1. Start
  2. Markt & Impuls
  3. Kompetenz
  4. Strategische Asset Allocation - Die richtige Balance aus Strategie und Taktik

Strategische Asset Allocation
Die richtige Balance aus Strategie und Taktik

Eine Kapitalanlage sinnvoll und nachhaltig auszurichten, ist für langfristig agierende Investoren oberste Prämisse. Um dafür die optimale strategische Asset Allocation zu finden, nutzen sie häufig mathematische Methoden. Bei der taktischen Umsetzung spielt dagegen die Höhe von Risikobudgets eine zentrale Rolle. Taktische Entscheidungen können aber erhebliche Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung haben. Deshalb ist es unverzichtbar, Strategie und Taktik aufeinander abzustimmen.

Einer strategischen Asset Allocation im Sinne des Asset-Liability-Managements liegen diverse Verpflichtungen, Cashflow-­Profile, Renditeanforderungen und gegebenenfalls regulatorische Einschränkungen zugrunde. Für die Allokation in die einzelnen strategischen Anlageklassen wie Aktien und Immobilien bzw. für das Engagement in Risikoarten wie Zinsrisiko und Adressrisiko gibt es unterschiedliche Konzepte. Doch unabhängig davon, ob dies in Form von Rendite-Risikoannahmen, Risikoarten oder relativen Vergleichen zueinander geschieht – es geht immer um ein theoretisches, auf mehrere Jahre angelegtes Konstrukt.

 

Haben Investoren ihre strategische Portfolioausrichtung ermittelt, folgt unmittelbar die Frage der technischen und inhaltlichen Umsetzung. „Dabei spielen ganz unterschiedliche Aspekte eine Rolle“, erklärt Anke Clages, Senior Strategieanalystin bei Deka Institutionell. „Wann und in welchen Bereichen will man investiert sein? Und ist dies mit der derzeitigen Risikotragfähigkeit überhaupt vereinbar?“ Diese Entscheidungen seien nicht immer einfach, was Clages an einem Beispiel verdeutlicht: Verglichen werden lang- und kurzfristige Renditeerwartungen für Bundesanleihen. Der strategischen Asset Allocation liegt eine langfristige Renditeerwartung für diese Anlage­­klasse zugrunde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich diese Erwartung in jedem einzelnen Jahr des Planungszeitraumes erfüllt.

 

Der Vergleich liefert einen ersten Anhaltspunkt dafür, welche Investitionen zuerst getätigt werden könnten. So wäre – unter Renditeaspekten – ein neues Engagement in Bundesanleihen derzeit nicht sinnvoll, wohl aber der Aufbau einer Position in Emerging-Markets-Bonds, sofern dies im Rahmen der strategischen Allokation vorgesehen ist. Im nächsten Schritt folgt die Beurteilung aus der taktischen Perspektive. Welche Investition ist für den gewählten Betrachtungszeitraum – beispielsweise das Bilanzjahr – sinnvoll? „Zu beobachten ist hier häufig, dass die Risikoneigung eines bilanzierenden Investors zum Jahresende deutlich abnimmt“, so Clages’ Erfahrung. Dies kann und sollte in der taktischen Ausrichtung entsprechend berücksichtigt werden. Im dargestellten Beispiel könnte das bedeuten, dass zum Jahresende keine Neuanlagen in den risikoreicheren Emerging-Markets-Bonds mehr erfolgen sollten.


Beispiel für lang- und mittelfristige Prognosen der DekaBank

Quellen: volkswirtschaftliche Prognosen der DekaBank, entwickelt für institutionelle Investorenportfolios, Stand: Oktober 2013. Die hier angegebenen Renditeerwartungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen.

 

Risikobudget entscheidet über Taktik

Für die Ausgestaltung der taktischen Allokation spielt das Risikobudget eine entscheidende Rolle. „Es wäre wünschenswert, zu einer bestehenden Allokation das notwendige Risikobudget möglichst großzügig bestimmen zu können. Das eröffnet dem Investor Handlungsspielraum und damit Rendite­chancen“, empfiehlt Clages. In der Praxis werden jedoch häufig, ohne direkte Rückkoppelung auf die Strategie, maximale Verluste vorgegeben. „Dadurch sind hier bereits Risikoannahmen der strategischen Allokation betroffen“, verdeutlicht Clages. Dies gilt auch, wenn in der Berechnung nicht von einem gleich hohen Budget ausgegangen wurde oder wenn der Budgetwert durch die strategische Ausrichtung insgesamt ermittelt und der Wert in der taktischen Umsetzung in additive Einzelbudgets überführt wurde.

 

 

Was das in der Praxis bedeuten kann, zeigt eine Grafik zur unterjährigen Risikobudgetierung.

 

Beispiel für unterjährige Risikobudgetierung*

Quelle: DekaBank *Vereinfachte Darstellung auf Basis der Normalverteilungsannahme, 3 % Erwartungswert p. a., 3 % Volatilität p. a.


Im gewählten Beispiel hat der Fonds einen Erwartungswert von 3 Prozent Performance pro Jahr sowie eine Ausschüttung, die sich der Investor am Jahresende erhofft. Je nach Marktentwicklung wird die Fondsperformance im Jahresverlauf mehr oder weniger stark schwanken. Wenn nun das Risikobudget nicht hoch genug angesetzt ist, um einen zwischenzeitlichen Wertrückgang von hier 1 Prozent zu verkraften, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Investor unterjährig verkaufen oder absichern muss. „Das kann der Effizienz der Allokation durchaus schaden“, erläutert Clages. Denn langfristig könne so weder der Erwartungswert verdient werden noch wäre der Investor nach den Anforderungen der strategischen Allokation positioniert.

Zu viel Absicherung kostet Rendite

Clages rät, für dieses Beispiel von vornherein schon ein Budget von 4 Prozent oder mehr einzuplanen, damit ein passender Managementansatz auch langfristig umgesetzt werden kann. Ist das Risikobudget wie im genannten Beispiel aber niedriger, ist eine dynamische, derivative Absicherung eine weitere Option. Zu bedenken ist dabei immer, dass mehr Absicherung auch mehr Kosten verursacht und damit das Renditepotenzial verringert.

Wenn ein Investor bereits im Jahresverlauf das von ihm angestrebte Ausschüttungsergebnis erreicht, kann er entscheiden, bis zum Jahresende risikoärmer zu investieren. „Aber auch das hat Auswirkungen“, sagt Clages. Denn dadurch werde der Erwartungswert verringert. Sinnvoll ist es deshalb, ein solches Vorgehen schon in der strategischen Ausrichtung zu berücksichtigen. Dadurch können Ertragserwartungen realistischer eingeschätzt werden. Zugleich wird langfristig die Güte der Aktivseite des Asset-Liability-­Managements erhöht.

Ganz gleich, für welchen Weg sich ein Investor bei der taktischen Umsetzung seiner strategischen Asset Allocation entscheidet – er wird immer neue Facetten erkennen, die für seine individuelle Strategie kennzeichnend sind. Deshalb gilt es, diese Erfahrungswerte einfließen zu lassen, wenn die nächste strategische Ausrichtungsoptimierung ansteht.

Markt & Impuls - Für institutionelle Investoren - Ausgabe 1, Januar 2014