 

Was hat es dann damit auf sich, wenn immer häufiger die zunehmende Bedeutung der taktischen Anlage betont wird? Was kann es konkret heißen, die strategische Ausrichtung sollte immer durch geschickte taktische Investments unterstützt werden?

Interessant ist es in diesem Zusammenhang, einen Blick auf den VDAX-Chart der letzten 24 Monate zu werfen. Die gelben Kreise markieren die Volatilitätsspitzen, welche während dieses Zeitraums zu beobachten waren. Erkennbar ist dabei, dass sich im Durchschnitt alle acht Wochen eine Volatilitätsspitze ausgebildet hat. Weiterhin fällt auf, dass diese jeweils nur von kurzer Dauer gewesen ist. Volatilitätsspitzen bilden sich üblicherweise bei fallenden, unsicheren Märkten. Doch wie lassen sich diese bisherigen Erkenntnisse in der taktischen Allokation nutzen, ohne die strategische Allokation außer Acht zu lassen?

 

Wertentwicklung VDAX im letzen Jahr

Quelle: DekaBank

Nehmen wir an, die strategische Asset Allocation gebe den regelmäßigen Kauf von Aktienanleihen vor. Taktisch ist es nun mit Blick auf die Rendite ein erheblicher Unterschied, den Kauf zum Zeitpunkt einer Volatilitätsspitze durchzuführen oder einige Tage zu warten, bis sich der Markt wieder beruhigt hat. Beispielhaft betrachten wir den Juli 2015. Bei einer Aktienanleihe auf den DAX-Index mit einer Laufzeit von einem Jahr und einem Basispreis bei 80 Prozent hätte der Kupon Anfang Juli zur Zeit der Volatilitätsspitze 3,3 Prozent p. a. betragen. Bereits einige Tage später, als die Volatilität zum Monatsende wieder stark nachgelassen hatte, hätte der Kupon lediglich noch 2,3 Prozent jährlich betragen. Bei einer Anlage von einer Million Euro hätte dies bereits einen um 10.000 Euro geringeren Ertrag bedeutet. Da unsere Annahme eine regelmäßige Anlage von Aktienanleihen vorgesehen hat, kann sich das Auslassen von Volatilitätsspitzen im Sinne von entgangenen Erträgen durch niedrigere Kupons summieren. Die Sorge vor weiter fallenden Märkten, die ja meist vorherrscht, wenn der Markt Volatilitätsspitzen ausbildet, ist verständlich. Jedoch sollten sowohl der Chart des VDAX als auch die Resultate, die wir der unten stehenden Tabelle entnehmen können, dazu ermutigen, ruhig einmal zu investieren, wenn uns der Markt Chancen in Form hoher Kupons bietet. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass eine Markterholung und die damit verbundene tiefere Volatilität meist nicht lange auf sich warten lassen. Geschickte taktische Investments stärken also den Erfolg einer bereits bestehenden strategischen Ausrichtung.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 1, Januar 2016